Gutachten zum Jurastudium: Zu schwer, zu elitär?

01.02.2018

Warum fehlt es der Justiz an Nachwuchs? Ein Gutachten zeigt: Viele angehende Juristen starten mit falschen Vorstellungen ins Studium, am Ende steht häufig der Abbruch. Und Hilfe von Seiten der Professoren ist selten.

Junge Menschen haben oft falsche Vorstellungen vom Jurastudium und fühlen sich an der Universität nicht gut aufgehoben. Kinder aus Nichtakademiker-Familien haben es zudem besonders schwer, das Studium erfolgreich abzuschließen. So kommt nicht einmal jeder dritte erfolgreiche Jura-Absolvent aus einem Elternhaus ohne akademische Bildung. Das alles geht aus einer Analyse des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) hervor.

Die rund 100 Seiten starke Expertise wurde auf Initiative des nordrhein-westfälischen Justizministeriums von 15 Bundesländern in Auftrag gegeben. Der Untersuchungsauftrag: Wie ist es von der einstigen "Juristen-Schwemme" zum Nachwuchsmangel gekommen und wie kann die Zahl der Studienabbrecher gesenkt werden?

Herausgekommen ist eine umfangreiche Mängelliste mit zahlreichen Reformvorschlägen zum Jurastudium. Besonders auffällig sind aus Sicht der Forscher fehlende Motivation und Identifikation vieler Jurastudenten mit dem Fach, schwierige Studienbedingungen sowie "eine beträchtliche Distanz" und "sehr geringe Kommunikation zwischen Lehrenden und Studierenden". Kontakt zu den Professoren sei die Ausnahme. "Im Jurastudium hat sich bislang keine Tradition eines lebendigen Diskurses zwischen Lehrenden und Studierenden entwickelt", heißt es in dem Gutachten.

Falsche Vorstellungen sorgen für Studienabbrüche

In keinem anderen Fach wird das Studium so spät abgebrochen: im Durchschnitt nach etwa fünf Semestern, im Jurastudium dagegen erst nach fast sieben. Mehr als ein Viertel der Jura-Abbrecher zieht die Reißleine sogar erst nach dem zehnten Semester. Insgesamt liege die Abbrecherquote bei Jura mit 24 Prozent zwar unter dem Fächer-Durchschnitt (32 Prozent), sei aber weitaus höher als in anderen Studiengängen mit Staatsexamen.

Ein erheblicher Teil der Jurastudierenden habe gleich zu Beginn Probleme, stellen die Forscher fest. "Zum einen haben sie von Anfang an Schwierigkeiten, den Leistungsanforderungen gerecht zu werden, zum anderen sind sie orientierungslos und enttäuscht von den Inhalten." Die bisherigen Unterstützungsangebote seien unzureichend. Vielen fehle zudem der Praxisbezug. Vor allem Nichtakademiker-Kinder haben demnach Schwierigkeiten, mit der Situation klarzukommen. "Dieser Nachteil erfährt im Studium häufig keinen Ausgleich", konstatieren die Gutachter.

Auch an einem anderen Punkt zeigt sich eine Bildungsschere: 92 Prozent der erfolgreichen Jura-Absolventen haben ihre Hochschulzugangsberechtigung am Gymnasium erworben. Die anderen hätten größere Schwierigkeiten, die Studienanforderungen zu bewältigen, hält der Bericht fest.

Vielen Studierenden fehle zudem eine echte Motivation. "Sie streben nach beruflichem Aufstieg, ohne dass sie über ein tiefer gehendes fachliches Fachinteresse verfügen."

Referendareinstellungen um 40 Prozent zurückgegangen

Als Gegenmaßnahmen empfehlen die Forscher Informationsangebote für Schüler, die aus den Medien falsche Vorstellungen über das Jurastudium bekämen. Sinnvoll seien zudem verpflichtende Selbsteinschätzungstests und Motivationsschreiben im Auswahlverfahren. Darüber hinaus sollten die Hochschulen Angebote für Anfänger mit ungünstigen fachlichen Voraussetzungen oder Leistungsproblemen machen. Auch bei den Professoren sehen die Wissenschaftler Nachholbedarf. Sie sollten sich regelmäßig als Mentoren in Lerngruppen einbringen. Zudem könnten Anreize für eine "stärker studierendenbezogene Lehre" gesetzt werden.

NRW-Justizminister Peter Biesenbach (CDU) sieht dringenden Handlungsbedarf. Seit dem Jahr 2000 sei die Zahl der Referendarseinstellungen bundesweit um etwa 40 Prozent zurückgegangen. Auch viele der rund 3000 Studierenden, die jährlich in NRW ein Jurastudium aufnähmen, gingen auf dem Weg verloren.

"Ich komme selbst aus einer Arbeiterfamilie. Daher weiß ich, wie schwer dieser Weg ist", betonte Biesenbach. In NRW wolle er jeder Schule anbieten, eine Arbeitsgemeinschaft zur Rechtskunde einzurichten, um die Schüler in zehn bis zwölf Doppelstunden besser zu informieren. Außerdem biete er Schülern und Studierenden Praktika in der Justiz an.

dpa/mam/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

Gutachten zum Jurastudium: Zu schwer, zu elitär? . In: Legal Tribune Online, 01.02.2018 , https://www.lto.de/persistent/a_id/26825/ (abgerufen am: 27.05.2018 )

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Kommentare
  • 01.02.2018 11:27, Zivilrechtler

    Als ich mein Studium Ende der 2000er Jahre begonnen habe, hieß es noch überall, dass wir als junge Juristen später einmal keine Chance auf dem Arbeitsmarkt hätten, da es viel zu viele Absolventen gäbe und der Markt übersättigt sei. Heute ist es ein Bewerbermarkt, Großkanzleien und Unternehmen reißen sich um talentierte Juristen, weil die Absolventenquote eingebrochen, die Prädikatsquote aber gleich geblieben ist.

    Genau hier liegt auch das Problem: Wir haben nicht zu wenige Juristen, wir haben zu wenige gute Juristen. Zumindest, wenn man die Examensnoten als einziges Bewertungskriterium heranzieht.
    Und um diese wenigen konkurrieren Justiz, Unternehmen und Großkanzleien.
    Wenn nun aber Richter auch Wochenarbeitszeiten von 60 Stunden leisten müssen, Großkanzleien aber beinahe das doppelte Einstiegsgehalten zahlen, muss sich niemand wundern, dass der Justiz der Nachwuchs ausgeht.

    Auch der Staat wird sich ergo mit dem Gesetz von Angebot und Nachfrage auseinandersetzen müssen - also entweder das Gehalt erhöhen, die Arbeitszeiten senken oder eben auch Bewerber akzeptieren, die nicht >17 Punkte aus beiden Examina vorzuweisen haben.

    Zu der Problematik von Arbeiterkindern an der Uni kann ich natürlich nur auf persönliche Anekdoten zurückgreifen, diese zeichnen jedoch ein anderes Bild:

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    • 01.02.2018 12:19, Jemand_NRW

      Das kann ich nur bestätigen.

      Ich habe 2001 mit dem Studium begonnen und erinnere mich nur zu gut an die Schreckensszenarien, wir würden später alle arbeitslos oder unterbezahlt werden, angesichts der Juristenschwemme.

    • 01.02.2018 14:46, Düstere Aussichten

      Dem ist nichts hinzuzufügen. Es trifft exakt den Kern des Problems, dass die Justiz spätestens in etwa 15 Jahren bei der ersten größeren Pensionierungswelle an die Grenzen stoßen wird. Jeder weiß es, aber es psssiert dennoch nichts... schlimm genug, dass trotz bewilligter Einstellungen den Ländern nicht einmal genügend Bewerber zur Verfügung stehen...

    • 03.02.2018 10:29, noThanks

      ist doch ein Witz, Refgehälter unter Hartz 4-Niveau. Wenn man Glück hat bekommt man zum Abend hin noch etwas warmes bei der Bahnhofsmission und einen Sozialausweis für die Tafel. Kleidung dann von der Kleiderkammer oder wie?

      Wollen die uns hier eigentlich völlig veräppeln?

    • 03.02.2018 12:10, bergischer löwe

      Sie können zu vorgegebenen Zeiten an der Armenspeißung teilnehmen und auf den Wühltischen in den letzten Zügen der saisonalen Reduktion mit Glück etwas außerordentlich Günstiges hervorziehen. Dieses kann Sie - seltene Kleidungswechsel vorausgesetzt - bis zu eine Saison ausstatten. Ich bin auf diese Weise bislang immer gut gefahren.

    • 09.02.2018 17:05, wühlmaus

      Danke für den Tipp, gehe mittlerweile durch App-Vergleich schon sehr strukturiert vor. Hat fast etwas Drakonisches.

  • 01.02.2018 11:32, M.D.

    Das Problem ist seit unvordenklicher Zeit bekannt und wurde nie gelöst. Bereits in der Biedermeier-Zeit hat das preussische Justizministerium Abiturienten vor dem Jurastudium gewarnt (alles nachzulesen bei Kolbeck "Juristenschwemmen". Allein dieser Umstand deutet darauf hin, dass es keine Lösung gibt.

    Die größten Nachteile des Jurastudiums liegen in der relativen Benotung, die verhindert, dass selbst extrem leistungsstarke Jahrgänge überdurchschnittlich gut abschneiden.

    Berufliche Auswahlmöglichkeiten sind an den oberen Notenbereich gekoppelt, den 85% der Absolventen dank des Bewertungssystems nicht erreichen. Wer es nicht schafft und nicht den Mut zur Selbstständigkeit aufbringt, muss jeden Drecksjob annehmen.

    Selbständigen wirtschaftlich erfolglosen Anwälten entzieht man ihre Zulassung. Das ist in der gesamten deutschen Berufslandschaft einmalig.

    Selbst der angebliche Traumjob in der Justiz ähnelt in weiten Teilen dem eines Sachbearbeiters auf dem Finanzamt, was an trostloser Eintönigkeit wohl kaum zu überbieten ist. Akten, Akten, Akten und jeden morgen bringt so eine traurige Gestalt mit einem Wägelchen neue Akten. Das geht so vom ersten Tag bis zur Pensionierung. Nichts als AKTEN! Gut, bald sieht man die Akten nicht mehr, weil sie elektronisch werden....

    http://www.mainpost.de/regional/main-tauber/Elektronik-und-Elektrotechnik-Notebooks;art21526,9254786

    Last but not least, was bereits mittelfristig große Bedeutung haben wird, ist man als deutscher Jurist weitgehend an eine Berufstätigkeit in Deutschland gebunden, während man mit den typischen MINT-Fächern in jedem Land der Welt genommen wird.

    Jura ist von oben bis unten ein kompletter Flop und kein vernünftiger Mensch kann jungen Menschen dieses Studium empfehlen. Selbst als Jurist muss man als verantwortungsvoller Elternteil seinen eigenen Kindern in Anbetracht der geringen Prädikatsquoten objektiv von diesem Studium abraten. Die Chance ist zu gering.

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    • 01.02.2018 11:44, RAD1

      "Last but not least, was bereits mittelfristig große Bedeutung haben wird, ist man als deutscher Jurist weitgehend an eine Berufstätigkeit in Deutschland gebunden, während man mit den typischen MINT-Fächern in jedem Land der Welt genommen wird."

      Gerade das wird in Zukunft auch noch eine weitere Herausforderung werden. Denn die Juristen aus anderen Ländern (AT, CH) internationalisieren sich und die Studiengänge in letzter Zeit derart, dass man als AT/CH-Jurist auch sehr gut international arbeiten kann. Klar, das bedingt auch, dass man gewisse ausländische (Common Law)-Elemente nicht ausschließt. Es ist doch ein Zeichen, dass dt. Jurastudenten immer weniger international studieren (ERASMUS etc.), während das Ausland hier immer weiter voranprescht.

      Man merkt das als Anwalt in größeren Mandaten vor allem, dass Großkanzleien teilweise neben dt. Juristen auch ausländische einbinden oder Mandanten gleich AT/CH-Kanzleien engagieren, die dann für den lokalen Bezug zu dt, Recht einen Anwalt haben, der auch in D zugelassen ist, oder dann selektiv einen dt. Anwalt nehmen.

      Ich bin ja mal gespannt, wie es in 10-15 Jahren aussieht.

    • 01.02.2018 12:27, Jemand_NRW

      Dem Kommentar von M.D. muss ich deutlich widersprechen:

      "Benotungssystem ist schuld"
      - Wie stellen Sie sich das vor, soll man die Prädikatsexamen einfach großzügiger verteilen, auf 40% der Absolventen?
      Werden dadurch mehr Leute in "attraktiven Jobs" eingestellt??

