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Ghostwriting für juristische Arbeiten: Der ersch­li­chene Abschluss

von Sabine Olschner

20.07.2017

Zahlreiche Ghostwriting-Agenturen bieten im Internet ihre Dienste an: "Wir schreiben Ihnen Ihre juristischen Seminar- und Abschlussarbeiten!" Erlaubt sind solche Geschäfte nicht, in Anspruch genommen werden fremde Autoren trotzdem.

Die Prüfungsordnungen der einzelnen Universitäten sprechen eine eindeutige Sprache: "Das Prüfungsamt kann von den Prüflingen eine Versicherung an Eides statt verlangen und abnehmen, dass die Prüfungsleistung von ihnen selbst und ohne unzulässige fremde Hilfe erbracht worden ist." Oder auch: "Hausarbeiten sind mit der Versicherung zu versehen, dass ihre Anfertigung ohne fremde Hilfe erfolgt ist."

Die Lage ist damit klar: Wer seine Haus-, Seminar-, Examens- oder Doktorarbeit nicht allein schreibt, sondern Hilfe von außen in Anspruch nimmt, verstößt gegen die Regeln der Universität und kann entsprechende Sanktionen erwarten. Eine Exmatrikulation oder ein Bußgeld sind mögliche Folgen.

Offenbar gibt es trotzdem genug Studierende, die diese Regeln ignorieren und ihre Arbeiten nicht eigenständig verfassen. Die steigende Zahl der Ghostwriting-Angeboten im Internet und damit einhergehend auch die der Anbieter zeigt, dass ein Markt besteht. Überforderung mit dem Jurastudium, ein hoher Konkurrenzdruck, schlechtes Zeitmanagement – die Gründe, einen fremden Autoren die Arbeit machen zu lassen, sind vielfältig.

Ghostwriter-Arbeiten nur schwierig auszumachen

"Einigen Jurastudierenden fehlt zudem die intrinsische Motivation", so die Vermutung von Jens Schumacher, Leiter des Prüfungsamtes der rechtswissenschaftlichen Fakultät an der Universität zu Köln. "Sie studieren das Fach nur, weil sie sich mit dem Abschluss gute Berufsaussichten erhoffen." Die Versuchung, sich auf dem Weg zu diesem Ziel helfen zu lassen, ist bei ihnen womöglich höher als bei Studierenden, die sich tatsächlich für die Rechtswissenschaften interessieren.

Fälle von Studierenden, die sich mit fremden Federn schmücken, sind kaum bekannt. Denn im Gegensatz zu Plagiaten, die dank extra dafür entwickelter Software mittlerweile recht einfach zu finden sind, lassen sich fremdgeschriebene Arbeiten nur schwer identifizieren.

"Mir sind bislang keine so aufgeklärten Fälle zu Ohren gekommen", sagt zum Beispiel Prof. Dr. Tilman Repgen, Dekan der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Hamburg. Er ist zudem einer von drei Leitern der Albrecht Mendelssohn Barthody Graduate School of Law. Mit einem "engen Betreuungskonzept" verhindere man dort die Inanspruchnahme von Ghostwriting, erklärt Repgen: "Alle sechs Monate treffen sich die Doktoranden mit ihren Betreuern und am Ende der Arbeit steht zudem die Disputation. Da wäre es sehr schwierig, sich die Arbeit von jemand anderem schreiben zu lassen."

Für die durchschnittliche Universität dürfte ein solches Konzept insbesondere für die Vielzahl von Hausarbeiten während der ersten Jura-Semester flächendeckend wohl kaum umsetzbar sein.

Zitiervorschlag

Sabine Olschner, Ghostwriting für juristische Arbeiten: Der erschlichene Abschluss . In: Legal Tribune Online, 20.07.2017 , https://www.lto.de/persistent/a_id/23515/ (abgerufen am: 23.02.2020 )

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Kommentare
  • 20.07.2017 10:39, Steffibärchen

