Reform des Jurastudiums: Bald nur noch Rechts­kunde

von Prof. Dr. Roland Schimmel

21.03.2017

Die Gewichtung des Schwerpunktbereichs im Examen zu verringern hält Roland Schimmel für unklug. Seines Erachtens hat das juristische Studium schon heute nicht mehr viel mit Wissenschaft zu tun - wie soll es da erst nach der Reform werden?

 

Im November 2016 hat die Justizministerkonferenz (JuMiKo) den Bericht ihres Koordinierungsausschusses (KOA) zur Reform des Jurastudiums abgesegnet. Danach sollen der Zeit- und Prüfungsaufwand für das Schwerpunktstudium auf 16 Semesterwochenstunden (SWS) beziehungsweise drei Prüfungsleistungen reduziert werden. Auch soll die Note nur noch zu 20 anstatt wie bisher mit 30 Prozent in das Ergebnis der ersten juristischen Prüfung zählen. Zudem ist geplant, den Pflichtstoff in beiden Staatsexamen zu reduzieren. Im Herbst 2017 soll der KOA wieder an die JuMiKo berichten und bis dahin Kritik und Anregungen aus Lehre und Praxis berücksichtigen. Genug Zeit, um Experten zu Wort kommen zu lassen.

Prof. Dr. Roland Schimmel ist Professor für Wirtschaftsprivatrecht und Bürgerliches Recht an der University of Applied Sciences Frankfurt am Main. Er ist Examensprüfer und hat eine Reihe von Publikationen zum Thema der juristischen Ausbildung verfasst, so etwa in der Reihe der LTO-Prüferseufzer. Sein Steckenpferd ist das Wissenschaftliche Arbeiten – und damit hat das Jurastudium seiner Auffassung nach bereits jetzt nicht mehr viel zu tun. Deshalb betrachtet er die Reformvorschläge umso kritischer:

Zitiervorschlag

Roland Schimmel, Reform des Jurastudiums: Bald nur noch Rechtskunde. In: Legal Tribune Online, 21.03.2017, https://www.lto.de/persistent/a_id/22434/ (abgerufen am: 24.10.2017)

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 21.03.2017 13:52, AH

    "Man stelle sich einmal – rein hypothetisch – vor, es gebe juristische Ausbildungen, die mit dem Studium der Rechtswissenschaften auf einem Markt für rechtskundige Absolventen konkurrierten. Wenn es sie gäbe, würden sie vermutlich Bachelor und Master hervorbringen. Angeboten würden sie teils an Universities, teils an Universitäten".

    Den letzten Satz verstehe ich beim besten Willen nicht.

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    • 22.03.2017 13:23, Bobo

      Die ehemaligen Fachhochschulen/"FHs" heißen heute verbreitet "Universities of Applied Siences".

  • 21.03.2017 14:23, Foo

    Universities ist neudeutsch für Fachhochschulen ;-)

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    • 21.03.2017 19:03, weiseraltermann

      Nein, tut es nicht (sinntragend ist hier der Zusatz "... of applied sciences"). Die FHs sind deshalb auch keine "ehemaligen" FHs, sie dürfen sich jetzt nur einen etwas hübscheren Namen geben.

  • 21.03.2017 14:30, WissMit

    Prof. Dr. Schimmel hat völlig recht. Rechtswissenschaft kriegt man doch fast nur im Schwerpunkt und wenn der Professor mit einem neuen Rechtsgebiet beginnt. Liebe Studenten, das Sachenrecht hat seine Grundlage ... In Abgrenzung zum Code Civil haben wir ...

    Aber ich predige das seit 2006. Die Rechtswissenschaft als Studium hat erstens ihren Namen nicht verdient und zweitens gehört sie längst an eine Fachhochschule ausgegliedert. Man beachte das Rechtspflegerforum. Auf dem Rechtskundegebiet sind die Rechtspfleger mit den meisten Juristen wohl gleichauf, wenn sie nicht gar regelmäßg besser Bescheid wissen.