      Richtig ist das Gegenteil: es gibt eine Summe X an attraktiven Jobs (egal, was Sie darunter fassen wollen, GK, öD, Unternehmen, etc...). Diese Stellen werden besetzt - mit den besten Bewerbern, die dafür zu kriegen sind.

      Verteilen Sie großzügigere Abschlussnoten, werden dadurch nicht mehr "attraktive Stellen" besetzt.


      Wenn die Juristerei für jemanden das richtige ist, dann ist ihm das Jurastudium auf jeden Fall und ohne Vorbehalt zu empfehlen!
      Wenn das Fach einem liegt, wenn man sich dafür begeistern kann, dann bekommt man automatisch eine solide Note; das muss kein VB sein, auch ein gutes befriedigend reicht für einen zufriedenstellenden Job mehr als aus (und selbst mit zwei mal 4,0 Punkten kann man durchaus noch glücklich werden!).

    • 01.02.2018 13:34, M.D.

      Dass man bei diesen Aussagen auch vereinzelt auf Widerspruch stößt, ist nicht ungewöhnlich. Egal was man schreibt, irgendwer sieht immer alles anders.

      Fakt ist: Die deutsche Examensprüfung - vor allem im 2. Examen - hat einen Juristen vor Augen, den es in der Praxis nicht mehr gibt. Niemand löst innerhalb von 4 Stunden einen Fall handschriftlich unter Zuhilfenahme des Palandts.

      Dasselbe gilt für den Aktenvortrag, der überholt ist, seit unbesoldete preußische Gerichtsassessoren ihrem Kammervorsitzenden keinen Entscheidungsvorschlag mehr unterbreiten.

      Dazu kommt noch die mündliche Prüfung, die von Willkür nur so strotzt und bei der jedes auch noch so dämliche Vorurteil real bestätigt wird, bis hin zur Besserstellung weiblicher Kandidatinnen.

      Diese gesamte Prüfung ist ein Witz und zwar ein schlechter.

      Das soll jedoch nicht heißen, dass starke Kandidaten sich auch in einer absurden Witzprüfung erfolgreich durchsetzen können und schwache Kandidaten dabei nicht auf der Strecke bleiben können. In der Tat sind Juristen mit guten Examensnoten regelmäßig auch gute Juristen. Dies gilt jedoch aufgrund der gewaltigen Downside-Varianz nur eingeschränkt im Umkehrschluss.

      Was die rosigen Berufsaussichten auch mit schlechten Noten anbetrifft, so halte ich Ihre Aussagen für unredlich. Ob Ihnen beim Schreiben die Schamesröte im Gesicht steht, weiß ich nicht, aber es sollte jedenfalls so sein.

      Bei Jura gibt es mit schlechten Noten nicht nur einen Minderwertigkeitskomplex und im schlimmsten Fall PTBS gratis, die Katastrophe zeigt sich auch sehr deutlich bei der Höhe des Gehalts, bzw. bei der Chance ob es überhaupt zu Gehaltsverhandlungen kommen wird.

      Der m.E. "lustigste" Fall zum Thema Berufschancen, dürfte bekannt sein: http://stattaller.blogspot.de/2007/11/bittere-realitt.html

    • 01.02.2018 18:32, Kronie

      Ich hätte es nicht besser formulieren können.

    • 02.02.2018 00:38, Prädikatsnotar

      Weder das Eine noch das Andere ist richtig. Ein Verweis auf einen Artikel von 2007 hilft heute zu keinem Erkenntnisgewinn.

      Ein Prädikat garantiert heute einen guten Job. Ein Befriedigend im Normalfall ebenfalls. Ein Ausreichend ist schwierig, aber selbst das ist ausserhalb einer klassischen GroKa oder Richterkarriere immer noch mit Chancen versehen. Wo ist denn die Alternative? Beim Philosophiestudium? Da können Sie ne Doppel 1 hinlegen und haben immer noch nicht genug Brot im Schrank!

    • 02.02.2018 13:42, Alpaka

      Unfug. Ich hab 5,4 Punkte im zweiten Examen und n normales Einstiegsgehalt bekommen. Kann ich damit aus der Portokasse eine Insel im Pazifik kaufen? Natürlich nicht. Ist das der einzig erstrebenswerte Gehaltszustand? Ebenfalls nein.

      Ich bin weit, weit weg von den 15% Bestnoten-Absolventen, sondern bei den 40% bestanden-aber-halt-nicht besonders-gut. Reicht für ein einträgliches Auskommen, ich verdiene im Einstiegsgehalt mehr als der Einkommensdurchschnitt in Deutschland.

      Meines Erachtens nach leidet das Jurastudium mehr unter dem Gerücht der fehlenden Perspektive (2-3% Arbeitslosigkeit bei Juristen ist Fakt...) und noch massiver unter den schlechten Bedingungen im Studium. Massenabfertigung, schlecht konzipierte Vorlesungen, Korrekturassistenten, die keine Hilfestellung geben, sondern sich in der Sprechstunde mit dem Spruch erblöden, dass der Student halt abbrechen sollte, das Jurastudium sei nicht für jeden. Da ist man in BWL mit erheblich weniger Aufwand im Bereich guter Noten, was das Selbstwertgefühl nicht in den Keller treibt, was oft eher der Auslöser für einen Abbruch ist. Die Leute werden in Jura einfach so fertig gemacht, bis sie aufgeben, statt dass man schaut, wo man notwendiges Wissen besser vermitteln kann. Der Prof macht ne lieblose Vorlesung, wer sich den Repetitor nicht leisten kann oder will, wird vom Unipersonal schnell als hoffnungsloser Fall mit Nichtachtung und Abbruchsratschlägen versehen. So kriegt man natürlich keine fertigen Absolventen...

    • 02.02.2018 17:55, nope

      wenn sie eine Frau sind, studieren Sie Wirtschaftsinformatik. Ich weiß, das Klischee besagt Gegenteiliges "Nerd, Stubenhocker, passt überhaupt nicht zu dir, fällst total auf" blabla. Die Studenten dieses Faches sind auch komplett Gegenteilig. Nichtsdestotrotz, sehen Sie es absolut rational: ein bloßer Bachelor bringt Sie weiter als die Promotion in Jura und sie bekommen für viele Länder ein Visum. Was noch hinzu kommt: Sie können an jeder Uni (u. damit auch in günstigeren Städten bspw. Bamberg/Essen/Berlin) studieren u. müssen nicht unbedingt an eine Eliteuni (Prestige und so). Man muss es rein rational sehen: es ist ein schneller Bachelor, der einen zeitlebens ernährt u. später auch eine Selbständigkeit mit Kindern etc. pp. ermöglicht. Durch die BWL ist es auch gar nicht so stark mathe-techniklastig. Wenn Sie Mathe GK hatten, können Sie es gut schaffen, mit Mathe LK oder BOS Technik sollte es sowieso kein Problem sein. Zeitlich ist das Studium wie ein reguläres Jurastudium anzusiedeln nur eben ohne Examen. Was noch gefragt wäre ist die Elektrotechnik-Branche. Damit könnten Sie auch in die Richtung Patentanwalt gehen. Das wäre aber sehr techniklastig, ich persönlich würde mich nicht herantrauen.

      Lassen Sie sich nicht beirren. Ich hatte lange nichts mehr mit der Juristerei am Hut, bin durch einen Artikel hier gelandet und bin fast schon wieder erschüttert, mich welchem Selbstverständnis sich über irgendwelche Punkte, die ja oft völlig willkürlich verteilt werden, definiert wird. Auch diese Arroganz und Unsachlichkeit anderen Vorschägen ggü. - typisch. Kein Wunder, dass anstelle des Refs immer mehr Leute einen Master anhängen und abwandern. Schweiz bietet übrigens staatliche Fernmaster. Das wäre bei mir Option B) gewesen.

      Grüße

    • 02.02.2018 19:25, gezechprellteSina

      Sie haben absolut Recht. In Zeiten, in denen Männer überall, nur nicht bei der eigenen Frau zu Gange sind, muss man sich in alle Himmelsrichtungen absichern.

      Danke Ihnen für die Information. Ich bin künftig auch im technischen Segment anzutreffen.

  • 01.02.2018 11:50, bergischer löwe

    Wieso sollte es bei den Juristen anders aussehen, als allgemein bei den Fachkräften: Gesundheits- und Pflegeberufe, Berufe des Eisenbahnverkehrs, Berufe aus dem Bereich der Information und Kommunikation. Unser Bildungswesen, auch das akademische, kommt nicht nach.

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  • 01.02.2018 11:57, Alex

    Ich kann mich als Kind aus einem nichtakademischen Haushalt den Vorkommentatoren nur anschließen.
    Interessant an der Debatte über die Reform des Jurastudiums ist meines Erachtens nach, dass ausnahmslos alle Juristen, egal ob Studenten, Professoren, Rechtsanwälte oder Juristen im öffentlichen Dienst dieses Studium für verbesserungsbedürftig halten.
    Aber es tut sich nichts. Warum? Sind Juristen wirklich so träge-konservativ oder zerstritten, dass sie ihre eigenen Ausbildungsbedingungen nicht ändern wollen?

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    • 01.02.2018 12:09, SebHob

      Was wohl richtig ist, ist dass sich die meisten dt. Juristen untereinander spinnefeind sind. Das dürfte auch der Grund sein, warum sich in Deutschland daran nichts ändert.

      Man muss einfach mal mit ausländischen Juristen zusammenarbeiten und sehen, dass dort tatsächlich sowas wie ein freundschaftliches Miteinander unter Akademikerkollegen (kanzleiübergreifend) möglich ist.

    • 01.02.2018 12:10, noThanks

      eingeschworene Kaste. Mach halt was anderes. Ich hab danach nochmal Wirtschaftsinformatik studiert, wesentlich angenehmer da auf Bachelor, bekommst auch einen guten Job. Ist ein freies Land, dieses überbewertete Studium lohnt sich doch gar nicht. Die paar Wenigen mit Prädikat bekommen in ihren Großkanzleien oft Burnout. Wäre mir zu blöd, bin auch eher bequemer Natur u. geh lieber Shoppen, ins Fitness, mach Party anstatt mich da ewig totzulernen.
      Pfiati

  • 01.02.2018 12:05, noThanks

    zu langwierig, zu schlechte, Jobchancen, überlaufen, fehlende Möglichkeit eines Teilzeitstudiums, Staatsexamen in Zeiten der Globalisierung, dann auch noch 2 der Sorte, Ref unter ALG II Niveau, Burnoutgefahr in Großkanzleien. Gibt viele Gründe, weshalb andere Dinge 2018 besser sind. Frage mich eh, wer das heutzutage noch studiert. System ist auch völlig veraltet u. hält der Digitalisierung nicht stand.

    #legalTech

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    • 01.02.2018 12:22, Referendar

      Mit 1043 Euro netto im Monat bin ich weit von ALG II Niveau entfernt. Außerdem kann man noch 8 Stunden in der Woche nebenbei arbeiten. Wer das dann nicht auf die Kette bekommt, rennt am Leben vorbei.

    • 01.02.2018 12:47, Simon Hansen

      Nebenbei: Das Staatsexamen kann man mit den in allen europäischen Ländern (Mit Ausnahme der Schweiz und UK) bestehenden staatlichen Prüfungen für die Zulassung zum Anwalts/Richterberuf vergleichen. Es ist ja jedem unbenommen kein Staatsexamen zu absolvieren.

      Auch ist es dir halt unbenommen ein Studium als "Wirtschaftsjurist" zu absolvieren; Jedoch: Jura besteht halt nicht nur aus Wirtschaft - Da gibt es noch viel mehr (wie zB Öffentliches Recht und Strafrecht). Für das was vielfach als "Wirtschaftsjurist" als Studium angeboten wird, kann ich auch einen Rechtsanwaltsfachangestellten nehmen - Antworten auswendig lernen und Schema F bekommt der auch hin.

    • 01.02.2018 15:02, RA Nicolas

      So unterschiedlich können Sichtweisen sein. Jura war für mich ein sehr abwechslungsreiches, nicht allzu schweres Studium, bei dem man mit Interesse an der Materie und einer Portion Fleiß zu guten Noten kommen konnte. Mit den guten Noten konnte ich dann auch als Arbeiterkind ohne großes Netzwerk zwischen vielen Jobs aussuchen, die alle so gut bezahlt wurden, dass andere Akademiker selbst am Ende ihrer beruflichen Laufbahn nicht auf ein solches Gehalt kommen. In meinem ersten Job habe ich zwar viel gearbeitet, aber dass tun andere mit deutlich niedrigeren Gehältern auch. Zudem habe ich unheimlich viel gelernt und Spaß an der Arbeit gehabt. Diese Erfahrung hat es mir dann ermöglicht, nach vier Jahren auf eine andere Stelle zu wechseln, die ebenfalls sechsstellig bezahlt wurde und abwechslungsreich war, aber mit deutlich weniger Stress verbunden war. Ich sehe - vielleicht mit Ausnahme von Medizin - keine andere Ausbildung, die einem gerade als Arbeiterkind so gute Chancen bietet wie Jura und würde jederzeit zu dieser Ausbilidung raten.

