Stereotype in juristischen Ausbildungsfällen: Rechts­an­walt R, Ehe­frau E und die Geliebte G

von Manuel Leidinger

07.12.2017

Ausbildungsfälle dienen der Vorbereitung auf die Examina. Dass Frauen darin bestenfalls Statistinnen sind und Straftäter Migrantennamen tragen, nehmen viele Studierende, Referendare und Lehrende kaum wahr. Drei Juristinnen wollen das ändern.

 

"Der E genügt das Haushaltsgeld, welches sie von B erhält, nicht mehr. Um weiterhin mit ihren Freundinnen die ausladenden Sektfrühstücke im Hotel Adlon genießen zu können, nimmt sie bei der S-Bank einen "Hausfrauenkredit" in Höhe von 20.000 Euro auf." Auszug aus einem Fall zur Vorbereitung auf das Erste Juristische Staatsexamen.

Fälle, die Rollenklischees bedienen, sind wohl vielen während der juristischen Ausbildung einmal untergekommen. Drei Juristinnen gehen nun öffentlich gegen den diskriminierenden Sprachgebrauch vor. Selma Gather, Lucy Chebout und Dana-Sophia Valentiner sind die Gründerinnen des tumblr-Blogs "Üble Nachlese". Der Blog soll Beispiele für Diskriminierung in der juristischen Ausbildung sichtbar machen und Studierende sowie Lehrpersonal in der Rechtsdidaktik sensibilisieren.

Einiges haben die Bloggerinnen selbst beobachtet. Daneben veröffentlichen sie Einsendungen von Leserinnen und Lesern ihres Blogs. Die Namen der Personen, von denen die diskriminierenden Äußerungen stammen, werden dabei nicht genannt. "Wir wollen Leuten, die sagen, sie sähen das Problem nicht, den Wind aus den Segeln nehmen", erklärt Selma Gather. Davon gibt es in der Rechtwissenschaft nicht wenige.

Studie: Frauen sind Freundin, Ehefrau oder Geliebte

Bisher ist das Thema Stereotype in juristischen Ausbildungsmaterialien in der Rechtswissenschaft kaum behandelt worden. Andere Wissenschaftsdisziplinen nehmen die fachdidaktische Forschung zur Verwendung von Stereotypen deutlich stärker in den Fokus.

Valentiner hat kürzlich eine Studie über Rollenstereotype in juristischen Ausbildungsfällen herausgebracht. Dazu hat die Doktorandin an der Universität Hamburg 87 Übungsfälle aus den Examensklausurenkursen der Bucerius Law School und der Universität Hamburg ausgewertet. Die Fälle wurden auf fünf Hypothesen untersucht, darunter die Frage, ob die Namen und Berufe der Fallpersonen (Geschlechter-)Rollenstereotype bedienen.

Sie kommt zu dem Ergebnis, dass 80 Prozent der untersuchten Fallpersonen männlich, dagegen nur 18 Prozent weiblich seien. Frauen werden in den untersuchten Fällen außerdem deutlich seltener berufstätig dargestellt als Männer. Während 62 Prozent der männlichen Fallpersonen einen Beruf ausüben, sind es bei den Frauen laut Studie nur 39 Prozent. In vielen Fällen werden die Frauen lediglich über die Beziehung zu einem Mann als Freundin oder Ehefrau charakterisiert. Außerdem falle das Spektrum der Berufe unter den männlichen Fallpersonen deutlich diverser aus. In fast jeder Berufsgruppe – ob juristische, medizinische, handwerkliche oder selbstständige Tätigkeiten – seien die Frauen entweder in der Unterzahl oder gar nicht repräsentiert.

Die Namen der weiblichen Fallpersonen werden laut der Untersuchung häufiger mit einem Beziehungsattribut versehen, während die männlichen Fallpersonen eher nach ihrer Berufsbezeichnung benannt werden. Ehefrau Elvira E oder Rechtsanwalt Robert R sind gängige Beispiele. Einen negativen Beigeschmack habe außerdem, dass teilweise Straftäter in den ausgewerteten Fällen Namen trugen, die auf einen Migrationshintergrund hindeuteten.

Zitiervorschlag

Manuel Leidinger, Stereotype in juristischen Ausbildungsfällen: Rechtsanwalt R, Ehefrau E und die Geliebte G. In: Legal Tribune Online, 07.12.2017, https://www.lto.de/persistent/a_id/25887/ (abgerufen am: 15.12.2017)

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 07.12.2017 11:08, @topic

    Genderstudentin G wird auf einer Party von Burschenschaftler B verprügelt. Aushilfskellner A will G beschützen und tritt den B gegen das Schienbein.

