Umfrage unter Jura-Absolventen: Schlechte Noten für Unis und Ausbildung

von Christian Grohganz

02.06.2014

Jurastudenten haben über ihr Studium meist viel zu sagen, aber keine Plattform, auf der sie gehört werden. Dies wollte der Bundesverband rechtswissenschaftlicher Fachschaften ändern und führte die erste, bundesweite Absolventenbefragung durch. Deren Ergebnisse sind teilweise überraschend – und für die Unis alles andere als schmeichelhaft.

 

In den Mensen und Cafeterien deutscher Jura-Fakultäten tauschen Studenten sich ständig über die ärgerlichen und – seltener – erfreulichen Seiten ihres Studiums aus; weitergehende Beachtung findet ihr Feedback aber meistens nicht. Für den Bundesverband rechtswissenschaftlicher Fachschaften e.V. (BRF), einen Dachverband rechtswissenschaftlicher Fachschaften an Universitäten und Fachhochschulen in Deutschland, wurde es daher Zeit, ein Meinungsbild der Studentenschaft zu erstellen. "Die Idee kam bei einem gemeinsamen Mittagessen", sagt Ralf Borchers, der den Arbeitskreis zur Absolventenbefragung geleitet hat. "Das hat mich so begeistert, dass ich genau wusste, dass es in die Tat umgesetzt werden muss. Denn wer sollte das Jurastudium besser beurteilen können als diejenigen, die es zu Ende gebracht haben?"

Für den BRF war es das erste große Projekt, an dem knapp 1.000 (ehemalige) Studenten in sechs Monaten teilnahmen. "Zwar wussten wir, dass es einige landesspezifische Absolventenbefragungen gibt", sagt Borchers, der sich selbst momentan in der Examensvorbereitung befindet. "Und es gab Befragungen, die sich nicht explizit nur auf Jurastudenten konzentrieren. Aber eine bundesweite Befragung dieser Art war uns nicht bekannt."

Das hat laut Borchers auch damit zu tun, dass die juristische Ausbildung in vielen Punkten Ländersache ist und jedes Landesjustizprüfungsamt mit eigenen Problemen zu kämpfen hat. In der BRF-Umfrage sollte hingegen jeder Examenskandidat und jeder erfolgreiche Absolvent die Möglichkeit erhalten, sich zu bestimmten Aspekten seines Jurastudiums wie Studienaufbau und Planung, Examensvorbereitung oder Qualität der Betreuung zu äußern. Aber auch Studenten, die das 1. Staatsexamen nicht erfolgreich absolviert hatten, sollten eine Stimme erhalten. Die Absolventen kamen dabei aus allen Bundesländern und hatten ihre Examina fast alle zwischen 2012 und 2014 geschrieben.

Unis bereiten Studenten schlecht auf das Examen vor

Das Zeugnis, welches die Studenten ihrer eigenen Ausbildung dabei ausgestellt haben, ist bestenfalls durchwachsen. Auf die Frage, ob die Universität sie hinreichend auf das Examen vorbereitet hätte, vergaben die Befragten etwa eine Durchschnittspunktzahl von 4,39 – wobei eine Eins der schlechteste, eine Zehn der beste mögliche Wert war. Insgesamt fanden 58,84 Prozent, dass sie während des Studiums nicht die Kompetenzen erlernten, die nach den Ausbildungsgesetzen der Länder gelehrt werden sollten.

Als mögliche Verbesserung wünschten sich rund 230 Teilnehmer, dass das Studium stärker an den Anforderungen des Examens ausgerichtet sein müsse. Dazu müssten die Grundlagen und die juristische Methodik besser vermittelt werden. Rund 59 Prozent gaben an, dass an ihrer Universität nicht genügend Kurse angeboten würden, um das juristische Handwerk zu lernen.

Zudem äußerten sich knapp 20 Prozent der Teilnehmer kritisch über den Studienaufbau insgesamt. Viele halten das Staatsexamen für veraltet und fordern zum Beispiel einen integrierten Abschluss, der diejenigen retten könnte, die im derzeitigen System durchfallen. Zudem sollten die während des Studiums erbrachten Leistungen angerechnet werden.

"Bisher wurden die Studierenden nie in die Entscheidungsprozesse rund um die juristische Ausbildung mit einbezogen", sagt Ralf Borchers, der in Münster studiert. "Auch wenn viele Dinge auf Länderebene geregelt werden - man darf nicht vergessen, dass unser Studiengang nach wie vor ein Staatsexamensstudiengang ist. Dadurch muss auch eine bundesweite Vergleichbarkeit hergestellt werden."