    Danke daß LTO immer wieder darüber berichtet, aber ändert wird sich nix. Ich kenn doch dieses Pack, gleich im 1. Semester ab zum Repetitor, einmal in der Woche vor dem Uni-Haupteingang knapp im Halteverbot parken (LMU München) mit dem Schönfelder unterm Arm die 50 m zum Eingang zwanzig mal stehen bleiben und mit süßen Studentinnen sprechen wie toll man doch ist, und dann mit 40 zwangsexmatrikuliert werden ohne Abschluß, Hauptsache vorher noch CSU wählen, sonst kein Gehirn und der sog. Regierung alles glauben, keine Steuern zahlen, rummotzen und mit 40 Hautkrebs. So ein tolles Leben als Jurastudent...
    es gibt natürlich auch andere, die brav lernen und mit 40 Karriere in einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft gemacht haben und dort als Steuerberater mehr Umsatz machen als jede Großkanzlei. Die brauchen aber keine Ghostwriter, weil die können es selber

    • 20.07.2017 10:43, @Bärchen

      Hui, so viel Enttäuschung in nur einem Absatz. Da hat aber jemand selbst nicht wirklich die Kurve bekommen, hm?

      Und was hat das doch gleich nochmal mit Hautkrebs zu tun?

    • 20.07.2017 17:40, @Bärchen

      Was für ein unglaublich verbitterter Kommentar. Da hat(te) es wohl jemand sehr schwer....

  • 20.07.2017 10:42, KalterKaffee

    Ich wurde in meinem Jura-Studium mehrfach aktiv von anderen angesprochen, ob ich nicht entsprechende Arbeiten für sie machen könnte. Mehr als ein "Nein, Danke" hat mich das allerdings nicht gekostet.

    Wer ein Jurastudium nicht selbst schafft (also jedenfalls mit 4,00 Punkten), muss sich schon extrem dämlich anstellen. Es ist eines der leichtesten Hochschulfächer überhaupt. Jeder MINT- oder Medizin-Student lacht über das Pensum.

    Siehe auch: http://www.zeit.de/campus/2014/06/thomas-fischer-jurastudium-vorurteile-auswendig-lernen

    Dem Kollegen kann man sich nur vollumfänglich anschließen.

    • 20.07.2017 17:42, JG

      Also das Ghostwriten hat aber bei Jura auch keinen Einfluss aufs Bestehen des Studiums, sondern nur (möglicherweise) auf die Note des Schwerpunktbereichs. Dieser ist aber nicht so wichtig.
      Also die Studenten, die sich Ghostwritern bedienen haben damit noch nicht ihr Studium geschafft. Insofern ist mir der Zusammenhang den sie aufzeigen nicht klar.

      Und zu sagen Jura sei eins der einfachsten Studienfächer überhaupt, zeigt nur wie wenig Realitätsbezug bei Ihnen vorhanden ist.
      Jedes der Mint-Fächer, Medizin und Jura fordert und fördert andere Kompetenzen und Begabungen. So kann es den meisten Medizinern schwer fallen einen stilistisch sauberen Text Ui verfassen, den meisten Juristen fällt das Verständnis chemischer Strukturen schwer.
      Beides ist in jeweiligen Fächern aber notwendig um gut zu bestehen, neben dem Auswendiglernen.
      Warum also Jura das einfachste Fach ist erschließt mir nicht.
      Ging es Ihnen etwa darum dazulegen wie gut sie es gemeistert haben ("mehrfach von anderen nach diesen Diensten gefragt") und wie einfach es also sein muss? Wenn ja, herzlichen Glückwunsch zu Ihrem Erfolg, wenn Sie nun noch Realitätsbezug erwerben werden Sie eventuell ein sympathischer Jurist.
      Wenn nicht, keine Sorge Sie wären in guter Gesellschaft.

    • 21.07.2017 08:31, @JG

      Sie haben den Artikel vom Kollegen Fischer aber schon gelesen, bevor Sie angefangen haben, zu kommentieren?

      Das Jurastudium zu bestehen ist etwa so einfach, wie Abitur in Bremen zu machen, oder Montags einen Nazi in Dresden zu finden. Will sagen: Geschenkt.

      Dass mich das (als fertig studierten Juristen) jetzt besonders hervorheben würde, wollte ich damit nicht ausdrücken - im Gegenteil. Wie gesagt, es war ja zu einfach. Nicht nur für mich, sondern generell.

