Prüferseufzer VI – Lerntipps zur Examensvorbereitung: Dein Sach­ver­halt, das unbe­kannte Wesen

von Dr. jur. Denis Basak

25.05.2016

Im Examen haben Prüflinge nur das Gesetz und den Sachverhalt zur Hand. Denis Basak plädiert dafür, nicht Fälle, sondern den Umgang mit Fällen zu lernen. Das geht weit über Schwerpunktsetzung und genaues Lesen hinaus.

Studierende lernen für das Examen Unmengen an dogmatischen Einzelheiten. Korrigiert man aber Examensklausuren, zeigt sich, dass es nicht nur auf das Wissen ankommt, sondern auf dessen Anwendung auf den konkreten Fall. Selbst erkennbar belesene Kandidaten haben immer wieder große Probleme mit dem Kern der Aufgabenstellung: dem Sachverhalt.

Zumindest der didaktisch angehauchte Korrektor versucht zu bilanzieren, welche Arten von Fehlern typisch sind. Dabei entsteht die Vermutung, in der Examensvorbereitung laufe grundlegend etwas schief, sowohl in der Lehre als auch bei den Lernenden selbst. So mag man den Eindruck gewinnen, dass einer dieser grundlegenden Fehlertypen darauf beruht, dass in der Fallbearbeitungsklausur ausgerechnet dem Kern der Aufgabenstellung – nämlich dem Sachverhalt – zu wenig Beachtung geschenkt wird.

Es ist eine alte Mahnung, mit der meist schon der AG-Leiter im ersten Semester seine Zuhörerschaft nervt: Den Sachverhalt muss man so nehmen, wie er ist, man darf weder etwas weglassen, noch etwas hinzudichten. In der Korrekturpraxis fällt aber auf, wie schwer das zu sein scheint, wenn die Kandidaten noch einen Tatbestand unterbringen wollen, zu dem Sachverhalt aber nicht ganz passt.

Woher kommt die "Sachverhaltsquetsche"?

Ein konkretes Beispiel: Im Sachverhalt steht, dass A vor einem Treffen mit B dessen Allergienotfallpack "verschwinden lässt". Nachdem er B durch die Verwendung von Erdnussöl in einem Salat in einen lebensbedrohenden Schock versetzt hat, verstirbt dieser, obwohl er durch die in dem Pack enthaltenen Medikamente hätte gerettet werden können. Nicht wenige Bearbeiter wollen hier neben dem Tötungsdelikt durch aktives Tun (Erdnussölgabe) auch ein unechtes Unterlassen prüfen, weil A den B nicht gerettet hat, nachdem er in den Schockzustand geriet.

Viele Klausurschreiber machen dabei aus der Formulierung "verschwinden lassen" ein "verstecken", mit der Folge, dass A auch nach Auftreten des Schocks das Notfallpack noch hätte verwenden können. Aber damit wird der Sachverhalt umgeschrieben. Wenn man etwas "verschwinden lässt", dann ist es verschwunden, also nicht mehr da, nicht mehr greifbar. A hatte nach Auftreten des Schocks also keinen Zugriff mehr auf die Notfallmedikation, ein unechtes Unterlassen scheidet mangels Möglichkeit zur Erfolgsabwendung aus.

Hier ließen sich viele weitere Beispiele für das gleiche Phänomen aufführen: Man darf nicht den Sachverhalt den Problemen anpassen, die man prüfen will, sondern soll umgekehrt nur die Fragen prüfen, die der Fall auch tatsächlich aufwirft. Das verlangt Selbstdisziplin – und Übung, spezifisch mit Blick auf diesen Unterschied.

Warum trotz früher Thematisierung des Verbots der "Sachverhaltsquetsche" diese Art von Fehlern immer wieder auftritt, ist nur schwer nachzuvollziehen. Ein Teil mag auf die unvermeidliche Anspannung im Examen zurückzuführen sein. Ein anderer Teil mag aber auch damit zu tun haben, dass sich das Lernen zu sehr auf bestimmte standardisierte Problemkonstellationen konzentriert und zu wenig darauf, unbekannte und neben den Standardfällen liegende Sachverhalte zu erwarten, obwohl diese im Examen häufiger vorkommen. Dies fördert die Neigung, in Klausuren die Standardprobleme zu suchen – und schlimmstenfalls den Fall dem Problem anzupassen.

Bewusstsein für Regel-Ausnahme-Verhältnisse schaffen

Dabei basteln Klausurersteller Sachverhalte oft mit Absicht so zusammen, dass sie neben den Lehrbuchbeispielen liegen und den Prüflingen abverlangen, einen fundierten Vergleich zwischen dem aufgegebenen Fall und den Standardbeispielen zu ziehen. § 6 Abs. 2 Hessisches Juristenausbildungsgesetz sagt beispielsweise ausdrücklich, die Erste Juristische Prüfung sei eine Verständnisprüfung. Viele Klausurersteller ziehen daraus den Schluss, wichtig sei der Transfer des gelernten Wissens auf unbekannte Fallkonstellationen.

Leider kollidiert dies häufiger mit einer "problemorientierten" Lernweise, bei der angehende Juristen immer an den schwierigen Grenzfällen geschult werden und nicht erst einmal den Normalfall einer Norm oder Rechtsfigur kennen lernen. In der Korrektur bekommt man zu sehen, was passiert, wenn Ausnahmefälle so intensiv gelernt wurden, dass sich das Regel-Ausnahme-Verhältnis umkehrt. Der Chef einer Bande ist nicht der Normalfall der Mittäterschaft, sondern ein akademisches Beispiel für einen sehr umstrittenen Ausnahmefall der Tatherrschaft trotz Abwesenheit bei Tatbegehung, der außerhalb von Hollywoodfilmen keine praktische Relevanz hat. Und genau so sollte man ihn auch im Hinterkopf behalten.

Ein weiteres Beispiel: In der Notwehrprüfung kann es um die Gebotenheit gehen. Hier haben praktisch alle Geprüften vom Kirschbaumfall als Beispiel für ein krasses Missverhältnisses zwischen geschützten und geopferten Rechtsgütern gehört. Vergessen wird dabei, dass die Geschichte vom Rentner im Rollstuhl, der auf ein Kind im Kirschbaum schießt, schon eine Zuspitzung des Sachverhalts eines Urteils des Reichsgerichts (Urt v. 20.9.1920, Az. I 384/20) ist, in dem es um einen Obstbauern und erwachsene Diebe ging – und in dem das Reichsgericht eine Notwehr bejaht hatte. In der Klausur ist der Fall oft noch weniger eindeutig: Dort könnte der Angreifer zwar sterben, aber vielleicht nicht nur Kirschen geklaut haben, sondern gleichzeitig ein körperlich zudringlicher Stalker oder ein Erpresser gewesen sein.

In diesem Beispiel ist wichtig, die Gebotenheit zu problematisieren. Es ist aber zu kurz gedacht, diese mit einem lapidaren Verweis auf den Kirschbaumfall und die überragende Bedeutung des Rechtsguts Leben gleich wieder zu beenden. Es kennzeichnet die Notwehr, dass sie keine Güterabwägung enthält und auch tödliche Gewalt zum Schutz von Eigentum oder Vermögen rechtfertigen kann. Damit muss man im Gutachten eine eigene Argumentation entwickeln, und zwar aus den Sachverhaltsangaben und einem Gespür für Regel und Ausnahme.

Zitiervorschlag

Denis Basak, Prüferseufzer VI – Lerntipps zur Examensvorbereitung: Dein Sachverhalt, das unbekannte Wesen . In: Legal Tribune Online, 25.05.2016 , https://www.lto.de/persistent/a_id/19446/ (abgerufen am: 17.06.2018 )

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Kommentare
  • 25.05.2016 10:48, Riven

    Warum schreibt man als Klausurersteller denn dann ein "verschwinden lässt" in den Sachverhalt? Man hätte auch schreiben können, dass das Opfer seine Medikamente verliert und der Täter davon weiß. Dann wüsste man sofort, dass man nur das aktive Tun prüfen soll.

    Laut Duden bedeutet verschwinden lassen nämlich dasselbe wie stehlen oder unterschlagen. Wenn man das so versteht, dann liegt der Schluss nahe, dass A auf die Medikamente noch zugreifen könnte.

    Genau wegen solchen Formulieren sind die Durchfallquoten so wie sie sind. Unpräzise, mehrdeutige Sachverhalte, die nur in der Fantasie des weltfremden Klausurerstellers eindeutig sind.

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    • 25.05.2016 11:17, ... mal halblang!

