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Praxistipps zum Promovieren: Ackern für die Wissenschaft

von Daniel Grosse

26.09.2013

2/2: Ohne ginge es besser: Motivationstiefs

Thema gefunden, Doktorvater oder -mutter überzeugt, Stift gespitzt, nun geht es los – und zwar an die doppelte Arbeit. Denn eine gute Dissertation muss man zwei Mal schreiben. Im ersten Durchgang gliedert man, formuliert seine Gedanken, schreibt einen Entwurf, verändert Passagen nach Rücksprache mit dem Betreuer. Der zweite Durchgang dreht sich dann um das eigentliche Schreiben, um die Fußnoten und Formalia.

Umsichtige Doktoranden drucken zusätzlich die Fußnoten separat aus und kopieren sämtliche Quellen nebst Fundstellen. So kommen schnell armdicke Kopienstapel zusammen, bange Phantasien von mit DIN A4-Blättern tapezierten Wänden drängen sich ins Bewusstsein. Hinzu kommt die gerade dieser Tage omnipräsente Sorge vor dem Plagiatsvorwurf, verbunden mit der goldenen Regel: Stets so genau wie möglich zitieren.

Das alles zehrt an den Nerven. "Sich zu verzetteln, kann ein Motivationstief verursachen", sagt Wittekindt. Ein Thema erweist sich als nicht tragfähig, ist durch aktuelle Entwicklungen überholt oder gar gegenstandslos oder der Doktorand findet gleich so viele gute Quellen, dass er den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr zu sehen vermag. Um derartigen Motivations- und Produktivitätslöchern zu entgehen, nennt Wittekindt zwei Strategien: Zum einen Doktorandenseminare oder eine Mitarbeit am Lehrstuhl des Professors, zum anderen eine Beschäftigung in einer Kanzlei für einen oder einige Tage pro Woche. "Dann treibt und motiviert einen die knappe Zeit, die für die Dissertation übrig bleibt."

Gelegenheit macht Diebe

So sehr man das eigene Thema während der Promotion wenigstens phasenweise hassen lernt, so wenig will man es doch von einem anderen wissenschaftlich behandelt sehen. Drohend schwebt die Angst vorm Themenklau im Raum. Immer wieder wird daher die Frage laut, ob und wie man sein Promotionsthema "reservieren" kann, damit es sich kein anderer zu eigen macht. So weit ersichtlich, gibt es gegen diese Gefahr keine wirklich wirksame Sicherung, außer einem wachsamen Doktorvater, der die Publikationen im Blick hat und Parallelforschung zu vermeiden versucht. Im Übrigen herrscht ernster Wettbewerb ohne Schutz vor Konkurrenz, denn alles andere würde den wissenschaftlichen Fortschritt behindern.

Gleichwohl sieht Wittekindt Themenklau bei juristischen Dissertationen als eher theoretisches Problem, da jede Dissertation ihre eigene Aufgabenstellung, ihre eigenen Schwerpunkte und Strukturen habe. Zudem könne sich der Arbeitstitel bis zur Promotion und anschließenden Veröffentlichung noch mehrmals ändern.

Auf diesem oftmals mehrere Jahre überspannenden und bisweilen steinigen Weg kann es durchaus passieren, dass der in Ehren ergraute Doktorvater emeritiert und von seinen Dienstverpflichtungen befreit wird. Damit fällt er jedoch nicht zwangsläufig aus, sondern darf die angefangene Doktorarbeit dennoch weiter betreuen. "So steht es in vielen Promotionsordnungen“, erklärt Wittekindt. "Und stirbt ein Doktorvater gar während des Promotionsvorhabens, kann der Kandidat in der Regel darauf vertrauen, dass ein anderer Hochschullehrer die Betreuung übernimmt." Wie beruhigend.

Zitiervorschlag

Daniel Grosse, Praxistipps zum Promovieren: Ackern für die Wissenschaft . In: Legal Tribune Online, 26.09.2013 , https://www.lto.de/persistent/a_id/9679/ (abgerufen am: 13.08.2020 )

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 26.09.2013 11:34, F

    Schön, wenn ein Unpromovierter Tipps für die Promotion gibt. Ich erkläre Handwerkern auch immer, wie sie ihre Arbeit besser machen können...

  • 26.09.2013 17:38, A.R.

    Im leben tragen sich Erfahrungen stets weiter von Generation zu
    Generation, wo manches Wissen bspw. auch durch Erlesen usw. angeeignet wird
    und wo man sich diese Quellen nicht stets aufschreibt.
    Das könnte bedeuten, dass sich in einer Dissertation durchaus Erkenntnisse
    einschleichen, die nicht zweifelsfrei nachgewiesen sein könnten.
    Warum nimmt man dies nicht zum Anlass, eine eidesstattliche Erklärung
    nach Abschluss der Arbeit abzugeben mit dem Inhalt, Quellen verwendet zu
    haben. Denn es wird eines Tages soweit kommen, dass man gar nicht das ganze schon vorhandene Wissen quellenverzeichnismässig belegen kann, weil viel zu umfangreich.