Jurastudent ist jüngstes Mitglied des Bundestages: "Das wird ein Gang auf dem Zahn­f­leisch"

von Constantin Körner

06.11.2017

Vom Hörsaal in den Plenarsaal: Mit erst 24 Jahren ist Jurastudent Roman Müller-Böhm jüngstes MdB der neunzehnten Wahlperiode. Constantin Körner sprach mit dem FDP-Politiker u. a. über die Vereinbarkeit von Studium und Bundestagsmandat.

 

LTO: Seit der konstituierenden Sitzung dürfen Sie sich nun ganz offiziell "MdB" nennen. Wie haben Sie Ihre erste Sitzung im Deutschen Bundestag erlebt?

Roman Müller-Böhm: Es war überwältigend. Die ersten Schritte in den Saal hinein waren etwas ganz Besonderes. Ein Ort, der mit so viel Geschichte verbunden ist und an dem auch hoffentlich noch viel Geschichte geschrieben wird, bewegt Jeden. Die ersten Debatten um die Geschäftsordnung wurden direkt sehr hitzig ausgetragen und es lässt sich schon jetzt erahnen, dass es spannende vier Jahre werden.

LTO: Nach dem Abitur im Jahr 2012 studieren Sie seit dem Wintersemester 2012/2013 an der Ruhr-Universität Bochum. Wie alle jungen Abgeordneten dürften Sie ab und an zu hören bekommen, zu jung und unerfahren zu sein. Was entgegnen Sie auf diese Kritik?

Müller-Böhm: Alter ist weder ein Vor- noch ein Nachteil. Es ist Aufgabe des Bundestages, die gesellschaftlichen Empfindungen und Diskussionen aufzunehmen und dann in der politischen Arbeit zu berücksichtigen. Die Stimmen der jungen Menschen in unserem Land kamen leider zu oft nicht so an, wie es wünschenswert gewesen wäre; diese Aufgabe will ich nun im Bundestag erfüllen.

"Juristischer Hintergrund wird mir nützlich sein"

LTO: Wir erwähnten gerade schon Ihr Jurastudium: Wie wollen Sie die Ausbildung zum Juristen und insbesondere die Erste juristische Prüfung parallel zu Ihrem Bundestagsmandat stemmen?

(c) RMB PresseMüller-Böhm: Das wird ohne Zweifel ein Gang auf dem Zahnfleisch. Zur Einordnung: Wir haben neben den Sitzungswochen natürlich auch sitzungsfreie Zeit und gerade die parlamentarische Sommerpause ermöglicht es, auch im Studium weiter voranzukommen.

LTO: Sie haben sich im Jugendstadtrat Ihrer Heimatstadt Mülheim an der Ruhr engagiert. Was haben Sie dort gelernt, was Ihnen auch bei der großen Politik in Berlin hilft?

Müller-Böhm: Meine Arbeit dort verstärkte mein politisches Interesse. Gerade in jungen Jahren Erfahrungen in der Kommunalpolitik zu sammeln, finde ich besonders wichtig; denn diese ist die politische Ebene mit dem direktesten Kontakt zu dem, was die Bürgerinnen und Bürgern bewegt und beschäftigt. Das soll auch die tragende Säule meines politischen Handelns in Berlin bleiben.

LTO: Was glauben Sie, wird Ihnen das bisher Erlernte aus dem Jurastudium bei der Arbeit im Bundestag nützen können?

Müller-Böhm: Natürlich sind gerade staatsrechtliche Vorkenntnisse sehr hilfreich, wenn es um die Arbeit im Parlament geht. Als Teil der Legislative ist ein juristischer Hintergrund auch hilfreich, um Vorlagen und Initiativen fundiert bewerten zu können.

Jamaika: "Ich bin verhalten optimistisch"

LTO: Für welche konkreten politischen Ziele wollen Sie sich einsetzen?

Müller-Böhm: Als junger Mensch liegen mir natürlich Themen am Herzen, die junge Leute besonders bewegen. So treiben mich etwa die Fragen an, wie wir unsere Umwelt für kommende Generationen erhalten und wie wir technischen Fortschritt und Digitalisierung stärker im Alltag verankern können. Hier sehe ich insbesondere für meine Generation noch viel Potential, welches es dringend zu wecken gilt.  

LTO: Deutschland blickt gespannt auf die Sondierungsgespräche in Berlin. Wie stehen Sie zu einer Jamaika-Koalition?

Müller-Böhm: Was Jamaika angeht, bin ich verhalten optimistisch. Natürlich wäre diese Koalition gerade für die Bundespolitik etwas komplett Neues. Ich bin aber überzeugt, dass alle Beteiligten konstruktiv und im Sinne der Wähler in den Sondierungen beraten.