    Zu prüfen ist die Strafbarkeit der Unbeteiligten U.
    Im Rahmen eines Hilfsgutachtens ist zu klären, wieso überhaupt beide die selbe Party besuchen durften und nicht geschlechtergerecht zwei Parties veranstaltet wurden. Mit veganer, koscherer, halaler Alternativverköstigung.

    Haben wir keine anderen Probleme? Fiktive Ausbildungsfälle?! Echt jetzt? Wer Zeit für sowas hat, kann sein Studium ja nicht ernst genug nehmen...

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    • 07.12.2017 15:15, Egon

      Kann doch jeder erforschen, was er will

  • 07.12.2017 11:12, G. Wilzberch

    "Drei Juristinnen wollen das ändern."

    Die Zeit sollte mal vielleicht besser nutzen, um sich auf das Examen vorzubereiten.

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  • 07.12.2017 11:15, merkwürdig

    Selma, Lucie und Dana-Sophia. Reizend. Wieso ist die Genderpolizei eigentlich nicht genderkonform besetzt? Müsste frau da nicht an ihren eigenen Stereotypen arbeiten?

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  • 07.12.2017 11:17, M

    Wie von den Damen vorgeschlagen, möchte ich mich kurz kritisch mit dem Thema auseinandersetzen. Kurz deshalb, weil die angestrebte Diskussion eines sinnvollen Grundes mangelt.
    Wenn ich die Tagesschau sehe, höre ich zuweilen, dass die Polizei (oder Staatsanwaltschaft) mal wieder nach einem Täter fahndet. Wie erklären sich die Autorinnen, dass offensichtlich und regelmäßig die Möglichkeit außen vor gelassen wird, auch eine Frau könnte kriminelle, schreckliche, verwerfliche Dinge tun? Warum nicht mal im Interesse einer gerechten Gender-Diversity-Praxis nach Täterinnen fahnden (ich bilde mir ein, die Antwort zu kennen: weil es keinen Unterschied macht.)?
    Wenn im Sachverhalt der berühmte Rechtsanwalt R im Zusammenhang mit seiner Frau und seiner heimlichen Geliebten genannt wird; ist es da nicht näher liegend, dass der Verdacht aufkommt, der "Mann an sich" als stereotyper Fremdgeher und skrupelloser Machtmensch solle hier diskreditiert werden?
    Ich gönne jedem seine Karriere. Ausdrücklich auch den 3 Damen. Jedoch soll sich am Ende seiner Karriere niemand beschweren müssen, man hätte ihn (oder sie!) nicht frühzeitig auf die Sinnlosigkeit ihres Engagements hingewiesen.
    Ein Tipp von mir (vorweg genommen: NICHT rassistisch): Wer wert legt auf sinnvolles Engagement für Frauen- und Minderheitenrechte, der sollte global denken...

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  • 07.12.2017 11:32, Hinweis

    Ich moechte hier nur kurz anmerken, dass sich das Problem lediglich in der Fantasie der KritikerInnen abspielt.

    Eine solche hergeleitete Wertung aus den Namen des Sachverhalts benoetigt ein großes Maß an Fantasie.
    Und letztlich sind dann die KritikerInnen auch die Verursacher des "Problems"?

    "Ich fuehle mich benachteiligt, weil..."

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  • 07.12.2017 11:56, Jojo

    Ich wollte mich an dieser Stelle nur äußeren, weil ich es schade und bezeichnend finde, dass bisher hier leider nur ablehnende Kommentare zu finden sind, was noch viel deutlicher macht, wie nötig eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema ist.

    Zum "Gibt-es-nicht-wichtigere-Sachen"-Argument: Ja, vielleicht, aber wenn es keine anderen Gegenargumente gibt, spricht doch auch nichts dagegen, damit anzufangen, oder? Im Ergebnis stände doch ein Plus, nach Deiner Meinung ein sehr kleines, aber jedenfalls ein "Plus" und kein "Minus", oder?

    Nein, das Problem spielt sich nicht nur in der Fantasie ab. Ich finde es kritisch, Personen abzusprechen, dass sie sich benachteiligt fühlen. Das ist ja eine ganz persönliche Sache. Außerdem geht es ja nicht allein um individuelle Diskriminierung, sondern auch um die grundsätzliche Frage, wo wir Sensibilität schaffen wollen bei Menschen, die später als JuristInnen unsere Gesellschaft ganz entscheidend mitprägen werden. Wenn ich mir bestimmte Leitartikel in der ZStW anschauen, besteht dafür durchaus Bedarf.

