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Mit Jura an die Harvard University: Forschungsaufenthalt an der ältesten Universität der USA

von Florian Seitz, LL.M. (UCT)

26.11.2013

Was ich nicht vergessen werde I: Beim Baseball schlägt das amerikanische Herz höher

Auch jenseits der Universitätsmauern hat der Großraum Boston einiges zu bieten: Vor den Toren der Stadt wurden historische Schlachten geschlagen und einige der bedeutendsten amerikanischen Autoren haben Zeichen Ihres Wirkens hinterlassen. Eines der emotionalsten Erlebnisse meines Aufenthalts war aber sicherlich ein Besuch beim Heimspiel der Boston Red Sox, dem lokalen Baseball-Team im historischen Fenway Park Stadion. Ganze Familien fiebern bei den für Neulinge zunächst schwer verständlichen Spielzügen mit. Zum Glück hatte ich ein geduldiges Local-Fangirl an meiner Seite, die mir unermüdlich Abläufe und Regeln erklärte. Spätestens als während des achten Innings "Sweet Caroline", die inoffizielle Hymne der Red Sox, angestimmt wurde, hatte auch ich zumindest die Grundzüge eines amerikanischen Baseballspiels verstanden.

Was ich nicht vergessen werde II: too many Germans here

Bereits bei der Planung meines Aufenthalts wurde mir schnell klar, dass ich während des Sommers nicht der Einzige aus meinem Freundes- und Bekanntenkreis in den USA sein würde: Hatte ich meinen LL.M. bereits vor zwei Jahren in Kapstadt gemacht, so hatte es jetzt gleich mehrere meiner ehemaligen Studienkollegen hierfür in die USA verschlagen. Da bot es sich natürlich an, noch ein paar der anderen bekannten US-Universitäten wie die Columbia University in New York und die Stanford University im kalifornischen Silicon Valley zu besuchen. Und jeder Campus hat seinen eigenen, besonderen Charme: Erinnert Harvard mit seinen Klinkerfassaden an die Gründerzeit amerikanischer Bildungseinrichtungen, so erscheint die Columbia University stark vom pulsierenden Leben des umgebenden Manhattans geprägt. Und auf dem weitläufigen Stanford-Campus sind die Grenzen zwischen Lernen und einem Nachmittag im Park ohnehin fließend. Dank häufiger und günstiger Flugverbindungen war ein Coast-to-Coast Trip übrigens weder aufwendiger noch teurer als eine Bahnfahrt quer durch die Bundesrepublik.

Was man dort sonst noch tun kann

Wer ein ganzes Jahr in Harvard verbringen möchte, für den bietet sich ein komplettes LL.M.-Studium an. Die Auswahl der Studenten ist dabei sehr kompetitiv, die Arbeitsbelastung in den Kursen hoch und auch die Studiengebühren lassen sich kaum aus der Portokasse finanzieren.

Wie man am besten hinkommt

Flüge nach Boston gibt es ab zahlreichen deutschen Flughäfen direkt oder mit nur kurzen Zwischenaufenthalten. Im Sommer liegen die Preise zumeist etwas höher – der traumhafte Neuenglandsommer macht den Aufpreis aber schnell wett.

Wo man wohnen kann

Der Wohnungsmarkt ist recht angespannt und das Preisniveau liegt deutlich über dem Deutschen. Während des Summer-Breaks von Juli bis September vermieten viele Studenten ihre Zimmer unter – dann ist es einfacher über Portale wie Craigslist etwas Passendes zu finden. Ich selbst hatte mich für zweieinhalb Monate im Hobbyraum der Wohnung eines deutschen Physikdoktoranden eingemietet: keineswegs luxuriös, dafür aber nur fünf Fahrradminuten von der Uni entfernt.

Wie man das bezahlen kann

Abgesehen von einigen Kanzleien bietet auch der DAAD Kurzstipendien für Forschungsaufenthalte deutscher Doktoranden an. Der Bewerbungsprozess ist stark formalisiert und wenig transparent. Bei mir hat es nicht geklappt, sodass als kleiner Trost lediglich die steuerliche Absetzbarkeit als Fortbildungskosten bleibt.

Woran man sich als deutscher Jurist erstmal gewöhnen muss

Daran, dass es auf das Jurist-Sein gar nicht so sehr ankommt.

Was man unbedingt probiert haben sollte

Die nach Promis und Politikern benannten Burger-Kreationen mit Namen wie "Mark Zuckerberg" oder "Barack Obama" bei Bartley‘s am Harvard Square. Hier fühlen sich neu zugezogene Studenten ebenso wie Touristen schnell heimisch.

Empfehlen kann ich Stadt, Land und Aufenthalt jedem der...

... Wissenschaft einmal aus einer anderen Perspektive erleben will.

... sich nicht daran stört, von zahlreichen asiatischen Campus-Touristen als Foto-Souvenir mit nach Hause genommen zu werden.

... seinen Kleiderschrank im Schlussverkauf der Outlet-Center mal wieder günstig auffüllen möchte.

Zitiervorschlag

Florian Seitz, LL.M. (UCT), Mit Jura an die Harvard University: Forschungsaufenthalt an der ältesten Universität der USA . In: Legal Tribune Online, 26.11.2013 , https://www.lto.de/persistent/a_id/10160/ (abgerufen am: 29.11.2020 )

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Kommentare
  • 27.11.2013 17:41, Lea

    alles wuderschön, bloß wenn man das ohne Stipendium nicht finanzieren kann ... tja

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