    Wobei ... ich hole aus und sage: Das Problem hat nicht nur die Rechtswissenschaft. Wenn es das erklärte Ziel der Universitäten ist, berufsqualifizierende Abschlüsse zu produzieren, ist darin der Krebs schon angelegt. Maßstab für ein gutes Studium ist dann nicht mehr die Wissenschaftsbefähigung (lies: Die Herausbildung eines Charakters, der mit methodischen Fähigkeiten ausgestattet ist, die Wahrheit zu erforschen), sondern "das Rating" von Kinder Prüfen Mein Geschäft. Schaffen wir Menschen, die das BIP erhöhen oder nicht?
    Vor diesem Hintergrund richtet sich die Universität selbst zugrunde. Die Aufgabe nehmen Berufsakademien nämlich um längen besser wahr. Wozu einen Absolventen für Maschinenbau von der Universität Oer-Erkenschwick, wenn die VW-University of Applied Sience ebenfalls Maschinenbauabsolventen auswirft.

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  • 21.03.2017 14:33, HH

    Jura war noch nie eine Wissenschaft...

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    • 21.03.2017 16:54, Wissenschaft?

      Sie müssen erst einmal Wissenschaft definieren, bevor Sie subsumieren. Zumindest das hätten Sie im "Rechtskundeunterricht" gelernt.

  • 21.03.2017 14:47, Arpakasso

    Wären die Nebenveranstaltungen und Grundlagenfächer halt auch interessant... Ich hab nach zwei Stunden Höhlengleichnis in Rechtsphilosophie mit den Füßen abgestimmt, von für nicht-Latinum-habende Studenten unverständlichen, weil lateinlastige Vorlesungen zum römischen Recht brauch ich gar nicht anfangen. Auch meine Schwerpunktveranstaltungen waren von arg durchwachsener Güte.
    Warum gehen wir zum Rep? Weil dort nur Leute hingestellt werden, die didaktisch irgendwas können. Das ist für die Universitäten zweit- bis drittrangig oder gleich egal. Und wer erstmal in der Uni sitzt, wird vor irgendeinen Studenten hingestellt, ob der dabei was lernt oder nicht ist denen doch egal. Der Betreuungsschlüssel ist bei nem Hemmer-Kurs auch nicht besser als in der Uni, das Lehrpersonal aber schon.
    Richtig peinlich wird es dann, wenn als Formalia&Aufbau-Referenz für ne Seminararbeit auf Hausarbeits-(Fall-)Lösungsartikel der JuS von vor 25 Jahren verwiesen wird, so geschehen in meinem Grundlagenseminar. Das war natürlich vollkommen unbrauchbar, aber wie man wissenschaftlich Argumente aufbaut und eine solche Arbeit strukturiert hatte ich ja sonst auch nirgends gelernt.
    Kurzum: Die Uni selbst behandelt auch im "wissenschaftlichen" Bereich die Studenten wie lästige Fliegen, die von der eigenen Arbeit ablenken und die man möglichst schnell wieder aus der Tür haben will, mit möglichst geringem Arbeitsaufwand. Da habe ich mehr Argumentationstechnik beim Repetitor gelernt, denn dort war das Ziel nicht, mich ohne irgendeine Aussage zu irgendwas in 5 Minuten wieder vor der Tür stehen zu haben. Sondern das gegenteil: Das Gefühl geben, dass man was lernt, damit man wieder und wieder kommt, und jede Minute gerne bezahlt.

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    • 22.03.2017 08:15, Postfaktisches Lernen

      Selten so gelacht wie über die didaktische Befähigung des kommerziellen Repetitors... aber erfolgreich sind sie tatsächlich, und zwar darin, das Gefühl zu vermitteln, man habe etwas gelernt.... Aber eben nur das Gefühl. Man muss die Leute nur bei ihrer Angst packen und so schnell über den Tisch ziehen, dass sie die Reibung für didaktische Nestwärme halten.

  • 21.03.2017 15:54, Peter Peter

    Dass Bachelor- und Masterabschlüsse zur ernsthaften Konkurrenz zum Staatsexamen werden, kann der Autor doch nicht Ernst meinen, oder? Solange der Arbeitsmarkt mit Volljuristen überschwemmt ist, stellt niemand, der bei Verstand ist, einen Bachelor of Laws- Absolventen ein, wenn er einen Volljuristen zum gleichen Gehalt bekommt.

