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Verjährungsfrist für Prüfungsbetrug: Die Not­b­remse auf der Abfahrt ins aka­de­mi­sche Nir­gendwo

von Hermann Horstkotte

22.05.2018

Wer fälscht oder plagiiert, kann dafür seinen Doktorhut oder die Habilitation verlieren. Ob es dazu kommt, gleicht aber oft einem Lotteriespiel, denn die Fakultäten reagieren unterschiedlich. Verjährung mag da dem Rechtsfrieden dienen.

"Die Verleihung eines Titels hebt den dadurch Ausgezeichneten in der allgemeinen Achtung bei Weitem nicht in dem Grade, wie ihn die Entziehung des Titels herabsetzt." Diese Beobachtung des Rechtsgelehrten Paul Laband bestätigt sich auch noch nach hundert Jahren beim Widerruf des Doktorgrades oder der Hochschullehrerprüfung (Habilitation) immer wieder erneut. Ex-Verteidigungsminister  Karl Theodor zu Guttenberg oder Ex-Bildungsministerin Annette Schavan sind lebende Beispiele für diese Katastrophe. Oder auch ein Ex-Wirtschaftsprofessor, der noch vor knapp zehn Jahren als Nachwuchs-Star gefeiert wurde und heute lieber inkognito bleibt.

Wegen der unvermeidlichen Einbuße an beruflichem und sozialem Ansehen, die mit der akademischen Degradierung verbunden ist, haben sich die Fakultätentage aller Fächer und der Hochschulverband der Uniprofessoren vor jetzt genau fünf Jahren für die  "Verankerung einer Verjährungsfrist" in den Promotionsordnungen ausgesprochen. Auch schwereres Unrecht als eine Täuschung von Prüfern könne ja verjähren, bemerkte der langjährige Ombudsman für die Wissenschaft, Rechtsprofessor Wolfgang Löwer. Schon aus praktischen Gründen plädiert er für eine Zehnjahresfrist: Danach müssen beispielsweise Primärdaten nicht länger aufbewahrt werden, sodass sich Fälschungen überhaupt nicht mehr nachweisen lassen. Wer oder was bis dahin in der Forschung nicht dumm aufgefallen ist, dürfte für sie auch später einfach belanglos oder zumindest unschädlich bleiben.

Doch hat bislang kaum eine Fakultät diese empfohlene Verjährung eingeführt. Immerhin Münsteraner Juristen machen eine Ausnahme: Für sie ist der Doktortitel nach 15 Jahren unwiderruflich. Die Münchner Ludwig-Maximilians-Uni hat eine Fünfjahresfrist für die Rücknahme des Dr. phil. 2016 ersatzlos gestrichen. Demgegenüber zieht etwa die TU in der bayerischen Hauptstadt eine rote Linie um die Jahrtausendwende – entsprechend den damals veröffentlichten Empfehlungen der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis.

Selbstjustiz nach Gutsherrenart

Altfälle aus der Zeit vor den DFG-Empfehlungen wurden in München, Göttingen und anderswo ganz im Sinne des Vertrauensschutzes für Doktoranden und Habilitanden erledigt. Andere Fakultäten zeigen sich hingegen heute ganz gnadenlos wie im Falle Schavan oder der Unternehmerin Margarita Mathiopoulos, die 1980 und '86 in Düsseldorf und Bonn ihren Doktor gemacht hatten.

Mit oder ohne satzungsmäßige Ermächtigung beschreiten wieder andere Kollegien einen weiteren Weg: Statt ihre sündigen Doktoren wegen Zeitablauf zu begnadigen oder ohne Rücksicht darauf zu bestrafen, ahnden sie das akademische Fehlverhalten zum Beispiel in Heidelberg mit einer rechtlich folgenlosen Rüge im verschlossenen Briefumschlag.

Wie auch immer Plagiatsvorfälle gehandhabt werden: Jede Fakultät inszeniert sich als eigene Gutsherrschaft. So kommen auch solche Lösungen zustande: Allein um ein Gerichtsurteil zu vermeiden, einigte sich die Bergische Universität Wuppertal per Verwaltungsvertrag, also auf gleiche Augenhöhe, mit einem Dr.-Ing. auf die Nachbesserung einer plagiatsverdächtigen Dissertation von 2010.

Die anscheinend im X-Beliebigen gründenden Fakultätsentscheidungen sind symptomatisch für das Grundübel akademischer Selbstjustiz: Trotz großen öffentlichen Interesses, oft überhaupt erst nach öffentlichen Hinweisen, verhandelt sie doch stets im Geheimen. Bei der Urteilsfindung hat sie einen breiten Ermessensspielraum, dem Gerichte allenfalls mit dem Willkürverbot Einhalt gebieten können. Vor diesem dem Hintergrund wäre die flächendeckend eingeführte Verjährungsfrist die unerlässliche Notbremse auf der Fahrt des akademischen Sonderzugs ins Nirgendwo.

Der Fall Dickhuth

Das Musterbeispiel für eine überlange Irrfahrt ist eine Freiburger Geschichte, die vor 35 Jahren begann, vor nun fünf erstmals sanktioniert wurde, aber neuerdings in die ganz entgegengesetzte Richtung verläuft. Die Medizinische Fakultät entzog 2013 dem weltweit renommierten Sportarzt Hans-Hermann Dickhuth die Hochschullehrerbefähigung wegen Plagiats in seiner Qualifikationsschrift von 1983.