LTO: In der vergangenen Legislaturperiode ist der Rechtsreferendar Mahmut Özdemir mit 26 Jahren der jüngste Bundestagsabgeordnete gewesen - auch ein Jurist. Halten Sie das für einen Zufall oder glauben Sie, dass Juristen für das Mandat als MdB besonders prädestiniert sind?

Müller-Böhm: Ich kann nur für mich sprechen, aber ich bin durch mein politisches Interesse zum Jurastudium gekommen und nicht umgekehrt. Es mag sein, dass Menschen, die sich für Politik interessieren, sich auch überdurchschnittlich oft für juristische Themen begeistern können. Einen besonderen Zusammenhang gibt es da aber wahrscheinlich nicht.

LTO: Vielen Dank für das Gespräch.

Zitiervorschlag

Constantin Körner, Jurastudent ist jüngstes Mitglied des Bundestages: "Das wird ein Gang auf dem Zahnfleisch". In: Legal Tribune Online, 06.11.2017, https://www.lto.de/persistent/a_id/25397/ (abgerufen am: 25.11.2017)

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 06.11.2017 18:13, @topic

    Mimimimimimi...

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  • 06.11.2017 20:41, Roman Czyborra

    Rechts-Wissen-Schaftler_innen in einem Rechts-Setzungs-Gremium sind ja handwerklich schon mal nicht am falschen Platz, nur schade, dass die kohlianisch-gefühlsverkrüppelten FDP-Politiker so konservativ und unfrei aussehen und reden, ihr Studium wie einen mühsamen Frondienst angehen statt wie eine Inspiration zur Selbsterfüllung und nicht mal mehr die radikalen Liberalitäten von 1920…1925 | 1945…1955 | 1965…1975 konservativ zu konservieren bereit sind wie ein Gerhart Baum, Hildegard Hamm-Brücher, Günther Verheugen oder Sabine Leutheusser-Schnarrenberger.

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  • 07.11.2017 02:14, eono

    Na ich weiß nicht, ein Studium ist eine 40-Stundenwoche.
    Er kann doch nicht ausschliesslich in der "Sitzungsfreien Zeit"
    in der "parlamentarischen Sommerpause" studieren wollen.
    Außer natürlich: Man ändert die Gesetze für Juristen bzw. Jura-Studenten.
    Gibt es dann ein Blockstudium in der "Semester/Vorlesungsfreien Zeit"
    für Jene die sonst im Bundestag sitzen - sollten.
    "Man kann nicht auf 2 Hochzeiten gleichzeitig tanzen!"
    Der gute Wille ist da ... für den Bundestag muss er nicht studiert
    und auch nicht das Studium beendet haben.

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  • 07.11.2017 07:49, M.D.

    Ich verstehe die Kritik an diesem jungen Mann nicht. Er hat alles richtig gemacht! Anstelle eines Jurastudiums mit unbeherrschbaren Erfolgsaussichten hat er sich nach der Methode Lindner einen auf 4 Jahre befristeten Arbeitsvertrag im Bundestag mit den entsprechenden Pensionsansprüchen gesichert. Jeder, der sich hier über ihn lustig macht, wäre liebend gern an seiner Stelle.

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    • 10.11.2017 10:26, Sünde

      Aber andere würden das Studium dann vielleicht nicht weiterverfolgen und so dem Mandat in Vollzeit gerecht werden.

  • 07.11.2017 07:51, tüdelütütü

    Mehr ein neuer junger FDP-Politik-(Bürokratie-Karriere)-Jurist im Juristen-Plenum Bundestag. Politikverdrossenheit kann dies kaum ändern.

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  • 07.11.2017 08:31, RA TK

    Ich frage alle Vorkommentatoren, wann sie sich zuletzt auf ein Wahlamt oder Mandat beworben haben, bevor hier auf einen engagierten Menschen eingeknüppelt wird.

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    • 08.11.2017 06:07, tüdelütütü

      Man kann sich ja nicht nur in Wahlämtern gesellschaftlich engagieren. Die FDP und andere scheinen sonst ja ziviles soziales ehrenamtliches Engagement besonders hoch zu schätzen, jedenfalls soweit andere sich dort einbringen sollen.

  • 09.11.2017 12:20, Sünde

    Er mag zwar ambitioniert sein, allerdings sind seine Bezüge nicht dafür da, ein Vollzeitstudium "nebenbei" zu absolvieren. Dass man das wirklich sauber trennen kann, bezweifel ich. Wieso kann man nicht erst seine Ausbildung beenden und dann in den Wahlkampf? Finde, dass dies nichts Halbes oder Ganzes ist und eine der Tätigkeiten - oder gar beide - nur halbherzig erfüllt werden. In Anbetracht der Tatsache, dass es hier um Steuergelder geht, finde ich dies einfach falsch.
    Das Alter wäre unabhängig davon für mich völlig in Ordnung.

