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Studierendenvertretungen: "Warum auf die Expertise der Studierenden verzichten?"

von Christian Grohganz

26.05.2014

Um ihre Interessen gegenüber der Universität zu wahren, wählen Studenten Vertreter. Doch diese haben in Deutschland teils völlig unterschiedliche Kompetenzen. Während die Einflussmöglichkeiten in Bayern gering sind, kann in anderen Bundesländern über Hochschulsport und finanzielle Unterstützung entschieden werden. Oder man wird gleich zum studentischen Vizepräsidenten berufen.

Seit Juli 2013 pausiert Michelle Mallwitz ihr Studium. In Vollzeit übt sie an der privaten Zeppelin Universität in Friedrichshafen am Bodensee das Amt der studentischen Vizepräsidentin aus. Die 25-Jährige, die im Master 'Communication and Cultural Management' eingeschrieben ist, vertritt die Belange der Studierenden. Jedoch wurde Michelle Mallwitz nicht für ein Ehrenamt gewählt, sondern vom Stiftungsvorstand für eine befristete Festanstellung ins Präsidium berufen.

Das Amt wurde vor vier Jahren geschaffen – zunächst nur als Experiment. Dass Studierendenvertreter mit derart vielen Rechten ausgestattet wurden, war damals eine kleine Sensation. Bedingt durch die eingeschränkten Kompetenzen des Bundesgesetzgebers im Hochschulrecht haben sich an deutschen Universitäten verschiedene Formen der Studierendenvertretung herausgebildet – mit völlig unterschiedlichen Einflussmöglichkeiten.

In den meisten Bundesländern wird die Studierendenschaft durch den Allgemeinen Studierenden Ausschuss, kurz AStA, vertreten. An der laut Kathrin Müller-Rees "grünsten Hochschule Deutschlands", der 1992 gegründeten Fachhochschule für Nachhaltige Entwicklung im brandenburgischen Eberswalde, sind Studentenvertreter weitläufig in Entscheidungsprozesse eingebunden. "Von Fahrradwerkstatt über Hochschulsport und studentischen Initiativen bis zu Internationalen Studierendenausweisen wird alles im AStA bearbeitet", sagt die 22-Jährige Müller-Rees, Vorsitzende des 15 Mitglieder starken Studentenausschusses.

"Auch über Anträge zur finanziellen Unterstützung aus sozialen Gründen wird abgestimmt. Studierende können auf uns zukommen und neue Projekte anregen", so Müller-Rees, die seit September 2011 im Bachelor 'International Forest Ecosystem Management' studiert. "Der AStA ist quasi das Organ, das alle Belange der Studierenden vertritt."

An bayrischen Unis ticken die Uhren anders

Anders sieht es hingegen im Bundesland mit den aktuell zweithöchsten Immatrikulationen in Deutschland aus. "Ein großer Unterschied zwischen den Universitäten in Bayern und anderen Bundesländern liegt in der Verfassten Studierendenschaft", erklärt Tobias Langer, der dem Sprecherrat der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg angehört. Im restlichen Bundesgebiet sind die Studierendenschaften verfasst, was bedeutet, dass die Studierendenvertretung eine juristische Person bildet. "Dadurch ergibt sich ein größerer Spielraum, weil Verträge abgeschlossen werden können. Das geht in Bayern nicht und macht einige Arbeitsprozesse wesentlich aufwendiger."

Eine weitere Besonderheit im Freistaat ist die sogenannte "Experimentierklausel". Dadurch wird den Hochschulen erlaubt, befristete Regelungen aufzustellen, die vom Bayerischen Hochschulgesetz abweichen. "Somit können die Universitäten nach eigenem Ermessen die Strukturen der Fakultäten und Dekane und der Studierendenvertretung anpassen und verändern", sagt Tobias Langer. Das erlaube auch Veränderungen am Wahlmodus der Studierendenvertretung. "Wir wählen unsere Vertreter im Senat aus den Reihen des Konvents, wohingegen die Senatsvertreter an anderen Universitäten direkt bei der Hochschulwahl gewählt werden."

Genug Einflussmöglichkeiten seien trotzdem gegeben, meint Tobias Langer. Die einzelnen Studentenvertretungen der Friedrich-Alexander-Universität verfügen über einen Etat, welcher zur Unterstützung studentischer Initiativen oder für Kultur- und Feierveranstaltungen aufgewandt werden kann. Einfluss kann die Studierendenvertretung ebenso auf Ausschüsse wie die zur Berufung neuer Professoren oder auch die der Verwaltung der Studienzuschüsse nehmen.

In nahezu jedem Gremium seien studentische Vertreter beteiligt. Das weiß auch Michelle Klein, studentische Senatorin und Mitglied des Hochschulrates an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. "Wenn man gute Konzepte hat, kann man einiges anstoßen. Wobei die Bretter die man bohrt, an einer großen Uni wie der LMU schon etwas dicker sein können."

Zitiervorschlag

Christian Grohganz, Studierendenvertretungen: "Warum auf die Expertise der Studierenden verzichten?" . In: Legal Tribune Online, 26.05.2014 , https://www.lto.de/persistent/a_id/12085/ (abgerufen am: 16.10.2019 )

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Kommentare
  • 27.05.2014 18:13, Mike M.

    Die Studierendenvertreter sind regelmäßig keine wirklichen Vertreter des Durchschnittsstudierenen. Zum einen sind sie meist Berufsstudenten, haben also mit dem Studenten, der studiert um schnell einen Abschluss zu machen, wenig gemeinsame Interessen. Sie werden zudem regelmäßig nicht einmal von 10% der Studierenden gewählt.

    Dort, wo es verfasste Studierendenschaften gibt, sind die Studienbeiträge (Studiengebühren gibt es ja nicht mehr) häufig deutlich höher als in Bayern. Da wird Geld für Reisen von Asta-Mitgliedern nach Kuba rausgeworfen (http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-28721194.html). All dies spricht nicht unbedingt für das Modell der verfassten Studierendenschaft. Besser sollte man die Fachschaften stärken und wählen lassen.