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Der Freischuss: Eine loh­nende Zit­ter­partie?

von Sabine Olschner

30.11.2017

2/2: Verlängertes Leiden

Prof. Dr. Martin Böse, Strafrechtler an der Universität Bonn, ist der Ansicht, dass ein Freischuss nicht für jeden das Richtige ist. "Wenn es nicht beim ersten Anlauf klappt, kann sich das Lernen in die Länge ziehen – dadurch stehen die Kandidaten lange unter Spannung, was sehr anstrengend sein kann", so seine Erfahrung. Geht ein Kandiat aus dem Freischuss mit einem schlechten Ergebnis heraus, sollte er genauestens analysieren, woran es gelegen hat, so Böses Rat –das sei schließlich der Sinn der Regelung: "Der Freischuss wurde ja auch eingeführt, um die Prüfungsängste der Examenskandidaten abzubauen", sagt der Professor. "Trotzdem sollte man sich auch auf diesen ersten Versuch sehr gut vorbereiten."

Der Anteil der Studierenden, die die Gelegenheit zum Freischuss nutzen, schwankt dabei je nach Bundesland massiv. So wurden zum Beispiel in Bayern in den vergangenen zehn Jahren knapp 8.100 Prüflinge im Rahmen des Freiversuchs zur Ersten Juristischen Staatsprüfung zugelassen – das waren rund 40 Prozent der insgesamt zugelassenen Teilnehmer. Rund 7.100 dieser Freiversuchskandidaten haben die Prüfung abgelegt, die Übrigen sind nicht zur Prüfung angetreten oder haben auf die Fortsetzung des Prüfungsverfahrens verzichtet. Zwei Drittel der Freiversuchskandidaten haben die Prüfung bestanden. In Baden-Württemberg hingegen lag der Anteil der Freiversuchsteilnehmer an der Gesamtteilnehmerzahl für die Erste juristische Prüfung in den vergangenen drei Jahren bei rund 20 Prozent. Ungefähr 80 Prozent haben davon bestanden. Weniger schwankend als die Anzahl Freischuss-Kandidaten scheint also die  Erfolgsquote zu sein. Ist der Freischuss also auf jeden Fall einen Versuch wert?

"Der Freiversuch ist Quatsch"

Achim Wüst, Gründer des Juristischen Repetitoriums Hemmer, hält von der Freischussregelung gar nichts und bezeichnet sie als "Quatsch". "Jura ist eine Anwendungswissenschaft. Je länger man sich mit ihr beschäftigt, umso besser wird man", meint er. Die Vorbereitung zur Prüfung sei "wie ein Marathon", so Achim Wüst weiter. "Für den muss man schließlich auch lange trainieren."

Seiner Ansicht nach haben Studenten aufgrund von Zwischenprüfungen, großen Scheinen und insbesondere der Schwerpunktbereichsprüfung gar keine Zeit, bis zum achten Semester ausreichend für das Examen zu lernen. "Manche Studenten kommen im sechsten Semester zu uns und wollen sich auf den Freischuss vorbereiten. Die haben meines Erachtens nur Scheinwissen vorzuweisen", sagt Wüst. Er rät, sich lieber Zeit zu lassen und das Studium ohne unnötigen Druck zu absolvieren, sofern man es sich leisten kann.

Die ideale Studienzeit liegt für Wüst bei zehn Semestern: "Nur wer vom ersten Semester an stringent studiert, kann es vielleicht nach acht Semestern schaffen, die Prüfung ordentlich zu bestehen. Aber wozu? Ich meine, für das Erste Examen sollte man sich Zeit lassen, um besonders gut zu bestehen – diese Gelegenheit hat man dann schließlich beim Zweiten Examen nicht mehr."

Zitiervorschlag

Sabine Olschner, Der Freischuss: Eine lohnende Zitterpartie? . In: Legal Tribune Online, 30.11.2017 , https://www.lto.de/persistent/a_id/25767/ (abgerufen am: 12.08.2020 )

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Kommentare
  • 30.11.2017 10:33, G. Wilzberch

    Das Beispiel mit Passau ist m.E. schlecht gewählt.

    Ich kann jedem nur empfehlen in Münster Examen machen. Dort ist es relativ stressfrei den Freischuss wahrzunehmen. Das liegt aber wohl auch daran, dass man in NRW ohne Freischuss keinen Verbesserungsversuch hat, in Bayern dagegen schon.