    • 01.02.2018 19:34, Wiinf

      Ich bin im Sommer mit dem Ref durch und will dann auch Wirtschaftsinformatik studieren.

      Die Begeisterung für Jura wird durch die zwei Examen systematisch abgetötet. Der Jurist der Zukunft ist spezialisiert und kein Generalist, der mit Stift und Papier arbeitet. Daher ist die Ausbildung nicht nur überholt, sondern demotiviert auch noch.

      Auch die Ausbildungsdauer ist der Wahnsinn. Während andere nach 3 Jahren Bachelor in den Beruf starten, heißt es bei Juristen nach 5 Jahren Studium und 2 Jahren Ref: Dr. jur oder LLM?

      @ noThanks

      Wann hast du angebrochen? Hast du den Absprung schon im Studium geschafft oder dich vorher noch fürs Examen gequält?

    • 01.02.2018 21:22, noThanks

      ne, ich hab fertig studiert, dann noch einen Bachelor in einer anderen Ecke nachstudiert. Bachelor ist wesentlich angenehmer. Wenn du kannst - gleich Bachelor WIinf oder Kombi BWL Bachelor, Master WIinf. Hast mit der Zusatzkombi (IT Recht) gute Chancen auf dem Markt, mittelmäßiges Examen kannst du dir mittlerweile leider über die Toilettenschüssel hängen.

    • 01.02.2018 21:51, noThanks

      kann euch auch den IT-Vertrieb empfehlen, Datenschutzsoftware etc. Kann man gut abkassieren. Als Frau kommt ihr über die Frauenquote faktisch überall rein. Top. Vergesst die klassische Juristerei wenn ihr durchschnittlich oder eher bequem seid.

    • 02.02.2018 19:45, gezechprellteSina

      Sie haben absolut Recht. Uns Frauen bleibt nichts anderes mehr übrig. Werde nun auf Ihr Anraten hin auch den Absprung wagen und mich in der Technik ansiedeln. Die Informatik scheint mir aktuell auch die solideste aller Sachen zu sein - und genau dieser bedarf es mittlerweile. Leider. Danke nochmal, Sie sind ein wahrer Goldstern.

  • 01.02.2018 12:23, Simon Hansen

    "Vielen fehle zudem der Praxisbezug" - Welchen Praxisbezug will man denn haben? Jura ist nun einmal ein Fach, bei dem man sich mit der abstrakten Materie auseinandersetzen muss. Meinungsstreitigkeiten und deren grundlegenden Argumentationen sind in der Praxis - wenn man jedenfalls etwas mehr sein möchte als ein kleiner bis mittel schlechter Sachbearbeiter - ebenfalls unerlässlich zum Verständnis und fürs argumentieren.
    Weniger abstrakt wird Jura jedenfalls auch in der Praxis nicht. So wie in amerikanischen Gerichtsshows geht es selbst im anglo-amerikanischen Rechtssystem nicht her.Lediglich die Fälle werden unklarer (Beweisschwierigkeiten u.a.).
    Was eine andere Frage ist, ist die der Klausur-aufgaben und der Benotung. In dieses wird nämlich kaum wirkliches Können abgefragt, sondern stupides Auswendiglernen möglichst vieler individueller Streitigkeiten und Entscheidungen belohnt. Ein systematisches Verständnis der Materie wird nicht verlangt.
    Die Benotung, die den überwiegenden Teil der Juristen unter den 9 von 18 Punkten hält und die Inflexibilität hinsichtlich Berufsmöglichkeiten und Aufstiegschancen tuen dann ihr übriges.

    Für die Zukunft wünschte ich mir - falls meine (zukünftigen) Kinder Jura studieren würden - dass verpflichtend vertiefte Grundkenntnisse im common law vermittelt würden. Zumindest Juristen in Rechtsabteilungen und Wirtschaftskanzleien müssen sich immer mehr auch in dem entsprechenden Rechtsräumen bewegen, obwohl einem aus der Uni vieles an grundlegendem Verständnis - wie Arbeits- und Denkweise, Rechtsquellenrecherche, Argumentationstechniken des common law, etc... - feheln

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    • 02.02.2018 19:28, Chris

      Dass in der Klausur bloßes auswendig gelerntes zu Papier gebracht werden muss ist der Irrglaube, dem viele unterliegen. Darum geht es mE nur sehr bedingt. Klar gibt es Fälle und Streitigkeiten, die man einfach können muss. Aber wer die Materie an sich durchdrungen hat erkennt Probleme, verfällt nicht in Panik sondern ist dann auch in der Lage, sich Lösungswege selber und auch in einer Stresssituation zu überlegen, überzeugend darzustellen und dadurch zu punkten.

      Dann erübrigt es sich auch, die Ausnahme der Ausnahme auswendig zu lernen. Dass die abgefragt wird ist eh unwahrscheinlich.

  • 01.02.2018 12:28, Casiopaia

    Das Problem an diesem Stuidum ist, dass immer mehr Stoff hinzukommt und die Examensklausuren dadurch immer schwieriger werden und somit die Erreichung eines Prädikatsexamens fast unmöglich ist. Ich kann dem Beitrag nur zustimmen, dass man am Anfang überhaupt nicht weiß, was da von einem gefordert wird und was „Examen schreiben“ eigentlich bedeutet und wie man sich darauf am Besten vorbereitet. Man investiert so viele Jahre und so viel Geld und hat aber keine Garantie, dass es am Ende klappt. Müsste es nicht eigentlich so sein, dass die Professoren darauf hinarbeiten jeden ihrer Studenten durchzubekommen anstatt ihnen immer zu sagen, wie schlecht sie denn wären. Wie kann es sein, dass 6 Klausuren nach 5 oder 6 Jahren Studium über die ganze Zukunft entscheiden? Hinzu kommt noch eine absolut subjektive Bewertung der Korrektoren, je nachdem wie die Gemütsverfassung derjenigen gerade ist. Dann muss man noch Glück haben, dass in den Klausuren genau die Themen drankommen, die einem liegen.
    Dieses Studium sollte komplett reformiert werden. Es sollte für die Korrektur der Examensklausuren ein festes Komitee geben, was in regelmäßigen Abständen gewählt wird. Das Bestehen des Examens hängt von so vielen Faktoren ab, auf die man selbst eigentlich gar keinen Einfluss nehmen kann. Ja es ist ein Fleißfach und ja man muss sehr viel Eigeninitiative und Diziplin mitbringen, aber ich kenne genug Studenten die super fleißig und angagiert waren, für die es aber am Ende nicht gereicht hat. Im Referendariat wird es dann auch nicht besser. Man bekommt im Schnitt in den Bundesländern 960€ im Monat und muss noch mehr lernen als für das erste Staatsexamen. Mehr als 400€ darf man sich nicht dazu verdienen, sonst wird einem das Gehalt gekürzt. Am Besten das Ref in einer kleinen Stadt machen, weil man sich die Miete in einer größeren kaum leisten kann. Hinzu kommen die überteuerten Kommentare und Skripte die man sich besorgen muss, damit man den Stoff versteht. Teilweise haben die AG-Leiter keine Lust einem den Stoff zu erklären und wurden einfach nur dazu verpflichtet die AG zu leiten. Sind die schriftlichen Ergebnisse nicht gut, hat man eigentlich keine Chance sich großartig zu verbessern, weil die Prüfer vornotenorientiert sind.
    Man lebt eigentlich die ganze Zeit mit der Angst, zu versagen und den Ansprüchen nicht gerecht zu werden. Aber wie soll man diesen Ansprüchen gerecht werden können, wenn sehr viel von Glück abhängt. Da liegt es doch eigentlich auf der Hand, wieso so wenige ein Prädikatsexamen im 1. schaffen und dann viel viel weniger Examinierte nach dem 1. noch den Referendariatsdienst antreten, wenn die Bedingungen so schwer sind und das Gehalt auch noch so schlecht ist.

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    • 01.02.2018 13:00, Referendarin

      Amen. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.
      Außer der Satz eines Professors bei Verleihung der Examensurkunden:
      "Wir dürfen nicht die Hindernisse senken, sondern müssen die Sprungkraft unserer Studenten stärken."
      Würde mich brennend interessieren, wie man sowas anstellen möchte in einem Studium, das ein hohes Maß an Selbstständigkeit fordert und an kaum vorhandener Betreuung leidet.

    • 01.02.2018 13:01, Carola

      Sorry, aber NEIN!
      Die sehr selektive Notengebung wird stets damit begründet, dass Juristen die höchsten Ämter im Staat bekleiden. Aus meiner Sicht absolut nachvollziehbar. Jura ist eben nicht ein reines Fleißfach! Ein grundlegendes Verständnis ist ebenso wie die Fähigkeit zur Abstraktion unerlässlich.
      Was natürlich nicht bedeutet, dass es nicht viele Missstände gibt. Klar. Aber ganz ehrlich, wer es draufhat, der schafft das schon. Ich habe ohne mich kaputt zu machen zwei solide Examen geschafft, habe einen tollen Job (ist ja relativ) und habe noch immer Spaß an der Juristerei. Ich hatte mal Glück mit den Klausuren und mal Pech. Sorry, thats life.

    • 01.02.2018 13:04, Referendar

      "Man lebt eigentlich die ganze Zeit mit der Angst, zu versagen und den Ansprüchen nicht gerecht zu werden."

      Das trifft es voll und ganz. Ich weiß ich nicht wie oft ich schon an meiner Arbeitsweise gearbeitet habe und versuche sie zu verbessern. Immer mehr immer besser. Kaum hat man ein Ziel erreicht, hakt es schon wieder woanders. Besonders im 2. Examen wird es nicht besser. Man schreibt 8 Klausuren unter enormen Druck. Dabei sind die 8 Klausuren eigentlich nur eine Chance das Examen überhaupt zu bestehen. Alle 8 Klausuren ordentlich zu bestehen ist wiederum schwer. So bleibt man letztlich immer "Durchschnitt".

    • 01.02.2018 14:41, M.D.

      Bei dem Originalposting liegt vermutlich ein Missverständnis vor. Ziel der Examensprüfung ist eine Notendifferenzierung. So ähnlich wie das dreigliedrige Schulsystem einstmals dazu diente, Kandidaten für den unteren- mittleren und höheren Dienst zu selektieren, ist es auch im Examen.

      Die juristische Examensprüfung dient ausschließlich dazu, die Spreu vom Weizen zu trennen. Es gibt dabei nur zwei Kategorien: Für den Staatsdienst geeignet oder nicht. Wer nicht geeignet ist, findet keine weitere Beachtung. Er kann sehen, wo er bleibt. Diese Leute sind aus Sicht der Justiz ein Jedermann, ein Nullum.

      Das Missverständnis ist jedoch bezeichnend. Viele Eltern wundern sich, warum ihre Kinder in der Schule nichts lernen und sich niemand darum kümmert, ob sie das Klassenziel erreichen. Sorry, aber darum geht es nicht. Es reicht vollkommen aus, wenn das Feld am Ende jedes Schuljahres in schwache, mittlere und gute Schüler differenziert ist. Auch der Schulstoff ist im Prinzip egal. Er muss lediglich schwierig genug sein, damit manche durchfallen, manche schlecht abschneiden, manche mittelmäßig und wenige gut. Im juristischen Examen ist es ähnlich, oder glauben Sie ernsthaft, jemals in ihrer Berufspraxis mit der fünften Mindermeinung zur forderungsentkleideten Hypothek zu tun zu bekommen? Das sind theoretische Glasperlenspielchen, die nur einen einzigen Zweck haben: Sie sollen das Teilnehmerfeld differenzieren.

      Es geht im Studium nicht darum, dass sie etwas lernen. Man will lediglich wissen, in welche Schublade man Sie einsortieren kann. Sie lernen in der Tat nicht für das Leben, sondern für die Prüfung. Die berufliche Praxis eines Juristen sieht ohnehin vollkommen anders aus. Als erstes können Sie ihre Lehrbücher und die Aufsätze von Professoren in den Mülleimer werfen. Es zählt nur noch die Rechtsprechung.

  • 01.02.2018 12:45, Ist es wirklich so schlimm?

