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Rap über die Examensvorbereitung: "Jura-Soldaten im Kampf mit dem Schweinehund"

Er ist 28 Jahre alt, hat zwei Prädikatsexamina in der Tasche und arbeitet als Associate im öffentlichen Wirtschaftsrecht bei einer Berliner Großkanzlei. Der Rapper J-Cop entspricht nicht gerade dem typischen Hip-Hopper-Klischee. Dass sich Juristendasein und Rap dennoch gut verbinden lassen, zeigt er in einem Lied, das gerade unter Studenten große Erfolge feiert: "Jura-Soldaten".

Seinen Namen möchte J-Cop lieber nicht in der Zeitung lesen. Zu groß ist die Sorge, dass potentielle Mandanten einen falschen Eindruck bekommen könnten. Hip-Hop hat ein Image, das sich schlecht mit einer seriösen Tätigkeit als Anwalt verbinden lässt. Und J-Cop ist beides: Großkanzleianwalt und Rapper. Im vergangenen Jahr hat er sein zweites Staatsexamen abgelegt, jetzt arbeitet er bei einer Großkanzlei in Berlin. Associate im öffentlichen Wirtschaftsrecht. Mit dem Studium hat er abgeschlossen.

Als Rapper hat er die Lernphase aber natürlich in einem Lied verarbeitet. "Jura-Soldaten", so der Titel, handelt von Stress, den Examenskandidaten in den Monaten vor der Prüfung haben: "Ich wach’ morgens auf, Kopf auf dem Sartorius, keine Zeit zum Duschen, weil ich weiter lernen muss. Ich hab’ Druck, ich hab’ Stress, doch ich bin das gewohnt. Das Magengeschwür kriegt mich nicht tot."

"Natürlich ist das Lied stark überspitzt, eine Menge Ironie gehört dazu. Aber ein wahrer Kern ist dabei. Das Examen ist hart", sagt J-Cop rückblickend. "Ich mache mich aber auch lustig darüber. Man bekommt in der Lernphase einen Tunnelblick, weil man ja nur von Examenskandidaten umgeben ist. Da überbietet man sich im Skripte-Lesen und lebt in einer eigenen Welt. Dabei sind es am Ende ja 'nur' ein paar Klausuren."

Viraler Erfolg im Internet

In kurzer Zeit haben sich schon mehr als 20.000 Menschen das Lied bei Youtube angehört. "Ich habe längst die Kontrolle verloren, wer das anklickt", so  J-Cop. "Ich bekomme aber von Freunden aus ganz Deutschland berichtet, dass Leute, die ich selber gar nicht kenne, das Video auf Facebook und Twitter posten." Die Texte sprechen vor allem Studenten an, die sich selber in der Prüfungsvorbereitung befinden, aber auch viele Anwälte sollen unter den Fans sein.

"Scheiß auf Jesus, ich lern’ an Heilig-Abend. Wann sieht man gute Christen schon Mercedes fahren?", rappt er in dem Song. Aber wie viel davon trifft wirklich zu? "So schlimm war es dann doch nicht", sagt J-Cop lachend. "Wer an Heiligabend lernt, hat sie doch nicht mehr alle. Von Weihnachten bis Silvester war Pause, da wurde nur gegessen und getrunken."

J-Cop stammt aus einer Juristenfamilie "mit Tradition". Sein Vater war Richter, sein Großvater Rechtsanwalt. Nach dem Abitur wollte er Journalist werden. Weil sein Schnitt von 1,7 aber nicht für den Traumstudienplatz reichte, fing der Rapper ein Jurastudium an. "Die Tatsache, dass ich den Familienweg einschlage, war schon eine Hürde. Ich habe dann aber gemerkt, dass es mir wirklich Spaß macht." Es macht ihm nicht nur Spaß, er ist auch gut. Beide Staatsexamina besteht er mit Prädikat, während des Referendariats arbeitet er als Repetitor.

Rap und Recht: Eine nicht unbekannte Verbindung

Dass er als Jurist rappt, findet er gar nicht so ungewöhnlich: "Es gibt mehr Rapper unter Juristen, als man denkt." Bei beidem sei schließlich die Sprache das einzige Werkzeug. Auch in der Szene ist er mit Jurastudium anerkannt. "Klar, man kriegt mal einen Spruch reingedrückt. Hip-Hop ist sehr verwurzelt in der Idee, dass man von unten kommt und sich hocharbeitet", sagt J-Cop. "Aber die meisten Rapper haben Respekt vor dem Studium. Die Leute, die Musik ernst nehmen, arbeiten ja selber unheimlich viel. Wer den ganzen Tag nur chillt, bringt es weder in der Musik noch in Jura zu was."

