LTO.de - Legal Tribune Online - Aktuelles aus Recht und Justiz
 

Referendariat, neu gedacht: Sieben Ideen für eine bes­sere Juris­ten­aus­bil­dung

von Marcel Schneider

18.09.2017

Die meisten Volljuristen werden Anwalt, Ziel der Ausbildung ist aber immer noch die Befähigung zum Richteramt. Experten und Betroffene würden noch viel mehr als nur das ändern. Ein Querschnitt aus der Branche. 

"Recht des Anwalts definieren, Recht des Anwalts prüfen"

Fast 60 Prozent aller 7.462 Assessoren beantragten 2015 die Zulassung als Rechtsanwalt. Dieser Entwicklung ist das Leitbild der Ausbildung anzupassen. Das wird seit 2003 mit der "anwaltsorientierten Juristenausbildung" auch versucht.

Die §§ 5b und 5d DRiG sehen dazu eine verlängerte Anwaltsstation im Vorbereitungsdienst und die Berücksichtigung der rechtsberatenden Praxis in der Prüfung vor. Einige Bundesländer beteiligen die Anwaltschaft vermehrt am Unterricht der Referendare.

Das damit angestrebte Ziel ist damit jedoch bisher nicht erreicht worden: Der Lehrbetrieb und die Prüfungen orientieren sich unverändert am Amt des Richters. Entscheidender Grund hierfür ist, dass die Neuerung nicht in entsprechende Examensaufgaben umgesetzt wird. Das Recht des Anwalts muss auch regelmäßig geprüft werden, damit Kandidaten nicht "auf Lücke" lernen.

Auch die in den letzten Jahren vermehrt gestellten Anwaltsklausuren sind im Kern weitgehend nur die gewohnten dogmatischen Aufgaben mit anderer Rahmenhandlung. Es braucht als erstes eine klare Definition des anwaltsspezifischen Stoffs. Der muss dann gelehrt und auch tatsächlich im Examen abgefragt werden.

RA Gustav Duden, Vorsitzender des Ausschusses Juristenausbildung der BRAK

Zitiervorschlag

Marcel Schneider, Referendariat, neu gedacht: Sieben Ideen für eine bessere Juristenausbildung . In: Legal Tribune Online, 18.09.2017 , https://www.lto.de/persistent/a_id/24507/ (abgerufen am: 07.12.2019 )

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 18.09.2017 11:52, Wahl abwarten

    Spätestens, wenn sich die SPD perfiderweise in den kommenden vier Jahren als ,,Opposition" stilisiert und der durchschnittlich, extrem dumme Wähler bei der übernächsten Wahl die SPD wählt, weil man jetzt mal ,,was anderes als die Konservativen" braucht, wird es so sein: Die SPD sucht sich die Grünen als Koalitionspartner aus und - was dem Zeitgeist geschuldet bei der letzten rotgrünen Regierung noch nicht möglich war - wird nun Singen, klatschen und Bongotrommeln das Examen ersetzen. Leistung hat schließlich was mit Elite zu tun und Elite war auch ein Schlagwort bei den Nationalsozialisten. =)

    • 18.09.2017 12:09, Referendar

      Ungeachtet des generell gewagten und fragwürdigen Inhalts ihrer Prognose stellt sich für mich die Frage: Welcher Zusammenhang besteht zum Artikel und den darin geäußerten Meinungen zum Referendariat?

    • 18.09.2017 13:57, @Wahl abwarten

      Ich mag persönlich weder SPD noch Grüne, aber Ihre Angst ist einfach zuckersüß. Schön zu sehen, dass da draußen noch Politikdinosaurier rumlaufen, für die alles, was nicht LEISTUNG LEISTUNG LEISTUNG ist, offenbar abgelehnt werden muss. Wählen Sie FDP? Das wäre konsequent. Blöd nur, dass Sie zu deren Zielklientel vermutlich nicht gehören, oder?