Er habe, so lautete eine Pressemitteilung, damals "eine Habilitationsschrift eingereicht, die zu großen Teilen mit Dissertationsschriften von mehreren von ihm betreuten Doktoranden wortidentisch sei, ohne dass dies kenntlich gemacht worden wäre. Obwohl er die Dissertationen teilweise sehr intensiv korrigiert habe, seien sie weiterhin geistiges Eigentum der Doktoranden geblieben." Dickhuth betrachtet den öffentlichen, medial zugespitzten Vorwurf des geistigen Diebstahls als Rufmord.

Jedenfalls steht in den internen Fakultätsakten etwas anderes. Danach beruhte die Aberkennung der Habilitation vielmehr darauf, dass Dickhuth "Textidentitäten zwischen den Dissertationen und seiner Habilitationsschrift billigend in Kauf genommen" habe.  "Billigend in Kauf nehmen" bedeutet bedingten Vorsatz, der in ähnlichen Fällen anderswo keineswegs zur akademischen Degradierung führte. Beim angeblich sorglosen Umgang mit  Textidentitäten bleibt auch völlig offen, wer von wem abgeschrieben haben soll. Jetzt aktuell bestätigten ein Unisprecher und Fakultätsmitglieder, dass der Promotionsausschuss dem Verdacht nachgeht, dass zwei Doktoranden aus seiner Arbeitsgruppe bei Dickhuth abgekupfert haben – und eben nicht, wie früher behauptet, umgekehrt.

Derselbe Ausschuss hat übrigens vor gut einem Jahr "umfängliche Textübereinstimmungen" zwischen einer preisgekrönten Doktorarbeit und einer Habilitationsschrift von 1990/91 festgestellt, sah sich aber "außerstande nachzuweisen, von welcher Seite das Fehlverhalten begangen wurde." Das Verfahren wurde "eingestellt", also ohne jedes Ergebnis abgebrochen – eine allseits gesichtswahrende Lösung und mögliche Alternative zur Verjährung. Professor Dickhuth kämpft indes weiter um seinen beschädigten Ruf.

Zitiervorschlag

Hermann Horstkotte, Verjährungsfrist für Prüfungsbetrug: Die Notbremse auf der Abfahrt ins akademische Nirgendwo . In: Legal Tribune Online, 22.05.2018 , https://www.lto.de/persistent/a_id/28737/ (abgerufen am: 18.06.2019 )

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 22.05.2018 14:51, Zlatko Bobicevic

    Der Doktortitel ist hierzulande ein Stück Scheisse wert. Jeder weiß es. Manche wollen es nicht wahr haben. Mit einem solchen Titel kann man höchstens 14-jährige Hauptschüler beeindrucken.

    • 22.05.2018 15:39, Bernd

      Na, ist da jemand am VB vorbeigeschrammt? ;)

  • 22.05.2018 14:53, M.D.

    Das wirft eine interessante Frage auf: Was ist wertvoller: Eine abgeschriebene Dissertation in Jura oder eine ehrliche Dissertation in Sozialwissenschaften? Die eine ist formal fehlerhaft, in der anderen steht kompletter Blödsinn.

    • 22.05.2018 15:21, B.

      Freies Zitat aus Wikipedia, der man natürlich nicht ohne zu hinterfragen alles glauben sollte, was in ihr steht:

      "Im weiteren Sinn zählen zu den Sozialwissenschaften die Disziplinen:
      ...
      - Rechtswissenschaften
      ..."

    • 22.05.2018 15:56, WissMit

      @B: sie sollten das "(interdisziplinär)" nicht unterschlagen. Die Rechtswissenschaft beschäftigt sich in der Kriminologie durchaus auch sozialwissenschaftlich.

    • 22.05.2018 16:43, M.D.

      Im weiteren Sinne, aber nicht im engeren Sinne. Außerdem waren die Rechtswissenschaften vorher da.

      Rechtswissenschaften zähle ich übrigens auch nicht zu klassischen Wissenschaften, weil kein echter Erkenntnisgewinn geschaffen wird. Sie sind jedoch deutlich anspruchsvoller, als die statistische Auswertung von geschickt formulierten Umfragen, die von den Probanten wahr oder falsch beantwortet werden können, wie sie gerade lustig sind.

      Kommen Sie sich unterdrückt vor? Ja/Vielleicht
      Wenn Ja, von wem? Staat/Arbeitgeber/Ehemann
      Verdienen Sie zu wenig? Mit Sicherheit/ganz bestimmt/auf jedem Fall

    • 22.05.2018 16:49, Ingobert Schimmelpfennig

      LTO-REDAKTION :BITTE AKTIVIEREN SIE DIE KOMMENTARFUNKTION ZUM ARTIKEL ÜBER DIE ANKERZENTREN FÜR ASYLANTEN. ICH VERSPÜRE EIN STARKES BEDÜRFNIS MICH DAZU ZU ÄUßERN.

    • 22.05.2018 21:19, Ano Nym

      +1 weil mir Ihr Humor zusagt.

    • 23.05.2018 09:57, Verwaltungsjurist

      Der Studiengang "Sozialwissenschaften" besteht zu großen Teilen aus Recht und Wirtschaft. Das was Sie meinen, sehr geehrter Herr M.D., heißt "Soziologie". Nur mal der Form halber.

