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Mit Jura an die Harvard University: Forschungsaufenthalt an der ältesten Universität der USA

von Florian Seitz, LL.M. (UCT)

26.11.2013

Zwingend ist ein Auslandsaufenthalt während der Promotion nicht. Trotzdem bringt ein Perspektivenwechsel oft wertvolle Einblicke und Erfahrungen. Wie wäre es zum Beispiel mit einigen Monaten an einer Top-Universität der Ivy-League? Florian Seitz erinnert sich an seinen Forschungsaufenthalt an der Harvard University, amerikanischen Sportsgeist und Wiedersehen mit deutschen Studienkollegen.

VERITAS: Das Motto der amerikanischen Eliteuniversität Harvard in Cambridge nahe Boston leitet Nachwuchsforscher schon seit Jahrhunderten zu Wissensmehrung und Wahrheitsfindung an. Wer als Doktorand die Möglichkeit erhält, für einige Zeit Teil dieser Gemeinschaft zu sein, wird nur selten zögern – und einen Aufenthalt im Nachhinein noch seltener bereuen.

Wie ich dorthin gekommen bin: Fachliche Schnittpunkte und gute Kontakte

Während sich Auslandsaufenthalte bereits während des Studiums, spätestens aber im Rahmen des LL.M.s oder in Stationen des Referendariats immer größerer Beliebtheit erfreuen, ist die Promotionszeit häufig noch dem Wälzen von Büchern bzw. Durchforsten von Datenbanken in der heimischen Universitätsbibliothek vorbehalten. Insbesondere bei rechtsvergleichenden Forschungsfragen bietet es sich aber an, den angestammten Schreibtisch zu verlassen und Probleme aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.

Bei meiner Dissertation, die sich mit der Anwendbarkeit von Schulordnungsrecht auf Internetäußerungen beschäftigt, drängte sich eine rechtsvergleichende Betrachtung geradezu auf: Denn während das Thema in Deutschland bislang sehr stiefmütterlich behandelt wurde, gibt es in den USA bereits Dutzende Gerichtsurteile und über einhundert Aufsätze hierzu. Schnell war auf amerikanischer Seite mit dem Berkman-Center for Internet & Society ein Institut gefunden, das sich schwerpunktmäßig mit dem Online-Kommunikationsverhalten von Kindern und Jugendlichen beschäftigt. Dank der Verbundenheit meines Heimatinstituts und des Berkman-Centers im Rahmen eines globalen Netzwerks von Internetforschungszentren und wegen der exzellenten Kontakte meines Doktorvaters zu den US-amerikanischen Partnern war der Grundstein für meinen Forschungsaufenthalt schnell und unbürokratisch gelegt.

Institutsalltag I: Flexibles Denken, flexible Arbeitsplätze und rollende Schreibtische

Klare Abgrenzungen, wie man sie in Deutschland liebt, sind im amerikanischen Forschungsleben weit weniger verbreitet: Interdisziplinarität wird gelebt, und ob jemand einen juristischen Hintergrund oder vielleicht Computerwissenschaften studiert hat, erscheint bei der täglichen Projektarbeit eher als Randnotiz. Diese Out-of-the-Box Arbeitsweise zahlt sich gerade bei so breiten Forschungsfeldern wie dem Zusammenspiel von Internet und Gesellschaft aus. Hinsichtlich meines eigenen Forschungsprojekts hat der Einblick in Nachbardisziplinen meinen Horizont jedenfalls deutlich erweitert.

Die Flexibilität zeigt sich auch in der räumlichen Struktur: Feste Schreibtische oder gar Büros gibt es nur für wenige altgediente Mitarbeiter. Praktikanten, Gastwissenschaftler und Fellows suchen sich individuelle Schaffensplätze – das kann durchaus auch einmal der Küchentisch oder eines der Lounge-Sofas sein. Dank dieser Flexibilität lassen sich überall schnell und unkompliziert neue Kontakte knüpfen. Und für den kleinen Perspektivenwechsel zwischendurch lassen sich die Schreibtische – da auf Rollen montiert – auch einfach durch den Raum schieben.

Institutsalltag II: Das Bibliothekssystem der Harvard University – unendliche Weiten für unendliches Wissen

Neben den zahlreichen Kontakten zu anderen Wissenschaftlern trug die hervorragende Wissens-Infrastruktur der Harvard University sicherlich am meisten zum Gewinn meines Forschungsaufenthalts bei. In den dutzenden Bibliotheken der Universität findet sich alle nur erdenkliche nationale wie internationale Literatur. Freilich kann man einen Großteil der Informationen auch online über die Datenbankzugänge der Universität abrufen. Hat man aber einmal in den altehrwürdigen und zugleich luxuriös ausgestatteten Bibliothekshallen gearbeitet, so möchte man diese Atmosphäre kaum mehr freiwillig aufgeben.

Zitiervorschlag

Florian Seitz, LL.M. (UCT), Mit Jura an die Harvard University: Forschungsaufenthalt an der ältesten Universität der USA . In: Legal Tribune Online, 26.11.2013 , https://www.lto.de/persistent/a_id/10160/ (abgerufen am: 22.04.2019 )

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Kommentare
  • 27.11.2013 17:41, Lea

    alles wuderschön, bloß wenn man das ohne Stipendium nicht finanzieren kann ... tja

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