  • 18.09.2017 13:12, RAin

    Es wäre ja schon schön, wenn man sich in der Zivil-AG bei Gericht eingehender mit dem RVG befassen würde. Die Richtersicht, also die Kostengrundentscheidung mussten wir bis zum Erbrechen durchkauen. Wer aber in einer kleinen Kanzlei anfängt und nach RVG abrechnet, hat ohne entsprechende Fortbildung und Fachliteratur das Nachsehen.
    Wir rechnen nicht nach RVG ab, ich empfinde es aber heute noch als Manko, dass ich mich bei der Beantragung von KFBen oder anderen gelegentlichen Berechnungen zu 100% auf unsere ReFa verlassen muss, ohne selbst überprüfen zu können, ob wir alle denkbaren Gebühren berücksichtigt haben. Immerhin ist es meine Unterschrift, die drunter steht, also stehe ich für eventuelle Fehler gerade.
    Die grundlegende Berechnung geht noch, aber auch da fehlt mir die Sicherheit, die ich hätte, wenn ich im Ref was dazu gelernt hätte.

    • 19.09.2017 15:15, Gast

      Echt jetzt? Jurastudium und Referendarzeit haben Sie nicht befähigt, sich das anwaltliche Vergütungsrecht so zu erarbeiten, dass Sie mit Ihren ReFas mithalten können? Können Sie im materiellen Recht auch nur das, was in Ihrer Ausbildung irgendwann mal explizit drangewesen ist?? Ein peinlicher Kommentar.

    • 24.09.2017 19:04, RAin

      Na, dann möchte ich Sie mal sehen, wenn Sie einmal im Jahr eine RVG-Rechnung erstellen müssen, ohne, dass Sie das jemals vorher gemacht haben.
      Sorry, ich finde es nicht peinlich, da ins Schwitzen zu kommen. Aber jedem seine (überhebliche) Ansicht.
      Lieber Fehler zugeben können, als ignorant einfach drüber hinwegzugehen.

      Ich kenne übrigens keinen Anwalt, der ohne jedes Programm eine perfekte Abrechnung erstellen kann, ohne nicht mindestens einmal unsicher zu sein und da sind Anwälte dabei, die seit 10 Jahren nach RVG (mit Anwaltssoftware) abrechnen.
      Wenn ich stattdessen einige Jahre nach dem Ref noch ohne Probleme die Baumbach'sche Formel erläutern kann, läuft da was falsch. Denn die brauche ich im Leben nicht mehr.

    • 18.10.2017 17:57, RAin

      Heute nach erfolgreichem Widerspruch gegen den ablehnenden Bescheid der Deutschen Rentenversicherung bzgl. der Befreiung einer unsere Anwälte mal eine Kostenberechnung im Sozialrecht. Weder eine von unseren Refas, noch einer von uns Anwälten hat sich jemals damit auseinandergesetzt, also habe ich die Berechnung korrigiert. Die Kommentare bei Beck-Online sind teilweise veraltet und die übrige Literatur auch nicht einheitlich, also habe ich etwas Zeit gebraucht. Aber ich bin auch dumm und meine Kommentare peinlich. Sie, Herr Gast, hätten das mit Ihrem umfassenden Wissen natürlich mit links und in 5 Minuten erledigt ;-)

  • 18.09.2017 13:21, M.D.

    Ich unterstütze den Vorschlag Nr. 6. Wer Anwalt werden möchte, muss nicht als Richter geprüft werden. Das kann im Zweifel im Assessement-Center erfolgen.

    Bei dem gesamten Thema muss man jedoch auf dem Schirm behalten, wozu es das Referendariat überhaupt gibt. Es ist eine Zwangsveranstaltung, um den Nachwuchs in der Justiz sicherzustellen. Es ist eine Art Wehrdienst für Juristen. Anwälte sind allenfalls ein Abfallprodukt dieses Systems.

    • 18.09.2017 13:58, @M.D.

      "Wer Anwalt werden will" ... hm ... ich dachte immer, das ist der Notnagel für die, die eben nicht Richter werden?

    • 18.09.2017 15:04, Eric

      Wehrdienst für Juristen. Auf eine absurde Art ein sehr passender Vergleich.