  • 22.05.2018 15:50, Hermann Horstkotte

    O-Ton Dickhuth
    In einer Mail an die Hochschulleitung von voriger Woche hat Prof. Dickhuth nochmals festgestellt, dass er Teile seiner "anwachsenden Habilitationsschrift" Doktoranden zur Einsicht zur Verfügung gestellt hatte, "zur Orientierung", aber nicht zum Abschreiben. Als Betreuer habe er die der Fakultät vorgelegte Endfassung der Doktorarbeiten nicht gesehen, formell war er an den Promotionsverfahren auch gar nicht beteiligt.

    • 22.05.2018 16:46, Ingobert Schimmelpfennig

      Sehr geehrter Herr Horstkotte,
      weshalb nehmen sie den Herrn Dickhut in Schutz? Ich hatte mit dem Dickhut und seinen Doktoranden mehrfach zu tun. Ich finde es asozial, von Doktoranden die man betreut ganze Textpassagen und Grafiken eins zu eins zu kopieren. Ich finde es traurig, dass Dickhut seinen Titel behalten durfte. Von den ganzen Dopingvorwürfen wollen wir hier garnicht reden.

  • 22.05.2018 16:03, Hermann Horstkotte

    Gesetz der Stärke
    Zum Autorenstreit stellt Prof. Dr. jur. Ansgar Ohly aus Erfahrung generell fest: "In der Praxis gibt dann meist der Schwächere nach ". (http://www.spiegel.de/lebenundlernen/job/wissenschaftler-als-autoren-der-schwaechere-gibt-meist-nach-a-675752.html)

  • 22.05.2018 16:42, St. Ivo

    Dass die Entziehbarkeit des Doktorgrads nach geltendem Recht nicht „verjährt“, ist in den vergangenen Jahr mehrfach höchstrichterlich bekräftigt worden (vgl. mit weiteren Nachweisen etwa BVerwG, Urteil vom 31. Juli 2013 - 6 C 9.12; BVerwG, Urteil vom 21. Juni 2017 - 6 C 3.16; BVerwG, Beschluss vom 31. August 2017 – 6 C 12/17 [Verfassungsbeschwerde erfolglos, BVerfG, Beschluss vom 1.2.2018 - 1 BvR 2864/17]).

    Diese Entscheidungen sowie Dutzende von (häufig im freien Internet nachlesbaren) Urteilen unterer Gerichtsinstanzen, die sich bis ins letzte Detail mit den Rücknahmeentscheidungen der Universitäten auseinandersetzen, erweisen zudem die Behauptung des Autors, diese Rücknahmeentscheidungen seien gerichtlich nur auf Willkür überprüfbar, als wahlweise kenntnislos oder böswillig.

    • 22.05.2018 17:31, Hermann Horstkotte

      ad St.Ivo:
      Ohne auf die angeführten Entscheidungen näher eingehen zu müssen, behauptet der Art. nirgends, dass es nach geltendem Recht bereits eine "Verjährungsfrist" für Fehlverhalten in Doktorarbeiten oder Habilschriften gibt. Die Verjährung bleibt trotz gegenteiliger Empfehlungen einer lex ferenda vorbehalten.
      Das sich Gerichte im Streitfalle "bis ins letzte Detail mit Rücknahmeentscheidungen auseinandersetzen", berücksichtigt der Art. mit Hinweis auf den Dr.-Ing. der Bergischen Uni Wuppertal; mehr dazu unter https://www.vdi-nachrichten.com/Management-Karriere/Aus-Jurist-spielend-leicht-Dr-Ing - wie in dem genannten Fall prüfen die Gerichte, ob das "Ermessen" fehler- oder mangelhaft ausgeübt wurde. Dabei ist und bleibt die Rücknahme im Kern eine Entscheidung in der Hochschulautonomie, die die Gerichte nie antasten.

    • 23.05.2018 00:54, St. Ivo

      Dass es bei der verwaltungsgerichtlichen Überprüfung von Rücknahmeentscheidungen aufgrund der Hochschulautonomie einen der gerichtlichen Kontrolle entzogenen Bereich gäbe, ist barer Unsinn. Auch der Umstand, dass die Rücknahmeentscheidung eine "Ermessensentscheidung" darstellt, bedeutet im praktischen Ergebnis nur eine geringe Einbuße an gerichtlicher Kontrolldichte - welche Gesichtspunkte hier eingestellt werden dürfen und wie sie zu gewichten sind, unterliegt voller verwaltungsgerichtlicher Kontrolle.

      Verlinken Sie dochmal statt Ihrer sich unentwegt selbst plagiierenden eigenen Zeitungsartikel mal Gerichtsentscheidungen, damit die Leser sich selbst ein Bild machen können, wie sowas läuft (z.B. die instanzgerichtlichen Entscheidungen in der Sache Koch-Mehrin, http://lrbw.juris.de/cgi-bin/laender_rechtsprechung/document.py?Gericht=bw&nr=16752 und http://lrbw.juris.de/cgi-bin/laender_rechtsprechung/document.py?Gericht=bw&nr=17772 ).