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    • 07.12.2017 12:47, M

      Ich muss Ihnen zumindest hinsichtlich Ihrer Einleitung vehement widersprechen. Der Umstand, dass zuvor (nur) ablehnende Kommentare verfasst wurden, spricht m. E. ganz und gar nicht deutlich für das Erfordernis einer weiteren Behandlung des Themas.
      Eine Querüberlegung soll das verdeutlichen: in einer Diskussion sprechen sich 100% der Kommentartoren (m/w/u.a.) gegen Ausländerhass aus. - Ich könnte wetten, dass zumindest wir beide uns dahingehend einig sind, dass dies nicht "e contrario" für eine kritische Hinterfragung der Ansichten spricht...

    • 07.12.2017 14:41, RA Ronny Kohlmann

      Ach Gottchen, bisschen zu viel Kafka - Der Prozess gelesen und sich gedacht, die Argumentationstaktik übernehme ich mal? "Wer sagt, dass wir hier Stuss verzapfen, gibt uns automatisch Recht."

      Sowas kann auch nur von "unselbstständige[n] und komplexbeladene junge[n] Frau[en]" (BGH 5. Juli 1983) kommen. Mädels sucht euch bitte einen Mann und bekommt nen Haufen Kinder. Aber wir haben hier Arbeit zu erledigen und keine Zeit für euren Kinderkram.

    • 07.12.2017 22:02, Mayflower

      @Jojo: Danke für den Kommentar, er hat gut getan. Die ganzen gehässigen, als "Kritik" getarnten Kommentare hier sind wirklich deprimierend.

  • 07.12.2017 12:14, Ka.Ti

    Ich denke auch, dass es in der juristischen Ausbildung andere „Baustellen“ gibt, denen man sich widmen sollte (Zum Beispiel die teilweise willkürliche Benotung in der mündlichen Prüfung, oder wie kann es sein, dass im Examen der Erstkorrektor 7 Punkte vergibt ud der Zweitkirrektor 14... man Triff dich in der Mitte - „wie diplomatisch“)
    Jedenfalls haben mir die Klischees in den Klausuren immer ein Schmunzeln bereitet und das sollten sie auch bei unserem Nachwuchs tun!

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 11.12.2017 15:03, Bärenhöhle

      Ich beglückwünsche Sie, wenn ihr Zweitkorrektor eine eigeneMeinung hatte als Ihr Erstkorrektor und man sich dann immerhin bei 10 oder 11 Punkten getroffen hat.

      Meiner Erfahrung nach, sähe dass Zweitgrutachen in 90% der Fälle so aus (volltext): "Einverstanden. 7 P. [Unterschrift]"

  • 07.12.2017 12:21, DF

    Das ganze Thema ist eine Schande.

    Deutschland schafft sich ab.

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  • 07.12.2017 12:56, echo

    Ich finde das Bild, das von unserer nächsten Juristengeneration gezeichnet wird, erschreckend: unmündige Kinder, die zu dumm sind, die perfide Gehirnwäsche, die von Fallbeispielen ausgeht, zu durchschauen.

    "Dabei müssen angehende Juristinnen und Juristen [...] lernen, Stereotype, die in Ausbildungsmaterialien transportiert werden, kritisch zu hinterfragen. In ihren verantwortungsvollen beruflichen Tätigkeiten als Rechtsanwender und Rechtsgestalterinnen könnten Vorurteile, die in den Ausbildungsfällen vermittelt wurden, die eigene Rechtspraxis sonst negativ beeinflussen" - Wenn dieser Befund tatsächlich zutreffen sollte und die Verwendung (wertneutral) "diskriminierungsfreier" Presonenbezeichnungen /-beschreibungen in Fallbeispielen erforderlich sein sollte, um dem entgegenzuwirken, dann haben wir sehr viel gravierendere Probleme, als dass sich jemand "benachteiligt fühlt".

    Noch hoffe ich, dass angehende Juristen (die in aller Regel volljährig, wahlberechtigt und mit Abitur ausgestattet sein dürften) in der Lage sind, sich trotz der Gestaltung von Beispielsfällen ein eigenes und unvoreingenommenes Bild von der Wirklichkeit zu machen.