Schwerpunktbereiche: Interessante Ablenkungen

Wenig begeistert zeigten sich die Teilnehmenden auch von Randaspekten der Ausbildung wie den Grundlagenfächern, Auslandsaufenthalten und der Fremdsprachenausbildung. Diese Bereiche werden als unterdurchschnittlich wichtig empfunden. So studierten etwa nur 12,61 Prozent der Befragten an einer Uni im Ausland.

Überwiegend zufrieden waren die Teilnehmer hingegen mit ihren Schwerpunktbereichen – am häufigsten wurden hier 'Wirtschafts- und Unternehmensrecht' oder 'Kriminalwissenschaften/Kriminologie' gewählt. Die Möglichkeit, durch die Spezialisierung eigene Interessen zu vertiefen, wurde positiv bewertet. Allerdings seien die Noten in den Schwerpunktbereichen nicht vergleichbar, da es je nach Universität verschiedene Prüfungsarten und Bewertungsmaßstäbe gebe. Außerdem stelle der Schwerpunkt eine zusätzliche zeitliche Belastung dar, die vom eigentlichen Ziel, dem staatlichen Teil des Examens, nur ablenke. Einige bemängelten zudem, dass die Regelstudienzeit nach der Schwerpunktreform 2003 an ihrer Universität nicht angepasst worden sei, was einen großen Nachteil für BAföG- Empfänger darstelle.

"Es gibt offensichtlich Missstände in unserer Ausbildung, die behoben werden müssen", kommentiert Ralf Borchers die Ergebnisse. "Das war vielen auch schon vor dieser Befragung klar, aber jetzt haben wir es schwarz auf weiß." Die Unis müssten sich fragen, warum sie beim Thema Examensvorbereitung so schlecht abschneiden. Und der Gesetzgeber sollte prüfen, ob die juristische Ausbildung noch zeitgemäß sei. Aber auch die Studierenden nimmt Borchers in die Pflicht. Sie sollten sich überlegen, ob sie sich manchmal einfach zu sehr auf die Uni und andere Institutionen verließen. "Gerade als angehender Jurist sollte man letztlich alles kritisch beleuchten und eigenverantwortlich handeln."

Damit die Absolventenbefragung nicht die einzige ihrer Art bleibt, arbeitet der BRF bereits an einer zweiten, verfeinerten Umfrage. "Die nächste Herausforderung besteht nun darin, die Ergebnisse zu verarbeiten und neue Diskussionen anzuregen", sagt Borchers. "Jura-Studenten brauchen ein gemeinsames Sprachrohr, um auf Missstände und auch positive Erfahrungen aufmerksam machen zu können. Denn 1.000 Meinungen können sicherlich mehr bewegen als eine Einzelne."

Zitiervorschlag

Christian Grohganz, Umfrage unter Jura-Absolventen: Schlechte Noten für Unis und Ausbildung. In: Legal Tribune Online, 02.06.2014, https://www.lto.de/persistent/a_id/12139/ (abgerufen am: 21.09.2017)

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 02.06.2014 13:13, Daniel

    Es wäre doch auch interessant gewesen, wie die unterschiedlichen Fakultäten im einzelnen bewertet wurden ?

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  • 02.06.2014 14:16, Mike M.

    Solche Umfragen wären durchaus interessant. Allerdings liegen die Rücklaufquoten oft unter 1%. Wenn dann 15 von 2.000 Studierenden einer Fakultät einen Fragebogen ausfüllen, ist das Ergebnis kaum aussagekräftig (auch wenn bundesweit 1.000 Meinungen zusammenkommen).

    Sinnvoll ist es aber schon einmal die Absolventen zu befragen. Meist sind es nämlich die "Freaks" die solche Fragebögen ausfüllen. Dann werden Bedürfnisse formuliert, die nichts mit den Bedürfnissen der Studis zu tun haben, die zügig einen Abschluss machen wollen.

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  • 02.06.2014 16:31, Claudia

    Mindestens genauso viele Missstände gibt es auch in der Referendarsausbildung. Gerade in den Bundesländern, die pleite sind, z.B. Niedersachsen, leidet die Ausbildund sehr. Im ersten Staatsexamen hat man wenigstens noch die Zeit, um sich vernünftig darauf vorzubereiten, das ist im 2. schon nicht mehr gegeben. Wer nicht taucht, was es ja offiziell gar nicht gibt, hat die A-Karte gezogen.