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 21.03.2017 16:08, Schlechte Aussichten...

      Äußerst schlechte Aussichten für die Absolventen mit Bachelor- oder Master-Abschluss. Man fragt sich, wo die überhaupt unterkommen.

    • 21.03.2017 16:56, Wissenschaft?

      Doch, das meint der Autor ernst. Wenn man von einer Fachhochsch..., äh Verzeichung, einer Universitie/y kommt, darf/muss man das.

    • 21.03.2017 22:24, Peter Peter

      Viele Leute, die ich im Bachelor-Studium kennengelernt habe, haben im Anschluss daran noch das Staatsexamen in Angriff genommen (wie ich i.Ü. selbst auch). Ein Grund war eben, dass man das Bachelor Studium als "halbe Sache" wahrgenommen hat. Aus eigener Erfahrung kann ich außerdem sagen, dass das Bachelor-Studium von seinem Anspruch her nicht annähernd das Niveau der Vorbereitung auf das Staatsexamen erreicht. Geschätzt wird an Volljuristen auch meiner Sichtweise nach überhaupt nicht das "stumpfe Subsumieren", sondern vielmehr das systematische und logische Denken. Diese jahrelange Übung darin ermöglicht es nämlich, sich in viele andere Fachbereiche hineinzudenken. Zudem haben sie extreme Ausdauer und Fleiß bewiesen. Dass es natürlich auch viele Eimer gibt, die sich mit schlichten Auswendiglernen durch das Studium hangeln und ansonsten nicht von der Wand bis zur Tapete denken können, trifft wohl auch auf andere Studiengänge zu.

      Und zum wissenschaftlichen Arbeiten sei gesagt: Die Hausarbeit im ersten Semester eines Jura-Studenten ist vom Arbeitsaufwand und wissenschaftlichen Anspruch her das gleiche wie die Bachelor-Thesis von so manchem BWL-Studenten, den ich kennengelernt habe. Mit dem Unterschied, dass - zumindest war es an meinem Studienort so - die BWLer mit der Bachelor-Arbeit ihre erste eigenständige, wissenschaftliche Arbeit verfasst haben. Da habe ich noch niemanden klagen hören, das Studium sei nicht wissenschaftlich genug.

  • 21.03.2017 16:07, Martin M.

    Herr Geschäftsstellenbediensteter oder Herr Rechtspfleger als Sachbearbeiter?
    - Wo geht es zur Toilette? Ich muss ganz dringend, rülps, pfurz, rülps.

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 21.03.2017 16:20, NemoTenetur2

    Die eigenliche Aussage des Beitrages folgt ja im letzten Drittel: Der Xte Versuch den LLB als selbstredend umfangreichst wissenschaftlichen Idealtyp eines Studiums gegenüber den geistlosen halbjuristen "Jurist (Univ.)" zu positionieren. Letztere haben zwar einem (i.E. offiziell höher eingestuften) Abschluss, sind aber natürlich trotz Staatsexamina - inkl. (i.d.R.) einjähriger Vorbereitung - wegen des 2. Examens (dessen Aufbau und reale Praxis natürlich nichts zur Sache tut) irgendwo "halbausgebildet". Die LLB Fraktion hat deratiges nicht nötig, schließlich wird trotz Abschichtmodell bei modularen Prüfungen fundiert gelernt, das 2 Examen ist ja nicht vorgesehen (sein Fehlen tut daher hier auch nichts zur Sache) und wer braucht überhaupt Staatsexamen, wo er doch eine Bachelorarbeit (schön 60 Seiten (!) inkl. 1/3 Rand) geschrieben hat. Aber freilich der normale Jurist (Univ.) hat römische Rechtsgeschichte geschwänzt.

    Mal im ernst: Das juristische Studium ist weit von Perfektion entfernt, aber der ewige Kampf der LLB Anhänger um Anerkennung, einzig mittels der penetranten Kritik am Hochschulstudium Rechtswissenschaft, nervt. Der Verweis auf Bachelorarbeiten als Hort der Wissenschaftlichkeit ist fast absurd und "University" als Modebegriff spricht Bände.

