Die Fitness-Anwältin: Youra oder Jutube?

von Marcel Schneider

08.01.2016

Während ihres Referendariats veröffentlichte Anne Kissner Videos zum Thema Fitness auf Youtube. Mittlerweile ist aus ihrem Kanal eine gewinnbringende Marke geworden - mit eigenem Ableger für Jurastudenten und -interessierte.

Während ihrer Examens- und Referendariatszeit entschloss sich Anne Kissner dazu, sich an ihrem sportbegeisterten Freund ein Beispiel zu nehmen und selbst im Alltag aktiv zu werden. Gemeinsam gründeten die beiden den Youtube-Kanal "BodyKiss", der Ende 2013 online ging und mittlerweile knapp 160.000 Abonnenten hat. Diesen Youtube-Auftritt nutzten die zwei als Vertriebskanal für ihr später gegründetes Unternehmen, über das sie gegen ein Abo-Modell Online-Zugang zu Inhalten über Fitness, Motivation und Ernährung verkaufen. Hauptberuflich verbringt die junge Juristin also die Zeit damit, ihre eigene Firma zu führen.

Mit der Zuschauerzahl wuchs auch das Interesse der Benutzer an Kissners Person. Als die mittlerweile fertige Anwältin auf dem Fitness-Kanal ein Video über ihren Werdegang vom Jurastudium bis zur Kanzlei-Mitarbeit veröffentlichte, erreichten sie viele Nachrichten mit Fragen rund ums Jurastudium und Jobaussichten. Deshalb kombiniert Kissner seit knapp einem Jahr ihre Erfahrungen als Juristin und Youtuberin, um auf dem Ableger ihres Hauptkanals, getauft auf den Namen "BodyLaw", Videos und Tutorials rund ums Jurastudium zu veröffentlichen. Über 6.000 Abonnenten hat BodyLaw bereits - trotz der im Vergleich zum Hauptobjekt BodyKiss recht kleinen Zielgruppe.

"Zunächst wollte ich allgemein rechtlich interessierte Personen ansprechen. Das hat sich allerdings nicht bewährt, unter anderem deshalb, weil die Plattform für viel Stammtischgerede und unqualifizierte Kommentare missbraucht wurde. Deshalb konzentriere ich mich jetzt gezielt auf junge Menschen, die überlegen, ein Jurastudium anzufangen oder schon mittendrin stecken", erklärt die Juristin. Ideen für ihre Videos holt sie sich aus der eigens gegründeten Facebook-Gruppe. Ihre Themen reichen von der  Examensvorbereitung über Berufsmöglichkeiten bis hin zu Rechtsfragen wie der nach Schleichwerbung und der Gestaltung von Arbeitsverträgen. 

Schwierige Entscheidung: Unternehmerin oder Juristin sein 

Beruflich hat sich die 27-Jährige nach ihrer Zulassung Mitte 2014 zunächst als Anwältin selbständig gemacht und die Mitarbeit in einer lokalen Kanzlei begonnen. Entsprechend ihrem Schwerpunkt "Zivilrechtliche Rechtspflege in Justiz und Anwaltschaft" bearbeitete sie ein Jahr lang zivilrechtliche Fälle, insbesondere im Arbeitsrecht.

Dann wurde die Doppelbelastung aus Rechtsanwaltstätigkeit und Videobereitstellung für die verschiedenen Youtube-Angebote zu groß: "Je umfangreicher und professioneller ich die 'Body'-Marke aufzog, desto regelmäßiger erwarteten die Nutzer auch Inhalte", beschreibt Kissner ihre Erfahrungen mit der Videoplattform.

Derzeit erscheinen allein auf BodyKiss drei Videos pro Woche. Alle der verschiedenen Youtube-Kanäle dienen mittlerweile als wichtiges soziales Medium für ihr gewerblich betriebenes Sport- und Ernährungsberatungsangebot im Internet. Ihre Mitarbeit in der Kanzlei hat die junge Anwältin daher weitgehend heruntergefahren.

Nebentätigkeit: Anwältin für Youtube-Recht

Das heißt aber nicht, dass sie mit der Juristerei nichts mehr am Hut hat. Die Existenzgründerin verrät: "Ich könnte zwar allein von der Arbeit als Unternehmerin und Youtuberin leben, doch ich hänge sehr am juristischen Arbeiten. Diesen Teil meines Lebens erhalte ich mir bewusst, wenn auch auf etwas speziellere Weise." So bearbeitet sie nicht nur ab und zu noch Fälle aus ihrem ehemaligen Tätigkeitsfeld, sondern hat durch ihre Arbeit als Youtuberin auch ein ganz neues Themengebiet für sich entdeckt. Abseits der Großkanzleien gibt es im Medienrecht für den Bereich Youtube nur sehr wenige Spezialisten. Kissner dazu: "So hat es sich ergeben, dass ich die diesbezügliche Vertragsgestaltung und –überprüfung für einige große Youtuber, Unternehmen und öffentlich-rechtliche Sender übernehme, die einen professionellen Auftritt auf der Videoplattform vorbereiten wollen."

Auch bei der Gründung des Unternehmens und im Tagesgeschäft zahlen sich ihre juristischen Fähigkeiten und Kenntnisse immer wieder aus: "Als Unternehmer hat man täglich Berührungspunkte mit dem Recht. So bin ich zum Beispiel in der Lage, uns angebotene Sponsoring-Verträge selbst zu prüfen und muss nicht einen externen Anwalt damit beauftragen."

Insgesamt überwiegt ihre Rolle als Chefin eines eigenen Unternehmens aber die der Rechtsanwältin. Das hält sie aber nicht davon ab, an der Verwirklichung eines lang gehegten Vorhabens zu arbeiten: Derzeit sucht Kissner eine Möglichkeit, im Medienrecht über ihr berufliches Steckenpferd Youtube zu promovieren. Damit hätte sie auf BodyLaw noch über ein weiteres Thema zu berichten.

Zitiervorschlag

Marcel Schneider, Die Fitness-Anwältin: Youra oder Jutube? . In: Legal Tribune Online, 08.01.2016 , https://www.lto.de/persistent/a_id/18076/ (abgerufen am: 15.02.2019 )

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
Neuer Kommentar