    In Münster absolviert man in 3 - 4 Semestern die Zwischenprüfung. Macht dann im 5. und 6. Semester ausschließlich den Schwerpunkt (der ist in Münster recht umfangreich mit 7 Klausuren + Seminararbeit + Vortrag). Danach hat man dafür aber 2 volle Semester Zeit, sich ausschließlich der Examensvorbereitung zu widmen. Und das ganze ohne Fachschaft und FFA. Wenn man den Spaß noch macht, hat man sogar 3 Semester Zeit für den Freischuss. Das ist in meinen Augen kein Stress und kein Problem.

    • 30.11.2017 12:23, GrafLukas

      Ist eigentlich inzwischen die Unsitte abgeschafft, den Schwerpunkt erst nach dem staatlichen Teil zu schreiben? Sonst ist es ja - auch in Münster - teilweise so gewesen:

      1.-4. Semester: Grundstudium mit Zwischenprüfung
      5.-8. Semester: Examensvorbereitung mit Rep etc. und danach Freischuss
      9.-10. Semester: Schwerpunktprüfung

      Stellt m.E. den Sinn des Freischusses (so man ihn denn überhaupt anerkennt) komplett auf den Kopf, weil man so eben nicht dafür "belohnt" wird, dass man nach Plan innerhalb der Regelstudienzeit fertig geworden ist.

    • 30.11.2017 12:38, G. Wilzberch

      Das gibt es noch.

      Das hat allerdings den Nachteil, dass man am Ende meist länger fürs Studium braucht.

      Wenn der Einwand kommt, dass die Dauer des Studiums egal sei und nur die Note zählt, mag das richtig sein. Allerdings ist ein Studium in Regelstudienzeit + gute Note noch eine bessere Kombi. Man liegt den Eltern/Staat kürzer auf der Tasche und ist flotter Anwalt.

    • 30.11.2017 16:18, Chenaira

      Also ich habe es auch so gemacht. Ich habe den staatlichen Teil im September geschrieben und den Schwerpunkt auf März geschoben (gleichzeitige Anmeldung geht bei uns, um sodann beides im Freischuss schreiben zu können, da wir im Schwerpunkt ansonsten keinen Verbesserungsversuch haben).

      Ich fande es nacheinander sehr angenehm und für mich ideal. Auch wen man sagt, man benötige länger fürs Studium. Die 5 Monate, die ich länger gebraucht habe, sind irrelevant und kaum bemerkbar. Zudem hatte es den Vorteil, dass mit der mündlichen Prüfung im Schwerpunkt eine Doktorandenstelle ausgeschrieben wurde, auf die ich mich somit bewerben konnte. Hätte ich wohl nicht gemacht, wäre ich im Februar fertig gewesen, da ich ansonsten direkt ins Ref gegangen wäre.

      Sollte denke ich, jeder für sich entscheiden, wie es sinnvoll ist und nicht darauf achten, was eventuell gut ankommt am Ende. Ein Jurist, der mit 27 mit dem zweiten Staatsexamen in den Beruf startet, ist sehr jung und man hat vermutlich bei vielen wenig Lebenserfahrung. Deshalb finde ich, sollte man sich einfach die Zeit nehmen die man braucht. Auch wenn man dann erst mit 30 fertig sein sollte. Lieber noch mal ein bisschen was außerhalb der Regelvorlesungen mitgenommen, wie bspw. Seminare die einen interessieren, Studienreisen, Praktika, Nebenjobs (universitär oder auch außeruniversitär). Solange man mit sich zufrieden ist und es begründen kann, weshalb man so "lange" gebraucht hat, ist es denke ich am Ende egal.

  • 30.11.2017 11:22, M.D.

    Es ist nicht erkennbar, welchen Vorteil der Freischuss bringen soll. Bei Jura geht es ausschließlich um die Endnote, deshalb ist völlig egal, wie lange man studiert hat.

    • 30.11.2017 12:21, GrafLukas

      Ganz einfach, der Vorteil sind 3 Versuche beim Examen anstelle von 2, plus Möglichkeit der Verbesserung bei bereits bestandenem Examen.