    Ich bin kein Jurist, aber vermutlich tummeln sich hier viele. Hat es jemand mit mittelmäßigen Examen in den ersten Arbeitsmarkt geschafft oder krebst man dann wirklich am Ende der Nahrungskette rum?

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    • 01.02.2018 15:20, RA Nicolas

      Die Jobaussichten sind inzwischen auch für Absolventen mit mittelmäßigen Abschlüssen gut. Es ist zudem ein Gerücht, dass man mit mittelmäßigen oder schlechten Abschlüssen früher keine Jobs bekommen hätte. Aus meiner Referendars-AG hatten 90 Prozent 3 Monate nach dem Examen einen Job. Der Rest hat jedenfalls innerhalb eines Jahres Jobs z.b. bei der Telekom bekommen. Ein Referendarskollge hat das zweite Examen mit 6,5 abgeschlossen und ist heute Partner bei Hengeler. Man darf die in Stellenanzeigen formulierten Anforderungen nicht mit der Realität verwechseln. Stellenanzeigen dienen Werbung gegenüber Mandanten: Sehr her, wir stellen nur Top-Leute ein...

    • 01.02.2018 15:23, RA Nicolas

      Edit: seht; außerdem fehlt ein "der" vor Werbung

    • 01.02.2018 15:37, Bigbunnybeans

      Zweimal 7 Pkt., hat dank der richtigen Ausrichtung für den Staat gereicht und nach mehreren Jahren für eine Law Boutique.
      Alles eine Frage des Glücks, der Leistung danach und der Geduld.

      Es gibt Kollegen die mt 5 oder 6 Punkten in einer Versicherung glücklich gut bezahlt nach Hause gehen

  • 01.02.2018 12:50, Anton

    Als Jurastudent teile ich zwar einige Punkte der Studie aber längst nicht alle:

    Ist das Studium zu schwer? Wohl kaum, es ist sehr anspruchsvoll, da es vor allem sehr viel Stoff ist und man erst mit der Zeit ein gewisses Gespür für die Materie entwickelt.
    Trotzdem bin ich der festen Überzeugung, dass es wie jedes andere Studium auch, mit dem richtigen Lernaufwand gut zu meistern ist. Jedenfalls haben mich meine Klausuren bislang nicht das Gegenteil gelehrt.

    Das eigentliche Problem - und das geht den meisten Studenten mit denen man spricht genauso - sind Versagensängste, die Furcht davor nach 5 Jahren an einem Examen mit einer Durchfallquote von immerhin 30% zu scheitern und dann nur mit dem Abitur dazustehen.

    Die beste Lösung wäre es, vor dem eigentlichen Examen einen Bachelor of laws zu verleihen, so wie es in Potsdam oder Hamburg schon praktiziert wird, das würde den Studenten viel Druck von den Schultern nehmen.

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    • 01.02.2018 19:10, Noashaguar

      Die Aussagekraft von universitären Klausuren im Grund-/Hauptstudium ist quasi nicht existent. Sie geben ein Feedback dafür, ob das konkret vom Professor angeforderte Wissen sowie ein Grundgerüst an Rechtsverständnis vorhanden ist, mehr aber auch nicht.

      Stünde ich erneut vor der Wahl, was ich studiere und wüsste ich um den tatsächlichen Ablauf, würde ich davon tendenziell absehen. Das was man "reinsteckt" und der Ertrag stehen in keinem gesunden Verhältnis.

  • 01.02.2018 13:01, SL

    Das ist ja mal wieder typisch. Es wird gejammert, die armen Studenten.

    Dass aus einem Jahrgang mit 500 und mehr Studenten einige Leute abbrechen, ist doch klar. Dass man in der Masse untergeht auch.

    Wer ein falsches Bild vom Studium hat, ist manchmal auch selbst Schuld. Ein Praktikum vorher tut ja nicht weh. Dann muss man einen Monat früher von deinem Work ans Travel-Aufenthalt zurückkommen.

    Mit den Nichtakademikerkindern halte ich auch für eine verzerrte Wahrnehmung. Auch mit dem Hintergrund kann man ein gut bekommen.

    In meinem Augen müssten die Studenten in den vorlesungsbegleitenden AGs etwas härter angefasst werden. In der Großkanzlei herrscht auch Anwesenheitspflicht. Und wer mehrere Semester lang nur feiert und nicht lernt, ist am Misserfolg selbst Schuld.

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    • 01.02.2018 13:14, Referendarin

      "Mit den Nichtakademikerkindern halte ich auch für eine verzerrte Wahrnehmung. Auch mit dem Hintergrund kann man ein gut bekommen."

      Man "kann"....natürlich man "kann" auch Bundeskanzlerin werden. Es ist ja auch nicht faktisch ausgeschlossen. Aber es geht um die realistischen Chancen.

      Und Fakt ist, dass man als Nichtakademiker-Kind idR schon das Studium komplett selbst finanzieren muss. Und entweder man muss nebenher viel arbeiten, was sich auf die Lernzeit auswirkt. Oder aber man nimmt einen Kredit auf und ist später hoch verschuldet und ist dazu verdammt auch nur richtig gut zu verdienen. Zahlt man am Ende nämlich 300-400/Monat zurück und verdient vielleicht 2500,- Euro (netto), hat sich das Studium mE überhaupt nicht gelohnt.

      Hat man dazu noch einen Migrationshintergrund wird es noch schwieriger. Wenn den aus dieser o.g. sozialen Schicht stammt, hat man völlig andere Bedingungen unter denen man die Ausbildung bewältigen muss.

      Aber das kann man ehrlicherweise nur nachvollziehen, wenn man es durchlebt hat.

    • 01.02.2018 23:02, RA Nicolas

      Ich bin Gastarbeiterkind, habe also eine ausländischen nicht-akademischen Vater, und „trotzdem“ ein gut im zweiten Examen. Mit der richtigen Einstellung und Spaß an Jura kein Problem.

  • 01.02.2018 13:23, Jemand_NRW

    "falsche Vorstellungen vom Studium"

    Ich hatte schon während meines Studiums den Eindruck, dass viele, in dem Fall weibliche Studentinnen, ihr Jura-Bild aus "Ally McBeal" bezogen (heute wäre es wohl sowas wie "Suits"), sprich ein schönes Lifestyle-Bild:
    man als Anwalt trägt schicke, teure Klamotten und ist generell "hip".

    ...das entspricht natürlich nicht der juristischen Arbeitsrealität, auch nicht der im Studium. Insofern ist dann das scheitern vorprogrammiert.

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  • 01.02.2018 13:37, Studierende

    Hallo,

    ich studiere zur Zeit noch und kann sagen, dass usb auch gesagt wurde, dass wir später keinen Job bekommen.

    Einer unserer Professoren kam in der ersten Stunde rein und hat zu uns gesagt, dass die meisten am Ende eh nicht mehr da sein werden und wenn ja die meisten keinen guten Job bekommen werden. 25% würden das Examen nicht schaffen, 50% schaffen es zwar bekommen aber keinen guten Job und die anderen 25% können sich einen Job aussuchen. Der Professor hat uns dann auch direkt Stellenanzeigen gezeigt, auf die wir uns bewerben können, wenn wir zu den 50% gehören. Das ist schon ziemlich abschreckend, wenn man gerade anfängt und dann so etwas zu hören bekommt.

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    • 02.02.2018 03:46, nope

      eigentlich sollte man in diesem Moment sofort aufstehen, gehen und niemals wieder kommen, denn genau das bekommt man von Anfang bis Ende eingetrichtert. Warum wird man nicht aufgemuntert? Erheitert? Gelobt, dass man fleißig ist und etwas erreichen will? Verstehe ich bis heute nicht. Auch nicht, dass ich den Murks. unbeschadet zu einem Ende gebracht habe.
      Tipp: Studieren Sie etwas anderes: BWL; WIinf, WING, alles andere würde ich lassen, bringt nichts und kostet nur.
      Was auch ginge wäre die betriebliche Schiene mit nebenberuflicher Weiterqualifikation. Habe viele Kollegen, die zunächst eine kaufmännische Ausbildung absolviert haben, dann einen staatlich geprüften Betriebswirt mit gefragtem Schwerpunkt (IT, Controlling) angehängt haben, danach verkürzter Bachelor BWL (3 Semester) und dann noch einen Master nachgeschoben. Die waren seit Tag 1 in Lohn und Brot. Die Studiengänge lassen sich DEUTLICH stressfreier studieren. Glauben Sie mir, gerade auch die technische Schiene wird deutlich besser bezahlt. Auch mit 3,0 kommen Sie zu einem guten Gehalt unter.

      Deswegen Tipp: vermeiden Sie das Staatsexamen, solange Sie es noch können.

  • 01.02.2018 13:40, Hans

    Ich bin Student der Rechtswissenschaften und finde das Studium wenig fordernd. Viele Mitstudierende verstehen simple Sachverhalte nicht und verbringen ihre Freizeit mit absolut sinnlosen Dingen. Das Studium der Rechtswissenschaft sollte eher anspruchsvoller statt leichter werden. Es wird noch zu wenig gesiebt.

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    • 01.02.2018 18:59, fleißigeRegina

      ja, bitte die Anforderung erhöhen. Ich fordere ein drittes Examen. Es gefällt mir so gut, mich durch Bücherberge zu wühlen und jahrelang zuhause einzumotten. Ich brauche auch kein Geld, teile gerne Bad und Küche mit 7 Leuten und das Leben von der Hand in den Mund ist genau mein Ding.

    • 01.02.2018 21:05, Studierende

      In welchem Semester bist du denn?

    • 14.02.2018 07:06, Comment

      Genau, es geht da wirklich mehr. Nur die Harten kommen in den Garten. Ein Studium sollte mindestens Schweiß und Tränen erzeugen. Lächerlich, was momentan gefordert wird.

      Erstes Semester, oder? Gehnse Mathe studieren, wenn sie Forderung suchen. Allerdings kann es Ihnen auch da passieren, dass niemand neben ihnen sitzen will, aufgrund Ihres elitären Duftes, der von ihrem geistigen B."%$§§!!" erzeugt wird.

  • 01.02.2018 13:40, M

    Ich wundere mich über so viel Unmut über unser herrliches Studium.
    Wer keine Lust auf diese Art von Studium hat, dem steht es doch frei, was mit Medien zu studieren.
    Das Jura Studium ist hart, knüppelhart, und das ist auch in Ordnung. Natürlich zweifelt man im Examensstress zuweilen an sich selbst und hat Angst vor dem, was kommt. Umso mehr ist man doch froh und stolz, wenn man schlussendlich eine brauchbare Note erreicht.
    Was das ewige Gejammer (sorry) von der Chancenungleichheit anbetrifft; es nervt (zur Sicherheit nochmal sorry)! Studenten aus Arbeiterfamilien schreiben dieselben Klausuren und haben dieselben Prüfer wie jene aus Akademikerfamilien. Es ist auch nicht gesagt, dass der hochstudierte Ingenieurs-Papa den Sohnemann oder das Töchterchen mehr unterstützt als der hart arbeitende Elektriker (vielleicht sogar im Gegenteil). Und wehe dem eifrigen Emporkömmling, dessen Vater ihn noch mit Schuldrecht aus Schröders Zeiten zusätzlich verwirrt!
    Auch habe ich mir immer wieder angucken dürfen, wie Kommilitonen in der Zeit, in der ich meinen bescheidenen Lebensunterhalt verdient habe (leider kein Bafög-Anspruch), um meinen Eltern nicht mit Mitte 20 auf der Tasche liegen zu müssen, ihr frisch erhaltenes Förderungssalär ordentlich nach Art eines Pädagogikstudenten auf den Kopf gehauen haben. Ich finde das nicht ganz gerecht.
    In jedem Studium gibt es kleine Schwächen, bestimmt auch bei Jura. Aber immerhin hat man mit einem Staatsexamen in der Tasche noch einen Grund, auf den Abschluss richtig stolz zu sein (im Gegensatz zu manch einem, nicht jedem, Bachelorabschluss).

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    • 01.02.2018 13:56, cand.iur.

      "Aber immerhin hat man mit einem Staatsexamen in der Tasche noch einen Grund, auf den Abschluss richtig stolz zu sei"

      Das ist ja auch das Wichtigste. Stolz. Ob man später Arbeit findet, in der man glücklich wird und eine Familie ernähren kann - das ist egal. Hauptsache Stolz!