    By the way: ein nicht unerheblicher Teil solcher Fallbeispiele beruht auf bisweilen schon älterer Rechtsprechung und wenn man die Tatbestände mal liest, wird man oft feststellen, dass sich die Sachverhalte seinerzeit nunmal nicht so zugetragen haben, wie sich dies heute mancher wünschen mag.

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  • 07.12.2017 12:58, Jetzt Mal

    Die vorherigen Kommentare glänzen mit unreflektiertem Ergüssen.
    Nicht hinterfragt wird, wie sich solche Beispiele in die Köpfe der Studierenden einprägen. Selbstverständlich prägt Sprache die Wahrnehmung der Realität bzw durch welche Brille wir sie filtern.
    Das Thema ist also durchaus wichtig.

    Ich habe mir die Mühe gemacht und die Studie gelesen: Tatsächlich sind da selbst fast alle Anwälte nur männlich (trotz 33% Anwältinnenquote in der Realität ).
    Für weibliche Juristinnen wird daher unbewusst der Eindruck vermittelt, dass der männliche Anwalt grds besser in die Anwaltsrolle passt. Wer das ignoriert, hat leider 0,0 Ahnung wie einfach Menschen beeinflussbar sind.
    Also ja, gute Studie und gute Arbeit.
    Gez. ein männlicher Jurist

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 07.12.2017 13:22, M

      Sie bleiben die Antwort schuldig, warum die Bösewichte (Mörder, Räuber...) in solchen Sachverhalten offensichtlich (Vermutung - habe leider keine Statistik hierzu gelesen oder gefälscht) auch meist ein Y-Chromosom ihr Eigen nennen dürfen.
      Warum kommt die ausnahmsweise als Mörderin in Erscheinung tretende Ehefrau in der Lösungsskizze häufig in den Genuss der Rechtsfolgelösung?
      Warum wird nicht mal eine Zusatzfrage zu § 183 StGB im Examen gestellt (auch im Verfassungsrecht denkbar)?
      Von den dogmatischen Ergüssen des reformierten Sexualstrafrechts, deren Fragen und Folgen (da praxisbezogen) wahrscheinlich viel drängender einer reflektierten kritischen Diskussion bedürften, ganz zu schweigen (anderes Thema).
      Wenn Sie mir hierauf eine Antwort geben können, die sich inhaltlich mit Ihrem Kommentar deckt, dann nehme ich davon Abstand, Ihnen hinsichtlich der "glänzenden, unreflektierten Ergüsse" den Spiegel vorzuhalten.

    • 07.12.2017 14:43, Oh man

      "Für weibliche Juristinnen wird daher unbewusst der Eindruck vermittelt [...]" - Es gibt keine männlichen Juristinnen - somit disqualifiziert! Da sieht man was der Gendermüll anrichtet.

    • 07.12.2017 15:43, Nicht euer Ernst?!

      "Für weibliche Juristinnen wird daher unbewusst der Eindruck vermittelt, dass der männliche Anwalt grds besser in die Anwaltsrolle passt."

      Wer das denkt, hat die "Hochschulreife" nur auf dem Papier und auch sonst offenbar einige Probleme, die professioneller Hilfe bedürfen. Ein Text ist ein Text. Wer da patriarchale Strukturen reininterpretiert, der will sich das Leben ja nur schwer machen. Leute, es gibt wichtige Probleme, die nach Lösungen verlangen. Diese ganze Gender-Hysterie ist aber kein solches.

    • 08.12.2017 10:06, Rechtsanwältin

      Ich sehe das so:

      Natürlich sollte es nicht so sein, dass in Sachverhalten nur oder fast nur veraltete Geschlechterklischees auftauchen. Allerdings hatte ich während meiner Ausbildung nicht das Gefühl, dass das so ist. Da wollte auch immer mal wieder der Mann Unterhalt haben oder dergleichen. Auch hatten nicht alle vermeintlichen Straftäter einen Namen mit Migrationshintergrund und wenn doch stellte sich manchmal heraus, dass sie sich nicht strafbar gemacht hatten oder die Opfer hatten entsprechende Namen.

      Wenn es noch häufiger vorkommt, dass Klischees bedient werden, finde ich das nicht schlimm. Es kommt doch vor allem darauf an, dass der Fall sich so ähnlich in der Realität hätte abspielen können. Niemand geht davon aus, dass Klausurfälle soziale Rollen oder die Rate von Rechtsstreitigkeiten oder sonst etwas exakt statistisch repräsentativ abbilden.

