Die juristische Promotion: Mehr als bloß ein höheres Ein­s­tiegs­ge­halt

Gastbeitrag von Gunnar Schilling

12.07.2018

Laut einer Studie verdienen promovierte Juristen im Schnitt 40 Prozent mehr als ihre Kollegen. Doch eine Promotion bietet mehr als lukrativere Gehaltsaussichten, meint Gunnar Schilling. Seine Empfehlungen zum Ob, Wann und Wie des Dr. jur.

Obwohl viele Kandidaten im Laufe des Studiums zumindest kurz mit dem Gedanken spielen, treffen sie die endgültige Entscheidung über eine mögliche Promotion leider häufig, ohne sich vorher ausreichend zu informieren. Dies ist vermutlich einer der Gründe für die verhältnismäßig hohe (fächerübergreifende) Abbruchquote unter Doktoranden, die auch der Bundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs 2017 aufgreift.

Das typische Argument für eine Promotion ist finanzieller Natur: Nach einer Studie des Online-Portals gehalt.de verdienen promovierte Juristen im Schnitt 40 Prozent mehr als ihre Kollegen ohne Doktortitel. Diese Zahlen sind jedoch mit Vorsicht zu genießen. Absolventen mit Doktortitel zieht es nicht selten in eine Großkanzlei, wo das Einstiegsgehalt generell überdurchschnittlich hoch ist. Ob ein Doktortitel innerhalb derselben Kanzlei ein höheres Einstiegsgehalt ermöglicht, lässt die Studie leider unbeantwortet.

Doch das Geld ist nicht alles, es gibt andere gute Gründe für eine Promotion in den Rechtswissenschaften. So kann sich ein Doktortitel positiv bei Bewerbungen auswirken, insbesondere für diejenigen, die in der Forschung bleiben wollen. Für den Karriereweg als Professor ist er sogar zwingende Voraussetzung. Zudem leistet man einen Beitrag zur wissenschaftlichen Diskussion und kann sich intensiv mit einem selbstgewählten, spannenden Problemfeld auseinandersetzen.

Nicht zuletzt dient die Promotion auch der Persönlichkeitsentwicklung. Durch die flexible Zeiteinteilung kann man interessante Tagungen besuchen und lernt nicht nur dort neue Kontakte kennen. Diese Zeit, die gleichzeitig überwiegend frei gestaltet werden kann, dabei aber auch sehr produktiv ist, bietet viele Chancen und Möglichkeiten, die in dieser Art und Weise nur selten vorkommen.

Campus-Gerüchte über den Dr. jur.

Bei der Frage nach den tatsächlichen Promotionsvoraussetzungen kursieren je nach Campus die unterschiedlichsten Gerüchte. Auf das Wesentliche reduziert bleiben letztlich zwei Kriterien stehen: Erstens benötigt der Doktorand ein Betreuungsverhältnis mit einem hauptamtlichen Hochschullehrer. Und zweitens muss er eine wissenschaftliche Qualifikation vorweisen. Diese ist regelmäßig das entscheidende Kriterium. Denn um sie zu erfüllen, muss man das berühmt-berüchtigte Vollbefriedigend in mindestens einem Staatsexamen erreicht haben.

Doch was wäre eine Regel ohne Ausnahmen? So ermöglichen die Promotionsordnungen vieler Hochschulen, von dieser starren Grenze abzuweichen. Häufig kann die Universität auf Antrag des potenziellen Doktorvaters eine Befreiung von dieser Voraussetzung erteilen. Dafür muss der angehende Doktorand in der Regel jedoch mindestens ein Befriedigend im Abschlusszeugnis erreicht haben, zusätzlich ist regelmäßig eine gute schriftliche Seminararbeit von Nöten.

Wie man seine Promotion finanziert

Im Wesentlichen stehen drei Finanzierungsmöglichkeiten zur Wahl. Die zeiteffizienteste Finanzierung läuft über ein Vollzeitstipendium. Diese sind allerdings zahlenmäßig sehr begrenzt und erfahrungsgemäß entscheidet leider auch nicht immer die Qualität des Dissertationsvorhabens über die Zusage.