      @Riven: Ganz so schlimm ist vielleicht doch nicht.
      1. Man kann ernsthaft darüber nachdenken, ob nicht auch der kompetente und reflektierte Umgang mit Uneindeutigkeit eine juristische Fähigkeit ist.
      2. Selbst wenn man diese Fähigkeit nicht gerade in Klausuren abprüfen will, die dafür möglichweise nicht der beste Ort sind, heißt das noch nicht, daß der Klausurersteller oder der Korrektor weltfremd oder böse sind. Viele Klausursachverhalte werden ziemlich gründlich beta-getestet - und trotzdem erweist sich im Ernst-Anwendungsfall immer noch, dass man sie weiter hätte verbessern können. Weltfremd finde ich das nicht.

    • 25.05.2016 11:27, Stephan

      Sehr richtig, "verschwinden lassen" ist keineswegs eindeutig. Um mal aus dem Duden ein Beispiel zu zitieren: "sie ließ den Schlüssel in ihrer Handtasche verschwinden (steckte ihn ein)". Die Umstände des Verschwindenlassens werden im Beispielsfall gerade nicht genannt. Daher muss der Sachverhalt im Zweifel lebensnah ausgelegt werden. Dass die Annahme einer Zugriffsmöglichkeit auf die Medikamente unvertretbar sein soll, ist wohl eher eine interessante Mindermeinung des Autors.

    • 25.05.2016 13:13, Examenskandidat

      @Vorschreiber:
      Gerade sich damit "zu befassen" iS "auseinandersetzen" (wie durch die Kommentatoren geschehen) ist das Anliegen des Autors. Wieviel Hilfestellung soll man den Prüfling den noch geben als zB durch ""?
      Fett, unterstrichen und in Schriftgröße 20?

    • 25.05.2016 15:02, Garen

      Man mag "verschwinden lassen" meinetwegen auch als "stehlen" oder "unterschlagen" verstehen. Daraus ergibt sich aber noch lange kein Umstand, der dafür spricht, dass der Täter das VOR dem Treffen schon entwendete Notfallpack bei sich führt, geschweige denn, dass dies eine lebensnahe Auslegung des Sachverhalts wäre.
      Genau diese Überlegung meint "Auseinandersetzung mit dem Sachverhalt".

      Zur These, dass die Durchfallquoten (mono- oder multi-)kausal durch zweideutige Sachverhalte verursacht werden, gibt es eine treffende Vokabel: wahnwitzig.

    • 25.05.2016 20:13, Ref. iur.

      1) Fehler passieren nunmal. Auch Klausursachverhalts-Erstellern. Ohne dass die deshalb weltfremd oder böse wären.
      2) Klausursachverhalte müssen sich zur Subsumtion eignen und deshalb subsumtionsfähige Tatsachen enthalten. Uneindeutige Ausdrücke der Umgangssprache sind keine subsumtionsfähigen Tatsachen. Klausursachverhalte, die in ihren subsumtionsrelevanten Teilen (d.h. nicht nur in den "colorandi causa" eingefügten Ausschmückungen) solche Ausdrücke enthalten, sind fehlerhaft.
      3) "Verschwindenlassen" von körperlichen Gegenständen ist Zauberei. Als Beschreibung eines realen Geschens ist das ein uneindeutiger Ausdruck der Umgangssprache (s. Duden). Wer hanebüchenerweise Gegenteiliges behauptet, mag sich einen Moment lang vorstellen, ob der BGH wohl so etwas als Tatsachenfeststellung der Vorinstanz durchgehen lassen würde.
      4) Ziemlich "böse" ist ein Prüfer, der die Problematik eines uneindeutigen Ausdrucks erkennt und sich entschließt, das durch die Vergabe von Minuspunkten wegen "Sachverhaltsquetsche" auf dem Rücken der Kandidaten auszutragen.
      5) Prüfungsrechtlich stellt sowas überdies einen relevanten Bewertungsfehler dar.

  • 25.05.2016 11:13, Toxic

    Da kann ich Riven nur zustimmen.

    Mich begleitet sehr oft das Gefühl, dass Klausur-Ersteller eine solche unpräzise Beschreibung eines Sachverhalts geradezu befürworten.

    Das lässt eben mehrere Interpretations-Möglichkeiten offen, wenn der Sachverhalt unklar oder mehrdeutig ist. Dann geht man eben beim Wort "verschwinden" von dem aus, was man selbst darunter versteht, statt es wesentlich eindeutiger mit "verloren, nicht mehr auffindbar" klarzustellen. Aber dies passt gewissen Klausur-Erstellern eben nicht in den Kram, um es den Bearbeitern nicht einfach zu machen.

    Den Rest des Artikels kann ich zustimmen. Schöne Zusammenfassung. Vor allem die Betonung, dass ein anderer Fokus gesetzt werden muss.

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    • 21.06.2016 17:40, Ref. phil.+Malte+Wurmer,+Master+of+Arts+in+Education

      Your commentary is toxic! I'm addicted to you but I know that your commentary is toxic!

  • 25.05.2016 12:41, Az

    Wie die anderen schon gesagt haben: An sich interessanter Artikel, aber es ist ironisch dass der Autor als Beispiel ausgerechnet eine Situation anführt, die eher ein extremes Gegenbeispiel darstellt. "Verschwinden lassen" ist eine absolut untaugliche Formulierung, wenn daran nach Meinung des Autors so viele Subtilitäten hängen sollen. Das vom Autor geschilderte ist der Prototyp einer unfairen Klausurformulierung.

    Ich glaube, dieser Fehler des Autors ist kein Zufall: Er wirft ein Schlaglicht darauf, wie viele Korrektoren/Klausursteller unfähig zu einem Mindestmaß an Einfühlungsvermögen bzgl. der Klausurbearbeiter sind. Die Prüfer bemängeln ständig, dass die Kandidaten schematisch denken und prüfen würden. Aber der Vorwurf geht in beide Richtungen: Die Klausuren selbst und die Korrekturen werden in den allermeisten Fällen höchst schematisch angefertigt. Daher wäre etwas weniger Selbstgerechtigkeit anzuraten.

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  • 25.05.2016 12:53, Mastermux

    Dieser Artikel ist im Ergebnis inhaltslos. Und zwar in dem Sinne als er einem Examenskandidaten nichts vermittelt, was man eh schon wüsste. Da Sachverhalte oftmals uneindeutig sind, wird genau das auch weiterhin vorkommen. Jeder Student weiß wie willkürlich die Notenvergabe sein kann. Wenn man nach einem guten Gefühl eine schlechte Note zurückerhält und vice versa dann zeigt das schon, dass es oftmals darauf ankommt, ob genau dieser Korrektor mit genau dieser Argumentation einverstanden ist, weil er den Sachverhalt zufällig genauso auslegt wie man selbst. Gerade die Stellen, die die Punkte bringen, sind ja eben die uneindeutigen. Daher die Schwankungen. Und das man keine Fälle auswendig lernen sollte, muss man einem Examenskandidaten nicht erzählen. Insofern halte ich diesen Artikel für ziemlich überflüssig und wenig hilfreich. Ausgenommen für diejenigen, die nicht wissen, dass man viele Klausuren schreiben sollte. Aber die wissen wahrscheinlich auch viele andere wichtige Sachen nicht.

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    • 25.05.2016 15:28, Marc Reiß

      Wenn man mit einem guten Gefühl eine schlechte Note zurückbekommt, dann liegt nicht an eventuellen Übereinstimmungen bei der Auslegung des Sachverhalts, sondern in geschätzt 80 % der Fälle erst einmal an Fehlern bei der Selbsteinschätzung der eigenen Leistung. Der Dunning-Kruger-Effekt macht auch und gerade vor angehenden Juristen nicht halt.

      Aus meinen persönlichen Erfahrungen aus etwa fünf Jahren individueller Klausurberatung und -korrektur kann ich die Aussagen des Artikels nur bestätigen. Viele Examenskandidaten verstehen es gerade nicht, den Fokus beim Üben der Fallbearbeitung richtig zu setzen, und das unabhängig von den durchschnittlich erreichten Notenstufen.