      Wie schon gesagt, weiß man auch, dass in älteren Standardfällen noch mehr im damaligen Rollenverständnis gelebt wurde. Und mal abgesehen davon... Es ist leider wirklich so, dass die weit überwiegende Anzahl der Straftäter Männer sind (dazu gibt es Statistiken). Auch habe ich (wie viele andere Referendare) im Sitzungsdienst die Erfahrung gemacht, dass grob geschätzt 75-80% der wegen kleinerer Delikte Angeklagten einen Migrationshintergrund hatten. Das liegt natürlich nicht daran, dass Ausländer schlechtere Menschen wären, sondern dass die meisten Kleinkriminellen aus den unteren sozialen Schichten stammen und dass historisch bedingt viele Einwanderer in diesen Schichten gelandet sind. Insofern ist es nicht völlig ungerechtfertigt, dass sich dies auch in Sachverhalten abbildet. Viel wichtiger ist doch, welche Schlüsse man daraus zieht. Ebenso gibt es noch immer mehr Hausfrauen als Hausmänner. Das veranlasst mich trotzdem nicht dazu, eine zu werden, nur weil man diese Konstellation in juristischen Sachverhalten wieder findet.

      Natürlich ist es ein sinnvolles Ziel, auch für Juristen, sich für Gleichberechtigung einzusetzen, allerdings sollte man eine Sache nicht vergessen:

      Man hat auch in der Praxis den Fall zu lösen, den man auf den Tisch bekommt. Wozu kürzt man denn Personen mit ihrem Anfangsbuchstaben ab? Natürlich einerseits zur Vereinfachung. Andererseits verlieren die Personen hierdurch aber auch an Individualität. Das ist gewollt, weil es vor dem Gesetz eben nicht darauf ankommt, wer man ist. Wenn ich bedenke, wie viele Klausurbearbeiter schon zwischenzeitlich vergessen haben, welches Geschlecht eine Person hatte, sehe ich kaum eine Gefahr, dass sich Juristen übermäßig von Sachverhaltsgestaltungen beeinflussen lassen. Wenn man Leute auf die Idee bringt, dass man doch aus den Rollenbildern in Sachverhalten Schlüsse für sein eigenes Leben ziehen könnte, kann das auch kontraproduktiv sein.

      Insgesamt lässt sich sagen, dass ich mich zwar über manche Klischees lustig gemacht habe, es aber keine unangemessenen Sachverhalte gab. Insofern hatte sich von alleine schon einiges getan, was wegen der Orientierung an realen Fällen auch weiter von alleine passieren wird. Hierdurch werden notwendigerweise diversere Fälle in die Ausbildung gelangen. In Bayern scheint es da ein größeres Problem zu geben (wurde mal berichtet. Die dortigen Beispiele waren wirklich fragwürdig), allerdings glaube ich nicht, dass das bundesweit "behandlungsbedürftig" ist.

    • 08.12.2017 16:41, @M

      "Sie bleiben die Antwort schuldig, warum die Bösewichte (Mörder, Räuber...) in solchen Sachverhalten offensichtlich (Vermutung - habe leider keine Statistik hierzu gelesen oder gefälscht) auch meist ein Y-Chromosom ihr Eigen nennen dürfen. "

      Relativ simpel zu beantworten: Wenn Sie einen Blick in die Polizeiliche Kriminalstatistik werfen, dann werden Sie feststellen müssen, dass die ganz überwiegende Anzahl an "Bösewichten" tatsächlich männlich ist. Es ist natürlich falsch dies zu pauschalisieren ("nur Männer sind Straftäter"), aber zumindest in dieser Hinsicht entsprechen die Sachverhalte eher der Realität, wenn die Agierenden männlich sind.

      Ansonsten finde ich, dass es wichtigere Probleme zu lösen gibt. Ob Mann, Frau oder irgendwelche Zwischenformen handelt, ist doch vollkommen egal, solange nicht ein Geschlecht ganz offensichtlich diffarmiert wird.

  • 07.12.2017 13:36, RA Nicolas

    Wie im Artikel selbst erwähnt, sind Übungsfälle meist Gerichtsentscheidungen nachgebildet. Es handelt sich als nicht um Stereotype, sondern um einen Auszug aus der Realität. Wie man dann aber von Diskriminierung sprechen kann, erschließt sich mir nicht. Vielleicht sollten die drei Bloggerinnen sich einmal mehr mit dem Arbeitsalltag der Justiz beschäftigen.