  • 22.05.2018 16:45, Hermann Horstkotte

    Parallelfälle:
    Mehr zum im letzten Absatz d. Art. genannten Parallelfall:
    https://www.tagesspiegel.de/wissen/plagiate-in-der-wissenschaft-zu-viel-teamarbeit-im-medizin-labor/20942570.html
    Zur Abwendung von Rechtsfolgen angesichts angeblich besonderer Umstände des Einzelfalls: https://www.lto.de/recht/hintergruende/h/plagiat-wissenschaft-lmu-aufklaerung-umgang-entschuldbare-uebereinstimmungen/

    • 22.05.2018 16:51, Ingobert Schimmelpfennig

      Ein Trauerspiel

  • 22.05.2018 17:44, Hermann Horstkotte

    Verjährung oder Verschleppung
    Nach Verwaltungsverfahrensgesetz sind Verwaltungsverfahren "einfach, zweckmäßig und zügig" durchzuführen - woran in vielen Verfahren vor Uni-Gremien erhebliche Zweifel entstehen; s. etwa http://www.general-anzeiger-bonn.de/news/wissen-und-bildung/hochschulen/Immer-mehr-Plagiate-kommen-ans-Licht-article3556686.html - bis heute nicht entschieden! Die Verfahrensverschleppung erweist sich als rechtswidrige "Alternative" zur Verjährung.

    • 22.05.2018 23:08, Bonjour

      Die Uni Freiburg hat hier anscheinend dazugelernt und geht lieber den Weg der Vertuschung als den des Schauprozesses mit zweifelhaftem Ausgang.

  • 22.05.2018 19:47, Udo Pasteurs

    Kann jemand bitte diesen Hermann Horstkotte blockieren? Der spamt hier den Kommentarbereich zu. Vielen Dank.

  • 23.05.2018 09:16, Hermann Horstkotte

    ad St. Ivos Nachtgedanken vom 23.d.M.:
    Entgegen dem vom Foristen erweckten Eindruck unterscheidet die Rechtsprechung (auch) im Falle Koch-Mehrin zwischen dem "ordnungsgemäßen Ablauf" des Promotionsverfahrens ,zuständig Promotionsausschuss, und der "Leistungsbewertung", zuständig im Einzelfall die Promotionskommission mit ihrer Ermessensausübung, die gerichtlich nur auf Fehlerhaftigkeit überprüft wird. Vgl. statt vieler anderer etwa Gerrit Hellmuth Stumpf, Ungeschriebener Parlamentsvorbehalt und akademische Selbstverwaltungsgarantie, Tübingen 2017, 568: "Die Frage, ob eine Leistung promotionswürdig ist, kann der Staat allenfalls einer Willkürkontrolle unterziehen. Jenseits dessen steht den Hochschullehrern ein Beurteilungsspielraum zu, der gerichtlich nur sehr eingeschränkt überprüfbar ist. Hier geht es ... allein um fachlich intellektuelle Entscheidungen, die die nur von denjenigen getroffen werden können, die sich in der Wissenschaftsgemeinde ihrer Disziplin bereits durch einen scharfen Verstand ausgezeichnet und dies beispielsweise durch ihre Habilitation auch unter Beweis gestellt haben." -
    Meine weiterführenden Links/Nachweise für den Leser als ,Selbstplagiate` abzustempeln, nehme ich als zugespitzte Polemik hin, ganz im Sinne des presserechtlichen Plagiatsbegriffs, dazu dann dieser Link: https://www.tagesspiegel.de/wissen/gerichtsurteil-plagiatsvorwuerfe-sind-meinungsaeusserung/14947518.html :)

  • 23.05.2018 09:37, Hermann Horstkotte

    Verjährung bei Bachelor/Master
    gilt für die (angeblich) berufsbefähigenden Abschlüsse an vielen, wenngleich nicht allen Hochschulen, zum Beispiel aber an der PhilFak der Uni Bonn. Die Verjährung soll hier der Rechtssicherheit im Berufsleben dienen. Im Gegensatz dazu halten namhafte Experten den Dr. für keinen beruflichen Abschluss, insoweit Verjährung hier für nicht erforderlich. Die Unterscheidung ist abstrakt triftig, trifft dennoch nicht die Lebens- und Berufswirklichkeit: So dient der Dr. nach bekannten Gerichtsurteilen der "beruflichen Außendarstellung" und dem "beruflichen "Wettbewerb". So entschied das OLG Köln am 14.1.2013 (15 U 111/13), dass der Entzug des Doktorgrades eines Wissenschaftlers sein anderweitiges berufliches Fortkommen nicht beeinträchtigen solle und deshalb der Name in der Presseberichterstattung nicht genannt werden dürfe.

    • 24.05.2018 17:34, Hermann Horstkotte

      Der Gesetzgeber ist gefragt
      Unter www.ordnungderwissenschaft.de/pdf/2014-1/01_03_rieble_plagiatsverjährung.pdf spricht sich der renommierte Plagiatsexperte Prof.Dr.jur. Volker Rieble gegen Verjährungsfristen bei Rücknahmeentscheidungen bzgl. Doktorgrad aus, aus normativen "Rechtserwägungen" namentlich in Auseinandersetzung mit seinem Kollegen Löwer. Gleichwohl stellt Rieble klar, dass der parlamentarische Gesetzgeber Verjährungsfristen einführen könne, will das aber nicht einfach Hochschulorgangen überlassen.

  • 23.05.2018 20:27, B. Agricola

    Zur Med. Fakultät Freiburg:
    Die Med. Fakultät Freiburg leistet sich kaum glaubliche Sachen. Der Fall Dickhuth wurde ganz offensichtlich aus politischen Gründen so gehandhabt, da man damit auch die Dopingaffäre beruhigen konnte. Neben schweren Verfahrensfehlern kommt jetzt offensichtlich auch noch der Promotionsausschuss zu einem anderen Ergebnis als der Habilitationsausschuss. Noch schwerwiegendere Fälle, dokumentiert auf Vroniplag, werden einfach verzögert oder unter den Tisch gekehrt, zB die Angelegenheit Zeiher/ Saurbier und Attin/Zirkel (s. Vroniplag). Das Gleiche gilt für den Entzug der Habilitation einer Sportmedizinerin 2014, deren Widerspruch seit 4 Jahren nicht bearbeitet wurde.