    • 01.02.2018 14:16, M

      @ cand.iur.
      Geht es beim (Jura-)Studium denn nur und ausschließlich um die Befähigung zur Ausübung einer Erwerbstätigkeit? Bestimmt nicht!
      Aber selbst wenn Sie mit dieser Erwartungshaltung an die Sache heran gehen, erschließt sich mir Ihr Einwand nicht ganz; eine Reform des Studiums wird weder die zu erledigende Arbeit in der späteren Praxis, noch die Bedingungen, unter denen sich Juristen zurecht finden müssen, und schon gar nicht die (individuelle) Bezahlung verändern.
      Es ist wohl auch jedem Interessenten zuzumuten, sich vor Beginn eines Studiums darüber zu erkundigen, was genau man mit einem Abschluss später macht, meinen Sie nicht auch?

    • 01.02.2018 14:34, cand.iur.

      Nun, der Abschluss sollte aber auch das notwendige Können und Wissen bescheinigen können. Das macht er aber nicht, da die Prüfungen nicht der Arbeitsrealität entsprechen. Zumindest nicht in der Wirtschaft.

      Mein Studium und Ref waren eigentlich die entspannteste Zeit in meinem Leben - waren auch auch absolut in einer Blase. Ich habe zwei sehr zufriedenstellende Examina. Die kommen mir aber eher wie ein Witz vor. Was habe ich denn jetzt an Praxis? Ich habe gelernt, dass ich eine Systematik lerne und diese stur anwende.

      Was in der Praxis (Anwalt) aber wesentlich ist: Verhandlungstaktik, Formulierung, Umgang mit Mandanten und Menschen generell (Ernennen, was gewollt ist etc.), wirtschaftliches Denken (jur. gangbarer Weg mitunter kaufmännisch nachteilig). Das alles fehlt. Im Grunde fange ich in der Praxis bei 0 an. Das gleiche trifft aber auch auf den Richter im Zivilrecht zu. Und auch der Richter im Strafrecht oder Baurecht hat sich mit tatsächlichen Praxisfragen zu beschäftigen, die man so nicht lernt.

      Da muss ich über den Stolz eher schmunzeln. Seien Sie stolz auf ihre beiden Examina - jeden anderen interessiert es nicht die Bohne, der will verwertbare Ergebnisse.

    • 01.02.2018 14:35, cand.iur.

      Im Grunde wirkt Ihr Stolz ja wie das Bild:

      "Ich kann im Dreieck springen. Das kann sonst kaum jemand. Schau mal!"
      "Aha. Und jetzt feg endlich den Dreck weg. Das sollst du nämlich schon seit einer halben Stunde machen."

    • 01.02.2018 15:03, M

      Ihre offene Erfahrungsberichterstattung in allen Ehren. Aber wenn Sie tatsächlich über 2 hervorragende Examina verfügen, und Ihre bisherigen Praxiserfahrungen tatsächlich derart ernüchternd waren, dann sollten Sie sich vielleicht auf dem Arbeitsmarkt nach einem zufriedenstellenderen Angebot umsehen.
      Da dürfte sich durchaus was geeignete(re)s finden lassen.

    • 01.02.2018 15:11, echo

      @cand.iur:

      Stolz ist sicher nicht das Wichtigste. Aber was soll schlecht sein am guten Gefühl, eine Herausforderung gemeistert zu haben? Und zwei juristische Staatsexamen in der Tasche zu haben, bedeutet (u.a.) genau das.

      Zur "Ungerechtigkeit", dass es auch Abbrecher und Durchfaller gibt und dass Prüfungen über die weitere Zukunft entscheiden: was wäre die Alternative?

      Die Alternative wäre (wenn man nicht so weit gehen und die Prüfungen durch die Immatrikulationsbescheinigung ersetzen will) die Absenkung des Niveaus, auf dass alle (oder jedenfalls eine größere Zahl der) Kandidaten mit attraktiven Noten bestehen. (Man schaue sich in diesem Zusammenhang einmal einzelne geisteswissenschaftliche Fächer an, in denen Noteninflation dazu geführt hat, dass man mit einem "gut" im Bacherlor keine Chance mehr auf einen Master-studienplatz hat.) Was folgt dann? Arbeitgeber suchen sich andere Auswahlkriterien und auf einmal werden "Vitamin B", der "richtige" Auslandsaufenthalt usw. usf. wieder / noch wichtiger. Von der vielzitierten Chancengleichheit bleibt dann aber nichts mehr übrig.

      Da ist mir ein Studien-/Prüfungssystem lieber, in dem man sich durchbeißen muß, dabei lernt, sich durchzubeißen und von dem man weiß, dass Noten und Abschlüsse nicht verschenkt werden. Und ja, mancher kann sich nicht zum nötigen Einsatz zwingen und mancher investiert viel Zeit und Mühe und es wird trotzdem nichts. Aber so ist das Leben Denn so wird es auch im restlichen (Erwerbs-)Leben sein.

      Was die späteren Studienabbrüche angeht, hat das natürlich einen Hintergrund. Einerseits hat man in der Zwischenprüfung eine enorme Zahl von Wiederholungsversuchen bei einer großen Zurückhaltung der Prüfer, am Ende jemanden endgültig durchfallen zu lassen. Damit gibt man vielleicht gerade denjenigen, die sich aus äußeren oder inneren Gründen nicht zum frühzeitigen Wechsel des Studienfaches durchringen können, nicht das notwendige Signal und vermittelt den Eindruck, am Ende werde es schon irgendwie gutgehen (was sich dann - aber eben erst später, als in einem Bachelorstudiengang von sechs Semestern - als Trugschluss erweist). Könnte man dem durch strengeres "Aussieben" oder Zugangshürden begegen? Sicher. Sollte man das? Eher nicht. Jura gehört aber auch zu den Fächen, die sich "setzen" müssen, in denen es um Gesamtverständnis und Querverbindungen geht. Mancher, der sich in den ersten Semestern noch schwer tut, gehört am Ende zu den Stärksten eines Jahrganges (umgekehrte Beispiele gibt es auch, natürlich).

    • 01.02.2018 15:25, cand.iur.

      @M: Meine Praxiserfahrung ist sehr gut. Ich selbst habe mir das notwendige Wissen ja angeeignet. Das Studium vermittelt es eben nur nicht. Bei dem Studium geht es nur darum anhand einer festgelegten Systematik zu sieben. Das muss man verstehen. Man lernt im Studium keine Praxisvoraussetzungen.

    • 01.02.2018 15:54, M.D.

      "Was in der Praxis (Anwalt) aber wesentlich ist: Verhandlungstaktik, Formulierung, Umgang mit Mandanten und Menschen generell (Ernennen, was gewollt ist etc.), wirtschaftliches Denken (jur. gangbarer Weg mitunter kaufmännisch nachteilig). Das alles fehlt. Im Grunde fange ich in der Praxis bei 0 an. Das gleiche trifft aber auch auf den Richter im Zivilrecht zu. Und auch der Richter im Strafrecht oder Baurecht hat sich mit tatsächlichen Praxisfragen zu beschäftigen, die man so nicht lernt."

      Exakt so ist es! Studium, Referendariat und insbesondere die Prüfungen haben so viel mit der Praxis zu tun, wie die Fahrschule mit dem Formel-1 Rennsport. Ok, es geht dabei um Autofahren, aber das war es auch schon.

      Theorie und Praxis sind dasselbe, in der Theorie, aber nicht in der Praxis.

  • 01.02.2018 13:49, echo

    "Auch an einem anderen Punkt zeigt sich eine Bildungsschere: 92 Prozent der erfolgreichen Jura-Absolventen haben ihre Hochschulzugangsberechtigung am Gymnasium erworben. Die anderen hätten größere Schwierigkeiten, die Studienanforderungen zu bewältigen, hält der Bericht fest."

    Ich würde wetten, auch bei den Abbrechern stellen diejenigen, die ihre Hochschulzugangsberechtigung am Gymnasium erworben haben, die übergroße Mehrheit. Was soll so etwas aussagen?!

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    • 02.02.2018 03:19, nope

      "Die Anderen"? kann von Gesamtschule NRW bis technische Berufsoberschule Bayern auch alles sein. Keine Ahnung, was es sonst noch so gibt. Insofern mal wieder 0 Aussagekraft. Schade.

  • 01.02.2018 13:55, M.S.

    Dass eine Reform stattfinden muss, darin sind sich wohl die meisten einig. Auf die Frage wie das geschehen muss, gibt es allerdings keine einfache Antwort a la dieser Punkt muss geändert werden und dann wird schon alles gut. Die Problemfelder sind manigfalig und interagieren häufig.

    Nachdem ich nun beide Examina hinter mir habe und kurz vor dem Eintritt in das Berufsleben bin, erlaube ich mir aber ein Fazit über einge - aus meiner Sicht wesentlichen Punkte - zu ziehen:

    Die (fachlichen) Anforderungen an angehende Juristen sind auch im Vergleich zu früheren Generationen hoch. Das fängt bei der Europäisierung des Rechts an, zieht sich über die Kenntniss sich ständig erweiternder und immer auch wieder ändernde höchstrichterliche Rechtsprechung auch von europäischen Gerichten und endet nicht zuletzt in der Anfertigung von Revisionsklausuren (die auch unter gestandenen Anwälten als "Minenfeld" gelten). Diese sind auch mit viel fleiß häufig nicht oder "nur" befriedigent erfüllbar.

    Diese hohen Ansprüchen gerecht zu werden ist schon unter "entspannten" Lernbedingungen nicht einfach. Kommt dann dazu ein von Professoren, AG-Leitern, Repititoren und Komilitonen aufgebauter Druck, indem man immer wieder gesagt bekommt, dass man ohne VB/ Prädikat einpacken kann, sowie eine teils arbiträre Notengebung, die sich aufgrund der Abwesenheit einer gaußschen Normalverteilung, größtenteils in der unteren Hälfte eines Notenspektrum von 18 Punkten abspielt, erhält man die im Gutachten beschriebene prekäre Lage.

    Meines Erachtens liegt ein Schwerpunkt der Problematik darin, dass die Anforderungen an die Studierenden häufig nicht transparent dargestellt sind (Orientierungslosigkeit ist die Folge) und eine frühzeitige tiefergehende Fehleranalyse gar nicht erst angeboten wird (Ahnungslosigkeit).

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    • 01.02.2018 14:28, Hans

      Das stimmt so nicht. Den Druck, dass unbedingt ein VB her muss, machen die meisten Repititoren, doch kann man in einem Gespräch mit Partnern von Großkanzleien herausfinden, was die tatsächlichen Anforderungen sind. Großkanzleien stellen auch mit 7,5 Pkt ein.

      Ein Nachhilfeinstitut an der Uni ist fehl am Platz. Meistens lassen sich die Fragen über Bücher und Google beantworten. Was gebraucht wird sind mehr Promotionsstellen, um den Topstudenten bessere Möglichkeiten zu geben sich zu verwirklichen. Wer Probleme hat einfachste BGB- und Strafrechtsschemata zu lernen, dem hilft auch kein Nachhilfekurs

    • 01.02.2018 16:09, Alex

      Hans, ein „uniinternes Nachhilfeinstitut“ ist sehr wohl angebracht.
      Ich habe das erste Examen bestanden und wusste bei den meisten vorangegangenen Klausuren nicht, was der Korrektor von mir lesen wollte. Am Rand stehen immer nur Floskeln wie „Urteilsstil“, „vertretbar“ oder „Schwerpunktsetzung“. Damit kann ein Studienanfänger und manch Spätzünder wie ich nichts anfangen. Es wird einem im Studium nicht beigebracht, wie man Klausuren schreibt, dass muss man sich selbst erarbeiten oder man hat Freunde/Familie, die einem die den Juristen eigene Klausurtechnik zeigen.
      Ich musste das in unzähligen Übungsklausuren und Nachbesprechungen beim Korrektor lernen. Da wäre eine zentrale Anlaufstelle wesentlich brauchbarer gewesen, vor allem wenn man bedenkt, dass die Mehrheit der Studenten das erst noch lernen müssen, um ein ausreichend im Examen zu ergattern.

  • 01.02.2018 14:14, cand.iur.

    Wie kann man sich über das Studium und das Examen aufregen? Das war eigentlich pipifax - man muss sich nur hinsetzen und lernen. Ich hab das mit den üblichen Fall-Lern-Büchern der Repetitoren in der Regelstudienzeit gemacht. Reichte für ein VB.

    Seien wir doch ehrlich. Das Jurastudium verlangt null Intelligenz und Kreativität. Man muss die Systematik lernen und dann abstrakt anwenden können. Schenkt euch die Vorlesungen soweit es geht und lernt mit den Fall-Skripten und übt Klausuren. Das ist das A und O. Macht Fernklausurenkurse und fürs 2. Examen schreibt Probeklausuren noch und nöcher.

    Anders als in den ganzen anderen Studienfächern müssen wir Juristen weder richtig toll oder kreativ sein oder uns gegenüber der Außenwelt beweisen. Wir können entspannt das Gesetz anwenden und vorhandene Meinungen runterrattern und damit ein gutes Gehalt verdienen.

