Juristische Examina: Wie man dem Prü­fungs­druck stand­hält

von Daniela Dihsmaier

14.12.2017

Viel zu lernen und ständig unter Strom: Häufig erleben Kandidaten die bevorstehende Prüfung als enorme Drucksituation. So kann eine Angst entstehen, die durch fachliches Lernen alleine nicht zu bewältigen ist, erklärt Daniela Dihsmaier.

Starke Nerven sind zum Teil genetisch bedingt, doch auch die Summe unserer negativen und positiven Erfahrungen hat großen Einfluss darauf, ob wir entspannt oder sehr nervös mit Herausforderungen und Druck umgehen. Unser Stressverhalten wie auch Prüfungsangst sind automatisierte Gewohnheiten.

Diese routinierten Verhaltensweisen werden im sogenannten impliziten Gedächtnis abgespeichert. Das heißt, dass sie sich auf Erleben und Verhalten des Menschen auswirken, weil sie "automatisch" ablaufen. So können Prüfungsergebnisse deutlich hinter den Erwartungen zurückbleiben, obwohl man sich gut vorbereitet und viel gelernt hat. Gesundheitliche Einschränkungen wie ein schwaches Immunsystem treten ebenfalls häufig auf.

Der Dauerstress kann vor allem auch die Fähigkeit des Neulernens und des Erinnerns beeinträchtigen. So kann es dazu führen, dass wir wegen des dauernd erlebten Prüfungsdrucks vergesslich, unkonzentriert und weniger leistungsfähig werden - was angesichts des breiten Pflichtstoffkatalogs beider Examina alles andere als günstig ist.

Alte Denkmuster durchbrechen

Die gute Nachricht ist: Da wir zu einem Teil von unseren Erfahrungen geprägt werden, können wir ein Leben lang unsere Denkmuster verändern. Grund hierfür ist die sogenannte Plastizität des Gehirns. Es verändert seine feine Architektur zwischen den Nervenzellen permanent. Werden Aktivitätsmuster im Gehirn oft - und am besten auch mit Freude - wiederholt, dann lernen wir Neues. Das gilt für bewegungssteuernde Elemente, aber auch für die Art und Weise, wie sorgenvoll beziehungsweise –frei wir dem Examenstermin entgegenblicken, oder wie gut wir uns Dinge zum Kommunalwahlrecht merken können.

Genaugenommen denken Sie also bereits nach dem Lesen dieses Artikels schon nicht mehr ganz genauso wie vorher.

Doch warum zeigt unser Kopf oft solche Widerstände, wenn es darum geht, sich etwas abzugewöhnen, wie zum Beispiel ein bestimmtes Verhalten im Stress? Denn auch wenn es rational gesehen oft viele Vorteile für uns hätte, unser Verhalten zu ändern, so können wir doch beobachten, wie wir immer wieder in alte Verhaltensweisen abrutschen. Der Grund: Unser Gehirn belohnt (leider auch schlechte) Gewohnheiten mit der Ausschüttung von hirneigenen Opioiden.

Um zukünftig dem Prüfungsdruck mit einem neu erlernten Denkmuster begegnen zu können, braucht es kleine Erfolgserlebnisse, neue Sichtweisen - und Übung, um das Gehirn neu zu "programmieren".

Zitiervorschlag

Daniela Dihsmaier, Juristische Examina: Wie man dem Prüfungsdruck standhält . In: Legal Tribune Online, 14.12.2017 , https://www.lto.de/persistent/a_id/26027/ (abgerufen am: 19.01.2018 )

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 14.12.2017 14:59, Maximus Pontifex

    "Performance Coach"

    Aha.

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    • 14.12.2017 16:03, M.D.

      Zu meiner Studienzeit nannten wir das Ritalin-Dealer. Tempus fugit.

  • 14.12.2017 15:57, @Topic

    Wer damit nicht klar kommt... Soll halt BWL studieren

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 14.12.2017 21:18, Skafloc

      Klar dass jetzt gleich wieder die Sprüche der "harten" Absolventen kommen...

  • 14.12.2017 17:42, FinalJustice

    Es wäre mal interessant eine medizinisch-wissenschaftliche Erhebung über die Folgen der psychischen Belastung während des Staatsexamens zu machen. Ich habe mich inzwischen mit drei mit bekannten Psychiatern und Neurologen unterhalten und jeder von denen meinte unabhängig voneinander, dass sie eine überraschend hohe Anzahl von Juristen in Behandlung haben, meist wegen (therapieresistenter) Depression. Bei nahezu allen steht der Stress während den Staatsprüfungen wohl in einem direkten Zusammenhang dazu. Einer der drei ist auch der Überzeugung, dass die Mehrzahl Anzeichen einer posttraumatischen Belastungsstörung zeigen würden.
    Würde mich sehr interessieren, ob diese Erfahrung empirisch belegbar ist.

