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Eltern in Ausbildung - fünf Protokolle: "Gelernt habe ich erst ein, zwei Monate vor dem Examen"

Christian Wulff (30) bereitet sich gerade auf sein zweites Staatsexamen vor und hat einen Sohn.

Als mein Sohn zur Welt kam, war ich gerade in der Zivilstation am Gericht. Mein Sohn war das dritte Baby in unserer Arbeitsgemeinschaft, inzwischen sind es fünf. Auch mein AG-Leiter ist kurz darauf zum ersten Mal Vater geworden. Ob es ein Junge oder ein Mädchen wird, hat seine Frau ihm während einer unserer AGs am Telefon erzählt. Dementsprechend viel Verständnis zeigten sowohl er als auch meine Betreuer in den Stationen für Baby-Probleme.

Als es mit der Geburt plötzlich losging, musste ich abends meinen Ausbilder anrufen, weil ich eigentlich am nächsten Tag eine Verhandlung leiten sollte. Die Akte hatte ich zu Hause auf dem Schreibtisch liegen. Er blieb ganz entspannt, obwohl er nun über Nacht die Verhandlung selbst vorbereiten musste. Wenn ich jetzt wegen eines Arzttermins meines Sohnes mal ein wenig zu spät in die AG komme, ist das kein großes Problem. Einer meiner Kollegen hat seinen Sohn auch mal in die AG mitgebracht. Er baute ihm dann eine kleine Spielecke und wir haben ganz normal mit dem Unterricht weiter gemacht.

Rein rechtlich gibt es für Väter im Referendariat zwar nur einen Tag Sonderurlaub, nämlich zur Geburt des Kindes. Tatsächlich lässt es sich aber immer flexibel genug gestalten. In allen Stationen konnte ich Teile meiner Aufgaben von zuhause aus erledigen: Gutachten schreiben, einen Aufsatz verfassen, Schriftsätze bearbeiten. Da ist man nicht so sehr an bestimmte Arbeitszeiten gebunden, sondern kann arbeiten, wenn das Kind schläft oder der Partner gerade aufpasst. Später habe ich dann noch zwei Monate Elternzeit genommen. Auch das war gar kein Problem: Antrag schreiben, an die Personalabteilung schicken, fertig.

Schwieriger ist momentan schon die Vorbereitung aufs Examen. Um 8 Uhr bringe ich meinen Sohn in den Kindergarten, spätestens um halb 4 hole ich ihn wieder ab. Dazwischen muss ich konzentriert lernen, um zügig mit dem Stoff durchzukommen. Als ich für das Erste Examen gelernt habe, war ich mittags auch mal zwei Stunden Kaffeetrinken – das ist jetzt nicht mehr drin.

Zitiervorschlag

Anna K. Bernzen, Eltern in Ausbildung - fünf Protokolle: "Gelernt habe ich erst ein, zwei Monate vor dem Examen" . In: Legal Tribune Online, 09.12.2014 , https://www.lto.de/persistent/a_id/14058/ (abgerufen am: 24.09.2020 )

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