    • 18.09.2017 15:30, R zu+dem+A

      "Wehrdienst für Juristen" - wirklich sehr schön formuliert, vielen Dank!

    • 12.10.2017 10:49, PB

      Was ist mit denen, die weder Anwalt noch Richter werden wollen? Die Tätigkeitsbereiche für juristen schon national, noch viel mehr aber international sind schier endlos, dennoch wird man im wahrsten Sinne des Wortes in Deutschland nicht "für voll genommen", wenn man nicht das zweite Staatsexamen abgelegt hat. Während ich grundsätzlich denke, dass wir uns von diesem Denkmuster verabschieden müssen, gilt jedenfalls, dass eine zweispurig (und eben nur zwei-spurig) gedachte Ausbildung aus dieser Perspektive nicht zielführend ist.

  • 18.09.2017 13:35, Mike M.

    Ich halte überhaupt nichts von einem Anwaltsreferendariat. Ein guter Anwalt kann eine richterliche Entscheidung voraussehen. Deshalb sollte beide gleich ausgebildet werden. Ideal wäre sogar eine stärkere Durchlässigkeit zwischen dem Richter- und dem Anwaltsberuf. Was würde z.B. ein Richter machen, dem in der Probezeit nahegelegt wird, die Justiz zu verlassen? Warum soll ein ehemaliger Richter nicht nach der Pensionierung als Anwalt tätig sein?

    Neben dem Fachlichen gäbe viele weitere Nachteile für den Nachwuchs: Klar ist natürlich, dass der Staat die Anwaltsreferendare nicht bezahlen würde. Man ist also vom Goodwill der alten Hasen abhängig. Die Anwaltsverbände würden natürlich auch gern die Prüfungen abnehmen, um sie so Konkurrenz vom Leib zu halten. Siehe Steuerberaterexamen, wo es vor allem um Schnelligkeit geht.

    • 18.09.2017 16:45, Realist

      "Ein guter Anwalt kann eine richterliche Entscheidung voraussehen." Ernsthaft??? Am Amtsgericht herrscht ein Herr Richter "Mir doch egal" gemeinsam mit einem gewissen Herrn "weil ich Richter bin und sowas nicht nötig habe mal im Palandt nachzuschauen". Besser wirds erst am OLG. Bis dahin toben sich völlig irre vom Raumzeitgefüge unabhängige Machtmenschen am Normalbürger aus. Allein getragen von der Herrlichkeit, die ihnen irgendwann einmal durch eine gekaufte Examensnote zugesprochen wurde, als die Examensnoten noch billig waren.
      "Was würde z.B. ein Richter machen, dem in der Probezeit nahegelegt wird, die Justiz zu verlassen?" Antwort: Mit dem Rest der völlig verkrachten Persönlichkeiten in die Politik gehen.
      "Warum soll ein ehemaliger Richter nicht nach der Pensionierung als Anwalt tätig sein?" Weil der Mensch im Alter an Gehirnleistung verliert, wie man sehr schön an Menschen wie Herrn Mehdorn etc sieht. Irgendwann kommt der Punkt, wo das Alter einen Menschen langsamer werden lässt und dann sollte es auch gut sein. Man muss nicht bis zum Scheintod in einer Kanzlei sitzen, nur weil man sich nicht eingestehen kann, dass man eben nicht mehr mit den neueren Errungenschaften der Technik oder der Europäischen Union klar kommt.
      Der Grund, weshalb solche Leute unbedingt noch als Anwalt dahinsiechen wollen ist, dass die armen Menschen nichts anderes im Leben haben außer Jura. Wer in dieser Situation steckt, mag ein guter Jurist gewesen sein, aber eben auch nicht mehr. Ob man dann überhaupt etwas aus dem Leben gemacht hat, wenn es nichts lebenswertes gibt, als den Beruf?