      Ohne Freischuss:
      Zweimal durchgefallen --> vorbei
      Einmal (schlecht bestanden) --> vorbei

      Mit Freischuss:
      Zweimal durchgefallen --> dritter Versuch
      Einmal (schlecht bestanden) --> Verbesserungsversuch möglich, und zwar ohne reformatio in peius
      Außerdem ist bei Freischuss häufig zusätzlich Abschichten möglich, es muss also nur die Anmeldung für den Freischuss rechtzeitig erfolgen, danach zieht man die tatsächliche Prüfung noch ein halbes Jahr auseinander und maximiert so die Lernzeit.

    • 30.11.2017 17:00, Blub

      @GrafLukas Nein, soweit ich weiß, muss beim Abschichten der letzte Klausurenblock spätestens in dem Monat sein, in dem andernfalls auch der letztmögliche Klausurtermin gewesen wäre. Ein herauszögern der Klausuren über diesen Zeitpunkt hinaus ist m.W. nicht möglich.

    • 30.11.2017 20:26, Sabrina

      Ich habe abgeschichtet in NRW. Dann muss man nach 7 Semestern bereits die ersten Prüfungen schreiben und kann es bis zum Ende des 8. Semesters "hinauszögern". Man muss also in dem Monat fertig sein, in dem die "Freischussler" ihre Klausen schreiben.

  • 30.11.2017 12:54, Hans Reinwatz

    Großartig sind natürlich die Auskünfte des Repetitors, der zu einer möglichst langen Vorbereitung rät. Völlig uneigennützig - welches Interesse sollte ein Repetitor wohl daran haben, dass die Leute möglichst lange zum Repetitor gehen...?

    • 30.11.2017 13:42, GrafLukas

      Gute Frage. Denn man zahlt nur einmal den Jahreskurs, danach kann man kostenlos zu den Wiederholungskursen kommen.

    • 30.11.2017 14:42, G. Wilzberch

      Meines Wissens ist oder war es bei Hemmer in Münster so, dass man 1x den Jahreskurs zahlt und dann ewig hören kann. Das ist dann eher ein Minusgeschäft, wenn man wirklich über Jahre immer die gleichen Leute da sitzen hätte.

    • 30.11.2017 16:50, Jens

      Jo, so war es bei mir bei Hemmer auch. Einmal zahlen, immer hören. Ist für mich auch so eine Art Wohnungs-Lebensversicherung, wenn ich mal obdachlos werde. Dreimal die Woche acht Stunden eine Wärmehalle, in der ich mich lebenslang (!) aufhalten kann. Wer den Hafen nicht kennt, für den ist kein Wind günstig, Kollegen.

    • 21.12.2017 22:19, Durchlauferhitzer

      Kann ich mich nur anschließen. Dreister kann man hier nicht werben und Lto lässt sich vor den Karren spannen. Es ist das Geschäft mit der Angst. Ich würde den Freischuss immer wieder machen. Die Vorteile überwiegen deutlich die Nachteile i.E. ist es eine Chance mehr und für Leute, die Chancen gerne nutzen.

  • 30.11.2017 13:27, AntifaPowerRanger

    meiner Meinung nach sollte man das Examen so oft wiederholen dürfen, wie man möchte. Ich denke, man sollte deswegen mal bis vor das BVerfG wandern und Menschenrechte einklagen. Ich lerne jetzt für das Examen und finde es sehr gut, wie ich lerne. Diese Schranke, nur zwei mal schreiben zu dürfen, ist reaktionärer und sexistischer Kackscheiß!

    • 30.11.2017 13:58, Haha

      Man/frau/es sollte es nicht nur so oft schreiben dürfen, wie man/frau/es es will, sondern auch die Note selbst festlegen dürfen! Alle, die das anders sehen, sind Kack-Nazis!

    • 30.11.2017 14:44, @PowerRanger

      Wie genau ist das denn jetzt sexistisch?

    • 30.11.2017 14:45, @haha

      Haha redet über "Kack-Nazis"...

      ... Wahnsinn. Vielleicht das erste Thema, bei dem er sich wirklich auskennt.

    • 30.11.2017 15:48, Haha

      Genau! Alles Nazis, außer Mutti!

