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Steuererklärung während des Studiums: "Jura­stu­denten sind ein Son­der­fall"

Interview von Marcel Schneider

31.03.2017

Auch als Student kann sich eine Steuererklärung lohnen: Vierstellige Rückerstattungsbeträge sind realistisch, sagt Felix Schneider. Jurastudenten müssen aber Besonderheiten beachten und dürfen mit Spannung ein Urteil des BVerfG erwarten.

LTO: Herr Schneider, Sie sagen, dass sich eine Steuererklärung auch für Studenten richtig lohnen kann. Wieso machen sich dann so wenige von ihnen die Mühe, eine solche abzugeben?

Schneider: Ich denke, dass liegt im Wesentlichen an zwei Gründen:

Zum einem fehlt vielen Studenten das Bewusstsein dafür, dass die Abgabe einer Steuererklärung für die Jahre des Studiums durchaus sinnvoll ist. Studenten sagen mir oft, dass sie keine Steuererklärung abgeben, da sie noch kein eigenes Einkommen hätten. Das ist eine irrtümliche Meinung: Denn im Rahmen einer Steuererklärung können Kosten, die unmittelbar mit dem Studium zusammenhängen, als sogenannte Werbungskosten angesetzt werden. Das ist auch möglich, wenn der Student während seines Studiums kein Einkommen bezieht.

(c) Felix Schneider

Die Werbungskosten werden dann als negative Einkünfte betrachtet und im Steuerbescheid als Verlustvortrag ausgewiesen. Dieser wird - wie der Name schon verrät - Jahr für Jahr vorgetragen und um die weiteren anerkannten Studienkosten erhöht. Das geht solange, bis der Student nach dem Studium das erste Geld mit seinem neuen Job verdient. Wie üblich führt er dann monatlich Steuern auf das Einkommen ab. Da der ehemalige Student allerdings einen Verlustvortrag über die Jahre aufgebaut hat und somit unterjährig zu hohe Steuern abgeführt hat, erhält er mit der Einreichung seiner Steuererklärung eine satte Rückerstattung vom Fiskus.

Zum anderen haben mir viele Studenten erzählt, dass sie zwar schon einmal von der Möglichkeit gehört haben, Werbungskosten in der Steuererklärung geltend zu machen, aufgrund der fehlenden Kenntnisse bisher aber auf die Einreichung verzichtet haben.

Welches Problem Jurastudenten in der Regel haben

LTO: Was sind Ihrer Erfahrung nach die kostenintensivsten Posten, die Jurastudenten steuerlich geltend machen können?

Schneider: Bei Jurastudenten sprechen wir nun von einem Sonderfall. Denn derzeit können laut Gesetz nur Werbungskosten geltend gemacht werden, die nach der Erstausbildung anfallen. Das sind beispielsweise Kosten, die im Rahmen des Masterstudiums entstehen. Handelt es sich beim Jurastudium aber um die Erstausbildung – was eben recht häufig der Fall ist -, sind die Werbungskosten nach der aktuellen Rechtslage nicht abzugsfähig.

Nur wer vor Beginn des Jurastudiums eine alternative Ausbildung wie beispielsweise eine Berufsausbildung oder einen Bachelor absolviert hat, kann das darauf folgende Jurastudium vom Finanzamt als Zweitausbildung anerkennen lassen.

Zu den kostenintensivsten Posten, die als Werbungskosten im Rahmen einer Zweitausbildung anerkannt werden, zählen erfahrungsgemäß solche für Fachliteratur, Semestergebühren und Praktika. Weiterhin lassen sich auch zahlreiche Pauschalbeträge anrechnen.

Pauschalen, die man nicht sofort vermutet

LTO: Dann gibt es noch steuerlich absetzbare Ausgaben, die man nicht sofort als solche erkennt. Welche sind da besonders studententypisch?