Immer wieder gibt es Beispiele für erfolgreiche Juristen im Hip-Hop. So sind zwei Mitglieder der in den Neunzigern bekannt gewordenen Rapformation "Die Coolen Säue" Anwälte. Noch nicht ganz so weit ist der für sein schnelles Sprechtempo bekannte Gangsta-Rapper Kollegah, als Student ist er momentan an der Uni in Mainz eingeschrieben. Zu den eher kuriosen Anekdoten in Sachen Juristenrap gehört der Song eines Kölner Professors zum  § 823 BGB. Das gereimte Prüfungsschema war Teil einer Veranstaltung "Lerntechniken für Juristen". Ein "netter Versuch" meint J-Cop dazu: "Man schämt sich schon ein bisschen fremd. Die Reime sind erzwungen und auch inhaltlich geht es besser."

Ansonsten beschäftigen sich Rapper in Sachen Jura vor allem mit Strafrecht. So ging das Video zum Lied "§ 31" von Rapper Xatar durch die Presse, weil er es im Kölner Oberlandesgericht drehte. In dem Drohvideo singt er von der Kronzeugenregelung des § 31 BtMG, sein damaliger Anwalt Michael Hakner spielt eine Nebenrolle. Ein anderer Rapper, Aykut Anhan, hat sich gleich der Rechtsterminologie für seinen Künstlernamen bedient, er nennt sich Haftbefehl.

Über das Schreiben zum Rap

Auch wenn J-Cop leidenschaftlicher Rapper ist, eine Vollzeitalternative zu Jura war es für ihn nie. "Musik ist schon ein wichtiger Teil meines Lebens. Die Juristerei ist da mehr eine Hassliebe, die mir auch viel bringt", sagt er. Die Gemeinsamkeit: "Ich will meinen Kopf fordern."

Das "Kopf-Fordern" hatte ihn ursprünglich zum Rap gebracht. "Als Jugendlicher war ich eigentlich auf der Rockerseite, lange Haare und so", erklärt J-Cop, der damals Schlagzeug in einer Band spielte. Daneben schrieb er Texte, hauptsächlich Gedichte und Kurzgeschichten. Freunde aus der Hip-Hop-Szene fragten dann, ob er nicht sich mal an Rap versuchen wolle.

Zwei Sachen gefielen ihm besonders: "Beim Rap steht der Text ganz klar im Vordergrund. Und der deutsche Hip-Hop hat sehr viel mit Humor zu tun." Wobei er für den Song "Jura Soldaten" eingesteht: "Da ist der Humor schon sehr für Juristen. Andere werden das Lied eher weniger verstehen." In dem Lied rappt er schließlich nur über sein Studium, die Zeilen sehr Juristenhumor: "Und du lernst seit einem Jahr, doch du raffst es nicht, dir fehlt jede Dogmatik, wie dem Verfassungsgericht. Aber quod licet Iovi, non licet bovi, die sind Juras Guns N’ Roses und du nicht mal Jon Bon Jovi."

Seine Lieder sind zu einem großen Teil eigene Erfahrungen und Erlebnisse: "Ich wollte mir keine Kunstfigur erschaffen. J-Cop bin zum großen Teil ich selbst." Ein Problem ist für ihn die unterschiedliche Art von Juristen und Rappern, mit Worten umzugehen: "Man muss aufpassen, dass man nicht die Kreativität in der Sprache verliert." Jura und Rap verlangten zwar beide kreatives Denken, doch sei man im Hip-Hop sprachlich viel freier. "Ich habe mir gut erhalten, die 'Jurasprache' nicht überhand nehmen zu lassen", ist er aber überzeugt.

Er plant nun, ein erstes Album zu veröffentlichen. Viele der bereits veröffentlichten Lieder sollen darauf sein, auch ein paar neue Songs sind in Planung. Einen weiteren Jura-Rap schließt er nicht aus: "Neben den 'Jura-Soldaten' gibt es für mich auch 'Kanzlei-Soldaten'."

Zitiervorschlag

Philipp Sümmermann, Rap über die Examensvorbereitung: "Jura-Soldaten im Kampf mit dem Schweinehund" . In: Legal Tribune Online, 06.03.2012 , https://www.lto.de/persistent/a_id/5705/ (abgerufen am: 17.06.2019 )

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