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Einstieg in Großkanzleien: Ringen um die Besten

von Sabine Olschner

23.06.2016

Großkanzleien: Viele Juristen wollen rein, nicht alle schaffen es. Wie bekommen Studenten und Referendare einen Fuß in die Tür? Und warum sind Prädikatsexamen noch immer so wichtig?

Noch vor einigen Jahren strebten viele derer, die das Zweite Staatsexamen mit entsprechend guten Noten in der Tasche hatten, zu den großen Kanzleien. Diese konnten sich aus der Masse der Bewerber die besten Kandidaten auswählen. Heute ist es für Großkanzleien nicht mehr ganz so einfach, die Top-Nachwuchskräfte für sich zu gewinnen.

"Die Generation Y legt viel Wert auf Freizeit und familienfreundliche Arbeitszeiten", sagt Nicola von Tschirnhaus, Teamleiterin Rekrutierung bei Linklaters. "Viele Kanzleien verlangen jedoch von ihren Mitarbeitern nach wie vor ein hohes Arbeitspensum und tun sich mit Flexibilität noch schwer. Um die Veränderungen auf Bewerberseite in unserer Kanzlei zu spiegeln, haben wir bei uns unter anderem flexible Arbeitszeitmodelle, Home-Office-Tage und die Möglichkeit von Sabbaticals eingeführt."

Bei einer der großen einsteigen

Flexibilität hin oder her: Dass in den Großkanzleien nach wie vor viel Arbeit anfällt und die Rechtsanwälte stark gefordert werden, lässt sich nicht leugnen. "Wir raten Juristen, die die Voraussetzungen der Kanzleien erfüllen, trotzdem zu einem Einstieg in einer Großkanzlei", erklärt Ina Steidl, geschäftsführende Partnerin von Schollmeyer & Steidl, einer auf den juristischen Markt spezialisierten Personalberatung. Denn dort, so ihre Argumente, arbeiten die Einsteiger mit vielen hochkarätigen Kollegen zusammen, sie erhalten exzellente Weiterbildungsmöglichkeiten und sind in spannende, oft internationale Projekte involviert. "Bei kleineren Kanzleien mag es vielleicht etwas geregeltere Arbeitszeiten geben, und die Erwartungen an die Mitarbeiter sind vielleicht etwas geringer, aber die hilfreicheren Erfahrungen zum Einstieg bieten die Großen der Branche", ist Ina Steidl überzeugt.

Ihr Rat für Volljuristen: so schnell wie möglich nach dem Zweiten Staatsexamen in eine große Anwaltspraxis einsteigen. "Von einer großen in eine kleine Kanzlei zu wechseln, ist immer möglich – umgekehrt hingegen ist es sehr schwer, auch weil sich die großen Kanzleien ihren eigenen Nachwuchs heranziehen und ab einer gewissen Ebene keinen mehr von außen nehmen", so die Erfahrung der Beraterin.

Unternehmenskultur kennenlernen

Lohnend sind die Mühen also offenbar – aber wie gelingt der Einstieg in die Top Ten der Anwaltsgesellschaften? Wege, um erste Kontakte zu knüpfen, gibt es viele, oft schon zu Studienzeiten. Baker & McKenzie zum Beispiel schickt Rechtsanwälte an die Hochschulen, die den Studierenden aus ihrem Arbeitsalltag berichten. Eine andere Kontaktmöglichkeit für Studierende sind Inhouse-Workshops an allen vier deutschen Standorten der Kanzlei mit amerikanischen Wurzeln. Hier lernen die Teilnehmer einen Tag lang die Büros kennen, bearbeiten Fallstudien, besuchen Seminare zu erforderlichen Soft Skills und treffen sich abends in lockerer Atmosphäre mit den Kanzleikollegen. "Viele Großkanzleien ähneln sich, daher wollen wir mit solchen Veranstaltungen den Studierenden unsere Unternehmenskultur vermitteln", erklärt Claudia Trillig, Personaldirektorin bei Baker & McKenzie.

Zitiervorschlag

Sabine Olschner, Einstieg in Großkanzleien: Ringen um die Besten . In: Legal Tribune Online, 23.06.2016 , https://www.lto.de/persistent/a_id/19769/ (abgerufen am: 14.12.2019 )

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