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Serie Law Journals: Der Jurist: Kleine Auflage, riesige Fangemeinde

von Jens Kahrmann

11.12.2012

"Der Jurist" aus Passau ist eine studentische Fachzeitschrift, die außergewöhnliche Popularität genießt – zumindest auf Facebook. Sie hat dort über 15.000 Fans, mehr als zum Beispiel der Beck-Verlag mit seiner Seite für Jura-Studenten. Tobias Gafus und Kajetan A. Uhlig erklären, wie sie in sozialen Netzen so erfolgreich geworden sind und warum die Zeitschrift trotzdem im Mittelpunkt steht.

LTO: Ihr kennt den "Juristen" seit Anbeginn.* Erzählt doch mal, wie eure Zeitschrift entstanden ist.

Kaj: Man darf es eigentlich gar nicht laut sagen, aber die Idee ist 2010 zwei Flaschen Rotwein entsprungen. Sie lautete: Studenten sollen ihre eigene Plattform haben, auf der sie publizieren können. Zum ersten Mal verkauft wurde die Zeitschrift dann 2011 und jüngst ist die zweite Ausgabe erschienen. An der Grundidee hat sich bis heute nichts geändert.

LTO: Könnt ihr uns etwas mehr über euer Konzept erzählen? Wie geht ihr vor, wenn ihr einen Beitrag zugeschickt bekommt?

Tobias: Zunächst einmal gibt es eine eiserne Grundregel. Die lautet: Bei uns veröffentlichen nur Studenten und Referendare, da diese es häufig schwer haben, ihre Artikel zu publizieren – selbst wenn sie inhaltlich exzellent sind. Überall in der Republik sitzen Studenten, deren Ideen es Wert sind, publiziert zu werden. Denen wollen wir eine Plattform bieten.

Wenn wir einen Aufsatz zugeschickt bekommen, wird der zunächst komplett anonymisiert. Das heißt, es gibt in der ganzen Redaktion nur eine Person, die weiß, von wem der Beitrag stammt. Diese Person übernimmt dann auch die gesamte Kommunikation mit den Autoren, bleibt aber beim Auswahlprozess außen vor. Durch dieses Verfahren stellen wir sicher, dass persönliche Präferenzen keine Rolle spielen können. Dann besprechen wir in der Redaktion den Beitrag und messen ihn an einem harten Kriterienkatalog. Anschließend geben wir die besten  Artikel an den wissenschaftlichen Beirat – also an die Professoren -  weiter. Diese verfassen dann ein Votum, das wir auch den Autoren zukommen lassen. Anhand des Votums führen wir dann mit den Autoren die letzten Überarbeitungen durch. Im Idealfall haben die Autoren dann nicht nur ihren ersten Aufsatz publiziert, sondern auch noch ein paar wertvolle Tipps fürs nächste Mal bekommen.

Kajetan A. Uhlig, Gründer des

"Jurist"-Mitgründer** Kajetan A. Uhlig (l.) und Chefredakteur Tobias Gafus

"Wir wollen, dass jeder Zugang zur Zeitschrift hat"

LTO: In welcher Auflage erscheint ihr derzeit?

Tobias: Momentan erscheint "Der Jurist" in einer Auflage von 600 Exemplaren. Das wirkt wenig, aber am wichtigsten ist uns, dass jeder Interessierte in jeder Rechtsbibliothek hierzulande Zugang zu der Zeitschrift hat und dafür reicht die Auflage vollkommen. Noch sind wir nicht überall verfügbar, aber wir haben ein Ressort, das  mit der Verbreitung befasst ist.

LTO: Euer Internetauftritt wirkt höchst professionell. Und Juristen sind ja nicht unbedingt dafür bekannt, dass sie von Haus aus tolle Webdesigner sind. Wer macht das alles bei euch?

Kaj: Wir haben viele talentierte Juristen um uns, die in ihrer Freizeit einer völlig fachfremden Leidenschaft nachgehen – das geht über Fotografie und IT bis hin zum Design. Und so kommt am Ende in der Redaktion sehr viel Know-how zusammen. "Der Jurist" ist letztlich ein Gemeinschaftsprojekt, zu dem jeder einen Teil beiträgt. Der Erfolg wird letztlich der Redaktion zugeschrieben – die weiß dann schon wem sie ein Bier ausgeben kann.