    • 30.11.2017 18:14, FinalJustice

      Auch wenn ich den Sexismus dahinter nicht verstehe, sehe ich keinerlei Grund darin, das Examen auf 2 Versuche zu beschränken (und ich WEISS, dass in NRW der reguläre 3. Versuch diskutiert wird vor dem Hintergrund der teilweise beachtlichen Durchfallquoten einiger Unis husthustBielefeldhusthust).
      Kostenargument halte ich für das einzig wirksame, aber ich würde da die einfache Lösung vorschlagen, dass ab dem 3. Versuch der Kandidat schlicht die Korrektur in den Verwaltungsaufwand zahlen muss. Auch wenn da jetzt bestimmt der Antikapitalist Zeter und Mordio schreibt, man möge sich mal überlegen, dass es für den Staat 1. auf lange Sicht besser ist, jemanden mit Abschluss zu entlassen, als ohne (weil er dann früher anfängt, Steuer zu zahlen) und 2. wird man wohl das Geld im Zweifelsfall über einen Kredit finanzieren - denn ALLES ist besser, als endgültig nicht bestehen. Mit nem Abschluss in der Tasche kann man den dann auch sehr einfach zurückzahlen.

      Es wird ja allenthalben auch behauptet, die Versuchsbegrenzung sei nötig, damit die Leute sich auch ja anstrengen. Wer das meint, hat für sein Examen noch 3 Klausuren und ne Hausarbeit geschrieben. Niemand macht gerne Examen, niemand schreibt gerne 7+ Klausuren à 5 Stunden pro Stück und lässt sich von zu leider erheblichen Teilen willkürlichen Kriterien bewerten. Niemand bangt gern um seine Zukunft.

      Ich hatte mir meinen Freischuss damals gekniffen und es nicht bereut. Ich bin mit der Mentalität angetreten "So oder so schreib ich den Scheiß nur ein Mal." Verbesserungsversuch kam für mich also auch nie in Frage. Man muss sich da einfach nur gut kennen, wie man drauf ist.
      Mein einziger Hinweis ist der: Wer meint, der Freischuss sei gut zum "Üben" um mal zu sehen, wie Examen ist und er würde deswegen ein Durchfallen gut wegstecken, der irrt. Gewaltig. Durchs Examen durchfallen ist immer ein massiver Schock, auch im Freischuss. Manch einer erholt sich davon nicht mehr und schleppt den dann in seine beiden Regulären.

    • 01.12.2017 13:35, Lawandorderadrink

      Ab ins Elfenland, Du Troll.

  • 30.11.2017 13:57, @topic

    Wer nach 6 Semestern nicht "scheinfrei" und nach einem Jahr Rep nicht examensbereit ist, ist es auch nach 10 oder 12 Semestern nicht... Von atypischen Biografien (Kind im Studium O. Ä.) mal abgesehen...

    • 30.11.2017 14:28, Wind

      In welcher altbackenen Uni gibt es denn noch Scheine?

    • 30.11.2017 14:43, @wind

      Na wenn das der einzige Einwand ist :-) Ersetzen sie den Begriff "scheinfrei" einfach durch "alle Voraussetzungen erfüllt hat, um nach der jeweils maßgeblichen Landesjustizprüfungsordnung die erste Staatsprüfung ablegen zu dürfen"... Das war mir lediglich zu lang um es zu schreiben, aber wenn es dann konsensfähig wird, mache ich mir die Arbeit gern.

    • 30.11.2017 14:59, GrafLukas

      Sehe ich nicht so. Ich habe zum einen noch ein Zusatz-Zertifikat erworben, so dass ich erst nach dem 9. Semester komplett "scheinfrei" war und nur noch Examensvorbereitung gemacht habe. Das wäre mit etwas Anstrengung auch schneller gegangen. Wollte ich aber nicht.

      Dann habe ich 1 1/2 Jahre Examensvorbereitung betrieben, den Jahreskurs Rep und dann noch ca. ein gutes halbes Jahr. Dann habe ich mich "fit" gefühlt, vorher nicht. Kein Freischuss o.ä., am Ende ist ein solides Prädikat dabei heraus gekommen.

    • 30.11.2017 15:34, @@topic

      Nach sechs Semestern scheinfrei? An meiner Uni war das die absolute Ausnahme.

    • 30.11.2017 16:17, @@@Topic

      Wohl im Osten studiert? :-) Nach dem dritten Semester die Grundlagenfächer fertig, dann im 4ten,5ten und 6trn je ein Großer Schein mit dazu gehöriger Hausarbeit. Fertig. Nebenher Praktika und FFA und man hat bei weitem noch keine 40-Stunden-Woche. Da ist zwei Nachmittage/Abende die Woche auch noch Zeit für einen Studentenjob.