Deshalb eignet sich als finanzierende Tätigkeit vor allem eine Stelle als Wissenschaftlicher Mitarbeiter. Diese gibt es an Universitäten und in vielen Kanzleien. Dabei ergeben sich zum Teil erhebliche Unterschiede: Ein bedeutender Standortvorteil der Universität ist die Nähe zur Wissenschaft und die gut bestückte Universitätsbibliothek. Doch auch die respektablen Bibliotheken einiger Kanzleien können sich – vor allem in speziellen Rechtsgebieten – sehen lassen. Der Wert einer möglichst großen Auswahl an Fachzeitschriften und -büchern darf nicht unterschätzt werden.

Das Geldverdienen als Wissenschaftlicher Mitarbeiter in Kanzleien bietet vor allem praxisnahe Aufgaben, die bereits einen ersten Einblick in die anwaltliche Tätigkeit in einer Kanzlei geben können. Der Nachteil: Nur selten stehen diese Aufgaben in Verbindung mit dem eigenen Promotionsvorhaben. Die Arbeit an der Universität ermöglicht hingegen einen optimalen Kontakt zum Promotionsbetreuer und üblicherweise auch eine deutlich flexiblere Arbeitszeiteinteilung.

Wann und wie lange man promovieren sollte

Die Promotion bereits nach dem ersten Staatsexamen anzustreben, bietet zwei grundlegende Vorteile: Zum einen ist man – vor allem durch das universitäre Schwerpunktstudium – noch vertraut mit wissenschaftlichem Arbeiten. Zum anderen hat man eine Pause zwischen den beiden großen Ausbildungsabschnitten, die sich doch recht unterschiedlich gestalten. So kann man sich eine Art Auszeit nehmen, bevor man Referendariat und zweites Staatsexamen in Angriff nimmt.

Die Promotion nach dem zweiten Examen bietet hingegen erhebliche finanzielle Vorteile, weil die parallele Tätigkeit als Volljurist in der Regel wesentlich besser bezahlt wird. Darin liegt aber auch schon gleich die Gefahr: Nicht wenige verlieren hierbei die wichtige Motivation und damit die Disziplin, die Dissertation auch wirklich zu Ende zu bringen. Daher eignet sich üblicherweise die Zeit zwischen den beiden Staatsexamen besser zur Promotion, sofern man den Doktorhut nicht nur wegen eines besseren Gehalts anstrebt.

Fragt man einen juristischen Doktoranden zu Beginn der Bearbeitung nach der angestrebten Promotionsdauer, lautet die Antwort regelmäßig: "Maximal zwei Jahre". Dieses ambitionierte Ziel sollte jedoch nicht als auflösende Bedingung verstanden werden. Mit fortschreitender Bearbeitungsdauer verschiebt sich der Zeitrahmen in der Realität oft in Richtung drei Jahre und länger.

Viele frischgebackene Doktoranden unterschätzen anfangs die parallele Arbeitsbelastung von Nebentätigkeit und Promotion. Ein realistischer Zeitplan reduziert also nicht nur den Stresslevel, sondern kann zudem dazu beitragen, die Qualität der Arbeit auch auf den letzten Seiten nicht leiden zu lassen.

Wie man eine Doktorandenstelle bekommt

Lehrstuhlstellen werden von den jeweiligen Professoren in der Regel "mit einer Möglichkeit zur Promotion" ausgeschrieben. Diese Ausschreibungen finden sich am lokalen schwarzen Brett der Universität sowie auf den Webseiten der Lehrstühle. Seit einiger Zeit nutzen viele Lehrstühle auch Social-Media-Kanäle, um auf ihre offenen Stellen hinzuweisen.

Üblicherweise soll die Bewerbung ein Exposé enthalten, also ein erstes Konzept des Promotionsvorhabens. Daraus sollte ersichtlich sein, warum sich das Thema für eine Promotion eignet und welchen Inhalt die Dissertation später haben könnte. Diese Ausführungen sind zwar nur vorläufig, können aber bereits die eigenen Gedanken strukturieren. Je nach potenziellem Betreuer umfasst ein Exposé fünf bis 20 Seiten und enthält jedenfalls eine erste Recherche und eine grobe Zusammenfassung der Diskussionen in den wichtigeren Bereichen der Arbeit.