    • 26.05.2016 20:46, FinalJustice

      Ach, Herr Reiß, Sie und Ihre Zahlen und Fakten aus Ihrer Erfahrung. Gibt es zu diesen 80% eine nachweisbare, empirisch relevante Quelle, oder ist das die Reiß'sche Variante des von Ihnen ins Spiel gebrachten Dunning-Kruger-Effektes, durch den die eigene Meinung ein höheres Gewicht erhalten soll? ;)

      Spaß beiseite, witzigerweise teile ich Ihre Ansicht, dass der Fokus beim Üben von Fallbearbeitung häufig falsch gesetzt wird, erachte aber das in dem Artikel gegebene Beispiel für ziemlichen Nonsens, aus denselben Gründen, wie viele andere Kommentatoren hier schon ausgeführt haben. Der Reflex des Prüfers scheint zu sein, dass Ungenauigkeiten zulasten des Prüflings gehen sollten, das sehe ich, mit Verlaub, anders (und auch an dieser Stelle wähne ich aus MEINER Erfahrung die Rechtsprechung auf meiner Seite). Klausurersteller sind Menschen, die machen Fehler, das ist kein Problem, solange diese nicht an den Prüflingen hängenbleiben. In dem geschilderten Fall ist eine Prüfung eines Unterlassens vom Sachverhalt nicht nur gedeckt, sondern eine vollkommen legitime Auslegung des verwendeten Wortes - und wie ICH PERSÖNLICH finde, sogar eine näherliegende, jedenfalls aus der Perspektive herrschender Denkgesetze, wie der Richter formulieren würde. Ein "Verschwindenlassen" KANN nur meinen, dass der Täter die Sache irgendwie an sich gebracht und dann irgendwo hin verbracht hat - oder eben auch noch bei sich trägt. Der Autor verrät uns natürlich nicht genug Details zu dem Sachverhalt, um das abschließend beurteilen zu können, etwa, in welchem zeitlichen Rahmen vor dem Treffen das passiert. So, wie es dort steht, könnte es auch eine Minute vorher gewesen sein, und solange wir nicht davon ausgehen, dass der A über magische Kräfte verfügt (wobei, das "A" könnte ja für "Axel Stoll" stehen... Magie ist Physik durch WOLLEN!), dürfte ein tatsächliches Verschwindenlassen gegen eine Reihe geltender physikalischer Gesetze verstoßen.
      Eine erfolgte Prüfung ist daher bei der Bewertung zu berücksichtigen, alles andere dürfte prüfungsrechtlich kaum haltbar sein.

  • 25.05.2016 14:41, Murmeltiertag

    Und wie immer in Prüfungszusammenhängen gilt: Wenn der Bauer nicht schwimmen kann, ist stets die Badehose schuld... also der empathielose, inkompetente, uneinsichtige und gänzlich zu verachtende Prüfer.

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    • 26.05.2016 08:52, groundHog007

      Sie haben "selbstgerecht" vergessen. Kein Prüferbashing ist komplett ohne den Vorwurf der Selbstgerechtigkeit. Letztens war auch "zynisch" noch im Rennen, vielleicht noch zusammen mit "menschenverachtend". Darüber mag man streiten. Aber "selbstgerecht" ist Pflicht.

    • 27.05.2016 02:05, Murmeltiertag

      Auch ganz wichtig: willkürlich. Prüferwillkür darf in keinem Kommentar fehlen. Der was auf sich hält. Glaube immer noch, nein weiß sogar, daß die würfeln. Vor allem an FHs. Sonst rechnet sich der Stundenlohn nicht.

    • 27.05.2016 07:35, ad rem, Baby!

      Am schönsten ist die Leserdiskussion in den absurden Sackgassen. Jetzt sag' noch einer, Juristen hätten keinen Humor!

    • 21.06.2016 17:41, Malte Wurmer

      Hey everybody its GROUNDHOG DAY!!!! HAhahahahahahahaha So long suckers!

  • 25.05.2016 19:36, Ref. iur.

    @ Murmeltiertag: Naja, jedenfalls die beiden Autoren, die uns die LTO hier für ihre Reihe "Prüferseufzer" vorsetzt, sind ihrerseits schon ziemlich speziell in ihrer Selbstgerechtigkeit, ihrer Wertschätzung für Nebensächliches und ihrer mangelnden Empathie für die Kandidaten. Vielleicht schreiben sie ja deshalb auch Bücher und Aufsätze zusammen, in denen sie ihre gemeinsame Weltsicht und didaktische Expertise unter die Leute zu bringen versuchen ... (Der o.a. Herr Marc Reiß gehört übrigens auch zu dem Klüngel.)

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    • 25.05.2016 20:21, LTrollO

      Dieser feine Herr Reiß ist der empathieloseste von allen!

    • 25.05.2016 22:45, guy

      Die Autoren sowie der erwähnte Herr Reiß bilden eine Verschwörung. Ich selbst habe sie schon gemeinsam Kaffee trinken sehen. Harmlos wäre die Verschwörung, wenn sie sich darauf beschränkte, die KandidatInnen dutzendweise durch die Prüfung fallen zu lassen. (Dem wird das zuständige Prüfungsamt irgendwann Einhalt gebieten.) Ärgerlicherweise stecke die drei genannten Subjekte auch hinter den Anschlägen vom 11. September und haben vermutlich auch den einen oder anderen Kennedy ermordet. Also tut endlich was! Mindestens: Hört auf, ihre Texte zu lesen! Ihr habt es in der Hand.

  • 26.05.2016 00:39, Salvatore

    Viel interessanter als die Frage, ob "verschwinden lassen" eindeutig genug ist oder nicht, ist doch etwas ganz anderes: wie kann man es ernsthaft für eine gute Idee halten, *neben* aktivem Tun für denselben Taterfolg eine Strafbarkeit wegen Unterlassen zu prüfen? Dass auf so einer überflüssigen Prüfung kein Schwerpunkt liegen kann, sollte sich einem Examenskandidaten wirklich aufdrängen.

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  • 26.05.2016 12:05, Denis Basak

    Eine Formulierung scheint eine Menge Wind machen zu können. Dennoch würde ich dabei bleiben, dass sich aus der Formulierung nicht ergibt, dass das Verschwundene (Gestohlene, Beiseitegeschaffte etc.) dennoch auch Stunden später noch griffbereit liegt und hervorgeholt werden kann. Wie dem auch sei und nochmals: Niemand ist wegen eines in der Regel völlig unreflektierten Umgangs mit dieser Formulierung (die NICHT von mir stammt, sondern aus einem Examenssachverhalt, den ich nur korrigieren musste) durchgefallen o.ä. Es gab sicher keine Pluspunkte, aber allein dies hätte niemandem die Arbeit kaputt gemacht. Mir ging es, wie auch bei den anderen Beispielen, um eine sehr oft zu findende Fehlerquelle, die meiner Beobachtung nach in den Lernbemühungen der Kandidatinnen und Kandidaten kaum eine Rolle spielt.

    So schlimm kann der Sachverhalt übrigens nicht gewesen sein; mein Stapel hatte eine Durchfallquote von etwas über 13%. Aber es gab eben wieder einmal eine Reihe von Arbeiten, die deutlich besser hätten sein können, wenn sie sich mehr auf den Sachverhalt eingelassen hätten, anstatt unreflektiert Lehrbuchpassagen aus dem Gedächtnis zu rezitieren.

    @Mustermax: Ich bin Sicher, Sie werden oder haben schon Ihr Examen mit Bravour hinter sich gebracht. Schaffen aber nicht alle. Und das vieles, was man immer und immer wieder in der Korrektur als Fehler oder zumindest wenig überzeugende Leistung kennzeichnen muss kein Geheimwissen ist, ist zwar richtig, zeigt aber auch, dass es augenscheinlich nicht wenige angehende Juristinnen und Juristen gibt, die im entscheidenden Moment hier Defizite aufweisen. Was die Willkür der Prüfer angeht: Richtig ist, dass die schwierigen Passagen eines Falles, in denen man argumentieren muss - und das eben nicht unbedingt als Wiedergabe einer abstrakten Lehrbuchdiskussion mit auswendig gelernten Argumenten, sondern zunächst einmal am Sachverhalt und gerade in der Auseinandersetzung mit der Frage, ob der Sachverhalt überhaupt zu den Voraussetzungen passt, ist auch keine Überraschung, und auch keine Willkür. Dass das eigene Gefühl trügen kann, hat meist wenig mit der Boshaftigkeit oder mangelnden Sorgfalt der Korrektoren zu tun, sondern mit der schlichten Unmöglichkeit, eigene Leistungen zu unbekannten Erwartungshorizonten (Sie kennen die Lösungshinweise ja eben nicht) in eine sinnvolle Beziehung zu setzen.

    @Salvatore: Was die Unnötigkeit einer zusätzlichen Unterlassungsprüfung angeht, würde ich Ihnen zustimmen, gut 2/3 der geschriebenen Klausuren meinten aber, dies prüfen zu müssen. Ich habe es durchgehen lassen, wenn in den Konkurrenzen wenigstens klargestellt wurde, dass dies keine eigene Bedeutung hatte...