Tobias: Wir sprechen mitunter aber auch Studenten aus anderen Fachbereichen an und haben auch BWLer und Staatswissenschaftler unter uns. "Der Jurist" ist strukturiert wie ein kleines Unternehmen. Da ist jeder gern gesehen. Wir brauchen Experten für ganz unterschiedliche Aufgaben. Nur mit juristischer Exzellenz lässt sich keine Zeitschrift verlegen. Leider fühlen sich aber manche vom Titel unserer Publikation abgeschreckt.

"Die Zeitschrift steht im Mittelpunkt"

LTO: Aufgrund eurer umfassenden Social-Media-Aktivitäten wirkt ihr fast so, als wäret ihr mehr als "nur" eine jährlich erscheinende studentische Fachzeitschrift. Wie seht ihr das selbst?

Tobias: Grundsätzlich sind wir doch ein studentischer Verlag, der wissenschaftliches Arbeiten unter Studenten fördert und auch den akademischen Alltag bereichern will. Dafür ist die Zeitschrift elementar und steht auch nach wie vor im Mittelpunkt  unserer Aktivitäten.  
Aber du hast natürlich Recht – wir machen schon noch mehr. Zum Beispiel organisieren wir jährlich eine Veranstaltungsreihe, für die wir  schon hochkarätige Redner gewinnen konnten, wie z.B. einen BGH- und einen BVerfG-Richter oder einen Professor aus Harvard.

* In der Ursprungsversion dieses Interviews lautete der Satz "Ihr kennt den 'Juristen' seit Anbeginn und wart bei der Gründung dabei". Wir haben dies am 19.12.2012 korrigiert, da Tobias Gafus nicht satzungsgemäßes Gründungsmitglied des 'Juristen' war.

** In der Ursprungsversion dieses Interviews wurde Kajetan Ulrich an dieser Stelle als "Gründer" genannt. Um den Eindruck zu vermeiden, er sei der einzige Gründer und nicht Teil eines Teams gewesen, haben wir die Bezeichnung am 19.12.2012 in "Mitgründer" geändert.

Zitiervorschlag

Jens Kahrmann, Serie Law Journals: Der Jurist: Kleine Auflage, riesige Fangemeinde . In: Legal Tribune Online, 11.12.2012 , https://www.lto.de/persistent/a_id/7748/ (abgerufen am: 20.08.2019 )

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 13.12.2012 11:25, Skeptiker

    Naja.... Zeitschrift im Mittelpunkt?

    Die Fans wurden gewonnen, werden gehalten und gemehrt immer weniger mit juristischen Inhalten, als vielmehr mit (zugegeben: manchmal interessanten!) gewöhnlichen "Web-Fundstücken".

    Liebe Kollegen in Passau: Als Juristen solltet ihr übrigens zusehends auf die korrekte Bezeichnung des Copyrights bei Bildern achten..... ;-)

    Viel Erfolg!

  • 06.01.2013 18:59, <a href="http://www.der-Jurist.de" >www.der-Jurist.de</a>

    www.der-Jurist.de verlinkt auf diesen Artikel mit folgendem Linktext: <br /><a href="http://www.der-Jurist.de/lto/">http://www.lto.de/recht/studium-referendariat/s/serie-law-journals-der-jurist-studentische-fachzeitschrift-passau/</a>

  • 06.01.2013 20:03, <a href="http://www.der-Jurist.de" >www.der-Jurist.de</a>

    www.der-Jurist.de verlinkt auf diesen Artikel mit folgendem Linktext: <br /><a href="http://www.der-Jurist.de/legal-tribune-interview/">hier</a>

  • 13.06.2013 10:58, AgentProvocateur

    Die Zeitschrift steht gewiss nicht im Mittelpunkt dieses Projekts.Wohl eher eine Plattform zur Selbstinszenierung der Protagonisten. Der Content ist gelinde gesagt "überschaubar" und der inhaltliche Mehrwert geht gegen Null. Aber Hauptsache schickes Design und ein paar zahlungskräftige Großkanzleien im Hintergrund.Rätselhaft, wieso man sich dafür einen solch aufgeblähten Redaktionsapparat leistet (schnuckeliges Foto von jedem "Redakteur" darf natürlich nicht fehlen).Sieht gut aus...mehr aber auch nicht!