Sollte keine Lehrstuhlstelle ausgeschrieben sein, kann man sich mit einem solchen Exposé auch "nur" um eine Promotionsvereinbarung mit einem Doktorvater bemühen und sich im Anschluss um eine Nebentätigkeit zur Finanzierung des Lebensunterhalts kümmern.

Der LL.M. als Kontrahent?

Die Frage, ob man mit einem LL.M. zusätzlich zu den zwei Staatsexamen nicht besser fährt, lässt sich nicht allgemeingültig beantworten. Fest steht: Keiner der beiden Titel beweist zwangsläufig auch eine gesteigerte fachliche Kompetenz, sie zeugen jedoch von anderen, unterschiedlichen Eigenschaften, die im Berufsleben nützlich sein können.

Während der Doktortitel vor allem für Hartnäckigkeit und Durchhaltevermögen steht, zeigt etwa ein Master-Programm mit Auslandsaufenthalt, dass man eine andere Kultur und deren Rechtssystem kennengelernt und an seinen sprachlichen Fähigkeiten gearbeitet hat. So kann der LL.M. gerade in international tätigen Kanzleien einen Vorteil gegenüber den Mitbewerbern darstellen. Je nach Universität, die man im Rahmen eines solchen Programms besucht, sind aber vor allem die Studiengebühren nicht zu vernachlässigen, deren Höhe sich insbesondere direkt nach dem ersten Examen als echte Herausforderung entpuppen kann.

Für was auch immer sich potenzielle Nachwuchsforscher entscheiden: Die Zeit abseits der zwei Staatsexamen kann viele wertvolle Vorteile mit sich bringen. Schon gar nicht sollte man sich durch Gerüchte ernsthaftes Interesse an einer Promotion kaputt machen lassen. Eine überlegte Entscheidung setzt immer ausreichende Informationen voraus.

Der Autor Gunnar Schilling ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Zivilrecht, insbesondere Recht der Informationsgesellschaft und des Geistigen Eigentums bei Prof. Dr. Benjamin Raue in Trier. Unter anderem engagiert er sich dort für den akademischen Nachwuchs und informiert über Wege und Möglichkeiten nach dem ersten Staatsexamen.

Zitiervorschlag

Gunnar Schilling, Die juristische Promotion: Mehr als bloß ein höheres Einstiegsgehalt . In: Legal Tribune Online, 12.07.2018 , https://www.lto.de/persistent/a_id/29703/ (abgerufen am: 24.09.2018 )

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 12.07.2018 10:59, No offense

    Ganz netter Artikel, aber irgendwie so als wenn eine Hebamme den Frauen vom "Richtigkinderkriegen" erzählt, aber selber keine hat.

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    • 12.07.2018 11:16, Barbecue

      Da hast du Recht, kam mir auch so vor.

    • 12.07.2018 11:38, RAin

      Wenn etwas an dem Artikel nicht stimmt, würden mich Ihre inhaltliche Kritik oder die aus Ihrer Sicht fehlenden Aspekte interessieren. Auf diese Weise können auch andere von Ihrer offenbar reichhaltigeren Erfahrung profitieren.

    • 12.07.2018 14:10, Ano Nym

      @RAin: Es fängt schon damit an, dass es sich beim Doktorgrad [1] nicht um einen „Titel“ handel.