  • 23.05.2018 20:38, Panthera

    Glückwunsch zu diesem ausgezeichneten Artikel von H. Horstkotte! Dieser Autor weiß, worüber er schreibt -- in seinem Artikel ebenso wie in seinen Kommentaren.

  • 23.05.2018 21:09, Panthera

    Zu B. Agricola. Ich komme aufgrund eigener Recherchen zu demselben Ergebnis wie B. A. Der Fall ist ein beispielloser Skandal einer deutschen Universität. Da ist alles vertreten: strafrechtlich relevante falsche Tatsachenbehauptungen, grob fahrlässige Verletzung von Persönlichkeitsrechten, Unterdrückung von Dickhuth entlastenden Beweismitteln, eine völlig überforderte Leiterin der Dickhuth-Abstimmungssitzung, die zu allem Überfluss die Unwahrheit sagt, ein Emeritus, der in dieser Sitzung nichts zu suchen hat, aber unsachliche, Stimmung gegen Dichkuth machen durfte, um hier nur diese Beispiele zu nennen.

  • 23.05.2018 21:36, CS

    Interessant, dass man solche Dinge, wie sie hier von Herrn Agricola u. Panthera der Öffentlichkeit bekannt gemacht werden, vergeblich in der Badischen Zeitung sucht. -- Könnte es sein, dass die BZ-Redaktion ein Problem mit ihrer Unabhängigkeit hat? Ein Informant/in, die/der es wissen muss, sieht es in einem Zweizeiler so: ,,Dr. W. R. dem Uni-Establishment treu ergeben, strebt einer Honorarprofessur entgegen." Ich will mir diese Meinung nicht zu eigen machen und erwarte gerne auch von der BZ eine schonungslose Reportage dieses Skandals.

    • 26.05.2018 09:22, Hermann Horstkotte

      Un-ordentliches Verwaltungshandeln
      Mit Mail vom 24.d.M. an einen Informanten äußert der angesprochene Lokaljournalist: "Von einem Wiederaufrollen des Falls Dickhuth kann derzeit keine Rede sein – er ist bis heute nicht abgeschlossen, denn die Medizinische Fakultät hat es bisher nicht geschafft, auch die dazugehörigen Promotionen zu beurteilen."
      Diese Sicht steht nicht im Einklang mit dem rechtsgültig abgeschlossenen Deal zwischen der Uni und Dickhuth (http://www.spiegel.de/lebenundlernen/uni/plagiatsvorwurf-freiburger-medizin-professor-dickhuth-verliert-habilitation-a-991634.html) - stellt den vielmehr wegen der damaligen Nichtbefassung des Promotionsausschusses von Anfang an in Frage.
      Ob die Pressestimmer der Hochschulleitung zu denken gibt, zu einem zügigen Verfahren führt?

  • 24.05.2018 09:38, Hermann Horstkotte

    Dickhuth-Just / Medien
    Vor fünf Jahren wurde der Habilitations-Gutachter und renommierte Herzspezialist Hanjörg Just in der Lokalpresse zitiert, das Miteinander Dickhuths und der Doktoranden sei seinerzeit „alles andere als Usus gewesen“. Auf aktuelle Nachfrage von LTO antwortet Prof. Just: "Ich kenne den Artikel, aus dem Sie zitieren, nicht oder erinnere mich jedenfalls nicht. So aber kann ich es nicht gesagt haben."

    Von Anfang an wurde der Verdachtsfall Dickhuth über die Medien gespielt, siehe etwa http://www.faz.net/aktuell/sport/mehr-sport/albert-ludwigs-universitaet-plagiatsaffaere-in-der-freiburger-sportmedizin-1609925.html (3.3.2011). Dass die Hochschulleitung über ihre Pressestelle dabei offensiv mitspielte, bleibt erstaunlich, da sie in allen anderen Fällen mit dem üblichen Verweis auf "laufende Verfahren" stumm bleibt.

  • 24.05.2018 15:50, Hermann Horstkotte

    Dickhuth-Just (II)

    Ergänzend zum vorstehenden Hinweis hier noch ein Blick in die Akten, "Ergebnisvermerk 2. Sitzung des Unterausschuss des Habilitationsausschusses i.S. Prof. Dickhuth", 15.8.2012, "Ausführungen von Herrn Prof. Just":
    "Zur Frage nach den Regeln für die Zitierungen in einer Habilitationsschrift erläutert er, dass es solche nicht gegeben habe. … Die Doktoranden wurden in einigen Habilitationsschriften genannt, in anderen nicht, beides wäre akzeptiert worden. … Er bejaht, dass es als üblich angesehen werden könne, dass der Habilitand seinem Doktoranden zu seiner Dissertation Formulierungs- oder Textvorschläge gemacht habe, z.B. wenn dieser etwa die deutsche Sprache nicht hinreichend beherrscht habe."