    Keine Ahnung, warum sich so viele so schwer anstellen.

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    • 01.02.2018 14:22, cand.iur.

      Die meisten die ich so kennengelernt habe, machen den Fehler, bei einer Subsumtion immer zu überlegen ob es Sinn ergibt und gerecht ist und ob sie selbst damit zufrieden wären. Das ist eben der größte Fehler. Darum geht es überhaupt nicht. Die eigene Meinung ist tatsächlich völlig egal. Es geht um das Anwenden der Systematik. Da rattert man die Systematik runter. Deswegen ist es auch so wichtig zu lernen, Klausuren schreiben zu können. Die stoffliche Fülle ist ja eher begrenzt (keiner kann und muss sich alles merken). Es geht um die Systematik - und die muss man beherrschen.

  • 01.02.2018 15:26, HabEsTrotzAllenWidrigkeitenGeschafft

    Das Hauptproblem der juristischen Ausbildung ist, dass die gesamte akademische Laufbahn und die danach folgende berufliche Entwicklung einzig und allein von einer Momentaufnahme (Examen) abhängt.

    Während andere Studienfächer, die Studierenden in Etappen durch das Studium bis zum Abschluss führen, muss der Jurastudent nur (leider) in den Klausuren und in der mündlichen Prüfung bestehen.

    Es interessiert später keinen mehr, ob im Examen ein Randgebiet abgeprüft worden ist oder Kandidaten im Strafrecht enorm gut gepunktet haben, weil Sie alle Theorien gut auswendig gelernt haben, und dadurch eine bessere Gesamtnote haben. Solchen Absolventen unterstellt man dann einfach, dass sie auch alle anderen Rechtsgebiete beherrschen. Die gute Note ist ja ein - vermeintlich - deutliches Indiz.

    Der praktische Teil der juristischen Ausbildung ist hingegen viel wichtiger, macht aber nur einen Bruchteil der Ausbildung aus.

    Und ist es nicht bezeichnend, dass gerade Jurastudenten zu fast 100% kommerzielle Repetitorien besuchen, um den Stoff zu verstehen. Alles deutliche Zeichen, dass die juristische Ausbildung schlecht ist.

    Hierbei geht es auch gar nicht um Prädikatsexamen. Es gibt in jedem Studienfach "Exzellenz-Kandidaten", die über allen Dingen schweben und sehr gut abschließen.

    Man braucht sich ja nur die Durchfallquoten ansehen (die bei Steuerberatern übrigens höher sind).

    Leider gibt es im Studium auch keinen Zusammenhalt. Man wird direkt auf Konkurrenz getrimmt und von anderen Juristen ausgebildet und abgeprüft, die potentielle Konkurrenten sehen.

    Ich habe es trotz allen Widrigkeiten geschafft! Ich komme aus einem einfachen "Nicht-Akamdemiker-Haushalt" und habe zudem Migrationshintergrund. Zum Glück hatte ich aber einen langen Atem und viel Ehrgeiz. Wenn ich aber meine Kollegen (aus anderen Studien) sehe und deren Abschlüsse, dann kann ich nur sagen, wer Geld verdienen will, braucht nicht Jura zu studieren.

    Da kann man auch einfach mit einem BA in Business Administration in den Vertrieb. 70k, Bonus und Auto und definitiv keine 70 Std. die Woche und keine Großkanzlei, die einen verheizt wie Brennkohle.

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  • 01.02.2018 15:34, alter Mann

    Ich habe am Ende meiner Laufbahn mit 63 aus purer Neugier ein Jura Studium begonnen, bin mittlerweile im fünften Semester und habe noch keine einzige Klausur, mit zugegeben allerdings nur mittelmäßigen Noten, verhauen. Ok, ich studiere ohne jeglichen Druck, Staatsexamen sind nicht geplant, wobei...... ein 67 jährige Referendar bestimmt für Aufsehen sorgen wird.
    Sicherlich ist das Studium mit sehr viel lernen verbunden. Wer jedoch die Systematik verinnerlicht und abstrakt denken kann sollte das Studium beherrschen und mit etwas Fleiß auch in der Lage sein überdurchschnittliche Noten zu erreichen.

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    • 01.02.2018 15:47, studiosus

      Ach, Sie sehe hier hier ab und an durch die Bib schleichen?

    • 01.02.2018 17:36, nope

      zu viel Zeit übrig? Setzen Sie sich doch lieber in wärmere Länder ab und chillen Sie auf Ihre späten Tage ;)

  • 01.02.2018 16:04, Dennis

    Sagt mal Leute, was sind das eigentlich für Zahlen?
    92% der erfolgreichen erwarben ihr Abi an einem Gymnasium. Wie hoch ist denn diesbezüglich der Anteil der Studierenden, die überhaupt anfangen? Solche Zahlen muss man doch ins Verhältnis setzen. Sonst sagen die überhaupt nichts aus.
    Nicht einmal jeder Dritte Absolvent kommt aus einem nichtakademischen Elternhaus - und welcher Anteil besteht diesbezüglich zu Beginn des Studiums?
    Bitte macht mal eure Hausaufgaben.

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  • 01.02.2018 16:36, ExBundi

    Die geäußerte Kritik kann ich nur zum Teil nachvollziehen.

    Ich bin nach dem Abi zur Bundeswehr, hab dann da meinen Feldwebel gemacht, um ein wenig Geld zu verdienen, ohne wirklich was anstrengendes leisten zu müssen. Danach bin ich ins Studium - Strukturen zu lernen und wiederzugeben kannte ich vom Bund. Hab das Studium mit einem VB beendet, das 2. Examen dann mit einem Befriedigend (knapp am VB vorbei).

    Bin jetzt wieder im ÖD, meine Zeit bei der Bundeswehr wurde mir angerechnet auf die Stufen/Gruppe. Habe einen relativ lauen Job ohne Mehrarbeit und mit gutem Gehalt. Muss mich nicht verausgaben, konnte eine Familie gründen und ein Haus kaufen. Was will man mehr? Es geht ja darum zu leben.

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    • 01.02.2018 17:41, nope

      naja, die Vorstellungen gehen hier stark auseinander.
      Bund würde ich absolut niemals im Leben machen, als Frau schon dreimal nicht.
      Haus ebensowenig, ist eine Last, an der man zeitlebens abzahlt, werde ohnehin erben. In den schönen Ecken ohnehin nicht mehr erschwinglich. Im Falle der Arbeitslosigkeit wird mittlerweile ja sowieso enteignet. Von den unbeständigen Beziehungen, Scheidungen etc. heutzutage mal ganz abgesehen. Lieber eine kleine, zentraler Mietwohnung und ein flexibler Job. Kinder auch erst mit 40, wenn überhaupt.

    • 01.02.2018 22:52, ExBundi

      @nope: Ja, machen Sie das so. Irgendwer muss mir als ÖD-ler ja später meine Pension zahlen.

    • 02.02.2018 00:12, nope

      Gerne doch, wenn ich dann noch hier in Deutschland bin und einzahle :) Ihre Pension und damit gesicherte Altersvorsorge haben Sie sich nach einem kompletten Leben im öD auch redlich verdient. Mir könnten Sie ja das dreifache zahlen, würde ich dort nicht hinwollen.

    • 02.02.2018 08:41, ExBundi

      @nope: Ja, jeder ist irgendwie seines Glückes Schmied. Von daher wünsche ich auch Ihnen eine gelungene Reise, wo auch immer sie Sie hinführt!

  • 01.02.2018 16:51, Tüdelütütü

    Das scheint alles seit langem schon zigmal stets quasi im Kreis rauf und runter diskutiert. Zuerst heisst es, es sei zu überlegen, inwieweit man am Jurastudium etwas verbessern könne. Dann kommen kritische Änderungsvorschläge. Die werden sodann breit zerredet, weil das Sytem, so wie es ist, letztlich doch qualitativ sehr hochwertig am besten sei. Letztlich bleibt im Wesentlichen bis auf kleine Änderungen alles wie gehabt. Darauf heisst es es wieder, mann müsse übrlegen, inweiweit man am Jurstaudium etwas verbessern könne usw.
    Eine Frage kann sein, welches die Interessen an solchen Abläufen sein könne? Nicht unwahrscheinlich kann dies mit Interessen von eventuell eher wenigen Systemgewinnern und deren (undurchschaubarer) Machtsicherung usw. als Elite entsprechen.

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  • 01.02.2018 23:46, Arbeiterfamilie

    Jetzt muss ich Mal eine Lanze für die Arbeiterfamilien Kinder brechen, weil viele hier meinen am Ende müsste man ja eh die gleichen Klausuren schreiben:

    Es geht auch nicht um die Klausuren, sondern um das drum herum. Geld spielt eine Rolle. Genauso wichtig, ist aber die "Blackbox" Jura. Wer aus Akademiker Haushalten stammt, weiß viel eher (nicht immer) was das Studium bedeutet und wie man sein Studienlauf effizient planen kann.
    Ja, für letzteres kann man die Fachberatung aufsuchen. Aber eigenständig mehr zu machen, frisch nach der Schule wo alles für einen serviert wurde, das machen die meisten Studenten nicht. Die mangelnde Selbstständigkeit lässt sich eben besser mir informiertem Bekanntenkreis ausgleichen. Das geht genauso weiter bis zum Examen, Praktika. Stetig gibt es eine große Wissenslücke zwischen Kindern aus prekären Verhältnissen und solchen aus Akademiker Haushalten.

    Hier müsste die Uni ansetzen. Ersti Woche mit Saufen ist zwar toll, aber wo blieb die Uni als es darum ging den jungen Studenten die Basics des eigenständigen Studieren beizubringen. Das kann sich jeder selbst beibringen ja. Aber gerade solche Unterschiede führen dazu, dass sich Arbeiterkinder angehängt fühlen und aufgeben werden.

    Die Reform sollte hier ansetzen. Ob die Notenskala toll ist, oder die Examina zu schwer, darüber kann man streiten. Aber das, frischgebacken Studenten einfach klarere Infos brauchen, sollte doch klar sein !

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 02.02.2018 00:41, nope

      das Problem ist nicht die Herkunft. Das Problem ist das Bafög. Die meisten Studenten wechseln mittlerweile das Fach und verlieren gegen Ende raus den Anspruch. Auch sind Juristen generell extremst spießig und schon sehr eigen. Das merken Sie aber erst, wenn Sie in anderen Nischen arbeiten. Im Studium selbst werden sie derart gebrainwashed, dass sie denken, das Leben hänge wirklich alleinig von diesen zwei Examina ab. Ich habe wirklich Horrorgeschichten in Sachen Burnout etc. gehört, da wurden Leute von Haus aus extremst gestresst. Da können sie fast schon dankbar sein, wenn ihr Vater arbeitsloser Architekt ist und mit Ihnen die Thematik des Hüttenbaus in der Pampa diskutiert.

    • 02.02.2018 08:45, Kalle

      Jede Uni bietet für die Erstsemester einen Mentor und EInführungsveranstaltungen (Bib-Recherche, Klausurenkurse, Lerngruppenfindung, etc.). Wer das nicht wahrnimmt, der ist halt für ein Studium auch nicht geschaffen. Nicht jeder muss studieren, nur damit er sich als Akademiker bezeichnen kann. Für andere ist dann die duale Ausbildung besser.

    • 03.02.2018 11:14, Kalle

      Aus meiner Uni weiß ich zum Beispiel , dass diese Programme nicht angeboten werden. Einen Mentor oder Lerngruppe oder gar Klausurenkurs zu Beginn des Studium gibt es nicht . Daher stimmt diese Behauptung schon Mal nicht.

      Es wäre aber wünschenswert wenn es das gäbe.

  • 02.02.2018 09:45, Elke van Alen

    Wenn das Jura- Studium nicht reformiert wird, ist das auch volksökonomisch ein Tiefschlag!
    Wie viele Studienabbrecher und Durchfaller im 2. Versuch, die nach 4-6 Jahren Studium auf Kosten des Staates und der Eltern mit LEEREN Händen dastehen können wir uns noch leisten? Die, die es geschafft haben unterliegen dem Strassenbahnsyndrom, wer drin ist hält die Tür zu, oder Sprüche, „ich habe es ja auch mit Prädikat geschafft.
    Das ist unmenschlich. Es braucht einen Basisbachelor, damit die Studienzeit anderweitig problemlos angerechnet werden kann, Abrecher und Durchfaller Perspektiven haben, nicht mit psychischem Durchhänger auch noch mit zusätzlichen Kosten therapiert werden müssen.
    Das sind wir den jungen Menschen als Gesellschaft schuldig.
    Doch wer setzt sich dafür ein, die Juristen eher nicht!
    Es wird wohl politischen Druck brauchen!