Schneider: Darunter zähle ich unter anderem die gerade angesprochenen Pauschalbeträge. So können zum Beispiel für einen Umzug pauschal rund 700 Euro angesetzt werden. Auch der tägliche Weg zur Universität, Verpflegungsmehraufwände für Lerntage in der Bibliothek sowie Reise- und Studienkosten für das Erasmus- oder Auslandsjahr werden vom Finanzamt anerkannt.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ein Student für jedes Jahr seiner Zweitausbildung durch die Geltendmachung aller dieser Ausgaben eine Steuerrückerstattung von 1.500 bis 3.000 Euro erhalten kann.

LTO: Stichwort Fristen: Bis wann müssen Studenten ihre Erklärung spätestens abgeben? Und bis zu welchem Zeitpunkt werden geltend gemachte Posten dabei rückwirkend berücksichtigt?

Schneider: Bisher können Werbungskosten sieben Jahre rückwirkend geltend gemacht werden. Diese Option steht wegen einer möglichen Gesetzesänderung noch in diesem Jahr auf der Kippe, der Zeitraum könnte auf vier Jahre verkürzt werden.

Deswegen empfehle ich, die Kosten, die in den Jahren 2010, 2011 und 2012 angefallen sind, im Rahmen der Einreichung einer Steuererklärung unbedingt noch dieses Jahr geltend zu machen.

Zitiervorschlag

Marcel Schneider, Steuererklärung während des Studiums: "Jurastudenten sind ein Sonderfall" . In: Legal Tribune Online, 31.03.2017 , https://www.lto.de/persistent/a_id/22534/ (abgerufen am: 21.08.2019 )

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 31.03.2017 10:48, JuraStudent

    Mich würde interessieren, ob es ein Hindernis darstellt, für die vergangenen Jahre jeweils bereits eine Steuererklärung abgegeben zu haben, ohne dabei Posten das Studium betreffend anzugeben. Könnte ich quasi rückwirkend mit der nächsten Steuererklärung auch noch Posten für vergangene Jahre geltend machen, oder sind die mit Abgabe der jeweiligen Steuererklärung verwirkt?

    Ich habe jeweils nach Jahresabschluss eine Steuererklärung abgegeben, weil ich neben dem Studium eine kurzfristige Beschäftigung ausgeübt habe.

    Könnte die Entscheidung des BVerfG da etwas bewirken? Es ist für mich eine Erstausbildung, sodass eine Steuererklärung vor dem Urteil ja auch wenig Sinn gemacht hätte.

    • 31.03.2017 11:03, @JuraStudent

      Wenn die derzeitige Regelung vorsieht, dass man seine Studienkosten auch noch 7 Jahre nach der Ausbildung geltend machen kann, muss das doch folglich möglich sein.

    • 31.03.2017 11:48, RDA

      Hier ein paar Infos zu den Fragen:
      http://www.iww.de/ssp/alle-steuerzahler/einkommensteuer-bfh-erleichtert-nachtraegliche-verlustfestsetzung-von-kosten-fuer-erststudium-und-andere-anlaesse-f85445

    • 31.03.2017 12:32, Kevin

      Soweit ich weiß ist es nicht möglich. Denn du hast für das Steuerjahr bereits einen Steuerbescheid erhalten, der keine Erklärung zur vorweggenommenen Werbungskosten enthält und mittlerweile bestandskräftig geworden ist..

  • 31.03.2017 10:54, Michael

    Wenn Urteil pro von der Steuer absetzbar, dann auf auf nach Harvard !

  • 31.03.2017 12:50, Rabindranath

    Eine wichtige Information fehlt: Insbesondere durchschnittliche Jurastudenten haben davon wenig, da sie in den ersten beiden Berufsjahren als Referendare ohnehin fast keine Steuern zahlen (bzw. keine, wenn sie ihre Werbungskosten, die ja zahlreich im Ref anfallen, ordentlich absetzen).

    • 02.04.2017 20:29, er1c

      Darum steht ja schon in der Überschrift "Jurastudenten sind ein Sonderfall". Da ihre Ausbildung erst mit dem 2. Staatsexamen abgeschlossen ist können sie die Werbungskosten nicht per Verlustvortrag in die Zukunft mitnehmen. Das gilt aber auch nur für die insgesamt sinkende Zahl derjenigen, die den Lebenslauf Kindergarten-Schule-Erststudium absolvieren. Die stetig wachsende Zahl von Quereinsteigern, die das Abitur zB nachgeholt haben oder vor dem Studium eine Berufsausbildung absolviert haben, kann die Werbungskosten per Verlustvortrag in die Zukunft verschieben und diese kleine, aber feine Information kann für den Einzelnen dabei sehr lukrativ sein.

