LTO.de - Legal Tribune Online - Aktuelles aus Recht und Justiz
 

Themenwoche LL.M.-Programme: Ein Titel macht Karriere - und viele Juristen mit ihm

von Johanna Strohm, LL.M., M.A.

13.05.2013

Der zunehmende Konkurrenzdruck auf dem juristischen Arbeitsmarkt macht es immer wichtiger, sich von der Masse der Absolventen abzuheben. Dabei wird die Weiterqualifikation durch ein LL.M.-Aufbaustudium immer beliebter. Fremdsprache oder Spezialisierung, interkulturelle Kompetenz oder hervorragende Kontakte: Der passende Studiengang hat über den Titel hinaus noch einiges mehr zu bieten.

Neben dem klassischen "Dr." drängt in den vergangenen Jahren vermehrt der "LL.M." als akademischer Titel in die Karriereplanung deutscher Juristen. Seinen Ursprung hat der Abschluss im angloamerikanischen Hochschulsystem.

LL.M. ist die englische Abkürzung für den akademischen Grad Master of Laws, der traditionell in den USA oder Großbritannien erlangt wurde. Seit zehn Jahren steigt weltweit die Anzahl der Angebote für spezialisierte LL.M.-Studiengänge.

Ein Blick auf die Lebensläufe von Juristen in Wirtschaftsunternehmen, in großen Law Firms, aber auch mittelständischen Kanzleien zeigt eine immer größere Anzahl von Master-Abschlüssen – neben einem oder statt eines Doktortitels.

LL.M. als Konkurrenz zum Dr. jur.

Beide Titel haben ein hohes Prestige und erhöhen die Chancen auf eine erfolgreiche Karriere. Wer sich als Spitzenabsolvent alle Möglichkeiten offenhalten will, erwirbt beide Qualifikationen.

Dr. und LL.M. haben unterschiedliche Zulassungsvoraussetzungen. Bei der Doktorwürde handelt es sich um einen akademischen Grad, der aufgrund einer wissenschaftlichen Arbeit verliehen wird. Der LL.M. wird im Rahmen eines postgradualen Aufbaustudienganges mit einer fachlichen Spezialisierung erworben; die zu erfüllenden Leistungen variieren. Die fachlichen Voraussetzungen für eine Promotion sind höher: Die meisten Promotionsordnungen der Universitäten verlangen ein Staatsexamen im Bereich "vollbefriedigend", während für viele LL.M.-Programme außerhalb der Spitzenuniversitäten geringere Anforderungen genügen.

Für eine geplante Karriere im Staatsdienst ist der Doktortitel von größerer Bedeutung und für eine weitere wissenschaftliche Karriere sogar zwingend. Jedoch drängt der Großteil der Juristen nach der Zweiten Prüfung auf den außeruniversitären Arbeitsmarkt.

Dort ist besonders bei großen international agierenden Kanzleien ein internationaler LL.M.-Abschluss gerne gesehen. Die in diesem Zusammenhang erlangten Kenntnisse anderer Rechtssysteme und sprachlichen Zusatzqualifikationen erleichtern oftmals den Einstieg in die Arbeit im internationalen Umfeld. Die kulturelle Erfahrung ist für Alexander Glos, selbst promoviert und Partner bei Freshfields Bruckhaus Deringer LLP, der wichtigste Aspekt eines LL.M.: "In einer international integrierten Sozietät wie der unseren hat man täglich mit ausländischen Kollegen und Mandanten zu tun. Da ist diese kulturelle Kompetenz, die man sich während eines Auslandsjahres aneignet, sehr hilfreich."

Auch wer plant, als Syndikus, In-House-Jurist oder leitender Mitarbeiter Karriere in einem Wirtschaftsunternehmen zu machen, sollte über ein Master-Studium nachdenken. Gerade große Firmen legen Wert auf eine internationale Ausbildung ihrer Bewerber. In kleineren und mittleren Unternehmen und ihren beratenden Kanzleien gilt dagegen der Doktortitel noch mehr. Aber auch hier gilt: Je internationaler die Geschäftsbeziehungen, desto wichtiger die mit dem LL.M. erworbenen Zusatzqualifikationen.