      [1] https://de.wikipedia.org/wiki/Doktor

    • 14.07.2018 13:38, Hyperion

      Auch mein erster Gedanke - wie der Blinde von der Farbe

    • 15.07.2018 19:23, Nametutnixzursache

      Sehr hart formuliert, das mit der Hebamme - aber andererseits kommt es auch nicht darauf an, ob „Fehler“ in dem Artikel sind. Es ist doch schräg, zu schreiben, dass die Diss am besten gleich nach dem Ersten geschrieben wird, wenn man selbst noch nicht bis ins Ref vorgedrungen ist. Ich sehe es so: Wer die Diss für die Wissenschaftskarriere schreibt oder einfach weil er/sie Bock darauf hat, schreibt nach dem Zweiten ( da man viel besser in der Fallbearbeitung drin bleibt, aus der Praxis neue Einsichten gewinnt und viel weniger lernen muss, weil man noch viel drauf hat), wer Angst hat, nach dem Zweiten keine Lust mehr auf die Diss zu haben, weil die Kohle winkt, aber den „Dr.“ haben will, schreibt nach dem Ersten. Klar, ich kenne viele gute Leute, die nach dem Ersten geschrieben haben, aber das heißt nicht, dass es sinnvoll ist. Das Argument, man wäre nach dem Ersten noch so gut im wissenschaftlichen Denken drin, ist Unsinn: Was verlernt man leichter, wissenschaftliches Denken oder Bereicherungsrecht? Eben, und deswegen: Erst Pflicht, dann Kür!

  • 12.07.2018 11:35, RAin

    Meine bisherigen Erfahrungen (promoviere extern nach dem 2. StEx, einige Bekannte sind schon fertig oder noch dabei) decken sich weitestgehend mit dem Artikel. Jedoch musste bei uns keiner ein Exposé vorlegen um eine Betreuungszusage zu erhalten. Viel häufiger kommt es vor, dass erst nach Erhalten der Betreuungszusage die Themensuche so richtig beginnt. Letztlich erscheint es mir auch wenig sinnvoll, sich erst wochen- oder monatelang in ein Thema einzulesen um dann vom Prof. zu erfahren, dass bereits jemand anderes an genau dem Thema schreibt (das muss zwar kein Hindernis sein, kann es aber z.B. bei deskriptiven Arbeiten), dass seiner Meinung nach kein Forschungsbedarf mehr existiert oder dass das Thema einfach keinen Prof. interessiert.

    Bei mir war es so, dass ich mich grob in dem von mir angestrebten Rechtsgebiet umgesehen und ein paar grobe Themen aufgeschrieben habe. Dann habe ich meiner Doktormutter eine E-Mail geschrieben und um ein Gespräch über eine mögliche Dissertation gebeten. Im Gespräch sind wir die Themen durchgegangen und haben uns auf einen geeigneten Teilaspekt geeinigt. So hatte ich schon zwei Wochen nach meiner Entscheidung für eine Promotion ein Thema und eine Betreuungszusage. Selbst bei denjenigen meiner Bekannten, die ihre Betreuungszusage erst mit dem Thema bekommen haben, lief die Themensuche bereits in Abstimmung mit dem Prof. Ein Exposé haben nur diejenigen geschrieben, die sich um ein Promotionsstipendium beworben haben.

    Es geht also auch weniger bürokratisch.

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  • 12.07.2018 14:36, Erwin

    Ich halte die Diss. zwischen den beiden Examina für nicht empfehlenswert. In der 2. Staatsprüfung muss man im Grunde sämtlichen Stoff der 1. plus x drauf haben. Wenn das erste Examen aber Jahre her ist, muss man das alles mindestens wieder auffrischen (wenn nicht gar neu abspeichern), weil man sich eben dazwischen zwei bis drei Jahre lang nur mit dem einen Spezialthema befasst hat. Ich hatte z. B. eine Referendarskollegin, die zwar "Frau Dr. " war, aber schlicht aus dem Examensstoff völlig raus war, von nichts Ahnung und nciht unerhebliche Schwierigkeiten hatte (trotz vb im 1.)...

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 18.07.2018 10:00, Maximus Pontifex

      Ich hab vier Jahre zwischen 1. und 2. Examen promoviert und im Zweiten ein "gut" gemacht. Und jetzt?

      Solche Anmerkungen sind doch sinnlos. Jeder Zeitpunkt hat Vor- und Nachteile. Jeder muss für sich selbst in Ruhe alles abwägen und sich dann entscheiden.

