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Moot Courts: Gekommen, um zu siegen

Interview von Constantin Körner

08.06.2015

Simulierte Gerichtsverfahren werden von immer mehr Fakultäten angeboten. Für wen sich eine Teilnahme lohnt, wer besser die Finger davon lässt und welche Strategie zum Erfolg führt, verrät Jan-Gero Alexander Hannemann im Interview.

LTO: Herr Hannemann, wie sind Sie zum ersten Mal mit Moot Courts in Berührung gekommen?

Hannemann: Ich habe relativ früh mit dem Hochschuldebattieren angefangen. Bereits als Schüler mit 14 Jahren bin ich auf eine Gruppe an der Universität Göttingen aufmerksam geworden. Später habe ich dann in Hannover und Genf auch zwei Debattier-Clubs gegründet und bin so bereits vor Beginn meines Studiums mit Jura-Studenten in Berührung gekommen. Von denen habe ich von Moot Courts erfahren. So nahm ich dann auch an meiner damaligen Fakultät an einem kleinen Uni-internen Moot Court teil, den ich gewonnen habe. Mit der Zeit wurden es dann immer mehr und größere Wettbewerbe. Mir hat das einfach Spaß gemacht.

"Im Gerichtssaal pulsiert das Leben"

LTO: Welche Kriterien sind für einen Sieg beim Moot-Court entscheidend?

Hannemann: Zunächst einmal müssen die Schriftsätze ordentlich erarbeitet werden. Nicht zu unterschätzen ist die sich daran anschließende mündliche Verhandlung. Hier trifft man das erste Mal auf seine Gegner. Wer hier einfach nur seinen Schriftsatz vorliest, der wird die Richterbank sicherlich nicht überzeugen. Vielmehr muss man ein Plädoyer erarbeiten, Strategien entwickeln, wie man mit seinen Gegnern umgeht, und bereits im Vorfeld versuchen, die Fragen der Richterbank zu antizipieren, um damit nicht in der Verhandlung überrascht zu werden. Das ist genau der Teil, der mir an den Moot Courts immer am meisten Spaß gemacht hat. Hier wird der Schriftsatz lebendig, im Gerichtssaal pulsiert das Leben. Und auch wenn man die - rechtlich betrachtet - schwächere Seite zu vertreten hat, kann das in der Verhandlung, wo es um Standfestigkeit und Argumentationsgeschick geht, sogar von Vorteil sein.

LTO: Für wen lohnt sich die Teilnahme an einem Moot Court?

Hannemann: Ein Moot Court ist eine super Möglichkeit für alle Studenten, die einmal ausprobieren wollen, wie es ist, als Anwalt zu agieren, und für diejenigen, die die manchmal trockene Theorie mit Lebensnähe füllen wollen. Natürlich sollte man sich darüber im Klaren sein, dass ein Moot Court zum einen zeitaufwendig und zum anderen juristisch anspruchsvoll ist. Der Vergleich mit der intensiven Hausarbeitszeit ist sicherlich nicht ganz verkehrt. Schließlich muss man Schriftsätze verfassen  - nicht selten für beide Seiten - und sich im Anschluss dann auch noch einer "mündlichen Prüfung", also der Verhandlung und einer zumeist aus Richtern, Professoren oder Anwälten besetzten Richterbank, stellen. Es ist auch nicht unüblich, dass die Fakultät dafür ein Freisemester (Urlaubssemester) einräumt.

LTO: Und wem würden Sie eher abraten?

Hannemann: Abraten würde ich niemanden. Ein Moot Court kann ja auch die Erkenntnis bringen, dass Jura doch nicht das richtige ist und das ist möglicherweise dann auch gar nicht verkehrt. Also möglichst früh ausprobieren, ob einem der Anwaltsberuf, den nun mal der Großteil der Absolventen ergreift, überhaupt liegen würde.

Zitiervorschlag

Constantin Körner, Moot Courts: Gekommen, um zu siegen . In: Legal Tribune Online, 08.06.2015 , https://www.lto.de/persistent/a_id/15749/ (abgerufen am: 16.07.2019 )

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Kommentare
  • 15.06.2015 12:15, Lionel Hutz

    Schön, wenn ein Student ezählt, wie er die Moot Courts fand. Spannender wäre aber, wenn ein schon berufstätiger Volljurist erzählen würde, inwieweit ihm ein Moot Court im echten Beruf geholfen hat.