  • 30.11.2017 16:09, Chenaira

    Also ich habe im Freischuss geschrieben. Ich finde, es kommt auf den einzelnen Studenten drauf an, wie er sich fühlt und wie er sich vorbereitet hat. Jeder sollte das für sich kurz vor der Anmeldephase durchdenken und ehrlich mit sich sein. Vor dem Rep sich festzulegen, ist schlicht naiv und nicht richtig durchdacht.

    Allerdings muss ich sagen, dass man über die Folgen des Freischusses teilweise sehr schlecht bis gar nicht aufgeklärt wird und viele sich nur an die Gerüchte halten und sich nicht mehr informieren. Alle reden vom Freischuss mit den drei Examensversuchen, die einem zur Verfügung stehen sollen. In Hessen (wo ich geschrieben habe) ist das nur die halbe Wahrheit.
    Drei Versuche hat man nur, wenn man den Freischuss nicht besteht. Die zwei möglichen Wiederholungsversuch gelten nur, wenn man noch nicht bestanden hat, ansonsten (bei Bestehen) ist es lediglich ein (!) Verbesserungsversuch und von dem hat man insgesamt nur einen, egal in welchem Versuch man schreibt. Allerdings verliert man diesen, sollte man sich nach dem 10. Semester für den ersten Versuch anmelden.

    Zudem ist dieser Hype darum, dass man noch einen weiteren kostenlosen Versuch habe, m.E.n blind nachgesprochen. Ja man hat einen weiteren kostenlosen Versuch. Allerdings genau nur ein Jahr nach den ersten schriftlichen Klausuren. Man muss innerhalb eines Jahres seit dem Antritt zum Examen den Verbesserungsversuch wahrnehmen, ansonsten hat man keine weiteren Versuche mehr. Dies im Hinblick darauf, dass die mündliche Prüfung meist bis Ende Februar sich hinziehen kann, ist leider eine sehr schlechte Regelung und gibt den Kandidaten keiner wirkliche Chance, einen vernünftigen Verbesserungsversuch zu schreiben, sollte man sich erst kurz nach der mündlichen Prüfung für die Verbesserungsmöglichkeit entscheiden. Bei manchen funktioniert es. Bei den meisten ist allerdings eine Verschlechterung das Endergebnis des ach so tollen "Verbesserungsversuches", der leider bei den meisten ein untauglicher Versuch bleibt. Er ist zwar kostenlos, aber für viele kostet es noch mehr Nerven, Kraft und Zeit.

    Deshalb, bitte macht euch in eurer Prüfungsordnung über alle mit dem Freischuss verbundenen Konsequenzen vertraut und sprecht nicht einfach Gerüchte nach. Es wird meist nur das schöne daran erzählt. Und macht euch eure eigenen Gedanken, ob es euch was bringt.

    • 30.11.2017 21:29, E. Thällköther

      Du liest als Jurist ein dich betreffendes Gesetz nicht und wunderst dich dann über negative Folgen?

    • 01.12.2017 12:37, Chenaira

      Darum ging es mir gar nicht @E. Thällköther. Es geht mir darum, was erzählt und berichtet wird. Zumal es im Gesetz auch sehr undeutlich steht mit "der Verbesserungsversuch ist spätestens ein Jahr nach dem Erstversuch anzutretten". Damit kann zum einen die schriftliche oder zum anderen die mündliche Prüfung gemeint sein. Das hat das JPA Hessen auch eingeräumt.
      Worum es mir in meinem Kommentar allerdings ging, ist die Tatsache, dass überwiegend über die tollen Möglichkeiten durch den Freischuss gesprochen wird. Der Freischuss habe sodann 3 Examensversuche, man könne so toll kostenlos wiederholen etc. Diese ganzen Halbwahrheiten sind einfach das Problem an dem ganzen Stress, den sich die meisten machen mit dem Freischuss. Jeder hat nur die schönen Seiten im Kopf, dass man dafür aber an anderer Stelle ordentlich zahlt, sieht kaum einer.

      Ich hatte ins Gesetz geschaut und mich informiert. Allerdings, wie gesagt, diesen Passus mit dem einen Jahr falsch interpretiert und sodann mit dem JPA alle Unklarheiten beseitigt. Viele machen das nicht. Und ich finde, man sollte einfach die ganze Wahrheit erzählen und nicht nur die schönen Seiten.

