LTO.de - Legal Tribune Online - Aktuelles aus Recht und Justiz
 

Juristische Lehrangebote: Nachhilfe statt Repetitorium

von Ann-Marie von Pentz

07.07.2014

Viele Studenten rennen kurz vor dem Examen panisch zum Repetitor, um ihre Wissenslücken im Eilverfahren zu stopfen. Stressfreier wäre es, man hätte sie gar nicht erst einreißen lassen. Dabei bieten inzwischen diverse Unternehmen ihre Hilfe an: In Kleinstgruppen oder Individualunterricht erteilen sie Jurastudenten Nachhilfe – ab dem ersten Semester.

Freud und Leid liegen im Jura-Studium eng beieinander. Die schier unendliche Menge des relevanten Klausurstoffes ist oft nicht einfach zu bewältigen, und so boomt das Geschäft mit der Prüfungsangst. Als Alternative zu den Repetitoriums-Platzhirschen haben sich schon seit einiger Zeit Anbieter wie Jura Individuell, die Juracademy oder die Akademie Kraatz etabliert, die auf kleinere Lerngruppen setzen.

Inzwischen ist der Markt um zwei weitere Anbieter reicher, die sich auf die Fahnen geschrieben haben, Studenten jedes Wissensstandes vom ersten Semester bis zum ersten Examen auf ihre Prüfungen vorzubereiten. Seit 2011 führt das Tutorium "jur:next" Dozenten und Studenten zusammen; das 2014 gegründete Start-Up "campushelfer" arbeitet an der Realisierung einer deutschlandweit agierenden Jura-Nachhilfe-Plattform.

Einer der Gründer von jur:next ist Stefan Glasmacher. Eigentlich, so sagt er, wollte er nach dem Ersten Staatsexamen nur im Stoff bleiben. Ziemlich schnell stellte er fest, dass es eine hohe Nachfrage nach juristischer Nachhilfe gab, aber noch nicht das passende Angebot. Die Idee, Absolventen und Studenten zusammenzubringen, war geboren.

Ähnlich erging es auch Ludwig Ulmer, Doktorand und Mitbegründer des Freiburger Start-Ups campushelfer. Eigene Lern- und Lehrerfahrungen an der Uni zeigten ihm, dass "viele Studierende Schwierigkeiten damit haben, eine auf sie persönlich zugeschnittene Vor- und Nachbereitung des Stoffes zu gestalten", so Ulmer.

Buchung online, Nachhilfe vor Ort

Beide Unternehmen setzen auf individuell zugeschnittene Nachhilfe: Bei jur:next wird laut Glasmacher zunächst eine Lerntypen- und Klausuranalyse erstellt, um so den Lernplan individuell auf den einzelnen Kursteilnehmer abzustimmen. Das Angebot richtet sich hierbei an jeden, vom Erstsemester bis zum Examenskandidaten. Im Rahmen der Unterrichtseinheiten wird der Vorlesungs- oder Examensstoff aufbereitet und vertieft, wobei den Studenten gleichzeitig Klausurentraining angeboten und die für sie passende Lerntechnik vermittelt wird.

Zum Prozedere erläutert Ulmer: "Der Nachhilfeschüler bucht und zahlt die gewünschten Stunden über unsere Website. Wir leiten die Anfrage an unseren lokalen Koordinator vor Ort weiter, der gemeinsam mit uns einen passenden Dozenten für den Nachhilfeschüler auswählt."

Die Nachhilfe ist somit für jeden Studenten "individuell und punktuell" zugeschnitten, wie Glasmacher betont. Dementsprechend finde sie auch im Einzelunterricht oder in Kleingruppen mit maximal drei Teilnehmern statt – ganz anders als bei den großen Repetitorien. Konkurrieren wolle man mit diesen ohnehin nicht, betonen Glasmacher und Ulmer, das Konzept sei ein ganz anderes.

Individueller Unterricht, aber keine eigenen Skripte

Philipp Bender, Tutor bei jur:next, fasst es wie folgt zusammen: "Wir arbeiten in einer lockeren Atmosphäre gemeinsam an den Themen und keiner braucht Angst zu haben, 'dumme' Fragen zu stellen. Meistens lasse ich mir erst einführend ein Problem oder eine Systematik erläutern, um analysieren zu können, wo Verständnisprobleme liegen und wo wir im Anschluss gemeinsam ansetzen können. Gleichzeitig leiste ich auch Motivationsarbeit und betone gerne die Stärken. Wir arbeiten nicht nur an den nötigen Kenntnissen, sondern auch an Selbstsicherheit und Souveränität."

Und Nikolas Guggenberger, Dozent bei campushelfer, erklärt: "Was der Nachhilfeschüler schon kann, wird einfach weggelassen, damit wir den problematischen Stellen mehr Zeit widmen können. Bei campushelfer muss kein vorgegebener Stoff 'durchgebracht' werden."