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    • 07.12.2017 13:43, RA Nicolas

      Edit: Also nicht als

  • 07.12.2017 13:39, Eine Frage

    Eine Frage, die in der Studie weder aufgeworfen noch beantwortet wird, fände ich interessant miteinzubeziehen: Wer stellt eigentlich die untersuchten Übungsklausuren? Sind das alles Männer? Unwahrscheinlich, wenn über 50 % der Studienanfänger in den Rechtswissenschaften Studienanfängerinnen sind. Einige von denen bestehen doch bestimmt auch das eine oder andere Examen, werden wissenschaftliche Hilfskraft, wissenschaftliche Mitarbeiterin, Doktorandin, Doktorin, Habbilitandin, Professorin, Refeferendarin, Assessorin, Rechtsanwältin, Richterin, Verwaltungsbeamtin usw. In vielen dieser Rollen besteht die Möglichkeit, eine der dringend benötigten und mit Kußhand genommenen Klausuren für eine Examensprüfung beim JPA einzureichen oder am eigenen Lehrstuhl übungshalber zu stellen. Tun Frauen so etwas nicht? Warum nicht? Wenn sie es doch tun, warum bauen sie keine Frauen in die Sachverhalte ein? Oder zur Abwechslung mal eine ableistische Perspektive (btw, bin ich der/die EinzIge,der/die nicht weiß, was das ist?).

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 07.12.2017 14:24, Staranwalt

    Was für widerliche, menschenverachtende Kommentare allerorten auf dieser Seite. Ich kann nur beten (und eingedenk der vertretenen "Argumentationsstränge" oder was mann (sic!) so nennen darf halte ich das auch für weit überwiegend wahrscheinlich), dass der Anteil an Kommentaren durch qualifizierte JuristInnen hier nur sehr gering ist.

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 08.12.2017 11:13, xx

      Herr "Staranwalt": Sind Sie zufrieden mit Ihrer neuen Vagina?

      Hatten Sie schonmal Sex?

  • 07.12.2017 14:40, Erwin

    ...vielleicht mögen sich die Damen auch verstärkt Genderbemühungen zuwenden.
    So benötigen wir allerdringendst eine weitere Strafrechtsreform! So müsste § 211 etwa lauten:
    (1) Der Mörder / die Mörderin wird mit lebenslanger Freiheitsstrafe bestraft. (2) Mörder / Mörderin ist, wer...
    oder auch "...Mörder (m/w)..."
    Es erscheint unerträglich, dass der Gesetzgeber die Möglichkeit außer Acht gelassen hat, dass die emanzipierte Frau durchaus auch töten, ja gar Mordmerkmale zu erfüllen vermag.

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 07.12.2017 15:19, Herold

    Super Initiative! Angesichts der Kommentare ist es mehr als notwendig dieses Thema anzugehen. Welche verachtenden Einstellungen und Ansichten hier zu Tage treten ist erschreckend. Gutes Durchhaltevermörgen den drei Initiatorinnen.

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    • 07.12.2017 15:49, RA Mordecai Schekelberg

      Sie sind zu weich für diese Welt. Werden Sie erwachsen junger "Mann".

  • 07.12.2017 15:40, Das ist+gut,...

    Als ich damals an der Uni Fälle erstellt habe, waren die ganzen Protagonisten weiblich. War den Damen auch nicht recht. Also, bitte endlich mal aufhören, sich zu beschweren...

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 07.12.2017 16:56, M.D.

    Rezessive Verhaltensweisen werden auf Dauer von der Bildfläche verschwinden. Das nennt man Evolution. Die Zeit arbeitet für die natürliche Ordnung, also muss man einfach nur abwarten und gelassen bleiben. Es regelt sich alles von selbst.

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 08.12.2017 19:46, Freiburger Jurist

    Nach gut 30 Jahren als Jurist muss ich leider sagen, dass nur all zu oft gerade die Klischees im Alltag bedient werden. Wenn man es so will, wird die Praxis dann gerade nicht in den Fällen abgebildet. Nach meiner Einschätzung sind mindestens drei Viertel der Prozessbeteiligten Männer - und zwar quer durch alle Rechtszweige. Und da greife ich eher tief. In Strafsachen kann ich mich trotz einigem Überlegen an keine einzige weibliche Angeklagte in den letzten Jahren erinnern, wirklich keine!

    Wenn man die Realität wirklich abbilden will, müsste ich eigentlich jeden Fall im Strafrecht mit "Der alkoholkranke Leistungsbezieher A ...." und jeden Fall im Verwaltungsrecht mit "Der besserwisserische Bürger B.....". (Ja, ich überzeichne etwas) Aber wenn es der Gerechtigkeit dient, lassen wir eben ab sofort alle oder von mir aus genau die Hälfte der handelnden Personen weiblich sein. Dann lasse ich eben die Fälle mit "Die alkoholkranke Leistungsbezieherin A" und "die besserwisserische Bürgerin B..." beginnen.