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    • 21.03.2017 16:57, Richtig!

      +1

    • 21.03.2017 17:05, Johann

      Danke, einfach nur Danke für diesen Kommentar!

    • 21.03.2017 17:16, Endlich sagt es mal einer

      Kritik ist ja in Ordnung, wenn's halt nicht anders geht. Aber Kritik von außen, das geht gar nicht. Das nervt. Kolossal. Also Maul halten, Ihr Bindestrich-Juristen. Unser Jurastudium reformieren wir mal schön allein. Und jetzt: Ruhe auf den billigen Plätzen!

    • 21.03.2017 18:10, Martin M.

      HERR GESCHÄFTSSTELLENBEDIENSTETER ODER HERR RECHTSPFLEGER ALS SACHBEARBEITER?

      - WIE BEARBEITET MAN DIE AKTE? NIMMT MAN DEN POSTEINGANG EINFACH SO HINZU ODER MUSS MAN DEN POSTEINGANG NOCH PAGINIEREN UND DANN DEM ZUSTÄNDIGEN SACHBEARBEITER VORLEGEN?

    • 21.03.2017 21:28, Moonraker one

      Ich wünschte, ich hätte zwei Staatsexamen und hoffe sehr, dass diese Ausbildung weiterhin so erhalten bleibt!!! Im Zweitstudium habe ich an einer Universität bis jetzt den Abschluss LL.B erreicht und mache dort zumindest auch noch den LL.M. Ich habe es stets genossen, dass meine Ausbilder Volljuristen waren und profitiere meinerseits schon jetzt unendlich viel vom Studium der Rechtswissenschaften. Ich kann es wirklich empfehlen - aber eben nicht für den, der in den Staatsdienst oder Anwalt werden will...

    • 24.03.2017 08:09, Sagte einst der

      Neandertaler zum homo sapiens: Weißt Du, Alter, Dein ewiger Kampf um Anerkennung, der nervt. Und penetrant ist er auch. Hör auf damit!

    • 26.03.2017 12:52, Max

      Sie kennen das Sprichwort "Eigenlob stinkt"? Oder sind Sie am Ende LLB Absolvent ohne Staatsexamen und sehen dies selbstkritisch?

      Fakt ist im Übrigen, dass ein großer Teil der LLB Absolventen zusätzlich das Staatsexamen absolviert, da dies nach wie vor zur Vertretungsberechtigung notwendig ist. Diese "mit allen Wassern gewaschene" Absolventen haben häufig auch noch einschlägige Auslandsstationen absolviert und gehören i. d. R. zu den Prädikatsabsolventen, die in Kombination mit ihrem wirtschaftsrechtlich geprägten LLB mit Handkuss auf dem Arbeitsmarkt angenommen werden.

      Natürlich kann der derzeit übliche LLB nicht die Staatsprüfung ersetzen, ich habe auch noch niemanden gehört, der das fordert. Ein neuer Jura-Bachelor müsste geschaffen werden, der sowohl den bisher üblichen Wirtschaftsrechts-LLB wie den bisherigen Examensstudiengang ersetzt.

      Mir ist jenseits des spöttischen Untertons aber auch in Ihrem Kommentar kein sachlicher Grund aufgefallen, wieso die Hochschulen das mit entsprechend straffer Akkreditierung nicht (mindestens) mit so hoher Qualität könnten, wie die Justizprüfungsämter. Nur, dass angehende Juristen nicht mehr 2 Jahre "Azubi" bei der Justiz spielen müssen (!), sondern sich aussuchen können, wie sie ihren Berufseinstieg gestalten.

      Wer weiter das Ref anstrebt, weil er z. B. zur Justiz möchte oder das aus anderen Gründen erstrebenswert oder bereichernd findet, der soll das ja weiterhin tun können. Aber es sollte nicht dem Gros, der liebend gerne darauf verzichten würde, aufgezwungen werden.

      Die Vertretungsberechtigung im geschützten Beruf, das ist ja das "Faustpfand" der justizorientierten Juristenausbildung, diese sollte an einen rein akademischen Abschluss geknüpft werden. Das hat auch erst einmal gar nichts mit "Niveau" zu tun, sondern damit, dass es einfach absurd ist, dass jeder angehende Jurist durch Staatsprüfungen und Ref gezwungen wird, auch wenn er nie zur Justiz möchte.