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    • 26.05.2016 21:25, FinalJustice

      Lieber Herr Basak,

      "Eine Formulierung scheint eine Menge Wind machen zu können. Dennoch würde ich dabei bleiben, dass sich aus der Formulierung nicht ergibt, dass das Verschwundene (Gestohlene, Beiseitegeschaffte etc.) dennoch auch Stunden später noch griffbereit liegt und hervorgeholt werden kann. "

      Dürfte ich den Grund dafür erfahren? Ich meine, diese Ihre Auslegung sei Ihnen gegönnt, aber sollte die Herangehensweise nicht sein, zu sagen, dass die andere Auffassung zumindest nicht unvertretbar ist und daher zulässig sein muss? Die Information mit dem "Stunden später" haben Sie ja im Übrigen auch erst im Nachhinein gebracht, hätte das so in der Klausur gestanden, würde sich an meiner Beurteilung nur wenig ändern, denn das Entscheidende ist das "Verschwindenlassen", welches schlicht der Interpretation des Bearbeiters eröffnet wird; der Klausurersteller hat nicht die Deutungshoheit über die Auslegung von Wörtern (im Grunde ist das ja sogar das, was im juristischen Studium geschult werden und durch Prüfung abgefragt werden soll: Die Fähigkeit, Dinge auszulegen), aber es hätte die Sache durchaus in ein anderes Licht gerückt. Im Übrigen hat das Argument, es hätten mehr Klausuren besser sein können, wenn man sich mehr auf den Sachverhalt eingelassen hätte (was sicherlich zutreffend ist, da das Runterkurbeln abstrakter Lehrbuchinhalte ohne Fallbezug eine absolut berechtigte Kritik ist), mit dem vorliegenden Beitrag wenig gemein - denn im Grunde haben sich diejenigen, die den Sachverhalt aus Ihrer Perspektive "falsch" verstanden haben, doch ganz besonders auf den Sachverhalt eingelassen und versucht, ihn gründlich zu lesen und unter das Gesetz zu fassen. Das hat nach meinem Verständnis mit der nun erhobenen Kritik des fehlenden Fallbezuges nichts gemein.


      Was das Selbsteinschätzen angeht, ich persönlich denke, da gibt es solche und solche. Ich hatte in etwa immer den richtigen Riecher, was meine eigenen Leistungen angeht (mit nur einem massiven Ausrutscher nach oben und einem nach unten, die ich bis heute nicht so ganz verstehe ^^), aber es gibt auch solche, die das überhaupt nicht können. Welche Gründe das hat... ich würde es auch nicht in erster Linie bei "Prüferwillkür" verorten, allerdings sollte ein massives Abweichen der eigenen Einschätzung immer dazu führen, dass man sich als Prüfling im Nachhinein damit auseinandersetzt - entweder, man findet einen groben Bewertungsfehler, oder man lernt was daraus.

    • 02.06.2016 11:46, GrafLukas

      Ganz einfach: Wenn es wichtig sein sollte, dass der Kram später griffbereit sein soll, _dann_ hätte der Klausurersteller er so formuliert: "... ließ das Notfallpack verschwinden und steckte es ein..." oder "... half nicht, obwohl er erkannte, dass das Notfallpack, dass er noch immer griffbereit in der Tasche hatte..."

      Diese Reihe ist lustig: Ich habe meine Examen einigermaßen erfolgreich im jeweils ersten Versuch bestanden. Das hatte nichts mit Glück zu tun (nur insoweit, dass keine ganz fiesen Klausuren dabei waren, bei denen 80% durchfallen - das kommt ja in der Tat gelegentlich vor). Immer wieder regen sich die Leute auf, die Kritikpunkte der Autoren dieser Reihe seien nicht verallgemeinerbar usw. Aber es bleibt dabei: Die von mehreren mit Abstand _unsinnigste_ Auslegungsvariante wird verteidigt. Das genau ist doch das angesprochene Problem:
      - schlechte Schwerpunktsetzung
      - lebensfernes Sachverhaltsverständnis

      Das Examan ist mit Fleiß und etwas Intelligenz zu schaffen. Mit viel Fleiß und viel Intelligenz mit Prädikat. Viele bleiben unter ihren Möglichkeiten, weil vermeidbare Fehler gemacht werden, und dazu gehört unbedingt, dass ein gelernter Fall auf den Sachverhalt angewendet wird und nicht ein Sachverhalt auf gelerntes Wissen.

      Ich habe einige Zeit Nachhilfe für Examenskandidaten gegeben und das - nicht zu wenig Lernen oder zu wenig Wissen - war immer das Problem.

    • 04.06.2016 14:15, Nicht füttern

      Sehr geehrter Kollege Dr. Basak.

      Bitte die Trolle nicht füttern. Jedwedes Eingehen oder Erklären ist für die LTO Leser reine Zeitverschwendung.

      Und ja. Ich bin mir der Ironie dieses meines Beitrages durchaus bewusst.

  • 27.05.2016 02:51, WissMit

    Ich kann Ihnen da leider auch nur widersprechen Herr Basak. Ich kenne zwar das von Ihnen aufgeworfene Problem aus meiner Korrekturtätigkeit (mittlerweile auch 6 Jahre), aber das "verschwinden lassen" als eindeutig zu bezeichnen, halte ich für abenteuerlich.

    Ferner ist Ihr Apell nutzlos. Die -und ich habe es schon hunderttausendmal gesagt und Marc Reiß wird sich wieder mit mir streiten und am Ende meine Anonymität angreifen, wenn die Argumente zur Neige gehen- Evolution des Lernverhaltens, die beste Strategie, um gute (vieleicht nicht beste) Noten zu bekommen ist schlicht und ergreifend Lehrbuchfälle mit Streitigkeiten auswendig zu lernen. Fragen Sie sich doch mal, warum bei dem Großteil der Examenskandidaten eben kein Baur/Stürner auf dem Tisch liegt, sondern Hemmer/Wüst Sachenrecht I - III.
    Ja, die guten Kandidaten greifen auch mal zu besagtem Buch. Ist das für 9 Punkte+ notwendig? Mag sein. Rutscht man unter 4, wenn man ohne Baur/Stürner lernt? Sicher nicht. Wer am Ende mehr Standardfälle mit Standardstreitigkeiten rezipieren kann, gewinnt immer gegen den von Ihnen beschworenen Supertransformationsleistungsstudenten. Denn Letzterer übersieht eben, dass beim Werkunternehmerpfandrecht die Pfändungsschutzvorschriften der ZPO nicht anwendbar sind (und wendet sie daher an), was ein Vergleich von § 562 Abs. 1 S. 2 BGB mit § 647 BGB verraten hätte, oder was sich aus der Gesetzesbegründung, der BGH Entscheidung etc etc. ergeben hätte. Er kennt auch nicht die feinsinnigen, über Monate angestellten Überlegungen des BGH. Daher kann er in 5 Stunden nur oberflächliche Antworten geben. Der Auswendiglerner schlägt ihn hier um astronomische Längen, vor allem wenn er gelernt hat, die Meinung des BGH als frisch entwickelte Meinung zu verpacken.
    Lange Rede kurzer Sinn: Auswendiglernen mag in 10 % der Examensfälle ungünstig sein. Meine Erfahrung ist aber eher, dass zum hunderttausendsten Mal der Fräsmaschinenfall/Jungbullenfall/Fleetfall in irgendeiner Spielart dran kommt. Verliert der Auswendiglerner eben 2 Punkte weil er eine kleine Transformationsleistung nicht erbracht hat. Das kann er sich mit dann 14 Punkten immer noch gut leisten, wohingegen der Transformationstyp das Problem selbst erkannt hat, aber leider BGHZ 133, 277 Rn. 5 - 10 nicht kannte. Gab's halt 8, auch solide.

    Und dann kommt Herr Reiß um die Ecke und setzt dem Ganzen noch die Krone auf, wenn er knallhart zuschlägt, wenn eine Definition mal nicht ganz passt (was beim Transformationstypen wohl häufiger auftreten dürfte, als beim Auswendiglerner). Da werden dann alle Geschütze aufgefahren, bis hin zur Bloßstellung auf LTO.

    Warum also sollte ein Student dieses Risiko eingehen? Es ist bei der derzeitigen bundesweit verbreiteten Korrekturpraxis schlicht unvernünftig so zu handeln. So ehrlich sollte man den Prüflingen gegenüber schon sein.

    Nur damit Sie mich nicht falsch verstehen: Ich unterstütze absolut was Sie in dieser Hinsicht gesagt haben. Ich halte es derzeit aber für schädlich, den Studenten und Referendaren den Rat aus dem Artikel zu geben. Vorher muss sich an den Aufgabenstellungen etwas ändern. Auswendig lernen darf eben nicht mehr zu besten Ergebnissen führen. Solange das so ist, können Sie sich diese Artikel sparen. Und bitte kommen Sie mir nicht mit Nahfeldempirie und sagen mir, dass die Besten bei Ihnen alle allein oder überwiegend wegen der Transformationsleistung Bestnoten bekommen haben. Das kriegen ein paar Auswendiglerner nämlich auch noch hin.

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    • 02.06.2016 14:40, GrafLukas

      Nach meinem Empfinden missverstehen Sie die Aussage des Beitrags. Es geht darum, das gelernte auf den Sachverhalt anzuwenden und nicht umgekehrt. Es ist gar nichts gegen den "Auswendiglerner" zu sagen - nur muss der eben erkennen, welcher auswendig gelernte Fall passt und welcher nur so ähnlich ist.