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 08.12.2017 22:19, Guido Theissen

    Tja, wenn man die Fälle nicht lösen kann, lamentiert man halt über die äußere Form. Das trifft den Zeitgeist!

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  • 09.12.2017 20:37, Juristin

    Ich habe bis 2007 in Bonn Jura studiert und mich hat damals auch genervt, dass die Fälle oft so klischeehaft sind. Beispiel: der Dieb D, der Betrüger B und die Kassiererin K. Als könnten Straftäter nur männlich sein und als würden schlecht bezahlte Dienstleistungsberufe nur von Frauen ergriffen. Diebstahl und Betrug sind aber Delikte, die auch recht häufig von Frauen begangen werden. Natürlich prägen solche Fälle das Bild von angehenden Juristen, die eh nicht zu den kritisch denkenden Studentengruppen gehören. Die bisherigen Kommentare, die eine solche Hinterfragung und Aufbrechung von Klischees für unnötig oder sogar lächerlich halten, zeigen deutlich, wie konservativ die Rechtswissenschaften immer noch sind. Und da werden teilweise noch nicht mal persönliche Angriffe gescheut, von wegen dass die initiatorinnen des Blogs keine gute Juristinnen sein können. Das ist doch echt unterste Schiene. Ich finde solche Initiativen gut, die über den streng juristischen Tellerrand schauen, weiter so!

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 11.12.2017 12:05, e.

    Ohne das statistisch überprüft zu haben behaupte ich mal, dass in Strafrechtsklausuren mind. 80 - 90 % der Täter männlich sind. Und jetzt?

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  • 11.12.2017 14:59, Bärenhöhle

    Ich kann mich noch sehr gut an eine meiner zivilrechtlichen Klausuren zum Zweiten Examen errinnen, in denen die Parteien durch die Kanzleien "Krauss & Maffei" und "Focke & Wulff" vertreten wurden.

    Der Humor der LJPA Niedersachsen war nicht der meine...

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 11.12.2017 18:08, @Bärenhöhle

      Man wird ja wohl noch das Kerngeschäft der Deutschen mit Wortwitz thematisieren dürfen. Wir sind Kriegstreiber und Waffenschrauber. Immer gewesen, nie geleugnet. Wir bringen der Welt das Elend - und wundern uns dann, wenn die Menschen davor weg und zu uns hin laufen. Wir sind doch "das Volk". Sagen die Montag abend jedenfalls immer .. also die "drüben", die sich gar nicht "Volk" nennen dürfen, weil wir sie eigentlich nie zurückhaben wollten .. aber das steht auf einem ganz anderen Blatt.

      Niedersachen kennt sich doch aus mit dem Elend - ihr grenzt doch an die SBZ.

  • 11.12.2017 19:30, Janwillem van de Loo

    Danke für diesen Artikel und vor allem die Studie. Ein Mehr an Reflexion und weniger Klichee würde unserer Ausbildung in der Tat gut tun – nein Sie ist sogar notwendig.

    Es ist sehr gut, nun von Einzelfallschilderungen zu breiteren, empirischen Daten zu kommen! Viele Kommentare die hier folgten kann man leider nicht ernst nehmen - sie setzten sich garnicht mit der Studie und den konkreten Zahlen auseinander.

    Die angesprochenen Sprachlichen Elemente sind dabei natürlich keine juristische Besonderheit – was die Sinnhaftigkeit sie entsprechend sensibel zu behandeln jedoch nicht tangieren sollte.
    Es ist empirisch belegt, dass eine große Mehrheit der Menschen bei „der Jurist“ nicht an eine Geschlechtslose Person und noch weniger an eine Frau denkt, sondern an einen Mann. Das Prägt Rollenverständnisse, wo es eigentlich gesellschaftlich effektiver wäre Freiräume zu lassen, damit sich Menschen voll nach ihren Interessen und Fähigkeiten entfalten. Ich werde nie verstehen wie das so viel Hass auslösen kann - es bleibt der fade Beigeschmack, dass aus Bequemlichkeit und unrefliktierter Gewohnheit so viel Gegenwehr kommt.

    Ganz davon abgesehen, dass die Zahlen in den Fällen (80% der Handelnden sind männlich) einfach nicht ein mal der Realität entsprechen. Das die Fälle noch nicht ein mal die Realität abbilden sondern das Klichee noch überziehen, kann doch wirklich niemand bei gesundem Verstand gut heißen.