      Alle theoretisch erdachten Argumente gegen die Abschaffung werden durch die Realität quasi in der gesamten restlichen Welt entkräftet. Und nein, die deutschen Examensjuristen sind keine schlechteren Juristen, als z. b. die dänischen Juristen, die ganz nach Bachelor/Master ausgebildet werden oder die österreichischen Juristen, die einen Magister erwerben und nur damit z. B. zur Anwaltschaft können.

      ABER eben auch keine besseren Juristen! Was nicht hilft, aber stört, das kann einfach weg. So simpel ist das für mich.

  • 21.03.2017 18:09, Noah

    Die ganzen Debatten über die Reformen werden doch vom Gesetzgeber gekonnt seit Jahren ignoriert. Hier ausnahmsweise mal zu recht. Man kann vermutlich jeden ausgebildeten Juristen zur notwendigen Reform des Jurastudiums befragen und wird hunderte verschiedene Antworten bekommen.

    Nur eins habe ich bis heute nicht verstanden: was ist denn so schlecht am Staatsexamen? Bachelor und Master schreiben auch Klausuren. Dass man dort abschichten kann, ist eher ein Argument dafür es einfacher haben zu wollen. Ansonsten sind sechs Klausuren a fünf Stunden auch nicht cruel and usual. Dass man das entsprechende Wissen haben muss, ja selbstverständlich? Oder will man mir erzählen ein Ingenieur im Bachelor oder Masterstudium darf ganze Ausbildungsgebiete zum Ende seines Studiums komplett verdrängt haben?

    Und damit ist überhaupt nicht gesagt, dass Bachelor und Master schlechter sein müssen. Nur die Verbesserung bei gleichbleibender Schwierigkeit erschließt sich mir nicht unmittelbar.

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    • 26.03.2017 13:08, Max

      Was am bisherigen System schlecht ist, das ist das Erbe der Ausbildung zum Berufsrichter ("Befähigung zum Richteramt"), wobei alle anderen Karrierewege quasi eine Zweitverwertung dieser Justizausbildung ist. Daran haben auch alle Reförmchen nichts geändert, nach wie vor geht nichts ohne die zwei Laufbahnprüfungen durch die Landesjustizprüfungsämter, während ein Hochschulabschluss irrelevant für den Zugang zum geschützten Beruf ist. Und nach wie vor kommt man gar nicht erst zur zweiten Laufbahnbahnprüfung, wenn man nicht 2 Jahre als "Azubi" bei der Justiz angestellt war.

      Kann sein, dass man damit nicht zum schlechteren Jurist wird, als zB bei einem System wie in Österreich, wo man an der Uni den Magister macht und damit den Berufszugang hat, ohne Staatsprüfungen und Ref. Aber man wird eben dadurch auch nicht zum besseren Jurist. Das Kernargument dafür, es so beizubehalten ist das, was in Deutschland oft das wahre Kernargument ist: das haben wir schon immer so gemacht, da könnte ja jeder kommen.

      Vielleicht hat ihnen ja sogar die "Staatsausbildung" mit den beiden Staatsprüfungen und dem Ref gefallen, ich will mich da selbst gar nicht zum Maßstab machen. Für mich war es ein Ärgernis (und ja, ich habe trotzdem im oberen Bereich abgeschnitten, 0,2 am Prädikat vorbei) und verschwendete Lebenszeit und im Ref habe ich nichts fachlich gelernt, sondern wurde einmal an den Spruch "Lehrjahre sind keine Herrenjahre" erinnert, als ich mich darüber beklagte, dass Kaffee kochen und Botendienste mir bei meiner Ausbildung zum Volljurist nicht unbedingt helfen. Ich fand das, sorry, einfach richtig zum Kotzen! Wer gibt mir die zwei vergeudeten Jahre meines Lebens bzgl. des verspäteten Berufseinstiegs zurück? Nach dem 2. Examen musste ich trotzdem ein Trainee-Programm durchlaufen um zu meiner aktuellen Position zu gelangen, die Praxisrelevanz des Ref ist, außer man will vielleicht Verwaltungsjurist werden, gleich Null gewesen, das hat man mir auch sehr schnell klar gemacht, als ich zunächst darauf drang, mich auch ohne Trainee-Programm auf attraktive Positionen zu bewerben, nach Jahren des Studiums und den ach so heiligen hoch wertvollen Staatsexamen und dem ach so wichtigen Ref.