Lernbegleitende Skripten werden von beiden Start-Ups jedoch nicht zur Verfügung gestellt. Als eigene Vorbereitung gibt es interne Materialien und Leitfäden, die Kursteilnehmer werden auf einschlägige Literatur und Fundstellen verwiesen. Auch hier komme es auf die persönlichen Vorlieben an, weshalb jeder Teilnehmer anhand seiner bevorzugten Unterlagen unterricht werde. Auf Grund einer Kooperation zwischen jur:next und einem Fachverlag steht bei Bedarf kostenlose Literatur als Leihgabe zur Verfügung.

Zitiervorschlag

Ann-Marie von Pentz, Juristische Lehrangebote: Nachhilfe statt Repetitorium . In: Legal Tribune Online, 07.07.2014 , https://www.lto.de/persistent/a_id/12463/ (abgerufen am: 21.10.2020 )

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 07.07.2014 10:47, cand. iur.

    5er-Karte für € 245, 10er-Karte für € 370 ist ja wohl völlig indiskutabel und das exakte Gegenteil von "fair". Da mache ich lieber einen Aushang und bezahle jemandem das, was auch die Uni den examinierten wiss. Hilfskräften bezahlt, nämlich 13 - 15 €.

  • 07.07.2014 11:10, Anonym

    Und die 13-15 € (wohlgemerkt wohl schwarz bezahlt) hälst du für fair, wenn jemand mit 1 oder 2 Prädikatsexamen inkl. Vor- und Nachbereitung, Anfahrt etc. Nachhilfe gibt?
    Falls ja, dann solltest du dir mal die Preise der Repetitoren, Rechtsanwälte etc. anschauen und dann nochmal überlegen. Mit einem Uni-Job halte ich das kaum vergleichbar, dort geht es in der Regel um Promotion oder akademische Karriere...
    Viel Spaß mit dem Aushang...bzw. viel Glück mit den Glücksrittern, an die du dann gerätst. You get what you pay for!

    • 07.07.2014 12:23, ace

      Ich glaube kaum, dass die 370,00 EUR (37,00 EUR/Stunde) an den Nachhilfelehrer weitergereicht werden. Die Summe, die ankommt, ist vermutlich nicht weit weg von den 15 EUR/Stunde.

    • 07.07.2014 19:47, Jens

      Warum soll ich mir zum Vergleich die Preise der Repetitoren, Rechtsanwälte etc. anschauen, wenn ich nur einen frisch geprüften Rechtskandidaten kriege??

  • 07.07.2014 12:26, Julia R.

    Auf die 5er und 10er-karte von "jur:next" gibt es für alle Mitglieder der kostenlosen juristischen Datenbank "IurDB" einen Rabatt von jeweils 5 €. Ist zwar nicht viel, aber für Studenten doch ein gewisser Vorteil.

  • 07.07.2014 15:22, J. R.

    Naja 370 € ist nicht wenig, aber es gibt auf diese Preise ja u.a. bei der kostenlosen jur. Datenbank IurDB (www.iurdb.de) Rabatte von 5 € auf die 5er und 10er Karte von jur:next. Verglichen mit sonstigen Angeboten ist diese Form der Nachhilfe vergleichsweise günstig!

  • 07.07.2014 16:06, stud. iur.

    Für die Fairness spricht allerdings, dass - anders als bei anderen Anbietern - es bei einem einmaligen Verkauf einer Nachhilfekarte bleibt und dann die Preise selbst festgelegt werden können!

  • 09.07.2014 13:54, Max

    Es ist schon interessant, mit welchen Vorstellungen hier zum Teil kommentiert wird. Mal abgesehen davon, dass die 13-15 Euro, die unser cand. iur. anbieten möchte nicht "schwarz" sein müssen, sondern auch völlig legal als steuerfreie Einkunft aus selbstständiger Lehrtätigkeit nach § 3 Nr. 26 EStG behandelt werden könnten.

    Drei Verdienstmodelle eines Absolventen mit ordentlichem ersten Examen, promotionsbegleitend, bzw. für Referendare:
    1.) Wissenschaftliche Arbeit in einer Kanzlei: 12-19 Euro/h (netto!), je nach Arbeitgeber mit Chance auf erste fachliche Veröffentlichungen
    2.) Anstellung als wiss. Mit an einer Hochschule, TV-E13, bei halber Stelle: ca. 15 Euro/h (netto). Zusatzverdienst durch Übernahme von Lehrveranstaltungen.
    3.) Lehrtätigkeiten an einer Hochschule auf Honorarbasis, inkl. Vor- und Nachbereitung ca. 25-40 Euro/h (steuerbefreit nach § 3 Nr. 26 EStG bis EUR 2.400 p.a., Schwankungen ergeben sich aus dem Zeitaufwand durch Korrekturverpflichtungen)