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 02.02.2018 10:05, Zenturio

      Die Anrechnung von Studienleistungen hängt nicht davon ab, dass man nun ein Kuschelstudium mit Bachelor schafft. Auch bisher können sie bspw. bestandene Privatrechtsklausuren und -vorlesungen in BWL beim P-Schein anrechnen lassen.

      Für das Jurastudium gilt ja das ECTS-System.

      Was wir aber sicherlich nicht brauchen ist noch ein sinnloser Bachelor.

    • 02.02.2018 10:12, nope

      als Bafögempfänger drigend die Finger von diesem gestuften Bachelor-Staatsexamensstudiengängen lassen. den Basis-Bachelor gibt es an manchen Universitäten nämlich bereits. Problem: gerade jener führt dazu, dass sie wegen eines ersten Abschlusses ihre Weiterförderung zum Staatsexamen verlieren. Deshalb #hartz4fürStudenten und nichts anderes.

  • 02.02.2018 10:03, nope

    duale Ausbildung? Häufig Knebelvertrag mit Rückzahlungspflicht bei Abbruch und Verpflichtung zur Weiterarbeit nach Abschluss. "Studiert" wird dann an der FOM. Unternehmen kennen Sie vorher meist nicht, Sie kaufen also die Katze im Sack. Wem`s gefällt - Bitteschön. Da können Sie gleich Teilzeit studieren und Teilzeit arbeiten, dann sind Sie im Anschluss frei und haben ein adäquates Hochschulzertifikat.

    Duales "Studium" ist zudem fast vergleichbar mit Bundidasein. Ja, Sie bekommen ein Studium bezahlt - und der Bund zahlt wirklich gut - allerdings nur gegen eine 13-17jährige Verpflichtung. Sie sind eigentlich Offizier, kein Student, Auslands- u. Kriegseinsätze später inklusive. Das Studium ist diesem Falle eher ein kleiner Benefit zu ihrem eigentlichen Offiziersdasein. Als Frau auch wenig schön mit grün bemaltem Gesicht auf matschigen Böden herumzurobben und zwischendurch in Mehrbettzimmer-Kasernen zu übernachten. Gedanklich für den ein oder anderen wohl der absolute Supergau. Mich übrigens inbegriffen.

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 02.02.2018 10:07, Zenturio

      "Als Frau auch wenig schön mit grün bemaltem Gesicht auf matschigen Böden herumzurobben und zwischendurch in Mehrbettzimmer-Kasernen zu übernachten. "

      Vielleicht sollten Sie tatsächlich mal ein Praktikum beim Bund heute machen und wie die Tätigkeit (gerade auch für Frauen) nach der Grundausbildung aussieht.

    • 02.02.2018 10:16, nope

      Praktikum beim Bund? Genau. Also auch noch gratis Dienst dort. Das müsste mir ja mal einfallen.

  • 02.02.2018 10:35, Jemand_NRW

    Dass man bei Versachlichung vereinzelt auf Renitenz stößt, ist nicht ungewöhnlich. Egal was man schreibt, irgendwer sieht immer alles gleich.


    "Niemand löst innerhalb von 4 Stunden einen Fall handschriftlich unter Zuhilfenahme des Palandts."

    (Mal davon abgesehen, dass man im Examen 5 Stunden Zeit hat:)
    Sie können die Praxis nicht 1:1 in einer Klausur abbilden! Die Klausur ist eine SIMULATION der Arbeit, die auch in der Praxis ein wesentlicher Bestandteil ist, nämlich die klassisch juristische Arbeit! Dabei stellt auch der Zeitdruck einen realistischen Aspekt aus der Praxis dar!

    Der Aktenvortrag ist ein sehr wertvolles Instrument! Ein Jurist hat in der Lage zu sein, einen Sachverhalt geordnet, aufs Wesentliche reduziert, mündlich vorzutragen.


    "Downside-Varianz"?
    Die soll es geben, eine "Upside-Varianz" aber nicht? Merkwürdig....


    "rosigen Berufsaussichten auch mit schlechten Noten"
    Lesen Sie doch noch einmal nach, was ich wirklich geschrieben habe.

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 02.02.2018 11:18, Zenturio

      Ich vermute, dass einige davon ausgehen, dass man die im Studium gelernten Fälle nun 1:1 im Berufsleben anwenden können muss. Da liegt jedoch bereits der Denkfehler. Im Studium lernt man eine Systematik. Im Klausuren und im Examen wird geprüft, ob man diese Systematik innerhalb eines gewissen Zeiteinsatzes anwenden kann und zu einer vertretbaren Lösung kommt.

      Genau das ist aber auch das spätere Handwerkszeug des Juristen. Wie sich der Inhalt darstellt ist völlig unerheblich. Insbesondere auch, ob Sie gelernt haben, wie eine Widerrufsbelehrung aussehen muss oder nicht. Diese Detailfragen bekommen Sie dann mit dem Kommentar, der Rechtsprechung und nachgelagerter Recherche gelöst. Daran scheitert kein Jurist.

      Das Jurastudium ist eben kein Handwerk in dem Sinne, dass Ihnen gezeigt wird: So verlegt man das Kabel immer und dann passt es immer. Nein! Im Jurastudium lernt man eine Systematik unabhängig vom Objekt (Kabel). Diese Systematik muss man anwenden können (ob Kabel oder Kaufvertrag oder Strafbarkeit). Und darüber wird man geprüft.

      Das ergibt ja auch einen Sinn: Kabel verlegt man zumeist auch in 50 Jahren im Wesentlichen noch gleich, die physikalische Eigenschaft bleibt ja. Das ist im Rechtssystem anders: Das ist variabel. Wenn Sie nun Ihren Schwerpunkt darauf legen zu lernen, was im Gesetz steht und darin erübrigt sich ihr juristisches Können - dann haben Sie nichts verstanden vom Studium. Darum geht es gerade nicht!

      Von daher kann ich Ihrem Kommentar nur zustimmen.

  • 02.02.2018 11:13, Johs

    Ich bin jetzt über 80 und tue mir sehr schwer, manche Kommentare zu verstehen.Aus einer Nichtakademikerfamilie, wenig Geld, 1.Examen nach 7 Semestern1960, anfangs 110,- DM Referendargehalt, Promotion 1963, Anwaltsknecht für den Lebensunterhalt, 2. Examen 1964, VB. Leicht war's nicht und auch viel Angst, zu versagen, aber Wollen und Tun waren entscheidend.

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 02.02.2018 11:27, Theobald

      Die Anforderungen des Jurastudiums waren 1960 (also vor knapp 60 Jahren) auch erheblich anders als heute. Damals wurde tatsächlich insoweit besser studiert, als dass das juristische Grundlagenwerkzeug noch ordentlich vermittelt wurde und vermittelt werden konnte. Heute stellt sich das Studium häufig aus einer Aneinanderreihung der einzelnen spezialgesetzlichen Verästelungen dar, die dann in einer Klausur abgefragt werden. Das wird dann auswendig gelernt. Dabei bleibt dann leider zumeist das juristische Grundlagenwerkzeug völlig auf der Spur.

      Insoweit hatten Sie es damals um einiges besser, was das Vermitteln von Stoff angeht. Seien Sie froh darüber!

    • 02.02.2018 11:56, nope

      Willkommen in der illustren Runde,

      freue mich, dass Sie auch in etwas fortgeschrittenem Alter noch den Schritt ins Internet geschafft haben. Mein Großvater, bald 85, wurde von mir auch kürzlich in die Thematik der Programmierung eingewiesen und gestaltet gerade mit größter Freude seine erste eigene Onlinekanzlei. Es ist nie zu spät für einen späten Wandel, lassen Sie den Kopf nicht hängen, junger Freund.

      #legaltech
      #techAwardwinningGrandpa
      #85yearsAndStillABaller
      #catchUsIfYoucan

    • 02.02.2018 12:02, IT3000

      @nope: "Programmierung" und Skriptsprachen (HTML, CSS etc.) passen aber nicht zusammen. Entweder wird geskriptet oder programmiert.

  • 02.02.2018 12:04, IT3000

    Wobei noch anzumerken wäre, das HTML, CSS nur Auszeichnungssprachen sind und nicht einmal Skriptsprachen. Also "basteln" würde eher passen.

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 02.02.2018 13:29, nope

      nennen Sie es von mir aus wie sie wollen, mein Großvater ist versiert auf dem Gebiet.

      #myGrandpaKnowsItBetter
      #baller

    • 02.02.2018 15:44, Juraaa

      "kürzlich in die Thematik eingewiesen", "ist versiert".

      Jetzt weiß ich, warum Jura nichts für sie war.

    • 02.02.2018 18:22, nope

      unlustig.. und wie Sie es drehen und wenden: die Schiene Wirtschaftsinformatik, BWL, Eltektrotechnik oder Wirtschaftsingenieurwesen ist zielführender als die Juristerei. Zumind. für den Großteil. Geht auch deutlich schneller (Berufseinstieg nach 3 Jahren). .

    • 05.02.2018 08:59, Arbeitsrechtler

      Ja, gehen Sie in die Branche! Spätestens in 10-15 Jahren werden dann Juristen mit Spezialisierung Arbeitsrecht vermehrt die durch Roboter/Technik austauschbaren Informatiker/WInf beraten müssen.

  • 02.02.2018 19:54, gezechprellteSina

    Sie haben Recht. Wir Frauen müssen uns technisch etablieren und auf Umwegen eigens solide Gehälter erwirtschaften. Sonst: keine Chance.. Ich suche nun zum SS auch den finalen Absprung in die technische Schiene. Danke Ihnen für diverse Informationen und alles Gute.

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 06.02.2018 17:24, Fritsche

    Es ist leider so, dass Prädikatsexamen bei Juristen schon immer das Non plus Ultra waren. Ich bin selbst Jurist, alerdings ohne Prädikatsexamen. Ich ich mit dem Studium anfing, wollte ich zum BKA. Seinerzeit reichte dafür das 1 Examen. Im Laufe des Studiums wurden die Anforderungen erhöht. Man benötigte auch das 2 Examen. BIn der Zeit bis zum 2 Examen reichte auch schon dies nicht mehr, man brauchte Prädikatsexamen.

    1 bafög-unabhängiger Studienkollege fiel durch das 1 Examen, nur weil er seine Nerven nicht in Griff hatte. Beim zweiten Anlauf und mit psychologischer Unterstützung ereichte er ein Super Prädikatsexamen.

    Natürlich könnte man die Examensprüfung einn Stück weit ohne Qualitätsverlust vereinfachen, z.B. dadurch, dass man die Benotung der Scheine teilweise in die Examensnote mit einrechnet. Da hat man dann allerdings Sorge, dass das Elitäre verloren geht.

    Als Jurist ohne Prädikatsexamen habe ich in den letzten 20 Jahren relativ bescheiden verdient. Als Honorarkraft fing ich an mit 2.300 DM. Davon ging Krabnkenversicherung und Fortbildung ab. Altersvorsorge konnte ich mir nicht leisten.

    Jeder, der sich im Fach Jura versuchen möchte, kann ich nur dringend empfhelen vorher einen beruf zu erlernen mit dem man gut verdient, sollte es mit dem Prädikat nicht funktionieren.

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 07.02.2018 22:53, AS

      Die Empfehlung halte ich nicht mehr für ganz zeitgemäß. Sie haben wohl noch die Zeiten der berüchtigten „Juristenschwemme“ miterlebt. Diese Zeiten sind aber vorbei.

  • 07.02.2018 22:54, Prof. Dr. Martin Schwab

    Viele Faktoren kommen zusammen, welche die hohe Mißerfolgsquote erklären können. Einige liegen bei den Studierenden selbst (falsche Vorstellungen, mangelnder Fließ). Aber auch im System selbst liegt einiges im Argen:

    1. Viel zu schlechte Betreuungsrelation (bei mir an der Uni Bielefeld 1:140; an der FU Berlin, wo ich vorher 12 Jahre lang tätig war, ist es keinen Deut besser). Viele Studierende kann ich trotz intensivster Bemühungen bereits im Ansatz nicht erreichen.

    2. Keine Anreize für die Profs, sich in der Lehre zu engagieren. Wer es trotzdem tut (und ich bilde mir ein, es weit über Obligo zu tun), macht das aus reinem Idealismus. Der Exzellenzwettbewerb hat alles noch schlimmer gemacht. Es ist unmöglich, aufwendige Exzellenzcluster zu schmieden und sich gleichzeitig um Hundertschaften orientierungsloser Studierender zu kümmern. Wer sich auf letzteres fokussiert, bekommt dann (so ging es mir damals an der FU) das Odium der Zweitklassigkeit angeheftet. Zum Glück ist das hier in Bielefeld besser.