  • 21.03.2017 18:32, Marvin Hofmann

    Jura hatte noch nie etwas mit Wissenschaft am Hut.

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  • 21.03.2017 19:08, weiseraltermann

    Leute wie unser Autor, die den universitären Unterrichtsbetrieb im Fach Rechtswissenschaft nur aus ihrer Jahrzehnte zurückliegenden eigenen Ausbildung kennen, sollten sich aus dieser Diskussion tunlichst heraushalten.

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 21.03.2017 19:26, AlterWeißerMann

      Das tun sie aber nicht. Bleibt uns nur, sie zu ignorieren, wo immer wir sie finden.

    • 21.03.2017 21:37, weiseraltermann

      Meinen Sie? Vielleicht kann man den Autor ja doch motivieren, das in Zukunft sein zu lassen und statt dessen nach zehnjähriger Pause mal wieder seinem "Steckenpferd, dem wissenschaftlichen Arbeiten" (s.o.), zu frönen und einen rechtswissenschaftlichen Aufsatz zu schreiben.

      Der Überwindung der oben an sich mit Recht beklagten Reformunfähigkeit des Jurastudiums käme es jedenfalls sehr zugute, wenn nicht mehr gar so viele Köche den Brei verderben würden.

    • 21.03.2017 22:21, DirtyOldMan

      Vielleicht können wir ihm Geld bieten, damit er endlich aufhört?

    • 23.03.2017 10:48, Nihil novi sub sole

      Neuer Nick, alte Form. Endlich! Willkommen zurück. Und wie immer: Danke für alle Hilfe!

  • 22.03.2017 08:54, AlteHüte

    Zu Rechtskunde und Rechtswissenschaft: Braun, ZRP 1998, 41 ff. = http://www.jura.uni-passau.de/riehm/ehemalige-lehrstuhlinhaber/ehemaliger-lehrstuhlinhaber/publikationen-zur-juristenausbildung/10-antithesen-zur-reform-des-juristischen-studiums/

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    • 22.03.2017 23:31, Tüdelütütü

      In dem verlinkten Artikel kritisiert Professor Braun anscheinend allgemein einen beständig lange anhaltenden Diskussionsprozess hinsichtlich einer Reform der Juristenausbildung. Zugleich will er sich wohl für eine Unterscheidung von Rechtskunde und Rechtswissenschaft aussprechen und das Unterbleiben solcher Unterscheidung als Grund für verbreitetes Unbehagen mit einer Juristenausbildung aussprechen. Eine solche Unterscheidung kann bei einem "weiter so" in einer Juristenausbildung schwer durchsetzbar erreichbar bleiben. Vielmehr kann solche Unterscheidung vielleicht günstig am ehesten nur durch Änderungen / Reformen hin zu entsprechend verschiedenen Ausbildungsgängen erreichbar scheinen.

  • 23.03.2017 10:01, aAhM

    Also was das "Herzblut" im Schwerpunktbereich angeht:
    Das mag bei manchen Vollblutjurastudenten ja so sein. Nach meiner Erfahrung wird der Schwerpunktbereich, gerade wenn er mit 30 % derart hoch gewichtet wird, weniger nach Herzblutgesichtspunkten als vielmehr nach (vermeintlicher) Einfachheit gewählt. Seit der Wahlfachteil des Examens universitär abgeschichtet wird (§ zB 28 JAG NRW "Universitäre Prüfung") , kommt dann noch als Herzblutkriterium hinzu, bei welchem Prof. man meint, möglichst leicht mit möglichst vielen Punkten bestehen zu können.
    Das ist für den Einzelnen sicher legitim, mein Punkt ist, dass die universitäre Prüfung jedenfalls keine derart hohe Gewichtung verdient, weil sie keineswegs der Fels ist, auf dem die Wissenschaftlichkeit des Jurastudiums ruht.