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 09.11.2017 16:56, ULLRICH DOBKE

    Der nette engagierte junge Mann wird entweder seinen Verpflichtungen aus dem Studium nicht gerecht oder seinen Pflichten als Abgeordneter! Beides sind Vollzeitaufgaben von jeweils mehr als 40 Stunden pro Woche! Soll er, wenn er sein Mandat ernst nimmt, sein Studium ab- oder unterbrechen; sich ggfls. (möglich?) vom Studium beurlauben lassen. Kann ja als Beruf Jurist angeben, ist eine ungeschützte Berufsbezeichnung.

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    • 09.11.2017 18:20, wolfgang leyer

      Es gibt doch genug Beispiele aus der Vergangenheit, dass MDBs
      aus welchen Gründen auch immer(meistens pekuniäre), nicht ständig für ihre Wähler unterwegs sind.
      Das würde nur dann anders, wenn es nur noch Direktmandate und keine Listenplätze mehr gäbe.

    • 09.11.2017 22:57, Sünde

      Sehe ich ähnlich Wolfang Leyer. Ich sage nicht, dass Politiker keine Nebentätigkeiten haben dürfen, aber angesichts der Bezüge sollte die Tätigkeit Vollzeit erfolgen, also 40 (+) Stunden. Wer danach wirklich noch Zeit für ein Studium hat - Respekt, aber idR sollte das Mandat doch Vollzeit auslasten, da ja nun auch Bürgeranfragen etc. sicherlich nach Feierabend warten...

    • 18.11.2017 12:39, @dobbke

      Ein Jurastudium als Vollzeitjob zu betiteln ist herzallerliebst. 6 Semester 15 Stunden Vorlesungen pro Woche, je Semesterferien eine lächerliche Hausarbeit, dann 1 Jahr Rep und dann im Referendariat 18 Monate Arbeitsgemeinschaften besuchen und Tauchstation machen und dann ist man fertig. Also ich hatte während des gesamten Studiums so viel Freizeit, dass ich gar nicht wusste wohin damit.

      Na gut. Für manche ists halt schwieriger ...

  • 09.11.2017 17:19, penisgenozid.tk

    und warum kein solches Intervju mit AfD-Bundestagsabgeordneten?

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 14.11.2017 11:16, Hans

    Es sollte grundsätzlich nur Personen mit entsprechender Lebenserfahrung ein Parlamentssitz zugeteilt werden dürfen. Denn wer vom Leben noch nichts mitbekommen hat, kann doch unmöglich Entscheidungen treffen.

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 14.11.2017 12:21, ULLRICH DOBKE

      Hm - ich kenne das Mindestalter mit 18 Jahren, war füher vielleicht mal bei 21 ?! Tja was kann man /Frau tun? Ein unreifer Flabes (m/w) vertritt die Bürgerinnen und Bürger? Schön.wenn das mal in so einem Zusammenhang wenigstens auffällt! Da sieht man wieder, was die Parteien und unsere Parlamentsmitglieder so drauf haben!
      Jugend ist kein Verdienst, sondern mangelnde Lebenserfahrung

  • 14.11.2017 21:27, Hans

    Für richter/Richterinnen sollte nichts anderes gelten. 25 Jahre Berufserfahru ng als Anwalt, sollte Mindestvoraussetzung sein. Der Assistenzarzt darf ja auch nicht alleine operieren. Warum darf dann der Jungjurist über Sachverhalte urteilen und ggf. Existenzen zerstören, weil er jemand zu Schadenersatz oder Knast verurteilt?

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 18.11.2017 12:36, @hans

      Weil Ichs kann. Leben damit oder Wander aus.

  • 22.11.2017 01:50, eono

    @18.11.2017 12:39, @doppke
    In welchem Land, zu welcher Zeit war das denn?
    6 Semester 4x45 Minuten oder 2x90 Minuten pro Tag 5x Woche
    + 1 Jahr + 1,5 Jahre

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 22.11.2017 02:07, eono

      Es gibt Menschen, die über ein ausgezeichnetes akustisches Gedächtnis verfügen.
      15 Stunden W/Vorlesungen - genügen? Da muss man nichts mehr tun?
      Und dann? "Verkürzt studiert"? Regelstudienzeit? Ich dachte 8-9 Semester? plus
      Minus Regelstudienzeit.
      Mit der ersparten Zeit besuchte man nicht andere Veranstaltungen in anderen
      Fakultäten?
      Für Nicht-juristische Personen sind Sie ansprechbar?
      Oder: Unterhält man sich mit Ihnen am Besten über - Reisen in ferne Länder?

  • 22.11.2017 02:34, eono

    Herr Müller-Böhm könnte bis zur 1. juristischen Staatsprüfung bei der Fernuniversität - mit Sitz in Berlin - studieren
    um Zeitüberschneidungen zu vermeiden.

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