  • 27.05.2018 15:09, Hermann Horstkotte

    Was Anfang der ´80er in Freiburg üblich war
    Ergänzend zum vorstehenden Kommentar:
    Mit Mail vom 25.d.M. informiert der renommierte Herz- und Sportarzt Prof. Dr. Herbert Löllgen, von 1978-82 Leitender Oberarzt an der Uniklinik Freiburg:
    ."Es war zur damaligen Zeit ,,üblich", die Ergebnisse der Doktorandenarbeit in die eigene Habil.-Arbeit zu übernehmen, wenn das geistige Eigentum beim betreuenden Dozenten lag und dieser (so wie ich auch) viel Zeit
    und Besprechungen in deren Arbeiten gesteckt hatte. ..Insofern unterstütze ich alle Möglichkeiten, Herrn Dickhuth zu rehabilitieren."

  • 28.05.2018 08:55, Lux

    Angesichts all der von Herrn Horstkotte in diesen Kommentaren vorgetragenen Fakten bedarf der Fall Dickhuth dringend auch einer juristischen Revision. Nicht Prof. Dickhuth gehört an den Pranger, sondern all jene, die diesen Skandal zu verantworten haben, Dickhuth zu Unrecht gekreuzigt haben und dringend zur Rechenschaft gezogen werden müssen, weil sie zu allem Überfluss Steuergelder in Millionenhöhe verschwendet haben. Großzügig aber hat die Uni Freiburg bisher alle Scheinheiligen verschont, die auf der Vorderbühne wissenschaftliche Redlichkeit predigen, sich auf der Hinterbühne jedoch mit fremden Federn schmücken und lügen, dass sich die Balken biegen!

  • 28.05.2018 10:58, Panthera

    Zu Lux
    Dieser Kommentar von Lux inspiriert zu einer kleinen Travestie eines Bibelzitats:
    ,, ... Und das Licht (lux) leuchtet in der Finsternis, aber die Finsternis im Freiburger Uni-Rektorat und im dorigen Dekanat der Medizinischen Fakultät hat es nicht begriffen." Heiliger Geist erleuchte die Uneinsichtigen und lass´ Hirn vom Himmel fallen!

  • 28.05.2018 20:28, Acquis

    Während ex-Verteidigungsminister von und zu G. nicht so gut weggekommen ist, läuft's bei der aktuellen Verteidigungsministerin schon besser: Die Uni befand "Plagiat ja, aber Täuschungsabsicht nein": https://www.zeit.de/politik/deutschland/2016-03/ursula-von-der-leyen-doktortitel-plagiat

    • 29.05.2018 08:19, Hermann Horstkotte

      Ähnlich an der LMU: https://www.lto.de/recht/hintergruende/h/plagiat-wissenschaft-lmu-aufklaerung-umgang-entschuldbare-uebereinstimmungen/

  • 29.05.2018 10:34, JoeFrazier

    Ich werde den Verdacht nicht los, dass an der Akademie so einiges im Argen liegt. Es werden Regeln aufgestellt, wie im Falle des Wissenschaftlichen Fehlverhaltens verfahren werden soll und was sich dahinter verbirgt. In Wahrheit wird allerdings Politik betrieben. Herr Dickhut wird entsorgt, so ist das Doping-Problem auch kein Problem der Universität mehr, während der Fall Keck in München aus politischen Gründen bagatellisiert wird. Hier kommt die Macht der MPG zu tragen, ein Ausschussvorsitzender Ohly (ehemals bei der MPG) und sein Stellvertreter (MPI Direktor) knicken vor der Finanz-Macht der MPG ein. Eine Schande fürs System. So gibt man ein Vorbild für die zukünftigen Professoren dieser Welt. Toll!!

    Es wirft aber auch ein Licht auf das wissenschaftliche System. titel werden offenbar nur für die Karriere gemacht. Ein wissenschaftliches Interesse ist hier überhaupt nicht von Bedeutung. Vermutlich sind die bisherigen Plagiatsfunde nur Sandkorn in der Wüste und begründet die Entscheidungsschwäche der Ausschüsse.

    https://wissenschaftalsbeute.wordpress.com/2018/01/11/die-krise-der-max-planck-gesellschaft-gesellschaft-auf-abwegen-2/

  • 29.05.2018 10:42, Lux

    Zu Prof. Hanjörg Just, zu dessen Schmuck mit fremden Federn sowie eklatant falschen Tatsachenbehauptungen gegen Prof. Dickhuth in der Zeitung und im Untersuchungsausschuss:
    Prof. H. Just, der sich in seiner Aufrichtigkeit schon mal gern mit fremden Federn schmückt, indem er z. B. zu Protokoll gibt, dass er eine wichtige Erfindung maßgeblich ,,vorangetrieben" habe (,,da gab´s nichts voranzutreiben" -- so hingegen in einer Stellungnahme der Erfinder des Ballon-Katheders, Prof. T. Bonzel) oder versehentlich eine Quelle nicht zitiert, aus der er aber reichlich schöpfte -- dieser Professor Just lobte in seinem Gutachten am 28. 7. 1983 Dickhuths Habilitationsschrift in den höchsten Tönen:
    ,,Insgesamt ist die Arbeit mit Umsicht, guter Planung und sehr großem Fleiß ausgeführt worden. Die Ergebnisse sind als zuverlässig zu betrachten, ihre kritische Sichtung verdient Anerkennung. (...) Ich empfehle der Hohen Fakultät die Annahme dieser Arbeit als Habilitationsleistung ohne Einschränkung."
    Da es 30 Jahre später wegen des Doping-Skandals, mit dem Prof. Dickhuth aber nichts zu tun hatte, wie auch eine Kommission (Schäfer-Kommission) klar bescheinigt, zur Rettung der Fördermittel oppurtun erschien, sprang Prof. H. Just -- in der Badischen Zeitung als ,,graue Eminenz" gefeiert -- sofort auf den Dickhuth-Verleumdungs-Zug auf und haute öffentlich und gutachterlich seinen einstigen Assistenten komplett in die Pfanne: juristisch ein Skandal, menschlich eine Katastrophe!
    Und über alledem halten der Rektor der Universität, die Prorektorin und die Dekanin der Medizinischen ihre schützenden Hände, denn Judas Just bringt der Uni mit seiner Stiftung ja Silberlinge.