    • 18.09.2017 16:53, @Realist

      Klasse! Ich hatte mich immer schon gefragt, wie blanker Neid schriftlich ausformuliert aussieht :-)

    • 19.09.2017 09:33, LaForge

      Richterliche Entscheidungen unterliegen der Gesetzesbindung, die Verfahren sind an das Prozessrecht gebunden. Kenntnis der materiellien Rechtslage zeigt selbstverständlich jedem kundigen Juristen, was da als Entscheidungsspielraum für den Richter bleibt und wenn man sich dann noch möglichst neutral die Sachlage anschaut, dann wird man in der Tat recht gut antizipieren können, in welche Richtung das Gericht sich wohl bewegen wird.

      Nur, dazu braucht es das Ref nicht dazu trägt das Ref auch nicht bei. Die Fertigkeit dazu, die materielle Rechtslage zu analysieren und zu vertretbaren Ergebnissen zu kommen, erlernt man an der Uni. Wie sehr das verfeinert wird unterliegt im Ref plötzlich einer haarsträubenden Willkür und einer haarsträubenden Zufälligkeit, je nachdem, wie der zuständige AG Leiter so drauf ist, wie der betreuende Richter so drauf ist usw. Dafür, dass wir immer das Hohelied vom Einheitsjurist singen, ist diese zweite Ausbildungsstufe erschreckend chaotisch gestaltet. Im Grunde sind die einzigen, die sich dem Bild des Einheitsjuristen unterwerfen diejenigen, die eigentlich die Freiheit von Forschung und Lehre zum "Endprodukt Volljurist" beitragen sollten, die Universitäten. Der Staat selbst, sobald er im Rahmen des Ausbildungsverhältnisses des Ref für den Jungjurist zuständig ist, kümmert sich überhaupt nicht um Bildungsstandards und deren Einhaltung. Aber entweder man hat ein 2 jähriges Ref als Ausbildungsverhältnis oder man lässt es bleiben. In der bisherigen Form ist das nichts halbes und nichts ganzes und daher zurecht für viele Jungjuristen ein großes Ärgernis, das jemand anderes in Kommentaren ja recht treffend als "Wehrdienst für Juristen" charakterisiert hat.

      Man kann dem Grundgedanken eines Refs was abgewinnen. Aber nicht so, wie es heute und seit Jahrzehnten angeboten wird. Entweder eine echte, qualitätvolle zweite Stufe der Ausbildung - oder es ist abzuschaffen und mindestens auf eine einstufige Ausbildung umzustellen. Derartige Experimente a lá "Augsburger Modell" wurden ja auch nie fachlich kritisiert sondern einzig aus Kostengründen wieder beendet. Klar, gute Ausbildung kostet Geld. Das ist der eigentliche Hintergrund des Status Quo. Alles andere sind Erklärungen, die man sich nachträglich zur Rechtfertigung zusammen gesucht hat.

    • 19.09.2017 15:28, Realist

      Kein Neid, nur die Forderung Richter lediglich auf vier Jahre zu berufen und anschließend durch Juristen zu ersetzen, die keine Fortbildungsallergie haben.

  • 18.09.2017 14:58, Eric

    Man muss das Rad nicht neu erfinden. Österreich ist uns kulturell, aber auch rechtlich, vermutlich am ähnlichsten. Dort wird die Befähigung zur Ausübung geschützter Rechtsberufe durch den Magister Iuris an der Universität erworben.

    Die Österreicher hatten übrigens bei Kriegsende das selbe Ausbildungssystem und waren auch dem Reichsjustizprüfungsamt prägend untergeordnet. Bis heute darf bei uns letztlich nur derjenige in den geschützten Beruf, der beim JPA beide Staatsprüfungen erfolgreich absolviert hat.

    Die Österreicher sind bewusst einen anderen Weg gegangen, auch und gerade wegen dem Leitbild des Einheitsjurist, das dort auch vorherrscht. Aufgrund der Gewaltenteilung ist dieser Einheitsjurist aber nicht von Landesämtern (JPAs) und vom Bundesgesetzgeber (Deutsches Richtergesetz) zu prägen, sondern durch die Freiheit von Forschung und Lehre der Rechtswissenschaften, so dass sich eben nicht die Justiz, die Obrigkeit, "ihren" Nachwuchs heranzieht.