      Und Ghostwriting bringt Nullinger, weil man spätestens im Examen selber ran muss. (Nicht, dass es schwer wäre, wie gesagt.. aber es schaffen immernoch einige, daran zu scheitern)

    • 21.07.2017 08:45, JG

      Ja, ich habe den Artikel vor einiger Zeit schon gelesen.
      Er allein beweist für mich nicht, dass das Jura Studium so einfach ist.
      Man braucht für jedes Studium bestimmte Fähigkeiten, ohne die es schwer wird.
      Wieso sie es dennoch als geschenkt empfinden, verstehe ich nicht? Habe Sie aber auch nicht dargelegt, oder?
      Ich hoffe dann wenigstens Sie haben die Zeit neben des Studiums genutzt für ein zweites Studium oder ausgiebige ehrenamtliche Arbeit?
      Oder haben Sie die Zeit damit verbracht die Menschen in der Bibliothek zu bemitleiden und verhöhnen?
      Es ist doch einfacher gesagt, dass Studium wäre leicht, wenn es denn in der Tasche ist.

    • 21.07.2017 18:42, @JG

      Das Studium war selbstverständlich eine wunderbare Zeit voller Baggerseebesuche, Parties und Urlaube. Und zwischendurch hat man halt mal eben ein paar Klausuren und Hausarbeiten geschrieben. Dann ein Jahr zum Repetitor, Freischuss mit VB und dann ab zum Referendariat. Dort - zugegeben - musste man ein bisschen was lernen.

      Sagen Sie nicht, bei Ihnen lief es anders?

    • 21.07.2017 18:57, JG

      Ja, ich hab mir viel Freizeit genommen, aber das Studium nie als extrem leicht empfunden, eher als gut machbar.
      Für nen VB hats auch nicht gereicht. Aber herzlichen Glückwunsch zu Ihrem VB! Leider scheint nur damit der Blick für weniger Begabte, ja sogar Personen die das Examen erst garnicht bestehen, ein wenig verrückt zu sein. Aber wie eingangs schon erwähnt, damit sind sie glücklicherweise in diesem Fach in guter Gesellschaft und tragen aktiv dazu bei, dass die Vorurteile über Juristen nicht nur leere Hülsen darstellen. Gratulieren mag ich Ihnen dazu aber nicht.
      Sollten Sie Interesse haben weniger Begabte kennen zu lernen, die ein Jurastudium nicht einfach meistern, empfehle ich Ihnen dringend den Freundeskreis um ein paar nicht VB-Juristen oder sogar Nichtjuristen zu erweitern. Auch bspw. ehrenamtliche Arbeit kann den Horizont manchmal überraschend erweitern.

    • 21.07.2017 19:31, @JG

      Also sind wir uns einig. Auch Sie haben sich viel Freizeit nehmen können.ein Luxus, den wir in anderen Studienfächern nicht gehabt hätten (ausser Lehramt natürlich, die sind ja allergisch gegen Arbeit).

      Mein Freundeskreis besteht fast ausschließlich aus Juristen ohne VB (gibt ja nicht so viele) und Nichtjuristen (also Leuten, die etwas ANSTÄNDIGES gelernt haben). Meinem Horizont geht es blendend, danke der Nachfrage.

      Ich verstehe all die Emotionen nicht. Alles was ich sage ist doch, dass 4 Punkte geschenkt sind. Oben raus wird es schwieriger, klar. Aber auch da: Ganz und gar nicht unmöglich.

      Aber um auf das Thema zurückzukommen. Ghostwriter bringen mich nicht von 3 auf 10 Punkte.

      Ach und zum Ehrenamt: Ich mache quasi 50 Stunden die Woche Ehrenamt. Anders kann man den lächerlich geringen Sold ja nicht bezeichnen.

    • 25.07.2017 10:12, Rechtsanwalt

      Finde ich kurios, dass "@JG" freimütig behauptet, das Jurastudium sei leicht und gebe es geschenkt, andererseits aber nach eigener Bekundung selbst zum Repetitor gehen musste (Kosten idR weit mehr als 1.000 EUR).
      Klar ist doch: Wer sich ein Jahr unter Zuhilfenahme kommerzieller Lehrer vorbereitet, muss für das Examen offenbar einiges leisten. Ob es am Ende 12 Punkte sind oder 4 ist dabei zweitrangig.
      Im Nachhinein war aber natürlich immer alles leicht.

