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Mit Jura nach Jakarta: Der Fremde hat immer Recht

von Pauline Moritz

09.04.2013

Zwingend ist ein Auslandsaufenthalt für das Jurastudium nicht. Trotzdem zieht es viele Studenten raus aus den deutschen Hörsälen. Möglichkeiten gibt es genug. Wie wäre es zum Beispiel mit einer Wahlstation bei der deutschen Botschaft in der Hauptstadt Indonesiens? Ein Erfahrungsbericht über das Arbeiten in einem Land, dessen Sprache keine eindeutige Auslegung der Gesetze zulässt und das Wort "Nein" nicht kennt.

Indonesien ist der viertgrößte Staat der Erde und zugleich das Land mit der größten muslimischen Bevölkerung der Welt. Geprägt von vielen Kontrasten ist das Leben und Arbeiten als deutsche Juristin in der Millionenmetropole Jakarta in jeder Hinsicht ein Abenteuer.

Wie ich dort hingekommen bin: Purer Zufall

Nach Indonesien kam ich durch Zufall über das Auswärtige Amt. Ein wenig Fernweh, Interesse an fremden Kulturen und die Suche nach einem Abenteuer sollte jeder mitbringen, der sich für eine Referendariatsstation bei einer deutschen Auslandsvertretung bewirbt. Einmal im Bewerberpool des Auswärtigen Amtes hat man nur wenig Einfluss auf den Verwendungsort. So kam ich nach Jakarta, der Hauptstadt des so facettenreichen südostasiatischen Inselreiches Indonesien.

Behördenalltag: Widerspruchsbescheide und abendliche Empfänge

Die Arbeit als Referendarin an einer deutschen Botschaft ist vielfältig und nicht immer typisch juristisch. Auch als Referendar wird man im Regelfall in das diplomatische Tagesgeschäft eingebunden. Hervorragende Englischkenntnisse und ein gutes Allgemeinwissen sind die Voraussetzungen für die Teilnahme an multilateralen Konferenzen und Meetings. So besteht die Möglichkeit,  am botschaftsinternen Roundtable über das politische und juristische Tagesgeschehen im Gastland zu berichten. Aufgabe von allen Botschaftsmitarbeitern ist es auch, den Besuch von deutschen Spitzenpolitikern in Indonesien zu organisieren. Hier sind vor allem Teamarbeit und Organisationstalent gefragt. Daneben muss man als Jurist in einer Botschaft rechtliche Gutachten schreiben und – klassisch Behörde – Widerspruchsbescheide verfassen. Abendliche Empfänge und das regelmäßige Get-Together mit anderen diplomatischen Vertretungen und NGOs runden einen Botschaftsalltag ab.

Was ich nicht vergessen werde I: Die Indonesier lieben Deutschland

Die Freundlichkeit der Indonesier, welche immer ein Lächeln auf den Lippen haben. Die unbeschwerte, positive Lebenseinstellung. Die Schönheit des Landes. Den internen Einblick in die politischen, wirtschaftlichen und auch rechtlichen Verhältnisse eines aufstrebenden Schwellenlandes. Den Erfolg, in einem scheinbar chaotischen Umfeld viele kleine Schritte zur Völkerverständigung und zur Entwicklung der deutsch-indonesischen Freundschaft zu gehen. Die Erfahrung, dass man als Deutsche überall freundlich empfangen und mit großem Respekt behandelt wird. Die Indonesier lieben Deutschland. Toll war es zu erleben, wie die großen Weltreligionen friedlich und tolerant koexistieren.

Was ich nicht vergessen werde II: Smog, Müll, Stau

Das Leben in der Metropole Jakarta ist oftmals von Entbehrungen geprägt. Ein Aufenthalt im Freien ist wegen der starken Luftverschmutzung nicht immer ratsam. Es fehlt an einer öffentlich geregelten Müllentsorgung; die wenigen Grün- und Wasserflächen der Stadt sind meist verdreckt. Der Verkehr in Jakarta gehört zu den Schlimmsten in Asien. Termine lassen sich oft nicht einhalten, weil man stundenlang im Verkehr feststeckt. Die jährlich wiederkehrenden Überflutungen während der Regenzeit sind nicht nur der tropischen Lage der Stadt, sondern auch der mangelhaften Abwasserinfrastruktur geschuldet.

Zitiervorschlag

Pauline Moritz, Mit Jura nach Jakarta: Der Fremde hat immer Recht . In: Legal Tribune Online, 09.04.2013 , https://www.lto.de/persistent/a_id/8485/ (abgerufen am: 13.08.2020 )

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Kommentare
  • 11.04.2013 16:58, Jens

    Die Autorin schreibt "Indonesien ist der viertgrößte Staat der Erde".

    Bezogen auf die Bevölkerung ist dies zutreffend, auf die Staatsfläche bezogen stimmt es nicht (Rang 14). Der Satz könnte letzteres jedoch nahe legen.