    3. Zuviele Negativ-Botschaften an die Studierenden. Wenn wir schon ab dem ersten Semester verkünden, daß es nur ganz wenige schaffen, erziehen wir die Studierenden zu der fatalen Fehlhaltung, daß der eigene Erfolg vom Mißerfolg des Banknachbarn abhängt. Und wir Profs tun gut daran, mit den Studierenden im Hörsaal ernsthaft zu diskutieren, abweichende Ansichten zu respektieren und bei falschen Antworten konstruktive (!) Hinweise zu geben. Wenn die Studierenden immer nur zu hören bekommen, sie könnten ja gar nichts und seien ja zu allem zu dämlich, hören sie irgenwann auf, selbst zu denken, weil sie sich das gar nicht mehr trauen. Denken müssen sie aber nun einmal im Jurastudium, und zwar gerade auch im Examen! Wenn ein Prof im Hörsaal stolz verkündet, daß in seiner Semesterabschlußklausur regelmäßig 80% durchfallen, hat er in Wirklichkeit zwei eigene Probleme: Er unterschreibt seine fachdidaktische Bankrotterklärung und offenbart dramatische Defizite in seinem Selbstwertgefühl. Auch Korrekturbemerkungen in Klausuren und Hausarbeiten müssen konstruktive Kritik enthalten anstatt Spott und Häme.

    4. Im Examen selbst muß sich einiges ändern: Der Prüfungsstoff ist viel zu umfangreich (siehe dazu bereits Schwab, Juristische Staatsprüfungen und das Grundgesetz, 2005, S. 9 ff.). Bei der mündlichen Prüfung kann allein schon die personelle Zusammensetzung der Prüfungskommission in der Endabrechnung über zwei ganze Notenpunkte mehr oder weniger entscheiden. Ganz beseitigen kann man die Subjektivismen in der Notengebung nicht, aber vielleicht würde es helfen, wenn bei jeder mündlichen Prüfung eine neutrale Aufsichtsperson zugegen wäre. Zugleich müßte man die verwaltungsgerichtliche Kontrolldichte bei Prüfungsentscheidungen verschärfen. Nach meinem Eindruck ist auch nicht allen Prüfern bewußt, daß die Notenskala erst bei 18 Punkten endet (ich selbst habe schon mehrmals 18 Punkte vergeben und mich darüber gefreut, eine gute Leistung so honorieren zu dürfen!). Die Zweitkorrektur muß eine echte Korrektur sein und darf sich nicht (wie es aber leider oft gängige Praxis ist) in einem nichtssagenden Dreizeiler erschöpfen.

    Jura ist eigentlich ein wunderschönes Studium. Aber es laufen zu viele Angstmacher herum, die einem dieses Studium madig reden.

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 07.02.2018 22:57, Prof. Dr.+Martin+Schwab

      Sorry, ein Tippfehler im ersten Absatz ist mir beim Korrekturlesen entgangen - es muß natürlich heißen: mangelnder Fleiß (nicht: Fließ)

  • 08.02.2018 09:25, Jörg Pappenheim

    Es wird Zeit Veränderung! Mangelnde Betreuungsquote, falsche Erwartungen, später Abbruch und versäumte Entwicklungschancen über einen anderen Bildungsweg, kann sich eine Gesellschaft das leisten? Die Juristenausbildung ist verstaubt, elität und ineffektiv. Die Ausbildungsordnungen der Länder müssen umgehend reformiert werden. Das Ziel der Ausbildung heisst nachwievor: Befähigung zum Richteramt, obwohl nur die wenigsten Absolventen dort hin wollen. Dennoch prägt dieses Anforderungsbild die gesamte Ausbildung. Die Durchfallquote liegt im ersten Staatsexamen liegt bei ca. 40%. Man hat - neben dem sog. Freischuss - zwei Versuche. Fällt man zweimal durch, steht der Studierende vor dem Nichts. Da die Bologna-Beschlüsse (Bachelor, Master) in diesem Studiengang nicht umgesetzt wurden, da man ja die Qualität der Ausbildung nicht aufs Spiel setzen wollte, hat man nach vielen Semestern Studium nichts in der Hand. Die Studierenden werden dann zwangsweise exmatrikuliert und werden in der o.g. Studie wohl als Studienabbrecher gezählt. Nur widerwillig und nur an manchen Unis erhalten diese 'Abbrecher' dann für bestandende Zwischenprüfungen (sog. Scheine) ECTS-Punkte, die ggf. an anderen Studiengängen wie zum Beispiel zum Wirtschaftsjuristen Anerkennung finden können.
    Und dann ist da noch das Thema Repetitor. Wer kann sich leisten, einen privaten Nachhilfekurs von mind. 1 Jahr zu finanzieren? Seit 50 Jahren ist das wegen der schlechten Qualität der Uni-Vorlesungen jedoch fast unausweichlich. Ich kenne keinen Juristen, der darauf verzichten konnte. Hier findet eine 'Auslese' statt, die nach wirtschaftlichen Aspekten erfolgt: Wer das Geld hat, kann zum Repetitor gehen, der den komplexen Lernstoff professionell und übersichtlich aufbereitet.
    Insgesamt glaube ich, dass die heutigen Ausbildungsordnungen nicht mehr zeitgemäß sind und wegen ihrer Wirkung im Sinne Artikel 12 Grundgesetz 'Freiheit der Berufswahl' verfassungsrechtlich bedenklich sind.
    Die Politik muss endlich handeln!!

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 08.02.2018 18:54, PuppeDimitria

      schöner Beitrag, gefällt mir. Gibt es die Möglichkeit des Abschichtens in NRW eigentlich noch? Vielleicht wäre es nicht schlecht, eine derartige Möglichkeit deutschlandweit einzuführen. Letzten Endes finde ich es mittlerweile fast schon erstaunlich, wie lange man am Staatsexamen, bzw. sogar zweien der Zahl, festhält. Rechnet man den Lern- plus Zeitaufwand mit anderen Fächern gegen und ist ein wenig technisch begabt, kann man anderweitig erfolgreicher werden. Ist sicherlich auch eine Frage des Typus. Ein Wirtschaftsingenieur ist oft ein anderer Typus Mensch als ein Jurist, ein BWLer ebenso... Natürlich gibt es Juristen, die auf ihr Fach inkl. des alten Systems schwören, trotzdem sollte man dann und wann aber auch einmal die Augen öffnen und über die Grenzen Deutschlands hinwegblicken. Gerade aktuell scheint mir dies mehr vonnöten denn je.

    • 12.02.2018 15:10, embeddedsystem

      "Wer kann sich leisten, einen privaten Nachhilfekurs von mind. 1 Jahr zu finanzieren? Seit 50 Jahren ist das wegen der schlechten Qualität der Uni-Vorlesungen jedoch fast unausweichlich. "

      jeder der studiert kann sich das leisten, besser gesagt, die Eltern werden es schon richten. Das ist bei den heutigen Lebenshaltungskosten auch nur noch ein Tropfen auf dem heißen Stein, insofern nicht der Rede wert. Auch sind die Vorlesungen nicht zwangsläufig schlecht und die Profs idR sogar recht engagiert, ich hatte bspw. sehr gute Professoren, ich könnte jetzt bezüglich keiner Person etwas Schlechtes sagen; Problem: Thematiken werden nicht im Detail erörtert u. in dem geforderten Umfang niemals besprochen, je nach Universität hat man von gewissen Teilgebieten noch niemals etwas gehört. Ist nun beim besten Willen aber keine geheime Neuigkeit. Insofern mein Fazit: gehen Sie zum Repetitor, hier wird Ihnen geholfen. Inwiefern das Unirep mancherorts mittlerweile nachgezogen ist oder Online-Medien einen adäquaten Ersatz stellen, kann ich nicht beurteilen, da seit Jahren aus der Materie heraus... noch besser aber: lassen Sie die Finger im Jahre 2018 komplett von der Juristerei und studieren Sie Elektrotechnik oder Informatik.

    • 12.02.2018 16:53, Prof. Dr. Martin Schwab

      Ich habe in meinen Examenskursen reihenweise Studierende sitzen, die vorher beim Kommerz-Rep waren, dort bitter enttäuscht wurden und jetzt erkennen, daß wir an der Uni es doch besser können. Es stimmt einfach nicht, daß es ohne bezahlte Nachhilfe nicht geht!

    • 12.02.2018 20:18, embeddedsystem

      naja, jeder meint ja bekanntlich von sich der Beste zu sein, insofern kann ich es nicht beurteilen. Letzten Endes muss der Student selbst lernen und sich die Dinge beibringen. Rein theoretisch können Sie sich auch komplett im Alleingang vorbereiten und nur die Unterlagen beziehen. Im Prinzip würde auch ein Online-Rep vieles erleichtern. Man könnte die Videos einfach hochladen, abrufen und keiner müsste mehr das Haus verlassen. Weder Repetitor noch Student. Keine Ahnung, ob es so etwas bereits gibt, wäre jedenfalls eine wunderbare Sache. In manchen Studiengängen sind die Vorlesungen größtenteils online abrufbar, was vieles erleichtert (Job, Kindererziehung, Erledigungen).. Völlige terminliche Freiheit und damit Flexibiltät. Der Trend geht in diese Richtung.

    • 14.02.2018 18:18, A.Müller

      Es ist nicht unbedingt erforderlich, das Repetitorium zu besuchen. Eine Freundin von mir hat ihre beiden VB ohne entsprechenden Besuch geschafft und bei mir hat es zumindest auch zu zwei Befriedigend und erfolgreicher Promotion gereicht. Allerdings waren wir tatsächlich nahezu die Einzigen unseres Jahrgangs. Es ist wohl sicher zu einem Großteil eine Art "psychologischer Gruppenzwang" in Kombination mit dem Gefühl, wirklich alles Mögliche gemacht zu haben, der zu dem entsprechenden Besuch führt.

      Ich habe bewusst an einer kleinen Uni im Osten studiert. Die Bibliotheken mögen nicht ganz so top ausgestattet gewesen sein (gibt aber auch Fernleihe), aber das Betreuungsverhältnis und Engagement der Lehrenden war wirklich gut. Dort war das auch wirklich spürbar. An großen Unis gibt es sicher auch sehr viele, wenn nicht sogar überwiegend, motivierte und engagierte Professoren aber die zeitlichen Ressourcen sind eben endlich.

  • 13.02.2018 10:05, Jörg Pappenheim

    Die Abbrecherquoten zeigen doch, dass sich etwas ändern muss und die ausgetretenen Pfade verlassen werden müssen. Der Berufsstand steht für Rechtsentwicklung, verteidigt aber nur alte Bastionen. Vor dem Hintergrund der BVerfGE zum Medizinstudium sind neue Maßstäbe anzulegen.

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 13.02.2018 21:13, Justitia

      eben drum: verlassen Sie das sinkende Schiff.

  • 17.02.2018 10:15, Tüdelütütü

    Laut Tageszeitung wurden gerade im Land die aktuell zehn Jahrgangsbesten im juristischen Exmamn von rund 700-800 Geprüften insgesamt ausgezeichnet. Dabei einmal die Note sehr gut, zwei mal gut und sieben mal vollbefriedeigend. 7 der 10 besten Kandidtaten haben zur Freude des Justizstaatsekräters eine Richterstelle angetreten. Dort können sie, durch solches (eventuell eher krude Ausle-)System wesentlich mitgeprägt (mit eventuell danach ebenso kruden Vorstellungen), gesellschaftliches Leben maßgeblich mitbestimmen. Unter Umständen kann es etwas schwer fallen, die besondere Eignung und Leistung der Jahrgangsbesten stets klar belegen zu können, wenn man einem direkten Vergleich mit vielen anderen Kandidtaten über die Jahre gesehen vornimmt, welche schlechter abgeschnittten haben. "Fake news, russische, deutsche Geheimdienste usw, Verschwörungstheorien". Das Ganze scheint gerade "von oben" betont so gewollt. Wem da nicht schwarnen kann, "dass etwas faul sein kann im Staate Dänemark", dem kann kaum zu helfen sein.

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Rechts­an­walt (m/w) Li­ti­ga­ti­on

Luther Rechtsanwaltsgesellschaft mbH, Müns­ter

Di­rec­tor Le­gal & Bu­si­ness Af­fairs

Goodlive AG, Ber­lin

Rechts­an­walt (m/w/d) für den Be­reich Im­mo­bi­li­en­recht (gern auch mit In­ter­es­se für Li­ti­ga­ti­on in die­sem Be­reich)

SammlerUsinger, Ber­lin