    • 25.07.2017 11:40, @Rechtsanwalt

      Das Rep kostet (wenn man ein gutes nimmt) nicht 1.000,- EUR sondern gerne 2.000,- EUR aber es ging nicht um die Frage, ob es billig ist, sondern ob es einfach ist. Was ist so schwer daran, sich die examensrelevanten Techniken und Klassiker einprügeln zu lassen, dann zu Papier zu bringen und dann entsprechend anständige Punkte mitzunehmen? Rep ist zwei halbe Tage pro Woche und ein Klausurenkurs. Wenn man großzügig rechnet vielleicht 20 Stunden Arbeit/Woche. Bei einer Tasse LatteMachhiattoCinoPresso oder am Baggersee mit einem Büchlein in der Hand und nicht im Labor oder im Krankenhaus oder am Seziertisch oder oder oder ... Schwer ist anders.

  • 20.07.2017 16:29, Tim

    Alle 6 Monate ist also ein "enges Betreuungskonzept"? Die durchschnittliche Doktorarbeit dürfte wohl so um die 18 Monate dauern, was dann 3 oder 4 Treffen entspräche...

    Ich habe mich auch mal für das Thema interessiert, soweit ich weiß steht der Student auch mit dem Ghostwriter in Kontakt und stimmt die Arbeiten ab. Was ein halbjährliches Gespräch daran ändern soll, sehe ich nicht.

  • 20.07.2017 17:15, M.D.

    Den letzten Satz des Artikels sollte man in Frage stellen. Im späteren Berufsleben besteht sehr viel aus Abschreiben, nämlich im Abschreiben höchstrichterlicher Entscheidungen. Der BGH bildet für den praktischen Anwalt im Idealfall den Ghostwriter für die komplette Klagebegründung und das ist sogar hervorragend, weil man damit auf der sicheren Seite ist und gerade keinen Haftungsfall baut.

    • 21.07.2017 08:32, @M.D.

      Abschreiben? Man sollte sich wenigstens die Mühe machen, zu paraphrasieren ;O)

    • 22.07.2017 08:19, M.D.

      Wieso paraphrasieren? Man zitiert den Originalwortlaut mit BGH-Fundstelle, damit das Gericht erst gar nicht auf die Idee kommt, dass es sich um eine Rechtsauffassung des Anwalts handelt. 1:1 vom BGH abzuschreiben ist die einfachste und effektivste Form, einen Rechtsstreit zu gewinnen.

      Wir leben in einer Informationsgesellschaft. Die Zeiten, als der Rechtsanwalt mit Ärmelschonern, Adler-Schreibmaschine und einem Palandt bewaffnet selbständig die Rechtslage geprüft hat, sind schon lange vorbei. Einzig das Justizprüfungsamt hat das noch nicht erkannt und prüft immer noch das Berufsbild der 1950er ab.

    • 22.07.2017 16:33, @M.D.

      Aus Anwaltssicht stimmt das sogar im Prinzip. Nur dass es völlig unnötig ist, das überhaupt aufzuschreiben. Das Gericht braucht nur die Fundstelle, idealerweise mit Randziffer. Dann hab ich beim Urteilschreiben länger Zeit zum Paraphrasieren :-)

  • 20.07.2017 17:49, Dark Master

    Alles ist erlaubt. Man darf sich dabei nur nich fassen lassen.

  • 20.07.2017 19:08, Karzon

    Es ist doch viel Wind um Nichts. Klar wird bei Kommilitonen abgeguckt und mal der Onkel gefragt, ob er eine alte HA zur Rechtsgeschichte noch liegen hat. Das kann doch nicht verboten sein.

    Ob es Agenturen acad write, gwriters oder writeservice machen oder Nachhilfefirmen, wie dein studium oder Studienscheiss ist doch egal.

