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Erste Juristische Prüfung nach "Hagener Modell": Per Fern­stu­dium zum Examen

von Constantin Körner

30.06.2016

2/2: Präsenzveranstaltungen bleiben notwendig

LTO: Vorhin sagten Sie schon, dass auch ein modernes Fernstudium nicht ohne Präsenzanteile auskäme. Wie oft kommen Präsenzveranstaltungen vor?

Szuka: Der angesprochene Blended-Learning-Mix, der einem Fernstudium zu Grunde liegt, sieht Präsenzteile vor. Das macht gerade in einem Jurastudium Sinn, da die Einübung der Gutachtentechnik und auch das Argumentieren und Diskutieren in der Gruppe notwendig sind. Wichtig ist es nur, die Präsenzanteile so gering wie möglich zu halten und sie zeitlich und örtlich so flexibel zu gestalten, dass der Charakter des Fernstudiums gewahrt bleibt.

Konkret bedeutet dies, dass unsere Studierenden in den drei Fächern BGB AT, Strafrecht und Verfassungsrecht Pflichtarbeitsgemeinschaften besuchen müssen. Diese bieten wir in unseren 13 Regionalzentren bundesweit mit Praktikern als AG-Leiter an. Zudem ist noch ein zweitägiges Rhetorikseminar in Hagen und die Absolvierung eines weiteren Seminars Pflicht. Darüber hinaus bieten wir aber zu fast allen Fächern freiwillige Arbeitsgemeinschaften in den Regionalzentren an.

"Inhaltlich ist das Fernstudium nicht einfacher"

LTO: Wird man per Fernstudium einfacher beziehungsweise günstiger Diplom-Jurist als über den klassischen Weg?

Szuka: Wir verfolgen hier ein anderes Ziel und verleihen deshalb nicht den akademischen Grad Diplom-Jurist. Die Absolventen erhalten quasi auf dem Weg zur Ersten Juristischen Prüfung den Titel eines Bachelor of Laws, leisten den universitären Teil der Prüfung ab und können bei uns alles Erforderliche studieren, was man für den staatlichen Teil der Ersten Juristischen Prüfung benötigt. Inhaltlich ist unser Studium deshalb keinesfalls einfacher als das an einer Präsenzuniversität.

Monetär betrachtet ist es schwierig zu vergleichen. In NRW werden grundsätzlich keine Studiengebühren verlangt, so dass es hier keinen Unterschied macht, wo man studiert. Bei uns muss man allerdings Materialbezugsgebühren - je nach Belegung bis zu 360 Euro pro Semester - bezahlen, dafür steht einem vieles an Material zur Verfügung, was man an einer Präsenzuniversität kaufen müsste.

LTO: Müssen auch Absolventen, die nicht in NRW wohnen, für ihre mündliche Prüfung nach Hamm, Düsseldorf oder Köln?

Szuka: Davon gehen wir nach unseren bisherigen Gesprächen mit dem Landesjustizprüfungsamt NRW aus.

Die ersten Absolventen Ende 2017

LTO: Den Studiengang Bachelor of Laws, LL.B. Wirtschaftsrecht bieten Sie bereits seit über zehn Jahren an: Warum erfolgt die Einführung des Examen-Studiengangs erst jetzt?

Szuka: Kurz nach der Jahrtausendwende, als der hiesige LL.B.-Studiengang eingeführt wurde, war nicht klar, in welche Richtung sich die Juristenausbildung bewegen wird. Beinahe alle anderen Studienfächer stellten auf Bachelor und Master-Studiengänge um. Wäre dies auch in der Juristenausbildung passiert, hätten sich unsere Programme nahtlos einfügen können. Seit einigen Jahren ist nunmehr aber klar, dass auf absehbare Zeit an der Ersten Juristischen Prüfung festgehalten werden wird. Deshalb war die Zeit reif, auch Fernstudierenden den Weg in die reglementierten Berufe zu eröffnen.

An den erfolgreichen LL.B.- und LL.M.-Studiengängen werden wir aber definitiv festhalten und diese weiter stärken. Es gibt auch außerhalb der Staatsexamina Bedarf an qualifizierten Juristinnen und Juristen mit einer soliden BWL-Grundausbildung. Denjenigen, die in der Wirtschaft, Verwaltung oder bei Verbänden juristisch tätig sein und kein Referendariat absolvieren wollen, bieten wir auch weiterhin unsere Studiengänge an. 

LTO: Wann rechnen Sie mit den ersten Absolventen des Studiengangs?

Szuka: Da wir über mehrere Hundert LL.B.-Absolventen verfügen, die nicht mehr allzu viel nacharbeiten müssten, um den universitären Teil der Ersten Juristischen Prüfung absolviert und die fehlenden Inhalte nachgearbeitet zu haben, rechnen wir damit, dass Ende 2017, Anfang 2018 die ersten "Hagener" bei den Justizprüfungsämtern vorstellig werden. Auf die Urkunde zum Diplom-Juristen werden aber auch sie verzichten müssen.

LTO: Vielen Dank für das Gespräch, Herr Szuka.

Die Fragen stellte Constantin Körner.

Zitiervorschlag

Constantin Körner, Erste Juristische Prüfung nach "Hagener Modell": Per Fernstudium zum Examen . In: Legal Tribune Online, 30.06.2016 , https://www.lto.de/persistent/a_id/19849/ (abgerufen am: 09.12.2019 )

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 03.07.2016 22:05, Skeptiker

    Die Adressaten dieses Studiengangs - also "Personen im Job, die parallel zu ihrer Berufstätigkeit ein Jurastudium absolvieren wollen" sowie "Personen, die aus anderen persönlichen Gründen an der Aufnahme eines Präsenzstudiums gehindert sind, sei es aus familiären Gründen, weil sie chronisch krank sind oder etwa, weil sie im Ausland leben" - werden sich häufig schwertun, in der staatlichen Pflichtfachprüfung mit den "Vollzeitlernern" von den Präsenzuniversitäten zu konkurrieren. Ob die jemand warnt?

    • 03.07.2016 22:21, Neuling

      Auch im Falle eines Scheiterns, haben sie bereits einen Abschluss in der Hand bzw. stehen schon fest im Berufsleben.