      Stellen Sie mal einen halbwegs aktuellen Fall als Klausur, der vorher durch alle Zeitschriften gegangen ist, und wandeln Sie ein Detail ab, am Besten indem Sie es weglassen - meinetwegen irgendein Mitverschulden oder was auch immer. Ein Großteil Ihrer "Auswendiglerner" wird das Mitverschulden trotzdem prüfen, weil nur noch das auswendig gelernte reproduziert wird, ohne Rücksicht auf den gegebenen SV.

  • 27.05.2016 10:26, Marc Reiß

    Herr Kollege Wiss.Mit/Finaljustice oder wie auch immer -- ich habe an anderer Stelle schon erklärt, warum die fragliche Definition nicht nur "nicht ganz passte", sondern dogmatisch gesehen falsch und Blödsinn war. Das können Sie gerne ignorieren, richtiger werden Ihre Behauptung dadurch nicht. Ich habe ansonsten nicht Ihre Anonymität an sich angegriffen, sondern mich gefragt, warum Sie diese ganzen steilen Thesen nicht mal mit Ihrem Namen darunter vertreten, in einer Fachpublikaton oder ähnlichem. Meinetwegen auch hier, die Redaktion wird sicher gerne mal eine Gegenposition eines Examensprüfers mit fünf Jahren Erfahrung drucken. Meine Kollegen und ich geben Hinweise, wie die Kandidaten sich nach unserer Einschätzung verbessern können. Es steht jedem Prüfer frei, das gleiche zu tun, so wie es jedem Kandidaten frei steht, die Tipps anzunehmen.

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  • 27.05.2016 15:21, WissMit

    Ja, die Definition war inhaltlich falsch. Das wird Sie bei vielen Studenten sein, die nicht stupide auswendig lernen. Hierzu geben Sie aber Anlass, wenn Sie erstens jeden Versuch des "Selbstdefinierens" damit ahnden, der Student habe nicht gelernt etc. und es zweitens auch auf LTO kundtun.
    Sie honorieren das Auswendiglernen. Dazu können Sie auch einfach stehen und sich die guten Ratschläge sparen, die in eine andere Richtung zielen. Denn ihre Hinweise, wie sich die Studenten verbessern können, sollten, wenn man das hier alles liest, eher lauten: Lernt Definitionen auswendig, zum Hinterfragen derselben habt ihr keine Zeit. Lernt Standardfälle auswendig, damit ihr "offensichtliche" Gegenargumente nicht überseht. Lernt noch mehr Standardfälle, damit ihr im Examen die hinter dem Fall stehende BGH Entscheidung erkennt. Lernt Standardstreitigkeiten auswendig, damit ihr am Ende so tun könnt, als wärt ihr just im Moment der Klausur auf die Idee gekommen, dass man bei §§ 994, 996 BGB zwei verschiedene Verwendungsbegriffe anlegen kann, um verschieden Nachfolgeprobleme im Zusammenhang mit der Sperrwirkung des EBV zu umschiffen.

    Ich zitiere einmal den Artikel:
    "Leider kollidiert dies häufiger mit einer "problemorientierten" Lernweise, bei der angehende Juristen immer an den schwierigen Grenzfällen geschult werden und nicht erst einmal den Normalfall einer Norm oder Rechtsfigur kennen lernen."
    Das ist genau der Punkt! Sie, Herr Reiß und Herr Basak belohnen eben in der Masse der Klausuren den ersten Lerntypus wesentlich stärker als den zweiten. Daher werden sich die Studenten niemals davon verabschieden. Ja sogar ich mache das, weil der Aufgabentyp das fordert. Ich kann den Studenten, der den BGH Fall auswendig gelernt hat nicht von dem unterscheiden, der die Leistung selber erbringt.

    Und nochmal, es geht mir hier nicht um den "gut aufwärts" Studenten. Der bekommt sein "gut" weil er viel auswendig gelernt hat und eine Transformationsleistung erbringt. Mir geht es darum, dass der Appell an die 95% der Reststudenten/ Referendare im Artikel sein Ziel verfehlen muss, weil diese Art des Lernens kaum bis gar nicht im Verhältnis zum Auswendiglernen honoriert wird. Im Gegenteil, man muss befürchten, für eine fehlgeschlagene Transformationsleistung abgestraft zu werden.

    Sie müssen mir meine teils zynischen Bemerkungen nachsehen. Wenn man seit Jahren sieht, wie immer dasselbe (und jedes Jahr mehr) von den Studenten erwartet wird, der Auswendiglerner gegen den gewinnt, der versucht mit dem Gesetz zu arbeiten, die Quote der Studenten, die § 935 BGB mit der Begründung annehmen, der Eigentümer wollte zu keinem Zeitpunkt sein Eigentum verlieren, unglaublich hoch ist (von 40 Klausuren in der Fortgeschrittenenübung bestimmt 25), dieselben Studenten aber den Streit um das aus der Verfügung Erlangte bei § 816 Abs. 1 BGB runter beten können und das dann auch noch zum Bestehen reichen soll, kommen sie dem nur noch mit Zynismus bei.
    Und wenn ich dann solche Artikel lese, die zwischen den Zeilen zeigen, dass man als Korrektor das Verhalten fördert, dass man bekämpfen will, dann lässt mich das nicht einfach so kalt.

    Eigentlich müsste man den Studenten ausschließlich unbekannte Sachverhalte und Rechtsgebiete präsentieren. Warum nicht einmal einen Lizenzvertrag, warum keine atomrechtliche Genehmigung, warum kein Nebenstrafrecht wie Waffenrecht oder Ähnliches. Warum sind die Rechtsgebiete in den JAPOs überhaupt eingeschränkt, wenn man doch mit dem juristischen Handwerkszeug alle Rechtsgebiete in den Griff bekommen sollte.


    Zum Schluss: Vielleicht mache ich das wirklich einmal und schreibe etwas zu den Prüfungsanforderungen. Dass ich damit bei den Prüfern auf keine offenen Ohren stoße, ("steile Thesen") ist mir klar. BGHSt 35, 347 lässt sich leichter bewerten, als die unbekannten Sachverhalte, weil man dann als Prüfer doch mehr zu denken hat.
    Und wie Ihre Hinweise hier ankommen, sieht man in den Kommentaren sehr gut. Niemand will sie hören. Der an Sie gerichtete Vorwurf der Selbstgerechtigkeit, resultiert genau aus dieser Attitüde: Ich sage euch, wie ihr besser werden könnt. Übrigens hier sind ein paar grobe Schnitzer anderer Kandidaten, die belegen, dass meine Hinweise lieber nicht beachtet werden sollten, wollt ihr bei mir gut punkten.

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 28.05.2016 08:55, BringtMehrDavon!

      Die gesamte Prüfungsseufzer-Reihe ist von vornherein nicht für die Leser geschrieben worden, sondern einzig und allein für einen renommierten Prüfungsrechtler (finaljustice), einen deprimierten Prüfer (wissmit) und einen traumatisierten ehemailigen Kandidaten (refjur). Solange die weiter lesen und kommentieren, schicken die Autoren das Format kaltblütig in die neunte Staffel.

    • 28.05.2016 09:20, Ich bin schizophren...

      ... ich auch...

    • 28.05.2016 12:57, Marc Reiß

      Gut, wenn Sie sich schon selbst widersprechen, muss ich das ja nicht mehr tun. Geben wir also für inhaltlich falsche, dogmatisch nicht haltbare Definitionen einfach volle Punktzahl, weil der Prüfling hat sich ja Mühe gegeben und das pauschal zu verurteilende Auswendiglernen vermieden. Klingt sinnvoll.

      Ich weiß gerade nicht, ob ich über den Vorschlag, Nebenstrafrecht, insbesondere WaffenR, im Pflichtfach zu prüfen, lachen oder weinen soll... Für 40 von 50 Bearbeitern ist § 316a StGB dogmatisch gesehen schon eine unbekannte Norm, aber ja, Blankettnormen prüfen, das ist praxisrelevant UND grundlagenorientiert. 40 von 50 Prüflingen können übrigens § 316a StGB nicht dogmatisch einordnen, einen Prozessbetrug erkennen oder eine ungeladene Pistole als objektiv ungefährlich einstufen.

      Mal Hand aufs Herz, wie viele echte Examensklausuren haben Sie schon gelesen, wie viele zu dem gleichen Sachverhalt, wie viele jeweils korrigiert? Meinetwegen auch inklusive Ihrer eigenen.

      Eigentlich wäre ich ja gerne lesen, wie Sie so etwas in einer Publikation vertreten, aber so langsam weiß ich nicht, ob ich Ihnen in Ihrem Interesse davon nicht doch eher abraten sollte.

      Ich kann aber jedem Examenskandidaten nur stark davon abraten, Standarddefinitionen im Strafrecht nicht auswendig zu lernen. Man schreibt auch keine Klausuren ohne Stift und Papier. Das hat noch lange nichts mit einer Prüfung auf Verständnis zu tun.

    • 30.05.2016 08:15, BitteKeinenPodcast!