  • 22.07.2017 21:40, JudexNon

    Wir haben also de facto einen Massenstudiengang mit tausenden Absolventen, ehrgeizig und ambitioniert, dabei beträchtliche Durchfallquoten im Examen und davor sowie eine gigantischen Nachhilfemarkt, gleichzeitig aber eines der "leichtesten Fächer überhaupt"? Ne ist klar, sich selbst zu huldigen ist ja ok, leider hat sich gerade die Lebensgeschichte der "ich hab ja nie was gemacht" Leute in meinem Umfeld immer als Märchen rausgestellt. StudienWG war übrigens mit Medizinern, ausgelacht ob des Pensums wurde ich nie. Und Fischer hält alles für leicht und sich selbst für überragend. Seine Kollegen konnten das nie so recht nachvollziehen. Aber was wissen die schon, müssten sie doch vermutlich lernen für ihre Position ;).

    Zum Thema: Ärgerlich ist es nur bei der Dr. Arbeit und da wäre es mE leicht zu kontrollieren: Wer eine gewisse Qualität und ein gewisses unrealistisches Pensum neben dem Beruf stemmt macht sich schlicht verdächtig. Bleiben WisMis / Stipendiaten. Die promovieren aber relativ betreut. Da muss der Dr. Vater schon ignorant sein.

  • 24.07.2017 09:39, Alturo

    Jeder, der selbst Jura studiert hat, weiss ja aus eigener Erfahrung, dass ein nicht kleiner Teil das Fach gewählt hat, weil man damit eine Melange aus taffen US-Anwaltsserienhelden, dickes Gehalt und eine Art "Wichtigtuerei" verbindet, was viele anzieht. Dass das mit der Berufspraxis der meisten Juristen herzlich wenig zu tun hat mal beiseite, umgekehrt gibt es erstaunlich wenige Jurastudenten - insb. im Vergleich zu Studenten anderer Fächer - die für ihr Fach wirklich "glühen". Zumindest an meiner Fakultät war dies der Fall.

    Wenn man also bedenkt, dass viele Studenten von vorneherein das Fach mehr aus "Lifestyle-Gesichtspunkten" gewählt haben und umgekehrt nur ein recht kleiner Teil aus echtem Interesse am "Querschnittsfach Rechtswissenschaft" Jura gewählt hat - ich zähle mich zu dieser Minderheit - dann ist es nicht verwunderlich, dass unser Fach auch sehr negativ mit allerlei mehr oder minder legitimen, kommerziellen Hilfsangeboten hervorsticht. Schon diese "Rep-Industrie" gibt es in der Form bei keinem anderen Fach - und das Staatsexamen zB der Mediziner ist keinesfalls minder schwer, eher ganz im Gegenteil. Aber Mediziner wird man wohl v. a. auch aus Leidenschaft.

    Und das zeigt dann eben auch solche, hier beschriebenen, Auswüchse.

    Ich fand schon immer, es müsste schon im ersten Semester massiv ausgesiebt werden. Und nix mit unbegrenzt vielen Wiederholungen für Klausuren im Grundstudium bis zum Semester X und dergleichen. Das lädt Bummelstudenten ohne Interesse für das Fach ja geradezu dazu ein, Jura so "nebenher" laufen zu lassen und dann punktuell ins Rep zu marschieren - oder zu noch fragwürdigeren Methoden zu greifen - wenn es um Leistungserhebungen geht.

    Am besten das erste Semester außer BGB AT nur Proseminare (mit durchgehender Anwesenheitspflicht) und Methodenlehre sowie Rechtsphilosophie oder Rechtsgeschichte. Wer nicht wirklich für Jura brennt, der wird dann bereits abbrechen. Und da helfen dann auch kein Rep und kein Ghostwriter. Das sind Auswüchse davon, dass zuviele Leute, die für Jura ungeeignet sind, dieses Fach belegen.

    Schon der Gedanke, mich mit fremden Federn zu schmücken, ist absurd für mich. Es wäre übertrieben zu sagen ich hätte mich während meines Studiums auf Leistungserhebungen gefreut. Aber ich wäre nie auf die Idee gekommen, diese nicht selbst anzufertigen - und dann mit Stolz auf meine gute Zensur blicken zu können. Als Jurastudent hat man nicht sehr viele Erfolgserlebnisse während des Studiums und muss lange "Durststrecken" überstehen und Frustrationstoleranz zeigen, ohne die Bestätigung der Mühen und Feedback, dass ich auf der richtigen Schiene bin, durch gute Zensuren hätte ich das schlicht nicht durchgehalten, da bin ich mir sicher.