      Da diese Werdegänge, auch wenn sie nach wie vor "atypischer Werdegang" bezeichnet werden, inzwischen keine Besonderheit mehr sind, halte ich es durchaus für zulässig, das im Rahmen des Themenbereichs "Studium & Referendariat" einmal zu erwähnen. Der gemeine Jurastudent hält nämlich erfahrungsgemäß (mindestens) soviel Abstand zu den §§ des Steuerrechts wie der Durchschnittsbürger - iudex non calculat ;-)

  • 31.03.2017 22:59, Ja. Debus

    Huh6

  • 31.03.2017 23:16, Lexlo

    ...und andere Studenten machen das nicht, weil die Eltern alles bezahlen und selbst einreichen - das kann der Student ja nicht auch noch geltendmachen?!

  • 01.04.2017 09:31, Wirtschaftsjurist

    Der Artikel suggeriert den Studenten, dass sie im ersten Berufsjahr eine saftige Steuererstattung erhalten. Theoretisch mag das richtig sein.
    Praktisch gibt es aber erstens den schon genannten Einwand mit dem Einkommen im Ref, welches dann trotz niedriger Versteuerung den Verlustvortrag zumindest über die zwei Jahre aufbrauchen dürfte. Zweitens klappt diese Rechnung auch nur dann, wenn man als Student von Mami und/oder Papi das gesamte Leben finanziert bekommt und nicht neben dem Studium selbst arbeiten muss und somit Einkommen generiert. Besonders verloren hat man in diesem Fall, wenn man zwar mit dem Nebenjob selbst unter dem Steuerfreibetrag bleibt, aber man weniger Werbungskosten im Studium generiert, als man Einkommen hat. Dann steht am Ende der Steuererklärung nämlich die Doppel-Null: Null Steuer und Null Verlustvortrag. Da bringt also der Einsatz von Steuerberater, oder kostenpflichtiger (Online-)Software, wie der des Interviewten, gar nichts außer Ausgaben.

  • 01.04.2017 21:57, pe

    7 Jahre ist falsch. Wenn der Steuerpflichtige keine Einkünfte hat, sondern nur die vorweggenommenen Werbungskosten durch das Studium, handelt es sich um eine Antragsveranlagung und die Anlaufhemmung nach § 180 Abs. 2 Nr. 1 AO findet keine Anwendung (BFH v. 14.04.2011 VI R 53/10).

    Wenn ein Einkommensteuerbescheid für den Veranlagungszeitraum bereits in der Welt ist, dann können die Kosten für das Studium als Werbungskosten nur im Rahmen der Korrekturvorschriften berücksichtigt werden. Entweder der Steuerbescheid ist unter dem Vorbehalt der Nachprüfung nach § 164 AO oder eine Saldierung kommt in Betracht. In aller Regel scheidet eine nachträgliche Erfassung deshalb aus.

  • 19.05.2017 08:24, Nadine

    Hallo zusammen,
    vielen Dank für den interessanten Artikel. Ich bin selber Studentin aber studiere nicht Jura. Für mich ist es nicht eine eine Steuererklärung zu machen. Auf der Suche nach einem Fachanwalt für Steuerrecht bin ich auf diese Seite gestoßen: https://www.hansen-riebe.de/schwerpunkte/steuerrecht-steuerstrafrecht/

    LG
    Nadine

    • 22.06.2017 08:47, Carolin

      Hahaha,
      na das sieht jetzt aber arg nach Werbung aus :D :D
      Und sollte dies keine Werbung sein, bezweifle ich, dass dieser Fachanwalt überhaupt EStE für privat Personen und insbesondere Studenten macht.

      Ich glaube wenn Studenten sich einen Fachanwalt für Steuern holen, dann können sie sich das ganze auch gleich sparen, weil der Steuerliche Vorteil dann für die Anwaltskosten drauf geht :D