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Eltern in Ausbildung - fünf Protokolle: "Gelernt habe ich erst ein, zwei Monate vor dem Examen"

Dr. A. Lisa Thimm (36) hat zwei Kinder und arbeitet bei einem Pharma-Unternehmen in Zürich

Meine erste Examensklausur habe ich fünf Wochen nach der Geburt meiner ältesten Tochter geschrieben. Dass ich so schnell an den Prüfungen teilnehmen wollte, hat mein Umfeld ziemlich überrascht. Beim Prüfungsamt ging man eigentlich davon aus, dass ich erst mal ein Jahr Elternzeit nehmen und dann in Ruhe mein Referendariat beenden würde. Das kam für mich jedoch nicht in Frage – ich hatte mich nebenbei für die Klausuren vorbereitet und wollte das Referendariat und auch den anschließenden Arbeitsbeginn nicht hinauszögern.

Foto: Dr. A. Lisa ThimmIch habe mich daher frühzeitig in der Schwangerschaft an die zuständigen Stellen gewandt, um die Rechtslage abzuklären und alle nötigen Anträge zu stellen. Während der Prüfungswochen war ich zum Beispiel noch im gesetzlichen Mutterschutz. Die Prüfung ablegen durfte ich dank geschickter juristischer Argumentation trotzdem: Das zuständige Amt legte aus, dass Examensklausuren keine Arbeitszeit im Sinne des Mutterschutzgesetzes seien. Für die Klausuren selbst habe ich außerdem eine Verlängerung der Schreibzeit beantragt, weil ich damals noch gestillt habe. Ich durfte also nach der Hälfte der Bearbeitungszeit in einen Nebenraum gehen, um Milch abzupumpen. Für das Prüfungsamt bedeutete das: Immer genug Frauen als Aufsichtspersonen einsetzen, schließlich musste eine von ihnen mich auch beim Abpumpen beaufsichtigen.

Trotz einer anstrengenden Zeit bin ich froh, die Klausuren zügig geschrieben zu haben. Je älter meine Tochter wurde, desto schwieriger wurde es, neben der Arbeit im Referendariat noch freie Zeit zum Lernen zu finden. Auf den schriftlichen Teil des Examens hatte ich mich direkt bis zu ihrer Geburt vorbereitet, eine Woche danach habe ich langsam mit der Wiederholung angefangen. Als später die mündliche Prüfung anstand, musste ich meine Lernzeiten auf ihren Schlafrhythmus abstimmen. Das war bei meiner zweiten Tochter, die vor einem Jahr auf die Welt kam, leichter: Wenn sie geschlafen hat, konnte ich mich auch ausruhen und den Mutterschutz genießen.

Hilfreich war in der Vorbereitung auf die Prüfung sowie für die Arbeitszeit im Referendariat aber, dass wir in der Schweiz wohnen. Mit drei Monaten habe ich meine Tochter in eine Babygruppe im Kinderhaus gebracht und hatte etwas mehr Zeit zum Lernen. Manchmal hat sie mir aber geholfen, zum Beispiel, wenn ich eine Nachlieferung einsortiert habe. Das lag aber wohl eher daran, dass die Seiten so schön knistern, wenn man sie zerknüllt.

Zitiervorschlag

Anna K. Bernzen, Eltern in Ausbildung - fünf Protokolle: "Gelernt habe ich erst ein, zwei Monate vor dem Examen" . In: Legal Tribune Online, 09.12.2014 , https://www.lto.de/persistent/a_id/14058/ (abgerufen am: 13.07.2020 )

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