  • 24.07.2017 10:57, Thomas

    Der Mann hieß Bartholdy, nicht Barthody.

  • 24.07.2017 23:40, Johannes

    Putin wurde damit sogar Kaiser....Also kann das ja gar nicht so schlimm sein.

  • 15.09.2017 21:47, Romek Tomek

    Ich habe zu der Diskussion zum Ghostwriting einen interessanten Artikel gefunden:
    https://www.writeservice.de/blog/hausarbeit-vom-ghostwriter-wdr.html

  • 01.12.2017 21:17, Patrick Kaufmann

    “…Nemet gab dabei an, dass seine Agentur zur Zeit des Interviews einen Umsatz von zwei Millionen Euro erzielte und 300 freie Autoren beschäftigte…“ bin sicher, dass es keine einzige Agentur ist, die solche Service zur Verfügung stellt. Die Zahlen sind auf jeden Fall beeindruckend. Nach der Artikel von Deutschlandfunk (http://www.deutschlandfunk.de/ghostwriting-report-eine-millionen-branche.680.de.html?dram:article_id=316375), haben zwei von größten Agenturen den gesamten Profit von mehr als 2 Millionen pro Jahr (!) gemacht und über 10.000 Arbeiten seit Bestehen der Firma geschrieben.
    Nach gleiche Quelle: 33 Prozent der Arbeite sind für Wirtschaftswissenschaften geschrieben, 28 % für Geisteswissenschaften, 8% für Rechtswissenschaften.
    Im Netz habe ich eine Liste von Ghostwriting-Skandale gefunden. Aufmerksamkeit wandte sich an die Minister, die beim Plagiat beschuldigt worden. Heutzutage gibt es Websiten, die solche Information veröffentlichen (so wie Schavanplag oder GuttenPlag Wiki)(https://essayhilfe.de/ghostwriting-skandale-deutschland/).
    “ …Mit der vertraglichen Vereinbarung bzw. den AGBs zwischen Ghostwriter und Auftraggeber wurde festgehalten, dass Letzterer die jeweilige Arbeit lediglich als Vorlage nutzen darf. Sollten ein Text entgegen dieser Vereinbarung vom Auftraggeber ohne Änderung übernommen werden, macht sich dieser – wie aufgezeigt – strafbar...“ (https://www.e-recht24.de/artikel/haftunginhalte/8221-ghostwriting-ist-das-strafbar-was-ist-erlaubt.html).
    Doch bietet nicht jede Agentur eine fertige Arbeit – manche von ihnen bieten Lektorat, Konsultation oder die Hilfe bei der Themenauswahl. Wenn man die Situation von diesem Standpunkt betrachten wird, kann das nicht verboten werden.

  • 20.01.2018 17:00, Maggi

    Eine Arbeit komplett oder teilweise schreiben zu lassen und als eigene Leistung einzureichen, finde ich schon moralisch nicht in Ordnung. Aber als Student hat man an der Uni häufig wenig bis gar keine Unterstützung. Und ich finde es gibt tolle und legale Angebote, auch von hauptberuflichen Ghostwritern, die vielleicht eher Texte für Unternehmen und Wissenschaftler schreiben, den Studenten aber gut weiterhelfen können, wie man überhaupt wissenschaftlich arbeitet. Ich habe selbst so ein Angebot wahrgenommen und es war echt hilfreich, wie Nachhilfeunterricht ;) Hier gibt es sowas zum Beispiel: https://www.ghostwriting-liesegang.de/angebot-fuer-studierende/coaching-bei-akademischen-arbeiten/
    Und hier ist noch ein interessanter Artikel darüber, was legal ist und was nicht: https://www.ghostwriting-liesegang.de/ber/

  • 14.09.2018 23:33, Dr. Roland Franke

    Das Thema Akademische Ghostwriter oder Ghostwriter für Prüfungsarbeiten wird immer noch in seiner Bedeutung überschätzt. Belastbare Zahlen dazu wie oft Ghostwriting für Prüfungsarbeiten gibt es nicht und die Dunkelziffer ist aus meiner Erfahrung mit https://drfranke.de niedriger als gemeinhin angenommen wird. Auch bei den Jurastudenten.