    Diese Entscheidung ist nachvollziehbar und auch heute genauso richtig wie damals. Höchste Zeit, dass wir das endlich nachholen.

    Man kann keine unabhängige Judikative einführen, aber die Maßstäbe nach denen der einzelne Judex ausgebildet und ausgewählt wird, ein Landesamt bestimmen lassen.

    Denn machen wir uns nichts vor, die JPAs könnten auch gleich Träger der juristischen Fakultäten hierzulande sein. Der Stoff an der Uni wird durch die sog. examensrelevanz vorbestimmt, selbst da, wo er nicht detailliert als Pflichtstoff geregelt ist. Denn wer seine Studenten möglichst erfolgreich durch diese, de facto an die JPAs ausgelagerte, Abschlussprüfung bringen will, der käut am besten exakt das wieder, was die JPA wollen und wonach diese bewerten.

    Die Freiheit der Lehre ist dadurch an juristischen Fakultäten fast eine Farce. Das wird noch dadurch verstärkt, dass es irrelevant ist, wie man in Prüfungen der Uni abschneidet. Hauptsache bestanden. Entsprechend spricht man ja auch nur von "Scheinen". Die so auf eine Rolle als Zuarbeiter reduzierten Fakultäten sind entsprechend auch mitunter überfordert, wenn es dann doch mal eine Bewertung von dauerhafter Relevanz braucht, siehe die Spannbreite der Schwerpunktsnoten. Das ist aber das Symptom, nicht das Problem oder gar ein Argument dagegen, dass auch der prüft, der lehrt.

    Alle theoretischen Befürchtungen dagegen lassen sich mit einem Wort ausräumen: Österreich.

    In internationalen Rankings rangiert Österreich teils sogar knapp vor der Bundesrepublik, wenn es um einen funktionierenden Rechtsstaat geht, teils gleichauf, aber nie hinter der Bundesrepublik. Geschadet hat den Österreichern also offenbar nicht, dass dort gilt, wer lehrt der prüft auch.

    Vermutlich eher geholfen. Meiner persönlichen Erfahrung nach, aus Kontakt mit Juristen aus Österreichern, sind diese vom Selbstverständnis nach eher freie, eigenständige Rechtswissenschaftler, die sich eine Tätigkeit gesucht haben. Nicht die Tätigkeit (Befähigung zum Richteramt) hat sich sie ausgesucht.

    • 18.09.2017 16:50, @Eric

      Echt jetzt? Die Schluchtenscheisser als Vergleichs-Basis? Absurd.

    • 18.09.2017 16:57, Eric

      Nein wie sachlich, prägnant und kenntnisreich, Sie haben mich vollkommen überzeugt. Wovon auch immer.

  • 18.09.2017 21:46, A.

    "Aber kein Referendar ist gezwungen, zur Maximierung des Zuverdiensts eine Stage zu wählen [...]"

    Dann allerdings sollten allerdings die Länder mal anfangen Unterhaltsbeihilfen zu zahlen, die auch in Großstädten keinen erheblichen Zuverdienst erfordern.

    "[...] die hochspezialisierte Sachbearbeitertätigkeiten über das Interesse an einer fachlich belastbaren Ausbildung."

    Weil natürlich in Kanzleien, die eine gute Stagenvergütung zahlen, keine fachlich belastbare Ausbildung geboten wird. Und wir kennen alle die zahllosen Beispiele, bei denen so eine Spezialisierung im Leben nach dem zweiten Staatsexamen völlig die Karriere verbaut hat. Man merkt, hier spricht jemand, der das Leben als Anwalt kennt!

    • 19.09.2017 08:47, Hyperion

      Preach!