  • 12.07.2018 15:47, Leser

    Ohne den Artikel gelesen zu haben: Es ist doch logisch, dass im Querschnitt die Doktoren mehr verdienen. Die Promotion hat zumeist als Voraussetzung 1 VB. Wer 1 VB hat, hat meistens auch 2 VB oder 1 VB und ein solides Befriedigend (selten 1 VB und ein Ausreichend). Damit sind schon mal die Grundvoraussetzungen für einen guten Job gesichert. Gute Jobs werden meistens auch besser bezahlt.

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    • 12.07.2018 16:13, bak

      Überflüssiger Artikel –Überhaupt keine Information in irgendeiner Weise neu wäre. Wie wann was wo man promovieren möchte kann sollte kann man den jeweiligen Promotionsordnungen der jeweiligen Universität entnehmen. Mich hätte mal interessiert, was der Jurist unter „wissenschaftlicher Forschung“ bei Mindestabgabe von 500 Seiten Doktorarbeit versteht

    • 15.07.2018 20:14, Nametutnixzursache

      „Ohne den Artikel gelesen zu haben“? Das hätten Sie nicht eigens betonen müssen ... merkt man auch so.

  • 12.07.2018 16:20, AS

    Ist es denn mittlerweile üblich geworden, dass Doktoranden und solche, die es werden wollen, sich ihre Diss-Themen selbst aussuchen müssen (Stichwort Exposé)? Dies wäre bedenklich, denn ein angehender Doktorand kann die Dissertationswürdigkeit eines Themas nur schwer beurteilen. Dies ist eine der vornehmsten Aufgaben eines Hochschullehrers, der ja immerhin auch an seinem wiss. Output gemessen wird. Machen die Ordinarien eigentlich noch irgendetwas selbst?

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 13.07.2018 10:42, Das leidige Thema...

      Meiner Erfahrung nach unterschiedlich. Manche Profs haben sehr konkrete Vorstellungen von Themen und holen den dicken Aktenordner mit Themenvorschlägen hinterm Schreibtisch hervor. Andere lassen sich Vorschläge machen und sortieren dann die Vorschläge aus, die sie für ungeeignet halten oder die sie einfach nicht betreuen mögen. Hat beides Vor- und Nachteile. Die erste Situation sorgt dafür, dass (im Idealfall) das Thema eine besondere Eignung für eine Diss aufweist. Die zweite Situation kann aber unter Umständen zu einer höheren Motivation führen (die Diss als "eigenes Baby").
      Jedenfalls ist beides möglich und üblich.

    • 15.07.2018 20:22, Nametutnixzursache

      Seit wann ist es ein Ausdruck wissenschaftlicher Qualifikation, zum DV oder zur DM zu rennen und zu sagen: ich will Titel, gibst Du mir Thema? Im Ernst, im Idealfall sollte so laufen: Man hat einen eigenen Kopf und daher auch eigene Ideen. Die Promotionswürdigkeit beurteilt dann DV/DM. Bei fehlender Promotionswürdigkeit des Themas, aber bestehender Promotionswürdigkeit der Person: Es wird ein Thema aus dem
      professoralen Fundus gezogen.

  • 12.07.2018 19:51, Stephan

    Liebe Foristen,

    vielleicht kann mir ja einer von Ihnen ein Hinweis geben. Ich bin Diplom Finanzwirt der Berliner Steuerverwaltung und habe zumindest den schriftlichen Teil des Steuerberaterexamens abgelegt. Nach Rückfrage bei diversen Universitäten wurde mir mitgeteilt, dass eine Promotion, wenn sie auch ungewöhnlich sei, durchaus möglich soweit ich einen entsprechenden Betreuer finde.

    Mein weiterer beruflicher Werdegang steht mit dem Examen fest, es geht mir also nicht um Karriere oder Titelgeilheit. Ich habe überlegt diese wissenschaftliche Leistung nebenberuflich und wenn es 5 Jahre dauert für mich zu erbringen um mir selbst zu beweisen, dass ich wissenschaftlich arbeiten kann.

    Kennt jemand vielleicht einen Umweg ohne extra Jura zu studieren oder nebenberuflich einen LL.M. zu machen.