    Wenn ich einen Einzelunterricht ordentlich vor- und nachbereiten soll, kommt auf jede Unterrichtsstunde (a 60 Minuten) noch einmal mindestens dieselbe Zeit um die Übungen vorzubereiten, den Lernstand des Schülers zu dokumentieren, ihm terminbezogen Material zur Nacharbeit heraus zu suchen. Da ist der Verwaltungsaufwand mit den im Artikel vorgestellten Arbeitgebern noch nicht einmal erwähnt.
    Wir reden hier, bei 13-15 Euro "auf die Hand" also von effektiv rund 6-7 Euro/h. Eine weit unterdruchschnittliche Bezahlung für eine Tätigkeit, die für den Lehrer i.a.R. auch ein geringeres persönliches Vorankommen bedeutet, als die Alternativen.


    Bei aller berechtigter Skepsis vor kommerziellen Angeboten, die ihr Geld mit der Unsicherheit ihrer Kunden verdienen: 13-15 Euro ist eine vollkommen unseriöse Schätzung, für die man in dem meisten größeren (Universitäts-)Städten kaum einen qualifizierten Lehrer finden wird.

  • 09.07.2014 19:25, Pontifex Maximus

    Ich hab, um mal eine Orientierung anzugeben, nach dem 1. Examen (mit gut) und Erfahrung als Repetitor auch Nachhilfe gegeben und zwar für 40€ netto pro Stunde. Alles darunter steht in keiner Relation zum Aufwand.

  • 23.10.2014 10:28, Nasciturus

    Ich habe die Erfahrung gemacht, dass vielfach erst der "dringende Bedarf" für "professionelle Hilfe" erzeugt wird bzw. die Kurse, die man teuer bezahlt, auch nicht mehr als Hilfe zur Selbsthilfe sind.

    Dann lieber gleich von Anfang an nicht an der falschen Stelle sparen sondern zB in der Bib die Lehrbücher und Fallbücher raussuchen, die einem besonders liegen und damit kontinuierlich im Selbststudium lernen. Das kontinuierliche Lernen ist durch nichts zu ersetzen und gerade das ist doch das nächste Problem vieler Studenten. Gerade heutzutage meiner Anschauung nach. Aber auch der Gründer eines bekannten Reps prahlte ja einst damit, die ersten Semester die er an der Uni eingeschrieben war, die Bibliothek nicht betreten aber zahlreiche Kilometer mit seinem Motorrad zurückgelegt hätte. Und dann eben Richtung Examen reingebüffelt.

    Ganz so geht es mit den heutigen Studienordnungen dann nicht mehr (Zwischenprüfung, Schwerpunktbereich etc.), aber ich bin der Meinung: wer wirklich die Eignung und Begabung für Jura hat, wozu für mich maßgeblich auch eigenständige Problemlösungskompetenzen gehören, der kann mit kontinuierlichem Lernen ab der ersten Vorlesungswoche und Nutzung aller Angebote der Uni ohne externe Hilfe ein ausgezeichnetes Studium und Examen ablegen.

  • 24.10.2014 00:24, JC

    Meiner Meinung nach zeichnet eine selbständige Arbeitsweise doch gerade das universitäre Studium aus. Wer nicht willens oder in der Lage ist, sich den Stoff eigenständig zu strukturieren (eigentlich das zentrale Lernziel überhaupt!), der sollte sich darüber Gedanken machen, ob es nicht besser zu ihm passte zum Beispiel an einer FH zu studieren.
    Das Geld für Nachhilfe ist in meinen Augen jedenfalls besser in gute, die Hintergründe erläuterende Literatur investiert. Wenn man dann noch von Anfang an aktiv an den Vorlesungen teilgenommen und regelmäßig vor- und nachgearbeitet hat, gibt es eigentlich keinen einleuchtenden Grund für Nachhilfe.

  • 08.05.2018 19:03, Lea Franke

    Es gibt mittlerweile mehrere Mitbewerber wie z.B. jura individuell oder "Jura Nachhilfe Tübingen bundesweit". Ich habe mit letzteren gute Erfahrungen gemacht.

  • 15.05.2018 15:17, alejandra Scholten

    Unser Teim bietet Hilfe bei den Hausarbeiten und Seminararbeiten – kleine oder große, in 40 Fachrichtungen, für staatliche Universitäten, Hochschuleinrichtungen oder private Fachhochschulen.
    Abschlussarbeiten, Bachelor oder Master, Diplom oder Magister, für Hauptstudium oder weiterbildendes Zweitstudium.Mehr Info unten https://schreib-essay.com/