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 23.03.2017 16:27, Tüdelütütü

      Große Übungen, Staatsexamen usw. in Form eines bestehenden Juristenausbildungssystems können ebenso weniger als Hort von besonderer Wissenschaftlichkeit taugen. Einer, einen höheren Anspruch umfassende Wissenschaft kann man dabei teils nur in einer besonders unverständlich undurchdurchdringlich schwereren Anspruchshaftigkeit ähneln. Dies aufgrund hier eher üblicher strenger, schwieriger, weil verbreitet willkürlicher Auslese. Eine darin höherer Wissenschaft ähnelnde Schwierigkeit im Recht kann, oft mehr karriere- als wissenschafts- oder gerechtigkeitsinteressierte o.ä. Absolventen in ihrer Bedeutung und damit ihren Karriere-Prestige- und Verdienstmöglichkeiten etc. aufwerten. Damit kann zugleich ein auslesender sozialer Machtprozess in bequemerer, mehr zufälliger und daher scheinbar fast chancengerechter Form vollziehbar sein. Dies dabei mitunter nur mehr im klaren Gegensatz zu einem Recht iSv. ideeller Gerechtigkeit, welches gerade eher einen Aspekt besonders leichter verständiger Einsichtigkeit etwa für Beteiligte beinhalten kann.

  • 23.03.2017 20:52, M. E.

    Meine Ansicht ist, dass das Jurastudium, wie es in Deutschland seit einigen Jahrzehnten gestaltet ist, häufig die "Falschen" anzieht. Menschen also, die den Beruf, auf den sie hin studieren, als prozessorientierte Dienstleistung begreifen und die hohe Verantwortung der Rechtspflege als Firlefanz abtun. Unser ungeschriebener Gesellschaftsvertrag fußt nicht auf dem Grundgesetz, sondern auf einem funktionierenden Rechtsstaat, dessen Instrument auch das Grundgesetz lediglich ist. Wie zig dysfunktionale Rechtsstaaten in der Geschichte aber auch Gegenwart zeigen, ist beschriebenes Papier alleine wert- und sinnlos, wenn die Rechtspflege sich ihrer Verantwortung nicht ausreichend bewusst ist - Tag für Tag, nicht nur bei Sonntagsreden oder eben für den Grundlagenschein Rechtsgeschichte im Studium.

    Die Ablehnung von wachsenden Teilen der Bevölkerung gegenüber diesem Gesellschaftsvertrag nimmt zu. Dazu muss man nicht nur nach Rechtsaußen blicken, auch mitten in der Gesellschaft wachsen die Zweifel, wenn sie sich auch wesentlich konstruktivere Bahnen brechen (z. B. die Initiativen zum bedingungslosen Grundeinkommen). Gemeinsam haben diese ihren revolutionären Charakter, der herrschenden (Rechts)Ordnung wird keine evolutionäre Veränderung zum Besseren mehr zugetraut.

    Und daran, das müssen wir als Juristen selbstkritisch feststellen, haben wir unseren Anteil. Juristen "machen" die Gesetze, die in Parlamenten beschlossen werden. Juristen wenden sie an, legen sie aus, richten mit ihnen. Juristen sind das "Werkzeug" der geltenden Ordnung. Dafür wird (nahezu) kein Bewusstsein bei der Ausbildung des Nachwuchses geschaffen. Wir werden zu "Technokraten" ausgebildet, die lernen in Zirkelschlüssen zu denken: es ist, wie es ist, wie es ist (es ist so, weil es im Gesetz steht, weil es so ist steht es im Gesetz, weil es im Gesetz steht ist es so). Die ggü. dem Rechtspositivismus kritische Denkschule aus der jungen Bundesrepublik ist schon lange wieder sterilisiert worden, übrig geblieben ist nur noch Radbruchs "Formel", die zwar jeder Jurastudent mal gehört hat, aber rasch als "Firlefanz" abhakt bzw. dem ohnehin keinen Gehalt beizumessen weiss.