    • 01.12.2017 13:48, Lawandorderadrink

      Also wer bei "...der Verbesserungsversuch ist spätestens ein Jahr nach dem Erstversuch anzutretten..." in Betracht zieht, dass es sich diesbezüglich um die mündliche Prüfung handelt, sollte seine Studienwahl ggf. überdenken.

      Zudem erschließt sich doch spätestens beim zweimaligen Lesen der maßgeblichen Regelungen, dass der Prüfling maximal drei Versuche hat. Es versteht sich doch nahezu von selbst, dass man bei bestandener Prüfung im Freischuss nicht noch zweimal Verbessern kann...

      Und wer an juristischen Fakultäten (nach dem 1. Semester) auf irgendwelche Gerüchte hört, dem kann man eh nicht mehr helfen. ;-)

    • 22.12.2017 09:30, Chenaira

      Es sind nun mal die Sachen, die erzählt werden und das sollte aufhören. Ich finde es einfach verfehlt diese Möglichkeit so zu verherrlichen.

      Und Lawandorderadrink zu behaupten, dass man seine Studienwahl ggf. überdenken sollte, nur weil man von dem beendeten Erstversuch ausgeht, erschließt sich mir nicht. Maßgeblich für diese Regelung ist der bestandene Erstversuch und dieses Ergebnis auf das es schlussendlich ankommt, erfährt man erst nach der mündlichen Prüfung und somit dem absolvierten Erstversuch. Entschuldige, aber ich finde es nicht all zu fernliegend, dass man von einem beendeten Erstversuch an rechnet.
      Aber egal von was man nun ausgeht, innerhalb von 5 Monaten kann man auch keine großen Sprünge mehr schaffen. Daher sollte man sich überlegen, wann man schreibt. Viele verherlichen dieses Konstrukt einfach und pochen darauf, dass man es schaffen muss, weil man dann ja früher fertig sei und mehrere Versuche habe. Diese Halbwahrheiten, die sogar von renomierten Professoren nicht in voller Pracht erzählt werden, sollten einfach aufhören und jeder sollte die ganze Wahrheit mit Konsequenzen erzählen.

  • 19.01.2018 11:40, Frogsoul

    Der Freischuss ist nicht sinnfrei, sondern gibt ein bisschen Sicherheit, beim Scheitern einen Versuch mehr zu haben... Mir sind Studenten bekannt, die es erst beim 3. Versuch geschafft haben. Ich habe den Freischuss genutzt und erfolgreich, wenn auch "nur" mit einem guten ausreichend bestanden. Was nicht richtig ist, ist meiner Meinung nach aber, dass beim BaföG die Nutzung des Freischusses erzwungen wird, da nur max. 9 Semester lang BaföG bezahlt wird und man danach ohne Geld darsteht. Diese Geldsorgen haben mich enorm unter Druck gesetzt. Sie waren auch ein entscheidender Grund dafür, dass ich keinen Verbesserungsversuch geschrieben und mich auch nicht für das 2. Staatsexamen entschieden habe. Drei Monate nach Bestehen des 1. Stex habe ich stattdessen eine Stelle im gehobenen Verwaltungsdienst angetreten und mache nebenbei meinen LLM an der Fernuni, da dieser im Gegensatz zum mies bezahlten 2. Stex auch in Teilzeit möglich ist.

  • 19.01.2018 11:41, Frogsoul

    Der Freischuss ist nicht sinnfrei, sondern gibt ein bisschen Sicherheit, beim Scheitern einen Versuch mehr zu haben... Mir sind Studenten bekannt, die es erst beim 3. Versuch geschafft haben. Ich habe den Freischuss genutzt und erfolgreich, wenn auch "nur" mit einem guten ausreichend bestanden. Was nicht richtig ist, ist meiner Meinung nach aber, dass beim BaföG die Nutzung des Freischusses erzwungen wird, da nur max. 9 Semester lang BaföG bezahlt wird und man danach ohne Geld darsteht. Diese Geldsorgen haben mich enorm unter Druck gesetzt. Sie waren auch ein entscheidender Grund dafür, dass ich keinen Verbesserungsversuch geschrieben und mich auch nicht für das 2. Staatsexamen entschieden habe. Drei Monate nach Bestehen des 1. Stex habe ich stattdessen eine Stelle im gehobenen Verwaltungsdienst angetreten und mache nebenbei meinen LLM an der Fernuni, da dieser im Gegensatz zum mies bezahlten 2. Stex auch in Teilzeit möglich ist.

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