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 16.12.2017 09:27, Alumni

      Die Erfahrungen aus meinem persönlichen Umfeld legen das zumindest nahe. Wenn man sich mit Freunden bei ein zwei Gläsern Wein über die Examenszeit unterhält, dann wird klar, dass kaum einer ohne mehr oder weniger schwere psychische oder physische Beeinträchtigungen da durch gegangen ist.

      Trotzdem sollte man das Staatsexamen jedenfalls grundsätzlich nicht ändern, zumal das nach mM - zumindest wenn man am Volljuristen festhalten will - auch garnicht möglich wäre. Stattdessen könnte man über eine stärkere, mentale Betreuung oder Sensibilisierung im Studium nachdenken, damit sich das Leben eben nicht nur auf das Examen verengt.

  • 16.12.2017 18:29, @topic

    Es gilt - wie bei Fisherman's Friends - ist das Examen zu stark, bist Du zu schwach.

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    • 16.12.2017 19:02, @ @topic

      ... oder nicht in Bremen oder dem Saarland

    • 18.12.2017 17:48, @@@topic

      Zugegeben, dort kann man mit einer Hausarbeit (Ghostwriter), zwei Klausuren, einer schönen Häkeldecke und einem Ausdruckstanz sein Vollbefriedigend bekommen. Und dennoch gibt es offenbar Leute, die es nicht mal dort hinbekommen. Die werden dann nach dem dritten Versuch mit gaaaaaaanz knapp 4,0 Punkten Strafverteidiger. Oder Familienrechtlerin. Und gehen echten Juristen mit ihrer Unfähigkeit auf den Sack. Traurig.

  • 17.12.2017 07:59, Rechtsbelehrung

    Meine Meinung: Jede Absenkung der Standards der beiden juristischen Examenina ist vom Übel. Die Ausbildung junger Juristen ist wie das Prägen von Münzen: Es muss tüchtig draufgeschlagen werden, damit am Ende alles sitzt, Gerade das Unzulänglichkeitserlebnis ist entscheidend für die spätere Verwendbarkeit.

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 18.12.2017 14:01, WP StB RA CPA CFA Winkler

    Zum schmunzeln wie sich Juristen selbst bemitleiden können. Klar sind die Examen nicht ohne, dafür winken für die Besten unwirtschaftlich hohe Gehälter. Wenn man aber mal bedenkt, dass die komplette Vorbereitung in Vollzeit erfolgt und an vielen Stellen im Ref noch getaucht werden kann, muss man sich mal Fragen wie es den Examenskandidaten in der WP und StB geht, die das alles nebenberuflich (i.d.R. Wochenende) machen. Traurig diese Entwicklung bei den Juristen, vor allem wenn man bedenkt, dass die Generationen Y und Z noch nicht durch das 1. Examen sind ... manche meinen wohl die Matrikelnummer auswendig zu wissen muss für einen Abschluss reichen.

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    • 18.12.2017 17:03, Commander Comment

      Hat nix mit Selbstmitleid zu tun, auch wenn selbst viele Jura-Profs solches Geschwafel von sich geben. Aber dass nur die harten in den Garten kommen, ist eine überholte Weisheit zur Überwindung von militärisch anmutenden Drucksituationen...liegt wohl am abgeschafften Grundwehrdienst, dass die Studis heute nichts mehr aushalten? Unwirtschaftlich hohe Gehälter für die Besten? Sagen wir mal für die mit den meisten Punkten (vielleicht sind auch einige der Besten darunter), abgesehen davon dass unklar ist was unwirtschaftlich sein soll. Klar, Schlupflöcher in der Ausbildung noch und nöcher und das harte Brot eines WP StB RA CPA CFA...Opferrolle vorwärts oder rückwärts gedacht uns selbst was rückbehalten? Seiens froh, dasse duarch sin und lassens ma machen, mei?

  • 02.01.2018 12:26, Ri

    Ich hab Examen bei einem Ri mit Namen "Der Hammer " gemacht. Nur EBV und Bereicherungsrecht doppelt analog!! Alle anderen sind Weicheier! Pfui deibel.

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