    Zum Vergleich ein Blick nach Österreich. Wer in Wien "Jus" an der Uni studiert, der hat zunächst im ersten Ausbildungsabschnitt:

    -Rechtsgeschichte
    -Römisches Recht
    -Rechts und Verfassungsgeschichte der neueren Zeit
    -Romanistische Fundamente
    -Grundlagen des Völkerrechts
    -Grundlagen des Europarechts
    -Lateinnachweis

    zu absolvieren und auch zu "bestehen", sonst endet das Studium dort. Nach dieser fast schon umfassenden Humanistischen Ausbildung kommt mit dem BGB das erste bischen materielles "Alltagsrecht", das die Studenten dann entsprechend mit einem sehr kritischen Blick eigenständig einzuordnen und zu bewerten wissen. Das Studium ist auf ein tiefgehendes Begreifen - nicht nur eine bloße Kenntnisnahme und Wiedergabefähigkeit - des Rechts ausgerichtet. Prüfungsschemata sind ebenso wie das "Rep" entsprechend quasi unbekannt in der Alpenrepublik, da bei dieser Art des breiten Studiums zum Rechtswissenschaftler - statt nur einem "Rechtsbelehrten" - derartiger "Drill" überflüssig ist.

    Nach mind. 8 Semestern hat der österreichische Nachwuchsjurist dann auch den akademischen Grad des Magister, wenn er die entsprechende Abschlussarbeit angefertigt und "bestanden" hat. Statt ein paar Stunden beim Justizprüfungsamt, wie in der Bundesrepublik, krönt eine Magisterarbeit mit 6 monatiger Bearbeitungszeit das Studium.

    Und solch ein Mag. iur. kann dann, einzig mit seinem akademischen Grad, Rechtsanwalt werden, sich bei der Justiz oder in der Privatwirtschaft bewerben. Keine Staatsprüfung, kein Referendariat beim Staat. Österreichische Juristen gelten international kein bischen weniger angesehen oder qualifiziert als jene aus Deutschland, Österreich hat ein höheres BIP/Kopf als die Bundesrepublik vorzuweisen und höhere Durchschnittseinkommen unter Juristen als in der Bundesrepublik erzielt werden. Die Rechtspflege funktioniert besser als in der Bundesrepublik, denn die Prozessdauer beträgt teilweise, je nach Rechtszweig, nur ein Bruchteil, der in der Bundesrepublik zu erwarten ist. Daran hat sicherlich auch eine bessere Finanzierung der Gerichte einen Anteil, schlechtere Juristen sind die Österreicher aber evident auch nicht.

    Die rein wissenschaftliche Ausbildung der Juristen hat also evident all das nicht gezeitigt, was hierzulande immer für Drohkulissen aufgebaut werden, wenn wir die Heilige Kuh "Staatsexamen+Ref+Staatsexamen" schlachten und die Ausbildung komplett verwissenschaftlichen und den Hochschulen übergeben.

    Es gibt keine Alternative dazu. Die deutschen Juristen stellen sich gegen alle internationalen Gepflogenheiten, die sich nicht auf "Bologna" reduzieren lassen. Eine Verwissenschaftlichung und Akademisierung ist ein breiter Trend, die Deutschen bleiben jedoch bei ihrer Vergleichsprüfung, als handle es sich um einen Schulabschluss wie das Zentralabitur und nicht um eine individuell-wissenschaftliche Leistung, so anstrengend diese Prüfung auch zu bewältigen sein mag.


    Die deutsche Juristenausbildung bringt nicht die besten Juristen hervor, sie bringt lediglich die an unsere jur. Staatsprüfung bestangepasste Juristen hervor. Das ist nicht deckungsgleich!

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    • 25.03.2017 11:29, tüdelütütü

      Wie in Deutschland jedenfalls seit Cordoba 1978 bekannt sein sollte, kann für Deutschland oft bedeuten, von Österreich lernen, heißt Siegen lernen.

  • 23.03.2017 21:52, penisgenozid.de

    https://www.youtube.com/watch?v=0v4P4d3O3IU

    Die deutschen "Juristen" sind widerliche Nachkömmlinge von ungetöteten überlebten NAZIs! Entnazifizierung war bei deutschen "Juristen" und "Beamten" gar nicht durchgeführt!

    .

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