    Darüber hinaus werden die Referendare hauptsächlich von Pfeifen unterrichtet, die die AG lediglich leiten, um die Karrierreleiter hochzuklettern. Die meisten haben wenig Interesse daran und sind didaktisch nicht tauglich.

    Die Klausuren werden nebenbei korrigiert, wobei Schlagwörter ja das A und O sind. Aber mal ganz im Ernst, welcher Volljurist opfert schon 2-3 Stunden seiner Lebenszeit für eine Klausur, wenn er die nur mit ca. 12 € bezahlt bekommt, das ist doch im Vergleich zu den regulären Stundensätzen ein absoluter Witz.

    Das LJPA schlägt bei den Durchfallqutoten und dem mangelnden Wissen der Referendare die Hände überm Kopf zusammen und zeigt sich machtlos, da die AGs ja eigenverantwortlich von den OLGs organisiert werden. Tja dann müssen halt die Durchfaller in die Looser-AG, damit man Ihnen da dann wenisgtens das beibringt, was in den vorigen 18Monaten versäumt wurde...

    Vielleicht sind Evaluationsbögen tatsächlich ein Schritt in die richtige Rechnung! Alles fängt ja bekanntlich ganz klein an!

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  • 02.06.2014 23:37, U. Absolvent

    Niemand merkt erst imExamen, daß er die Anforderungen nicht erfüllt, das ergibt sich doch schon bei den Klausurenkursen, die natürlich unter Echtbedingungen absolviert werden sollte, wenn dort die Punkte immer an der unteren Grenze bleiben. Natürlich kann man sich selbst belügen oder sich seien Leistungen schönreden, aber wer ein Wackelkandidat ist, weiß das.
    Es gibt im übrigen kaum eine juristische Tätigkeit, die nicht unter Zeitdruck ausgeübt wird, in der nicht bei der ersten Beratung/Erörterung schon ein bunter Katalog an juristischen Fragestellungen zumindest in die richtige Richtung beantwortet werden muß und das ganze noch so formuliert, das es verständlich wird, vor allem für das nichtjuristische Gegenüber (seien es Mandanten, Parteien, Arbeitsgruppen, Vorstände etc.).
    Die Examina bilden ziemlich genau diese Anforderungen ab. Wer dem Druck dort nicht gewachsen ist, wird später, wenn "echte" Entscheidungen zu treffen sind und noch die unternehmerischen Folgen oder die Folgen für den anderen lebenden Menschen hinzutreten, mit den klassischen juristischen Tätigkeiten, für die ein Staatsexamen (oder zwei) im Moment eben noch Voraussetzung ist, nicht glücklich. Zum Sammeln von creditpoints gibt es die Bachelor Studiengänge, dort mag dann der Unternehmensjurist fertig werden, wer aber direkt Verantwortung für andere übernehmen möchte, kommt um erhöhten Druck nicht herum. Er ist schlicht Alltag, und letztlich eigentlich viel größer als die Ausbildung vermitteln kann.

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 03.06.2014 06:30, U. Absolvent

    Niemand merkt erst imExamen, daß er die Anforderungen nicht erfüllt, das ergibt sich doch schon bei den Klausurenkursen, die natürlich unter Echtbedingungen absolviert werden sollte, wenn dort die Punkte immer an der unteren Grenze bleiben. Natürlich kann man sich selbst belügen oder sich seien Leistungen schönreden, aber wer ein Wackelkandidat ist, weiß das.
    Es gibt im übrigen kaum eine juristische Tätigkeit, die nicht unter Zeitdruck ausgeübt wird, in der nicht bei der ersten Beratung/Erörterung schon ein bunter Katalog an juristischen Fragestellungen zumindest in die richtige Richtung beantwortet werden muß und das ganze noch so formuliert, das es verständlich wird, vor allem für das nichtjuristische Gegenüber (seien es Mandanten, Parteien, Arbeitsgruppen, Vorstände etc.).
    Die Examina bilden ziemlich genau diese Anforderungen ab. Wer dem Druck dort nicht gewachsen ist, wird später, wenn "echte" Entscheidungen zu treffen sind und noch die unternehmerischen Folgen oder die Folgen für den anderen lebenden Menschen hinzutreten, mit den klassischen juristischen Tätigkeiten, für die ein Staatsexamen (oder zwei) im Moment eben noch Voraussetzung ist, nicht glücklich. Zum Sammeln von creditpoints gibt es die Bachelor Studiengänge, dort mag dann der Unternehmensjurist fertig werden, wer aber direkt Verantwortung für andere übernehmen möchte, kommt um erhöhten Druck nicht herum. Er ist schlicht Alltag, und letztlich eigentlich viel größer als die Ausbildung vermitteln kann.

