LTO.de - Legal Tribune Online - Aktuelles aus Recht und Justiz
 

Stipendien für Juristen: Das Netzwerk bleibt

2/2: Auch Wirtschaftskanzleien sind potenzielle Geldgeber

Um deutlich mehr geht es bei einem Stipendium für das LL.M.-Studium im Ausland: Für einen Master in Kanada zum Beispiel übernimmt der Deutsche Akademische Austauschdienst bis zu 9000 Euro Studiengebühren. Fulbright-Stipendiaten bekommen bis zu 3850 Dollar pro Monat an einer US-Universität. Ein LL.M. in Down Under kann mithilfe des Vollstipendiums des Instituts Ranke-Heinemann sogar komplett finanziert werden. Und auch Kanzleien bieten Stipendien an: Die Walter-Oppenhoff-Stiftung zum Beispiel vergibt pro Jahr bis zu drei Teilstipendien für den LL.M. in den USA, Gleiss Lutz übernimmt für einen Studierenden die gesamten Studiengebühren.

Ob für das Studium im In- oder Ausland oder für die Promotion: Gemein haben alle Stipendien, dass die Bewerbung um sie nicht an einem Nachmittag eingetütet werden kann. Lebenslauf und Motivationsschreiben, Schul- und Unizeugnisse, Professorengutachten: Was eingereicht werden muss, unterscheidet sich von Stiftung zu Stiftung. Auch das Auswahlverfahren ist unterschiedlich ausgestaltet: Mal reicht eine schriftliche Bewerbung, mal findet ein Gespräch statt, mal muss ein mehrtägiges Assessment Center mit Gruppendiskussionen und schriftlichen Tests durchlaufen werden. Ein Blick auf die Website des Stipendiengebers hilft – vor allem, weil unvollständige Bewerbungsunterlagen oft gleich aussortiert werden.

Essentiell: "gute Noten"

Gute Chancen, sich gegen die übrigen Bewerber durchzusetzen, hat dann vor allem, wer gute Noten schreibt – so weit, so wenig überraschend. Wer sich zum Beispiel um das LL.M.-Stipendium der Walter-Oppenhoff-Stiftung bewirbt, sollte ein Prädikatsexamen mitbringen. Doch Dr. Stephan König, der das Programm betreut, ergänzt: "Es gibt auch Bewerber mit befriedigendem Examen. Die müssen dann mit ihrem Lebenslauf punkten." Auch Britta Voß von der Studienstiftung betont: "Wir fördern ein Gesamtpaket. Das heißt: Wir verlangen von den Bewerbern Motivation und intellektuelle Leistungsfähigkeit, gepaart mit gesellschaftlichem Engagement."

Je beliebter die Stipendien, desto höher sollte die Punktzahl auf Scheinen oder Examenszeugnis sein. Gerade bei exotischeren Stipendiengebern werden dagegen oft andere Faktoren wie ein spezielles fachliches Interesse stärker gewichtet. Doch auch bei den bekannten Stiftungen hat ein 12-Punkte-Kandidat, der jeden Tag in der Bibliothek verbringt, kaum Chancen. "Wir wollen sehen, dass der Bewerber sich auch abseits seines Jurastudiums engagiert hat", sagt König. Freiwillige Praktika, die Gründung eines eigenen Startups oder ehrenamtliches Engagement beim Deutschen Roten Kreuz sind einige Beispiele. Klar ist aber auch: Wer regelmäßig vier Punkte schreibt, hat schlechte Karten.

Hat man das Bewerbungsverfahren erfolgreich absolviert, erwarten die Stiftungen grundsätzlich, dass Leistungen und Engagement konstant bleiben. Manche nehmen ihre Stipendiaten deshalb erst mal einige Semester zur Probe auf. Außerdem fordern sie in der Regel auch Semester- oder Jahresberichte oder regelmäßige Zwischenberichte über die Promotion. Im Austausch dafür bekommen Stipendiaten allerdings nicht nur Geld und Soft Skills: Was nach dem Abschluss bleibt, ist auch das Netzwerk, das während der Förderdauer geknüpft wurde. Denn wer weiß schon, ob sein Zimmernachbar vom Russisch-Sprachkurs nicht der nächste Innenminister, Staranwalt oder Verfassungsrichter wird?

Zitiervorschlag

Anna K. Bernzen, Stipendien für Juristen: Das Netzwerk bleibt . In: Legal Tribune Online, 26.05.2015 , https://www.lto.de/persistent/a_id/15651/ (abgerufen am: 24.09.2020 )

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 26.05.2015 18:44, Kopfschüttelnder Leser

    Offenbar liest das hier keiner, weder aus der Redaktion noch aus dem Publikum - da sind ja buchstäblich alle Links falsch (was man auch sieht, wenn man einfach mal die Maus draufhält ...).

    • 02.06.2015 15:38, LTO-Redaktion

      Lieber Leser,

      wir haben die Fehler nun korrigiert. Danke für den Hinweis