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 13.07.2018 10:18, avocado diaboli

      Schau Dir einfach mal das Leistungsangebot der "European Education Group" an. Da kann man einen "Dr." im Ausland ohne größeren Aufwand (und Vorkenntnisse) erwerben - oops - ich meinte "absolvieren". Das kostet zwar ziemlich viel Geld. Aber dafür kann man sich dann in Deutschland - vielleicht sogar rechtmäßig ??? - als "Dr." ansprechen lassen. Wer's nötig hat, soll so gerne vorgehen....

    • 19.07.2018 11:45, ce

      Entscheidend ist deine Note aus dem Diplom-Finanzwirt Studiengang. Du solltest zu den oberen zehn Prozent gehören. Dann erfüllst du entweder die Zulassungsvoraussetzungen der juristischen und wirtschaftswissenschaftlichen Fakultäten für die Annahme als Doktorand oder aber du kannst zumindest einen Dispens bekommen.
      Versuche mit in Frage kommenden Professoren mit einem steuerrechtlichen Lehrstuhl in Kontakt zu kommen. Nicht wenige sind selbst Diplom-Finanzwirte und schwelgen noch in Erinnerungen. Wenn du da ein wissenschaftlich interessantes Thema vorbereitet hast und ggf. aufgrund deiner behördlichen Tätigkeit besonders Praxiswissen einbringen kannst, dann stehen deine Chancen sicherlich nicht schlecht.

  • 12.07.2018 20:48, Stefan

    Lieber Stephan,
    schau doch einfach in die Promotionsordnung der jeweiligen Universität. Da steht so einiges drin.
    Gruß, Stefan

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 18.07.2018 14:11, tk

    Fragwürdig, wenn jemand, der selbst offensichtlich (noch) keine Dissertation erfolgreich abgeschlossen hat, hier so kluge Ratschläge geben möchte! Das Lesen des Artikels sollte man sich sparen,.....

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 24.07.2018 10:20, Ralf

      Ich kann die Kommentare mancher Autor/innen hier nicht verstehen. Alles, was der Autor schreibt ist für sich genommen erst mal korrekt, seine Kenntnisse bezieht er wohl aus seinen Erfahrungen am Lehrstuhl. Manche Kommentatoren haben m. E. zu viel Spaß daran, ihr Wissen darzubieten, sich an ihrer Doktorwürde zu ergötzen und andere runterzubuttern. Ich finde das peinlich.
      Beste Grüße

  • 09.08.2018 15:18, M.

    Für angehende Doktoranden ist der Artikel durchaus interessant. Ich habe nach dem 2. Staatsexamen promoviert und habe bisher weder in der Großkanzlei noch Privat Juristen kennen gelernt, die dies taten. Viele gute Absolventen bekommen schon mit dem Abschluss das Angebot des Professors zu promovieren. Und ich gehe mal davon aus, dass zumindest die Hälfte von denen auch schon am Lehrstuhl gearbeitet haben, sodass der nahtlose Übergang gesichert ist.
    Ich konnte nach dem Ersten notentechnisch nicht promovieren, habe dann im Zweiten ein VB und demnach die Möglichkeit zur Promotion erhalten. Rückblickend bin ich sehr glücklich, dass ich mich für den lockeren Einstieg ins Berufsleben entschieden hatte. Ich war "fertig", hatte alles anstrengende hinter mir und konnte entspannt drei Tage die Woche in einer Großkanzlei als Wissenschaftliche Mitarbeiterin arbeiten und den Rest der Woche promovieren.
    Ein Vorteil war, dass ich als Volljuristin schon sehr gut verdient habe. Möchte man eher intern promovieren und an einem Lehrstuhl arbeiten, so denke ich, wird diese Entscheidung nach dem Zweiten Examen nur dann getroffen, wenn man auch die akademische Laufbahn vor Augen hat.
    Insgesamt fand ich eine Promotion nach dem Zweiten Staatsexamen sehr entspannend. Die Zukunft war schon abgesichert und die Abschlüsse in der Tasche.

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