      "Niemand will sie hören." Das kann ich gut verstehen. Aber offensichtlich ist es so, dass alle sie lesen wollen. Der Artikel von Basak ist der meistgelesene der letzten Woche. Das mag zwar nicht für die klugen KLarstellungen und Widersprüche in der Diskussion gelten, aber für den Artikel selbst eben allemal. Schreit das nicht nach einem Beitrag von wissMIt, der die Diskussion wieder vom Kopf auf die Füße stellt?

    • 30.05.2016 09:58, WissMit

      Zu den sachlichen Teilen Ihres Beitrages, sei nur kurz erwähnt:

      Sie hängen sehr an der falschen Definition, oder? Anders kann ich mir nicht erklären, warum Sie dauernd versuchen, mir zu unterstellen, ich würde mich über schlechte Definitionen freuen. "Das können Sie gerne ignorieren, richtiger werden Ihre Behauptung dadurch nicht."

      Nirgends habe ich geschrieben, volle Punktzahlen oder Ähnliches zu geben. Ich habe nur dafür plädiert, nicht all zu streng damit umzugehen. Das können Sie gerne anders handhaben. Bilden Sie eigentlich noch aus, oder sind Sie mittlerweile völlig in der Forschung verschwunden? Mir drängt sich nämlich langsam der Eindruck auf, dass Sie keinen Kontakt mehr zu Studenten haben.

      Die Hinweise die hier gegeben werden, will niemand umsetzen. Vielleicht hätte ich es eher so formulieren sollen.

    • 30.05.2016 11:08, BitteKeinenPodcast!

      "Die Hinweise die hier gegeben werden, will niemand umsetzen." Beeindruckend, wie genau manche Leute Bescheid wissen.
      Es genügt doch auch schon, wenn die Hinweise, die hier gegeben werden, viele Leute zur Kenntnis nehmen. Ob sie sie umsetzen, entscheiden sie selbst. Man wird sehen.

    • 30.05.2016 13:34, Marc Reiß

      Auf Falsches "nicht allzu streng zu regieren" ist ungefähr so wie ein bisschen schwanger zu sein... wofür soll es denn dann Punkte geben, den Versuch, eine eigene Definition zu finden, der aber gescheitert ist, weil das Geschriebene dogmatisch nicht zu halten ist?

      Ansonsten erwarte ich mit größter Spannung das bahnbrechende Werk "Klausurenlehre im Recht" von WissMit/RefJur/Final Justice, erschienen... ja wo eigentlich?

    • 31.05.2016 13:47, WissMit

      Herr Reiß, dass ist mir dann doch zu sehr Kindergartengehabe ...

  • 28.05.2016 09:31, Der Transformator

    Wieviel Volt wandelt ein durchschnittlicher Kandidat um, wieviel ein guter? Kann man den auch an eine Modelleisenbahn anschließen?

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 16.06.2016 18:10, .

      Vielleicht doch eher: Transformer?

  • 30.05.2016 10:52, Jurist

    Der Autor versucht - durchaus berechtigterweise - auf einen verbreiteten Fehler aufmerksam zu machen. Oftmals wird vom Prüfling nicht der konkrete Sachverhalt bearbeitet.

    Leider misslingt seine Argumentation komplett. Bereits die Auswahl des Beispiels ("Verschwindenlassen") ist äußerst unglücklich.

    Entgegen der Ansicht des Autors kommt man an dieser Stelle nicht dadurch weiter, dass man "Verschwindenlassen" als vermeintlich eindeutig darstellt. Es kann vieles bedeuten. Auch, dass der Täter weiterhin Zugriff auf das Objekt hat.

    Gerade hier muss dann allerdings der Klausurbearbeiter "ein Fass aufmachen". Wenn nicht klar ist, ob der Täter Zugriff hatte (darzulegen Anhand verschiedener Auslegungsmöglichkeiten des Begriffes), kann ihm diese Ungewissheit - wenn überhaupt - zum Vorteil gereichen. Die Strafbarkeit wegen eines unechten Unterlassungsdeliktes scheidet somit aus. (Wer meint, dass es sich dabei um typische 2.-Examens-Sachverhalte handelt, hat sicher nicht Unrecht. Für das erste Staatsexamen ist der Sachverhalt wahrscheinlich - wie viele bereits ausgeführt haben - schlecht gestellt. Man soll einen "als wahr zu unterstellenden, eindeutigen Sachverhalt" erhalten, um dann an diesem sein universitäres Handwerkszeug zu demonstrieren.)

    An dieser Stelle wird folgender Satz des Autors allerdings durchschnittlichen Klausuranforderungen nicht gerecht:
    "A hatte nach Auftreten des Schocks also keinen Zugriff mehr auf die Notfallmedikation, ein unechtes Unterlassen scheidet mangels Möglichkeit zur Erfolgsabwendung aus. "

    Man täte sich bei "... hatte [...] also keinen Zugriff" sogar schwer das verbreitete "i.E. (+)" an den Rand zu schreiben und müsste leider auf eine mangelnde Auseinandersetzung mit dem (Achtung!) Sachverhalt sowie (je nachdem) mangelnde Schwerpunktsetzung verweisen.
    Problematisches als eindeutig darzustellen ist nunmal leider keine vernünftige Leistung.

    Vielleicht müssen manche Prüfer eines anerkennen: Man kommt schnell in falsche Fahrwasser (siehe die Argumentation des Autors) und manchmal gibt es dafür gute Gründe. Man muss Kandidaten ihrem Ausbildungsstand entsprechend benoten.

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 30.05.2016 17:17, Denis Basak

      Eigentlich wollte ich nicht noch einmal ein diese Diskussion einsteigen, aber ich möchte doch noch zwei oder drei Dinge gerade rücken. Wie alle Prüfer für ein JPA bin ich verpflichtet, über die gestellten Sachverhalte Stillschweigen zu wahren (selbst wenn an anderer Stelle zur Genüge nachzulesen ist, was wann wo als Klausur gelaufen ist...) Daher muss ich also, wenn ich auf ein konkretes in der Korrektur einer Klausur aufgetretenes Problem hinweisen will, einen Parallelfall bilden, den ich im Format der LTO nicht so weit ausschmücken kann, wie es für eine echte Klausur nötig wäre. Daher fehlen im Artikelt einige Begleitumstände, die vielleicht deutlicher gemacht hätten, warum Verschwundenes nicht da ist. Inhaltlich ist dies etwa der zeitliche Abstand zwischen dem "verschwinden lassen" und dem Auslösen des anaphylaktischen Schocks. Im Originalsachverhalt (in dem es nicht um Allergien ging) kam noch eine gesondert gesicherte Örtlichkeit vor, aus der das Rettungsmittel verschwand. Zudem würde ich trotz vieler Anwürfe hier dabei bleiben, dass der Terminus "verschwinden lassen" zwar uneindeutig dahingehend sein mag, was genau der Täter jetzt mit dem Ding gemacht hat. Als Jurist würde ich aber auch immer sagen, dass genau solche Formulierungen in Urteilen nicht so selten sind (und davon sollten auch Studierende gelegentlich mal das eine oder andere lesen). Dort sind solche Formulierungen ein typischer Ausdruck von Prozessökonomie: Das Gericht konnte eben nicht mit letzter Sicherheit klären, was genau der Angeklagte mit dem Gegenstand getan hat (verbrannt? verkauft? versenkt? gegessen?...), es kommt aber nichtdarauf an, weil nur wichtig ist, dass der Angeklagte dafür gesorgt hat, dass der Gegenstand nicht mehr da ist, wo er vorher war. Insofern würde ich auch dem Dudenhinweis ganz am Anfang der Diskussion entgegenhalten, dass der Duden hier Rechtsbegriffe eher untechnisch verwendet, weil "verschwinden lassen" nur die Hälfte eines Diebstahls / einer Unterschlagung beschreibt, nämlich den enteignenden Teil, während die Formulierung absolut nichts dazu sagt, ob der Gegenstand angeeignet wurde oder vernichtet oder... Nimmt man die (auf meine Kappe gehende) Verkürzung des Sachverhalts um zeitliche und örtliche Umstände hinzu, wird relativ deutlich, was zumindest ich selbst, mein Korrekturpartner und ja auch durchaus überwiegend die Bearbeiter der Klausur darunter verstanden haben: Wenn etwas weg ist, und der Sachverhalt keinen Hinweis darauf enthält, dass es doch noch irgendwie da ist, ist es eben weg - auch wenn ich nicht genau weiß wohin und wie. Wenn jemand dann eine Prüfung auf die Behauptung aufbaut, der Täter hätte nun (also Stunden nach dem Verschwindenlassen) ja einfach auf den Gegenstand zugreifen können, impliziert dies Zusatzannahmen (verschwinden lassen = verstecken vor Ort, daher ist ein Zugriff zwar dem Täter, aber niemand sonst möglich), die sich nicht aus der Formulierung des Sachverhalts ergeben.