    • 19.09.2017 09:11, LaForge

      Mit Stage und Pflichtstationen im Ref verhält sich es sich eigentlich so, dass die Stage das ist, was das Ref sein sollte. Das Ref hat überhaupt nur dann irgend einen nachvollziehbaren Sinn, wenn man sich vor Augen führt, dass der rote Faden unserer ganzen Juristenausbildung bis heute die Befähigung zum Richteramt sein soll und man sozusagen an das Berufsbeamtentum als StA oder Richter herangeführt werden soll. Nur, die allermeisten Jungjuristen gehen in die Anwaltschaft oder in ein Angestelltenverhältnis. Die Ausnahme "Jurist im Berufsbeamtentum" wird zum Regelbeispiel und Leitfaden für die Ausbildung Aller gemacht. Auch schon an der Uni, deren Ausbildung ja de facto komplett durch die Anforderungen der Landesjustizprüfungsämter vor- und fremdbestimmt werden, nur die Uni, welche die universitäre Ausbildung maximal auf die Anforderungen (inkl. "Denkweise" der "Behördenjuristen") ausrichtet, der wird seine Studis erfolgreich durch diese Prüfung bringen. Dass es weder für die Tätigkeit im freien Beruf, noch in der freien Wirtschaft als angestellter Jurist - noch für die Rechtspflege, Unabhängigkeit der Rechtspflege und eigenständige Denkweise - ein Vorteil ist, dass unsere Ausbildung ganz auf das Berufsbeamtentum geeicht ist, sollte ohne weitere Diskussion offensichtlich sein Das ist einfach besch...eiden.

      Das Grundübel ist, dass der Zugang zum geschützten Rechtsberuf hierzulande nicht durch ein noch so virtuoses Studium der Rechtswissenschaften möglich ist, sondern ausschließlich durch die erste Staatsprüfung durch eines der 16 Landesjustizprüfungsämter. Das kann man ja gerne parallel weiterbetreiben, als Voraussetzung für all jene die in das Berufbeamentum wollen, nur wissen die Interessenvertreter dieser LJPA und auch der Nachwuchsbeschaffung der Justiz sehr gut, dass die Handvoll, die sich dafür dann noch bewusst entscheiden würde, die bisherigen Strukturen nich weiter tragen würde, Ref und Nachwuchsbeschaffung für die Justiz in der bisherigen Form würden kollabieren.

      Und die Justiz müsste sich doch glatt mehr anstrengen, Nachwuchs zu rekrutieren, ohne dabei den Strukturvorteil zu haben, dass der gesamte Nachwuchs zwangsweise in die Tätigkeit in den Amtsstuben reinschnuppern muss und dabei nahezu 100 % derer abgefischt werden können, die sich in irgend einer Form für das Berufsbeamtentum begeistern können. Für den Rest, die übergroße Mehrheit, kommt dann die "Zweitverwertung" im freien Beruf oder in der freien Wirtschaft, als Angestellte. Dieses ganze System dient weder der optimalen Rechtspflege, noch einer möglichst kompetenten Ausbildung junger Juristen, es kreist um die Nachwuchsgewinnung und Interessen des juristischen Berufsbeamtentums.

      Das endlich einmal eindeutig zu benennen hat auch dieser Artikel leider nicht gebracht. Alle Reformvorschläge bewegen sich weiterhin innerhalb der Begrenzungen des Status Quo, mit mehr oder minder großen Nachjustierungen.

    • 19.09.2017 17:37, @A.

      Gute Idee: Verbesserung der Referendarsausbildung durch erhöhte Bezüge. Darauf können sich alle einigen. Warum nur macht der Staat das nicht?