  • 29.05.2018 14:17, Fulgur

    Zu Lux
    Hinzu kommen aber noch drei Professoren, die ein Kollege von ihnen, ein Prof. Dr. med. Dr. med.dent. etwas bissig als ,,Colgate-Truppe" bezeichnet: die Herren Hellwig, Attin und Kielbassa. Der eine ist von Fulgur im Blick, weil er hartnäckig seine Habil.-Schrift versteckt. Verdächtig ist, dass allein schon der Titel seiner Lehrbefugnisschrift identisch ist mit zwei Titeln der Diss. seiner Doktoranden, von denen einer seine Diss. vor dem Habilitanden eingereicht hatte. Der zweite aus diesem Trio hat seinen eigenen Text nicht erkannt, als er die Dissertation seines
    Doktoranden Zirkel begutachtete. Der dritte dieser drei Zahnmedizin-,,Musketiere" trieb´s ganz toll. Er ließ die Diss. seines Doktoranden mehrfach umschreiben, sodass er sich dann in der eigenen Habil.-Schrift mit Federn seines Doktoranden rechtswidrig schmücken konnte und sogar mit den Früchten seines Doktoranden einen Preis erhielt.
    Auch diese Fälle sind schon seit Jahren bekannt, aber für den Rektor der Universität Freiburg und der dortigen Med. Fakultät kein Anlass, endlich zur Sanktionierung zu schreiten.

    • 29.05.2018 15:59, Hermann Horstkotte

      Fall Kielbassa: http://www.general-anzeiger-bonn.de/news/wissen-und-bildung/hochschulen/Immer-mehr-Plagiate-kommen-ans-Licht-article3556686.html

  • 30.05.2018 11:15, Panthera

    Zu Fulgur und Lux
    Prof. E. Hellwig, ein ganz spezieller Fall, scheint zu wissen, weshalb er seine Lehrbefugnis-Schrift hartnäckig versteckt:
    Hellwig, Elmar: Der Einfluß von Plaque auf den Reaktionsmechanismus fluoridhaltiger Kariostatika. Habil.-Schrift Marburg 1988
    Egerer, Roland: KOH-lösliches und fest gebundenes Fluorid nach Duraphat-Applikation auf mit Plaque bedecktem Schmelz im künstlichen Approximalraum.
    Diss. Marburg 1987
    Albert, Georg: Fluoridretention in demineralisiertem Schmelz nach Applikation von Fluoridlacken in vivo. Diss. Marburg 1988
    Hinzu kommt, dass der Vorsitzende des Dickhuth-Habil.-Ausschusses, Prof. E.Hellwig, die in zwei Habil.-Schriften (von T.Attin u. A.M. Kielbassa) mit erheblichen Textidentitäten mit Diss. von Doktoranden ohne gegenseitige Zitierung als Erstgutachter und Ärztlicher Direktor am Uni-Klinikum in Freiburg ohne Beanstandung durchwinkte. -- Ganz anders jedoch im Fall Dickhuth.
    Auszug aus der Entscheidung der Med. Fakultät vom 4.11.2013: „Das wissenschaftliche Fehlverhalten von Herrn Prof. Dickhuth wurde aber darin gesehen, dass er alle Dissertationen betreut habe, in denen Übereinstimmungen mit der Habilitationsschrift festgestellt worden seien ... Zumindest habe er es billigend in Kauf genommen, dass Textidentitäten zwischen den Dissertationen und seiner Habilschrift bestünden und trotzdem die textidentischen Arbeiten nicht zitiert worden seien …“
    Unterschrift Prodekan Prof. E. Hellwig
    Wer im Glashaus setzt, sollte nicht mit Steinen werfen! Das kann bös enden

  • 01.06.2018 12:35, Tempestas

    Angesichts der höchst aufschlussreichen Kommentare von Autoren mit offensichtlich großem Insiderwissen, die der Öffentlickeit den Sand aus den Augen spülen, den die Uni mit alternativen Fakten gestreut hat, oder Verschleppungen und Vertuschungen von mutmaßlichen Plagiatsfällen und wissenschaftlichem Fehlverhalten von Betreuern und Gutachtern medizinischer Qualifikationsschriften, die die Freiburger Uni-Leitung und das Dekanat der Medizinischen Fakultät rechtswidrig praktizieren, ist es wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis ein größeres Unwetter über die Skandal-Verantwortlichen hereinbricht und sie die Blitze unseres Rechtsstaates treffen.