      Man kann die linguistische Analyse sicher noch weiter treiben, und ich will auch nicht ausschließen, dass es möglich wäre, diese Zusatzannahmen irgendwie zumindest nachvollziehbar zu begründen. Bei den beschriebenen Klausuren kam dies aber als deus ex machina ohne jede Erklärung oder Auseinandersetzung, und zwar durchgehend. Daher habe ich auch nicht erkennen können, dass sich gerade diese Kandidatinnen und Kandidaten besonders intensiv mit dem Sachverhalt beschäftigt hätten. Und eben dies, die unreflektierte, allem Anschein nach gar nicht bemerkte Sachverhaltsunterstellung, die dann auch noch ergebnisrelevant wurde (zumindest bei denen, die unter Außerkraftsetzung der Konkurrenzen die Unterlassung neben dem aktiven Tun als Begehungsform stehen ließen...), ist die Art von vermeidbarem Fehler, auf die ich hinweisen wollte und bei der ich dabei bleibe, dass sie viel zu wenig Aufmerksamkeit in der Lehre, in den (unversitären wie außeruniversitären) Repetitorien und vor allem im Selbstlernprozess der Studierenden genießt.

      Noch ein Versuch zum Thema Auswendiglernen von Standards: In dem zuletzt von mir korrigierten Stapel war eine Klausur, die sehr schulmäßig die Rechtsfolgen des Erlaubnistatbestandsirrtums diskutierte, inklusive immerhin vier verschiedener Nuancen der eingeschränkten Schuldtheorie. Das war ohne Zweifel sauber auswendig gelernter Stoff. Das Problem war nur, dass die Klausur zwar Irrtümer enthielt, aber gerade diesen nicht. In der Arbeit wurde zwar die Debatte um die Rechtsfolgen kenntnisreich wiedergegeben (und auch fast richtig), leider fehlte aber der vorgängige Schritt der Prüfung, nämlich die Untersuchung, ob der Täter bei unterstellter Richtigkeit seiner Annahmen denn tatsächlich gerechtfertigt gewesen wäre. Was ich damit zeigen will ist folgendes: Kann man viel auswenidg gelerntes Wissen an der richtigen Stelle in die Klausur richtig einbringen, ist das sicher von Vorteil. Dazu ist aber die erste Voraussetzung, dass man überhaupt den Sachverhalt so gut auswerten kann, dass man das Problem richtig identifiziert. In den mir bisher bekannt gewordenen Examensklausuren ist es häufig der Fall, dass gerade die "Standardprobleme" nicht im Gewand des Standardsachverhaltes daher kommen. Ein Großteil der zu erbringenden Leistung besteht also erst einmal darin, das Problem richtig zu identifizieren. Gelingt dies, würde ich die These aufstellen, fällt man nicht mehr durch, gelingt es überzeugend begründet, hebt allein dies schon ins befriedigend. Kann man dann EINE Lösung für das Problem ÜBERZEUGEND begründen, ist man über dem Durchschnitt. Dafür muss man aber keine fünf Theorien auswendig lernen, sondern einmal das Problem verstanden haben - was verschiedene Dinge sind. Den Umgang mit dem Sachverhalt kann man nicht auswendig lernen. Und wenn man diesen nicht beherrscht , ist es wie mit zu viel Motorleistung bei schlechten Reifen: Wenn man das angelernte Wissen nicht zutreffend dort in die Klausur einbauen ann, wo es wirklich gefragt ist, hilft es gar nichts, man "kriegt die PS nicht auf die Straße". Kann man gute oder mittelgute klausuren schreiben, ohne die Buzzwords aus dem Lehrbuch zu bringen ? Ja, das geht. Kann man auchnur brauchbare Klausuren am Sachverhalt vorbei schreiben ? Eigentlich nie. Hat das Auswirkungen auf das Lehr- und Lernverhalten ? Viel zu selten...

    • 31.05.2016 13:46, WissMit

      "Kann man gute oder mittelgute klausuren schreiben, ohne die Buzzwords aus dem Lehrbuch zu bringen ? Ja, das geht."

      Ja klar 1 von 100 Kandidaten kriegt das hin, der Rest, der versucht das Gesetz ohne genaue Lehrbuchkenntnis auf den Sachverhalt anzuwenden, landet halt im Befriedigend und drunter, weil er dabei leider ein paar Fehler machen wird, die auch nicht durch sonstiges (Lehrbuchwissen) aufgewogen werden. Im Übrigen: Herr Reiß würde Ihrem Kandidaten mit dem Erlaubnistatbestandsirrtums trotzdem fast die volle Punktzahl geben, da zwar der vorhergehende Teil falsch ist, man den Rest der Klausur aber völlig unbeeindruckt davon zu bewerten hat. Kapitale Fehler gibt es halt nicht.

      "Kann man auchnur brauchbare Klausuren am Sachverhalt vorbei schreiben ? Eigentlich nie. Hat das Auswirkungen auf das Lehr- und Lernverhalten ? Viel zu selten..."
      Richtig!

    • 31.05.2016 15:29, Marc Reiß

      @WissMit Bitte legen Sie mir keine Aussagen in den Mund, die Thesen, die Sie im eigenen Namen vertreten, sind schon widersinnig genug.

    • 31.05.2016 16:30, WissMit

      Das gilt dann wohl vice versa

    • 01.06.2016 10:02, Attaboy

      Herr Basak,

      Sie disqualifizieren sich doch allein schon für eine wissenschaftliche Diskussion, indem Sie davon ausgehen, das Wort "verschwinden lassen" sei ein taugliches Wort zur Beschreibung eines konkreten Sachverhaltes. Besonders tragisch finde ich, Sie dieses mangelnde Sprachverständnis auch noch mit einem arroganten Seitenhieb begleiten ("Studenten, ihr lest zu wenig Urteile, deswegen seit ihr unqualifiziert für diese Diskussion.").
      Wenn die Studenten sich einmal gegen die einem Rechtsstaat unwürdigen Bedingungen einer Einsicht in Hessen (fünf Stunden für alle Klausuren, keine Notizen (sic!), keine Kopien) durch das flächendeckende Erheben von Widersprüchen wehren würden, dann würden dem JPA bei einem solchen Sachverhalt und einem solchen Prüferverständnis die Klagen nur so um die Ohren fliegen.

    • 01.06.2016 10:28, Bist Du Weichei?

      @Attaboy
      Lieber Herr Kollege, wenn Ihnen das arrogant vorkommt, was Basak schreibt, dann warten unter Juristen noch ein paar Überraschungen auf Sie. Die meisten werden eher unschön, wage ich vorherzusagen.
      Davon abgesehen: Warum steigen Sie in die Diskussion mit jemandem ein, der sich Ihrer Ansicht nach gerade disqualifiziert hat für diese Diskussion? Einfacher gefragt: Gibt's hier Trolle?

    • 01.06.2016 12:07, Marc Reiß

      "in einem Rechtsstaat unwürdige Bedingungen" -- quasi Folter bei der Einsichtnahme? Jedenfalls ist der Tatsachenkern der Aussage unzutreffend, für einen Widerspruch werden die Klausuren vom JPA nämlich kopiert.

    • 01.06.2016 12:44, Sprachverständnis

      Berlin (dpo) - "Seid" oder "seit"? An der richtigen Verwendung dieser beiden unscheinbaren Wörter scheitern mehr als 70 Prozent aller Deutschen. Nun hat das Bildungsministerium eine Reform angekündigt: Ab Beginn des neuen Schuljahres im Herbst ersetzt ein einheitliches "seidt" die beiden Formen.

      "Bislang lernte jedes Kind: 'Seid' ist die zweite Pluralform des Verbs 'sein', während es sich bei 'seit' um eine Präposition oder Konjunktion mit temporalem Bezug handelt", erklärt eine Sprecherin des Ministeriums. "Künftig müssen sich Schüler nicht mehr mit solchem abstrakten Quatsch beschäftigen, wenn sie das Wort 'seidt' benutzen möchten." - DerPostillon

    • 01.06.2016 12:52, sprache wird überschätzt

      Da geht noch ein bißchen mehr: " ... gegen die einem Rechtsstaat unwürdigen Bedingungen ": Der Attaboy is zu doof für einen simplen Genitiv. Aber Examensklausuren schreiben wollen!

    • 01.06.2016 13:08, Attaboy

      Der aufmerksame Leser erkennt die subtile Ironie einer solche Falschverwendung in einem "Zitat" im besagten Kontext ;-)

    • 01.06.2016 13:11, sprache wird+überschätzt

      Heißt Legasthenie jetzt Ironie?