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    • 03.06.2014 09:04, Claudia

      Wenn die Klausurenkurse wenigstens mit dem Examensmaßstab korrigiert werden würden, dann hätten alle auch ein genaues Feedback und wüssten wo sie stehen.

      Das ist aber Wunschdenken und entspricht nicht den Tatsachen. Ich selbst habe die Erfahrung gemacht, dass man im Schnitt ca. 3-5 Punkte pro Klausur abziehen kann, da die Bewertung im Examen viel härter ist, da andere Schwerpunkte gesetzt werden, usw.

      Selbst gute Leute die im Schnitt zweistellig im Klausurenkurs geschrieben haben (ohne sich selbst zu betrügen), gehen mit einem 5 Punkte Examen im schriftlichen nach Hause. Die miserablen schriftlichen Ergebnisse werden dann über die mündliche Prüfung wieder ausgeglichen.

      Das kann nicht richtig sein! Es gibt insgesamt 18 Punkte, es kann nicht sein, dass der Schnitt zwischen 4 und 6 Punkten liegt. Das ist sinnfrei. Abgesehen davon muss ein Rechtsanwalt, Richter o.ä. seine Urteile, Schriftsätze usw. nicht in 5 Stunden per Hand ohne google, beck-online und juris anfertigen. In den Examensklausuren wird erwartet, dass ein SV gelöst wird, für den der BGH oder das BVerwG mit ner kompletten Kammer über Wochen gebrütet hat... So viel zum Thema Praxis!

  • 03.06.2014 08:32, Praktiker

    Das ist doch absoluter Unsinn. Kein Gericht wird aus dem Bauch heraus eine Entscheidung treffen, sondern längere Zeit unter Abwägung aller Punkte zu einem Ergebnis kommen und seriöse anwaltliche Beratung wird ebenfalls keine Schnellschüsse abgeben. Die sind nämlich meistens oberflächlich und falsch.

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    • 06.06.2014 15:39, Mike M.

      Ein Gericht kann sich nicht 5 Stunden Zeit nehmen für die rechtliche Lösung eines bereits ausermittelten Falls. 700 Verfahren im Jahr sind die Realität des Amtsrichters. Auch der Anwalt muss dem Mandanten sofort etwas sagen können - in der Hauptverhandlung schnell reagieren etc. "U. Absolvent" schildert die Lebenswirklichkeit schon sehr realistisch. Man gewöhnt sich nur an den Druck, so dass man ihn nicht mehr so schlimm findet.

    • 12.06.2014 07:58, RA

      Deswegen sind die meisten amtsgerichtlichen Urteil auch so falsch.

      MERKE: Schnellschüsse haben sich noch nie gelohnt !

    • 25.06.2014 15:03, biber

      Es gibt Dozenten die wollen leider nur ihre Meinung lesen. Randgebiete finde ich wichtig, nur leider bleibt dafuer keine Zeit. Letztendlich zaehlt nicht nur das Bestehen des Examens, sondern auch mit welcher Punktzahl. Wenn man zwischendurch noch einen LLB bekommen koennte, wuerden viele entspannter an das Examen gehen und deutlich besser abschneiden. Ansonsten kann man die erbrachten Scheine nach 4 Jahren Studium getrost wegwerfen. Schlimm ist auch das man voellig allein damit gelassen wird. Sollten Studienbueros nicht Alternativen aufweisen koennen, was man tun kann wenn man den Eindruck hat es wird nichts mit dem Examen?