  • 01.06.2018 17:06, Hermann Horstkotte

    Plagiate in Bibliotheken
    Was zehn Jahre nicht dumm aufgefallen ist, wie kommt´s dann doch plötzlich noch an den Pranger? Oft durch Mitwisser oder "gute Freunde", die jemanden im "Schatten von gestern" (John le Carré) fertigmachen; vgl. aktuell den Fall Frank Steffel https://www.tagesspiegel.de/wissen/doktorarbeit-des-cdu-abgeordneten-was-an-den-plagiatsvorwuerfen-gegen-frank-steffel-dran-ist/22630168.html
    Plagiate sollen in den Wissenschaften gewiss nicht unter den Teppich gekehrt werden- auf eine nachträgliche Sanktionierung /Titelaberkennung kommt es dabei aber nicht an: Wirkungsvoller wäre der Klarheit und Wahrheit gedient, wenn die Wissenschaft auf das Fehlverhalten in den Bibliothekskatalogen, dem kulturellen Gedächtnis, hinweisen würde - das nähme bloßen Denunziatoren, die an nichts anderem als social downgrading interessiert sind, den Wind aus den Segeln. Aber ausgerechnet da wird geschlampt: https://www.tagesspiegel.de/wissen/beanstandete-dissertationen-in-bibliotheken-plagiate-mit-zukunft/13995204.html

  • 01.06.2018 20:38, CS

    Zu H. Horstkotte
    Klar, würde das Abhilfe schaffen. Da Freiburg jedoch das krasseste Beispiel für Ungleichbehandlung, Vertuschung und Verschleppung mutmaßlicher Plagiatsfälle und Verletzungen von Betreuerpflichten, die lt. Rektor Schiewer genauso sanktioniert werden müssen wie das Abkupfern, sollten diese Dinge im besonderen Blick bleiben! Um es in aller Klarheit zu sagen: Einen nachweislich Unschuldigen hängen und die anderen mit tatsächlich schmutzigem weißen Arztkittel laufen lassen, geht überhaupt nicht! Mittlerweile räumt ja sogar die Dekanin der Freiburger Medizinischen Fakultät lt. Informanten ein, dass man im Fall Dickhuth einen schweren Fehler gemacht habe. Mit Aussitzen und Verschleppen hat noch niemand einen schweren Fehler korrigiert. Das sollten sich der Herr Rektor und die Frau Dekanin über den Spiegel hängen.

  • 03.06.2018 10:00, Hermann Horstkotte

    Dickhuths "unschuldige" Doktoranden
    Während die MedFak in ihrer Entscheidung gegen Dickhuth noch dahingestellt ließ, ob er von den Doktoranden abgeschrieben haben soll oder umgekehrt (wie im Art. ausgeführt), hat sie die Plagiatsuntersuchungen gegen zwei verdächtige Doktoranden jetzt eingestellt, teilt die Uni allerdings erst auf aktuelle Pressenachfrage mit (https://www.badische-zeitung.de/suedwest-1/dickhuts-doktoranden-behalten-titel--153154950.html).
    Im Endeffekt stabilisiert die Fakultät damit ihre Rücknahmeentscheidung in der Habilsache vom 4.11.2013. Um das zu verstehen, s. aus entscheidungspsychologischer Sicht etwa Erik Eyster, Rationalizing the Past: a Taste for Consistency, www.lse.ac.uk/economics/people/personal/erik-eyster-publications and papers; dazu auch Jürgen Kaube, Bloß kein Ende mit Schrecken, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 3. Juni 2018

  • 03.06.2018 12:48, Advisor

    Zu ,,unschuldige" Doktoren von H. Horstkotte und den Beitrag in der BZ ,,Plagiatsfall Dickhuth: Doktoranden dürfen ihre Titel behalten" von W. Rüskamp:

    Uni-Leitung u. Dekanat der MF Freiburg bekräftigen mit dieser Entscheidung ihren Dickhuth-Habil.-Rücknahme-Skandal. Nicht weniger perfide ist Herr Rüskamp, wenn er in einer Zwischenüberschrift seines Artikels behauptet ,,Der Betreuer hat abgeschrieben, nicht die Doktoranden", denn diese gezielte Leser-Manipulation ist überhaupt nicht durch den sonstigen Text gedeckt.
    Blanker Unsinn ist und bleibt zudem, dass ,,massive Änderungen" durch den Urheber (Dickhuth) ,,ins geistige Eigentum der Doktoranden übergegangen" seien. Das wäre ein absolutes Novum im Urheberrecht (siehe dazu BZ-Leserkommentar vom 31.3.2016).
    Aber selbst wenn es so wäre, wie die Universität behauptet, dass Dickhuth quasi von sich selbst abgeschrieben habe, ist das noch lange kein Grund für die Rücknahme der Habilitation, denn laut Habilitationsordnung ist das juristisch nur möglich, wenn Dickhuth seine Habilitation mit unlauteren Mitteln erworben hätte. Hat er aber nicht, wie die Uni selbst schon im September 2014 im Rahmen der Aufhebung des Disziplinatverfahrens festgestellt hat. Deshalb ist und bleibt die Rücknahme der Dickhuth-Habilitation evidentes Unrecht, für das die dafür Verantwortlichen endlich zur Rechenschaft gezogen werden müssen.

  • 03.06.2018 21:01, CS

    Zu Advisor
    Was die Universität Freiburg über seinen ,,Hofschreiber" Rüskamp (0-Ton aus der BZ-Red.) verbreiten lässt, ist in der Tat blanker Unsinn. Die perfide Zwischenüberschrift ,,Der Betreuer hat abgeschrieben, nicht die Doktoranden" kann man auch als Verleumdung u. üble Nachrede im Sinne des StGB bezeichnen. Bleibt zu hoffen, dass dies für Herrn Rüskamp nicht folgenlos bleibt.

  • 03.06.2018 21:08, CS

    Kleine Korrektur als Addendum:
    Es muss natürlich richtig heißen:
    ,,Was die Universität über ihren Hofschreiber ..."

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