Zitiervorschlag

Johanna Strohm, LL.M., M.A., Themenwoche LL.M.-Programme: Ein Titel macht Karriere - und viele Juristen mit ihm . In: Legal Tribune Online, 13.05.2013 , https://www.lto.de/persistent/a_id/8706/ (abgerufen am: 23.02.2020 )

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 13.05.2013 11:02, F.L.

    Ich finde es schade, dass im Artikel nur die für Volljuristen vorgesehenen LL.M.-Aufbaustudiengänge besprochen werden. Tatsächlich gewinnen meines Erachtens auch die konsekutiven, das heißt auf ein Bachelor of Laws-Studium aufbauenden, Masterstudiengänge zunehmend an Bedeutung. Bei diesen meist auf 3 Semester angelegten Masterstudiengängen können vor allem für die Praxis relevanten juristischen Themenfelder vertieft werden. Bspw. gibt es einen Masterstudiengang "Unternehmensrestrukturierung und Insolvenzmanagement" (vgl. http://www.hfwu.de/index.php?id=8034) oder einen Master of Laws im Bereich europäisches und internationales Wirtschaftsrecht (http://www.uni-kassel.de/fb07/studium/master-studiengaenge/wirecht-master.html). Das bei solchen "deutschen" LL.M.-Studiengängen jegliche "zusätzlichen Schlüsselqualifikationen wie interkulturelle Kompetenz, Fremdsprachenkenntnisse und das Kennenlernen eines anderen Rechtsgebietes" nicht vermittelt werden, ist nicht zutreffend. Bei den beispielhaft besagten Masterstudiengängen werden neben interdisziplinären Themen (bspw. aus den Wirtschaftswissenschaften) u.a. andere Rechtsgebiete in der jeweiligen Fremdsprache gelehrt. Aufgrund meiner persönlichen beruflichen Laufbahn kann ich sagen, dass zumindest der Einstieg in der Rechts- und Complianceabteilung mit einem in Deutschland erworbenen konsekutiven LL.M., auch ohne Jura-Studium, einem im Ausland erworbenen LL.M. in nichts nachsteht.

    • 13.05.2013 11:29, Mike M.

      Der im Ausland erworbene LLM wird für Volljuristen vor allem als Sprachdiplom gesehen. Wirklich gutes English verbunden mit Grundkenntnissen einer ausländischen Rechtsordnung kann man nur schwer im Inland erwerben. Auch Kurzaufenthalte im Ausland reichen insoweit nicht.

  • 18.05.2013 14:46, SpicyLawyer

    Tja so ist das halt in unserem Kastensystem. Es zählt mehr, 1 Jahr auf Englisch Party gemacht zu haben, als eine sinnvolle Qualifikation erworben zu haben. Meiner einer "musste" auf einen "günstigen" deutschen LLM mit ca. 10.000€ Kosten zurückgreifen und "durfte" nich in die Hochburgen San Diego, Sydney zum Surfen, oder London um die Pubtour zu machen.

    Aber schon ok. So bleibt der Reiche-Söhne-Juristen-Klüngel halt unter sich und kann sich gegenseitig die tollen Geschichten erzählen. Wie selbstverständlich immer davon ausgegangen wird, dass jeder die Möglichkeit hätte ins Ausland zu gehen find ich schon lustig. Dass es dem Gros der Postgraduellen nicht möglich ist ohne Elternsupport die ca. 50.000€ Kosten für ein Jahr Auslands-Bespaßung inklusive hingerotzter Master Thesis zu stemmen findet nirgends erfinden.

    Aber über Geld redet man ja nicht, man hat es zu haben.