Software für studentische Rechtsberatung: Law & Orga an der Uni

von Marcel Schneider

04.06.2018

Die Refugee Law Clinic Munich entwickelt derzeit ein Computerprogramm, um die Arbeit im Verein effizienter zu gestalten. Ihre Idee hat das Finale der Google Impact Challenge erreicht, es geht um 20.000 Euro für das Projekt.

Als das Gespräch mit Jan Morawitz-Bardenheuer und Dominik Walser stattfindet, sitzen die beiden Münchner Studenten bei bestem Wetter irgendwo draußen unter einem Baum, im Hintergrund hört man Vögel zwitschern. Einen eigenen Raum für ihre Arbeit bei der örtlichen Refugee Law Clinic (RLC) haben sie nicht. Es ist wie an vielen anderen Universitäten auch: Die studentische Rechtsberatung lebt ganz wesentlich vom ehrenamtlichen Engagement der Teilnehmer – und die organisieren sich selbst auf vielfältige Art und Weise.

Das ist nicht selten ein Problem: "Ob Whatsapp, Doodle oder eine der anderen zahlreichen Apps: Derzeit organisieren wir uns dezentral, was nicht optimal ist, da so Reibungsverluste entstehen", sagt Morawitz-Bardenheuer. Der 21-Jährige studiert im siebten Fachsemester Jura und ist Dritter Vorstand der Münchner RLC. Er kennt die Organisations- und Kommunikationsprobleme wenn es darum geht, Berater, Planer und sonstige studentische Unterstützer untereinander abzustimmen. Die hausgemachte Lösung dafür befindet sich noch in der Entwicklung, ihr Name aber schon steht fest: "Law & Orga" heißt das Computerprogramm, das nicht nur bei der Organisation des Vereins helfen soll.

Ein Werkzeug für alle(s)

Den Anstoß, einmal über eine eigene Anwendung für die RLC nachzudenken, gab Walser. Der Ex-Jurastudent, der inzwischen Informatik studiert und sich weiterhin bei der RLC engagiert, hat vor drei Monaten mit der Konzeption begonnen. Sein Anspruch: "Im Frühjahr 2019 soll nicht nur eine fertige Anwendung stehen. Sie soll auch so allgemein gehalten sein, dass andere Law Clinics sie für ihre Zwecke nutzen können", so der 22-Jährige. Law & Orga solle "eine All-in-One-Lösung werden."

Das heißt, dass sich die Studenten nicht nur endlich zentral und damit wesentlich effizienter absprechen können sollen. Das Programm soll auch als Datenbank für die Arbeit der Berater dienen und zum Beispiel Scans der Dokumente ihrer Mandanten, Informationen zum aktuellen Stand der einzelnen Fälle oder Kontaktdaten von Behörden und Gerichten digital an einem Ort sammeln.

Eine weitere Herausforderung, die die Software lösen soll, spricht Morawitz-Bardenheuer an: "Wir wollen Wissen erhalten. Naturgemäß haben Law Clinics eine hohe Teilnehmer-Fluktuation, wodurch viel Erfahrung verloren geht. Die Anwendung soll etwa Workflows besonders komplexer, aber dennoch erfolgreich abgeschlossener Fälle enthalten. Erfahrungsberichte für die Nachfolger, sozusagen." Ebenso ist geplant, dass Law & Orga Dossiers zu den relevanten Themengebieten wie beispielsweise Familiennachzug oder den Dublin-Verordnungen enthält.

Geldsegen aus dem Internet?

An der Software arbeiten die Studenten stets nebenbei, in der Prüfungszeit und zusätzlich zu den alltäglichen Verpflichtungen wird das manchmal sehr stressig. Ihre Motivation, trotzdem dran zu bleiben? "Abseits des Studiums einen Beitrag zur Gesellschaft leisten", sagen beide.

Überzeugt hat dieser Einsatz offenbar die diesjährige Google-Jury, denn bei der Impact Challenge 2018 sind die Münchner Studenten bis in die Finalrunde gekommen. Der Wettbewerb zeichnet ehrenamtliche Projekte und Initiativen aus und unterstützt sie mit einem Fördergeld. Sollte Law & Orga genug Stimmen erhalten und damit aufs Siegertreppchen rutschen, darf sich das Projekt über 20.000 Euro Zuschuss freuen. "Was nicht für die Entwicklung von Law & Orga draufgeht, bleibt dann für die RLC übrig", so ihr Plan. Zum Beispiel für die Serverkosten, die der Betrieb ihrer Software nach sich ziehen würde.

Der sportliche Zeitplan, bis zum kommenden Frühjahr fertig zu sein, bliebe aber auch ohne Fördergeld bestehen, wie die beiden sagen: "An die 30 Refugee Law Clinics gibt es in Deutschland. Denjenigen, die mögen, stellen wir das fertige Endprodukt gern gratis zur Verfügung." Schließlich hätten alle nicht nur das gleiche Ziel, sondern auch die gleichen Probleme.

Zitiervorschlag

Marcel Schneider, Software für studentische Rechtsberatung: Law & Orga an der Uni . In: Legal Tribune Online, 04.06.2018 , https://www.lto.de/persistent/a_id/28929/ (abgerufen am: 24.06.2018 )

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 04.06.2018 12:10, M.D.

    "Refugee Law Clinic" klingt spannend. Hat man dort eine Ermächtigungsgrundlage für Frau Merkel gefunden, oder geht gerade die ganze Zeit für das Programmieren drauf? Das wäre doch mal ein interessantes Thema, oder ist es am Ende zu trivial? An den Unis laufen so viele Professoren rum, und anscheinend fällt keinem von ihnen etwas dazu ein. Andernfalls wäre die Fachliteratur voll davon.

    Mein Tipp: Wenn es mit den Förderungsgeldern knapp werden sollte, einfach mal bei der Open Society Foundations anfragen. Die helfen bestimmt.

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  • 04.06.2018 12:48, Shanice

    Wie kann man nur mehr und effizienter Ausländer nach Deutschland bringen. Die Frage stelle ich mir auch jeden Tag.

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    • 04.06.2018 14:23, J.S.

      Es geht darum, Menschen zu ihrem Recht zu verhelfen; daran kann ich nichts schlechtes finden

  • 05.06.2018 14:29, Early Adopter

    Mir ist schlicht nicht klar, wo der Mehrwert gegenüber einer allgemeinen Orga-Software liegen soll (todoist, wunderlist und wie sie alle heißen).

    Die Infos übers Migrationsrecht? Da würden doch schlichte Links aus der Software raus auf Wikipedia-Artikel o.ä. ausreichen.

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    • 13.06.2018 07:54, .

      Naja, da sehe ich schon einen Unterschied. Es sollen ja alle Arbeitsabläufe in einer Software abgebildet werden.

      An sich ist die Idee zu dem Softwareprojekt ja ganz gut. Die Frage ist nur, ob es sinnvoll ist, erwas neu zu entwickeln, was es schon längst gibt. Man hätte auch einfach eine der vielen bestehenden Anwalts-ERP-Lösungen oder ggf. auch eine der vielen bestehenden „allgemeinen“ ERP-Lösungen nehmen können.

  • 05.06.2018 14:35, Dieter

    (((Google)))

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