  • 23.09.2017 15:42, eono

    Da Alle mit einer normalen Schullaufbahn > bis zum Abitur > 2. Staatsexamen ggf noch Assessor oder und Promotion zu oft auffallen: Praxisferne,
    eigene Nasenspitze, Frechheiten, Arbeit-Dienstverweigerungen, Missbrauch Ufa
    würde ich - arbeiten und lernen von mindestens einer 1-jährigen Ausbildung (das gibt es) 2 Jahre in einem normalen Betrieb je nach Neigung - Krankenhaus, Wirtschaft - begrüßen. Begründung: Das waren bis Ende 20 im wesentlichen Kinder, die oft genug oft auch noch zu Hause wohnten/wohnen - und dann:
    Sitzen sie alleine in einem Dienstzimmer in einem Amt - in einer Kanzlei - und
    wissen nicht was sie tun sollen. Oder wie man überhaupt arbeitet. Oder was man
    nach dem 1. grüßgott/guten Tag noch sagen könnte. - Dieses und ähnliches war
    im Westen schon in den 70ern 80ern ein Ärgernis - leider änderte sich "seit der
    Wende ist alles anders" nichts wirklich. Die Zeit ging stattdessen zurück in die Steinzeit. Willkür. Anarchie. Missbrauch. - Juristen zeigten demzufolge auch nichts 1991.92-1994-2017. - Der Fall ist klar: Niemand weiß so recht welches Wort welche Bedeutung hat. Niemand muss müssen. Jur können sich die Fälle aussuchen. Falls es einem gelingt, in den ersten 2-3 Sätzen überzeugend genüg
    aufzutreten. Alle müssen offenbar so tun als müssten sie alles wissen. Niemand muss fragen. Angeber sind die "Schlauesten!" Nun halte ich von Schlauen, Lügnern, Betrügern nicht Ballzuviel. "Wer lügt, der stiehlt" mindestens Lebenszeit
    und das ist schon eine ganze Menge dem noch viel folgen kann.
    Bei der Vielfalt die in D möglich sind, wohin jemand staatsrechtlich will - können
    Zivielpersonen die ihre Rechte wahrnehmen wollen - praktisch nur reinfallen.
    Beck-Texte im Tb-Format scheinen Jur nicht zu kennen noch zu wollen.
    Den Palanth auch nicht. - Und mit den "Losen Blattsammlungen" können Nicht-
    jur. Personen nicht unbedingt etwas anfangen. Findet man das Stichwort - einen
    Fall, dann noch lange nicht das Land, die Jahreszahl, oder die Aktualisierung.
    Und "Schönfelder" sollen ja selbst Jur. Stud. nur deshalb unter dem Arm tragen,
    damit sie intelligent aussehen. - Naja das macht man ab und zu. Das gibt es auch in anderen Fachbereichen. - Es mangelt an der Kommunikationsfähigkeit.
    Lässt sich ein Ri auf ein Gespräch ein, führt dieses aber nicht, bricht vorzeitig ab -
    dann kann er kurz danach sich was "denken" "Aktivitäten ergreifen" aber nun schon wieder keine "Anhörung" durchziehen usw....damit kann er Ufa im Anschluß durch kommen - weil ja niemand muss, irgendwer wird schon was erarbeitet haben .. Es ist nichts und bleibt eine Luftblase. Und das ist einfach irre,
    verrückt, unbefriedigend. Sinnlos. Teuer. Wahnsinn. Schwachsinn. - Das funktioniert intern. Jemand arbeitet zügig seine Akten ab. - Hm ja. Aber leider ...
    hat nie Jemand gelernt die Andere Seite ernst zu nehmen. Zu sagen: Das verstehe ich nicht. Darüber sollte man sich einmal unterhalten. Kommen sie doch mal vorbei - Zeitfenster ...Staatsanwälte nicht. Richter nicht. Rechtsanwälte nicht.
    Und so wimmeln sie meistens alles ab. Das ich mich schon manchmal besorgt frage: Wovon leben eigentlich Rechtsanwälte?

    • 24.09.2017 13:09, @eono

      Probieren Sie doch zur Abwechslung mal, eine EINZIGEN verständlichen Satz zu formulieren. Subjekt, Prädikat, für ganz Mutige vielleicht sogar noch ein Objekt. Es ist nicht so schwer. Vielleicht hört ihnen DANN auch jemand zu. Bis dahin bitte einfach weiter warten, bis der Betreuer zu Besuch kommt oder der Pfleger das Essen bringt...

  • 30.09.2017 01:29, Baerli

    Was macht einen guten Anwalt aus? Die Fähigkeit maximale Gebühren abzurechnen? Sicherlich soll er angemessenen Ergebnisse für seine Mandanten erreichen. Da schadet es nicht auf gleicher Augenhöhe mit den Gerichten und Staatsanwaltschaften denken zu
    können. Wie sieht die Alternative konkret aus?