    Die Debatte ist nicht gegen Männer gerichtet, es geht darum Bewusstsein für sprachliche, und gestaltende Präzision zu entwickeln, die unsere Gesellschaft freier und besser machen kann. Da wäre weniger Hysterie als bisweilen an den Tag gelegt wird (auch hier in den Kommentaren), doch vernünftiger.

    viel Erfolg weiterhin!

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 12.12.2017 09:53, Jimmie AllmanVistenkarte

    sehr interessant

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  • 12.12.2017 19:19, cand. iur. Aurelius Ansgar von Armsberg

    Jedes JAG sollte um einen weiteren § ergänzt werden. Hier ein Mustervorschlag:

    § X (Landes)JAG [Gleichstellung/innen von Wesen in Sachverhalten/innen]
    Abs. 1 Oberstes Ziel der Juristenausbildung ist es, geschlechtsspezifische Ungleichheiten/innen für kommende Generationen/innen zu vermeiden.
    Abs. 2 Eine Ungleichbehandlung in der Ausbildung ist nur zugunsten Frauen und Geschlechtslosen/innen zulässig.
    Abs. 3 Mindestens 2/3 der in Sachverhalten auftretenden Personen haben weiblich oder geschlechtslos zu sein.² Auftretende Frauen müssen einem angesehenen Beruf nachgehen.³ Die Regelung des Satz 1 gilt nicht in strafrechtlichen Sachverhalten, schließlich sind 99% aller Straftäter männlich.

    So. Warum wird so einem Unfug überhaupt eine Plattform gegeben? Bei Straftätern in juristischen Sachverhalten ist oft ein Migrationshintergrund angedeutet? Das habe ich noch nie gelesen. Auch Wenn Tarik (T) sich in Strafrechtsklausuren m.E. gut machen würde. Die Autorinnen verwechseln möglicherweise fiktive mit realen Sachverhalten, die sie in ihrem Referendariat bearbeitet haben.

    Und warum wird nie der Umstand, dass über 60% der Absolventen weiblich sind kritisch beleuchtet. Dieser Umstand ist belegt und bietet mehr Anlass, hinterfragt zu werden, als sämtliche von diesen unsäglichen Feministinnen vorgetragenen Scheinprobleme.

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 12.12.2017 19:29, @AAA

      KKK wäre bei dem latenten Rassismus eine bessere Alliteration als Name gewesen, aber gut... Haben sie Angst vor 60% Frauen? Die könnten vielleicht besser sein als sie? Buhu. Dann muss man eben ein bisschen mehr lernen. Nicht heulen.

      Geh doch BWL studieren, wenn Jura Dir zu schwer ist.

  • 13.12.2017 14:10, Hyperion

    "87 Übungsfälle aus den Examensklausurenkursen der Bucerius Law School und der Universität Hamburg ausgewertet"

    Na, wenn eine solch repräsentative Studie sagt, dass wir ein Problem haben, dann muss das wohl so sein.

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Rechts­an­wäl­te (m/w)

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RECHTS­AN­WALT (M/W) im Be­reich REAL ES­TA­TE FI­NAN­CE

GSK Stockmann, Mün­chen

PA­TEN­T­AN­WALT / PA­TEN­TAS­SES­SOR (m/w)

ALPLA Werke Alwin Lehner GmbH & Co KG, Hard (Ös­t­er­reich)

Rechts­an­walt (w/m)

FREY Rechtsanwälte Partnerschaft, Köln

RECHTS­AN­WÄL­TE (M/W)

K&L Gates, Ber­lin

Rechts­an­wäl­te (m/w) Mer­gers & Ac­qui­si­ti­ons/Ge­sell­schafts­recht

Clifford Chance, Mün­chen

Rechts­an­wäl­te (m/w)

von Boetticher Rechtsanwälte, Ber­lin und 1 wei­te­re

Rechts­an­walt (w/m) für den Be­reich Ar­beits­recht

Görg, Mün­chen

Re­fe­rent/in Com­p­li­an­ce/Geld­wä­sche

Volksbank Ulm-Biberach eG, Ulm

Sach­be­ar­bei­ter (m/w) For­de­rungs­ma­na­ge­ment mit Im­mo­bi­li­en

Bad Homburger Inkasso GmbH, Köln

Rechts­an­walt (m/w) für den Be­reich Im­mo­bi­li­en­wirt­schafts­recht

Görg, Köln