    • 01.06.2016 13:15, Attaboi

      Herr Dr. Reiß,

      da haben Sie mich falsch verstanden. Bei einem Widerspruch erfolgt die Möglichkeit Kopien anzufertigen schon aus den gesetzlichen Vorschriften. Bei der bloßen Einsichtnahme - ohne Widerspruch - bleibt es den beschriebenen Beschränkungen. In anderen Prüfungsämtern werden die Klausuren auf Verlangen und ohne die "Widerspruchs-Brechstange" sogar einscannt und per E-Mail versandt.

    • 01.06.2016 14:29, Attatoy

      Subtil ist hier gar nichts! Nicht die Grammatik-Fehler, nicht die Komplexe und schon gar nicht die Trollerei.

    • 02.06.2016 10:57, Atatürk

      Und was genau hat die Frage, wie aufwendig die Herstellung von Fotokopien im Einsichtnahmetermin ist (mein Tipp sind Kameras in Mobiltelefonen, aber das nur nebenher) damit zu tun, welche Fehler Examenskandidaten im Umgang mit Prüfungssachverhalten unnötigerweise machen?

    • 03.06.2016 13:33, Erdogans Erben

      Das sind erstens die typischen Whataboutisms, die Examenskandidaten nicht nur, aber auch in Klausuren ventilieren, dient zweitens aber auch dazu, das menschenverachtende, willkürliche, höhnische und inkompetente Wesen der Prüfer zu beleuchten.

  • 31.05.2016 09:18, Chantalle

    Eine ganz andere Frage: Wie kommt es, dass Sie, Herr Dr. Basak und Herr Dr. Reiß, in der ersten Staatsprüfung prüfen dürfen? Ist das in Hessen zulässig und an der Tagesordnung, dass wiss. Mitarbeiter Examensprüfungen abnehmen? Prüfen Sie auch mündlich? Das irritiert mich nun doch etwas.

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 31.05.2016 09:42, Jacqueline

      Hier in Hessen herrscht schon seit Jahrzehnten Prüfernotstand. Die Prüfungsämter nehmen alles, was bei 3 nicht auf den Bäumen ist, sogar Habilitanden und FH-Professoren. Mit der jämmerlichen Folge, dass die Prüfer den Geprüften nur ein erstes Examen, ein zweites Examen, einen Doktorgrad und ein paar Jahre Berufserfahrung in Wissenschaft und/oder Praxis voraus sind. Das ist fast so übel wie in der Anfängerübung, in der gern auch mal Fünftsemester die Zweitsemester korrigieren. In den mündlichen Prüfungen sind folgerichtig öfters die Prüfer jünger als die Geprüften.

    • 31.05.2016 16:11, Cheyenne

      Ja dürfen die das denn, und dann sogar (!!!) noch mündlich??? Da gehen mir vor Entsetzen fast die Satzzeichen aus...... wo kommen wir denn da hin, wenn die gleichen Leute lehren UND prüfen. Hat schon wer die Bildzeitung angerufen? Sollte das irgendwie von § 3 Abs. 2 HessJAG gedeckt sein, muss zur Not der hessische Gesetzgeber ran!

    • 31.05.2016 17:48, Schorsch

      @ Chantalle: Studierst Du Jura? Dann schreib doch einfach mal ein kleines Rechtsgutachten übungshalber "Vorläufiger Rechtsschutz gegen die Besetzung eines Prüfungsausschusses mit (u.a.) einem wissenschaftlichen Mitarbeiter". Bei solchen Sachen wird man viel klüger.

    • 31.05.2016 21:08, Schaschlique

      Chantalle, Sie legen den Finger in die Wunde. Mit einem der von Ihnen namentlich angesprochenen habe ich schon zusammen geprüft. Mündlich. Es war die Hölle. Selbstgerecht, zynisch, besserwisserisch, menschenverachtend, frei von Kandidatenempathie und willkürlich bis zum Anschlag. Und dann erst im Beratungszimmer, wenn die KandidatInnen nicht mehr zuhören konnten. Seither bin ich gegen die Beteiligung Nichthabilitierter an Prüfungen.
      Die KandidatInnen allerdings fanden's ganz in Ordnung. Seltsam.

    • 01.06.2016 00:07, Kanaille

      Naja, wenn man berücksichtigt, dass die angesprochenen Herren nun schon 12 bzw. 8 Jahre ohne sichtbares Ergebnis vor sich hin habilitieren, könnte man ja auch auf die Idee kommen, dass es zugleich im Interesse der wiss. Mitarbeiter wäre, wenn man sie par ordre du mufti daran hindern würde, sich - u.a. durch übermäßiges Prüfen - weiter zu verzetteln. Am Ende sind sie sonst womöglich zu alt für einen Lehrstuhl und müssen sich, wie der arme Herr Horstkotte, mit ressentimentgeladenen Zeitungsartikeln zu Uni-Themen über Wasser halten oder gar, horribile dictu, FH-Professor werden und sich ihre berufliche Erfüllung dann bei vroniplag holen.

    • 01.06.2016 01:35, Deine Mufti

      So viel wohlwollende, aufrichtige Füsorge für diese zynischen, empathielosen Menschenverächter? So kann nur ein ausgemachter Philanthrop schreiben. Kanaille for president.

    • 01.06.2016 07:25, Kanalratte

      Kanaille at his best: Gut informiert und gewohnt argumentfrei. Ob das so was wird mit dem Examen? Naja, vielleicht irgendwo in Dunkeldeutschland. Wenigstens ein Examen wäre schon gut, oder?. Sie wollen doch nicht als Verlierer dastehen, so wie die Typen, die Sie so mögen?

  • 04.06.2016 09:58, Noah

    Einige der Hinweise sind allerdings von Prüfer zu Prüfer verschieden. Beispielsweise gibt es natürlich keine Regel, dass das erste Delikt voll durchgeprüft werden soll. Es gibt aber durchaus Hinweise von Professoren, dass man am Anfang vollsubsumieren soll und nicht einfach feststellen soll, wie es sinnvoll wäre.

    Daher kommt beispielsweise die (insb. für das zweite Examen schwer auszutreibende) Unsitte die Eröffnung des Verwaltungsrechtswegs, selbst wenn unproblematisch, durchzuprüfen, ggf. in allen Einzelheiten mit doppelter Verfassungsunmittelbarkeit und den Sonderzuweisungen. Da müssen sich die Prüfer dann schon fragen ob sie untereinander bzw. mit den hinweisgebenden Professoren kommunizieren. Bzw. umgekehrt die Professoren ob sie die Korrekturrichtlinien lesen.

    Das mal ab von dem übertriebenen Prüferbashing. Es gibt da auch auf Seite der Prüfer, Lehrenden und Sachverhaltsproduzenten Verbesserungsbedarf.

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 21.06.2016 17:38, Ref. phil.+Malte+Wurmer,+Master+of+Arts+in+Education

      Ehrlichgesagt ich kann das nicht nachvollziehen. Die Kritik ist meines Erachtens vollkommen an der eigentlichen Sache vorbei und kann nicht überzeugen. Bevor ich 30 Zeilen Dünnpfiff absetze würde ich mir lieber ein Bierchen reinzischen. Da haste mehr von!

      Dein Malte!

  • 21.06.2016 17:36, Ref. phil. Malte Wurmer, Master of Arts in Education

    Ihr Juristen seit schon ein komisches Volk!

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 21.06.2016 17:42, Nils of Warcraf

      Du bist ein Vogel!

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Tra­de­mark At­tor­ney (f/m)

Takeda GmbH, Kon­stanz

Rechts­an­wäl­tin (m/w/di­vers) für den Be­reich Dis­pu­te Re­so­lu­ti­on/Com­p­li­an­ce

Simmons & Simmons, Düs­sel­dorf

Rechts­an­walt (m/w) IP/IT (IT-Recht, Da­ten­schutz, ge­werb­li­cher Rechts­schutz), mit/oh­ne Be­ruf­s­er­fah­rung

Luther Rechtsanwaltsgesellschaft mbH, Köln und 1 wei­te­re

Rechts­an­wäl­te (w/m)

BLD Bach Langheid Dallmayr, Köln und 1 wei­te­re

Rechts­an­wäl­tin­nen und Rechts­an­wäl­te Un­ter­neh­mens­nach­fol­ge

Hennerkes, Kirchdörfer & Lorz, Stutt­gart

Rechts­an­walt (m/w/d) für den Be­reich Bau- und Im­mo­bi­li­en­recht, ins­be­son­de­re im ge­werb­li­ches Miet­recht

Melchers Rechtsanwälte, Hei­del­berg

Rechts­an­wäl­te (m/w) | Part­ner/Of Coun­sel (m/w)

MEYER-KÖRING Rechtsanwälte | Steuerberater, Bonn

Le­gal Coun­sel/Syn­di­kus­rechts­an­walt (m/w)

Unitymedia, Köln

Vor­stand­sas­sis­ten­tin / Vor­stand­sas­sis­tent

LVM Versicherung, Müns­ter

Le­gal Pro­ject Ma­na­ger (m/w/d)

Clifford Chance, Frank­furt/M.