Jurastudent positioniert Start-Up am Markt: Auch mal Spiel­ver­derber sein

von Marcel Schneider

30.12.2015

Jurastudent Dominic Septar ist in einem Gesellschafterteam eines jungen Start-Ups für die rechtlichen Angelegenheiten zuständig. Dabei muss er weit vorausplanen und den Ideen der anderen manchmal auch eine Absage erteilen.

Der Schönfelder: rot, schwer und sperrig. Um den Transport zu erleichtern, den Träger gut aussehen zu lassen und dabei auch noch etwas Gutes zu tun, gründete Jurastudent Dominic Septar mit vier Studenten anderer Fachrichtungen die Felders-Schöne GbR; kennengelernt haben sie sich beim aktuellen bayerischen 5-Euro-Business-Wettbewerb Das vom "Bildungswerk der Bayerischen Wirtschaft e.V. getragene Projekt bringt Studenten aller Disziplinen zusammen, die mit Crash-Kursen vorbereitet werden und dann für einige Wochen im Team das Leben als Unternehmer kennenlernen – am echten Markt und unter echten Bedingungen. Die Besten werden mit hochwertigen Preisen honoriert.

Das fertige Produkt von Felders-Schöne sind Tragetaschen für das dicke Sammelwerk, die aus alten Kaffeesäcken von Teilnehmern eines gemeinnützigen Drogenhilfe-Projekts geschneidert werden. Ein Teil der Erlöse geht an ein Projekt, das Kaffeebauern auf Sumatra durch einen bezuschussten Kiloverkaufspreis unterstützt.

Anfang November stand die Idee fest – und dann? "Das Aufsetzen eines Gesellschaftervertrages für die GbR war noch vergleichsweise einfach, weil der ja erst einmal nur die Interna betraf. Spannend wurde für mich als juristischen Teil des Teams dann das Auftreten des Unternehmens am Markt", sagt Septar.

Selbstorientierung in Bereichen ohne Examenspflichtstoff

Dafür wird einiges benötigt: Allgemeine Geschäftsbedingungen, Kaufverträge, das Impressum auf der Facebookseite. Das ist mit bloßen Vordrucken nicht getan, sondern muss an das Geschäftsmodell angepasst werden. Sind die Taschen so stark individualisierte Produkte, dass das Widerrufsrecht ausgeschlossen werden kann? Was gilt es beim Fernabsatzhandel über die eigene Internetseite zu beachten? Und wie sieht es mit dem Urheberrecht aus, wenn Kunden die Option haben sollen, Motive ihrer Wahl auf die Taschen drucken zu lassen?

Wenn er nicht genau wusste, wo er ansetzen sollte, verschaffte sich Septar, der im 5. Semester studiert, einen Überblick über das Rechtsgebiet im Internet und stieg dann in die Fachliteratur und aktuelle Rechtsprechung ein. Wo er nicht weiter kam, fragte er Anwälte und andere Fachleute, die er privat oder von den Wettbewerbsseminaren kannte.

"Der Blickwinkel auf Rechtliches verändert sich gegenüber dem Studium", resümiert der Jurist des fünfköpfigen Teams. "Während man dort aus der Richter-Perspektive vorgegebene Fälle lösen soll, muss ich nun überlegen, wie ich am besten vermeiden kann, dass es überhaupt zum Streit kommt."

Zitiervorschlag

Marcel Schneider, Jurastudent positioniert Start-Up am Markt: Auch mal Spielverderber sein . In: Legal Tribune Online, 30.12.2015 , https://www.lto.de/persistent/a_id/17998/ (abgerufen am: 23.01.2019 )

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