  • 05.06.2014 20:18, Puppenkopf

    Meine subjektive Erfahrung, die sich in allen Gesprächen die zumindest ich mit anderen Juristen geführt habe, lautet: im Grunde ist ein Jurastudium üblicherweise ein Fernstudium. Man merkt auch recht schnell, dass Präsenzveranstaltungen mehr Zeitfresser als Hilfe sind und relativ unstrukturiert ablaufen. Nicht nur, dass sie selten auf die von der jeweiligen Fakultät gestellten Uniklausuren vorbereiten - der Bezug zu Examen und dem späteren Ref/Berufsleben fehlt quasi total. Auch macht die Uni das einzige, was man im Selbststudium wirklich eher schwer hinbekommt, gerade nicht. Nämlich die Leute an der Hand zu nehmen, Ihnen Ratschläge und Hinweise zu geben, sie von den Grundlagen angefangen an die gesamte Methodik, die spezifische Sprache, den Gutachtenstil etc. heranzuführen. Unterstützend könnten dabei die sog. "Grundlagenfächer", die leider ein Schattendasein führen, enorm helfen. Und frühestens im 2. Semester wird dann mit dem ganz konkreten Stoff begonnen, den man dann auch entsprechend händeln kann. Letztlich ist Jura ja weniger ein Studium von "Fakten"/"Inhalten", sondern zielt auf Erwerb und Schulung von "Selbstkompetenzen" ab. Diese "Selbstkompetenzen" sollen es dann ja später auch ermöglichen, mit jeder großen Rechtsreform, die der Gesetzgeber regelmäßig durchführt, gut zurecht zu komme. Weil man eben nicht bloßer "angelernter Rechtsanwender" ist, sondern Rechtswissenschaftler. Das sollte doch eigentlich das Idealbild des gleichnamigen Studiums der Rechtswissenschaften sein. Das würde auch ganz andere Leidenschaften bei den Studenten wecken. Es ist eine faszinierende "Universalwissenschaft vom Menschen", den akademischen Eros hat bei mir aber gerade nicht die Uni geweckt, sondern mein autodidaktisches Selbststudium - ironischerweise waren all die Bücher, die ich dafür brauchte, in der Bib auch vorhanden. Nur hat sie außer mir sonst (fast) keiner gelesen, ist ja nicht Thema in den Vorlesungen, Skripten, Klausuren, Kommentaren...

    ...Jura ist dann maximal frustrierend, wenn man sich nicht um eigenständiges Verständnis bemüht, sondern nur in Büchern die Problemlösungen von Leuten mit diesem eigenständigen Verständnis nachliest. Ganz von selbst macht es da meiner Beobachtung nach aber bei einer Minderheit "klick", viele verlassen die Uni (ob mit oder ohne Abschluss) ohne das jemals erkannt zu haben. Und Autodidaktik schön und gut, aber gerade der Auftrag einer Präsenzhochschule ist doch etwas ganz anderes, meine ich.

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 05.06.2014 20:20, Puppenkopf

      (man verzeihe mir meine Tippfehler und die Länge, um es mit Goethe zu sagen „Ich hatte nicht genug Zeit, dir einen kurzen Brief zu schreiben, also schreibe ich dir einen langen“)

  • 09.06.2014 14:54, Priv.-Doz. Dr.Thomas Henne, LL.M. (Berkeley

    Zitat: "Wenig begeistert zeigten sich die Teilnehmenden auch von Randaspekten der Ausbildung wie den Grundlagenfächern"

    Ach so. Ich lehre also Randaspekte. Meine Gegenthese, genau so kurz: Der geschichtsblinde Jurist ist der dümmere Jurist, die dümmere Juristin. Wer die Historizität von Recht nicht versteht, wird nicht mehr als ein unreflektierter Positivist und wird nicht mehr als nur Randaspekte von Jura verstehen.

    Thomas Henne, Priv.-Doz. Dr. jur., LL.M. (Berkeley)
    Lehrstuhlvertreter
    Professur für Rechtsgeschichte und juristische Zeitgeschichte
    Universität Luzern, Rechtswissenschaftliche Fakultät

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 10.06.2014 23:24, Carolina

      Darüber hinaus ist auch bei der historischen Auslegung einer Rechtsnorm vertiefte Kenntnisse im Fachgebiet Rechtsgeschichte notwendig. Zwar kann man auch als "Brotgelehrter" ein gutes Examen absolvieren, aber verpasst dabei das Wichtigste: Gesamtzusammenhänge verstehen und kritisch zu hinterfragen. Eigentlich ist nicht die Frage ob Rechtsgeschichte ein Randgebiet ist, sondern die Frage: Seit ihr ein Brotgelehrter oder ein philosophischer Kopf?

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