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Abkürzungen zum Doktor: Promotionsvermittler und Photoshop

von Prof. Dr. Roland Schimmel

22.10.2013

Der Doktor ist ins Gerede gekommen. Nicht jeder, der ihn trägt, hat ihn verdient. Trotzdem gilt er unter Juristen als Zusatzqualifikation, auch außerhalb der Wissenschaft. Jährlich werden etwa 1.500 juristische Doktorgrade verliehen. Die meisten liegen am Ende eines anstrengenden Wegs. Dabei gibt es risikoarme Abkürzungen. Roland Schimmel empfiehlt die Nachahmung dennoch nicht.

Eine Promotion kostet einige Mühe. Eine juristische Doktorarbeit nimmt nicht selten drei Jahre Lebenszeit in Anspruch, die Abbrecherquote dürfte um die 50 Prozent liegen.

Da drängt sich die Frage geradezu auf: Geht das nicht auch ein bisschen bequemer? Sicher geht das, sogar auf mehreren Wegen. Einen davon hat – nicht nur – ein ehemaliger Verteidigungsminister beschritten, wenn auch letztendlich nicht erfolgreich: Ohne allzu viele eigene Gedanken kann man eine mehrhundertseitige Dissertation aus Textschnipseln collagieren, die man Copy/Paste den digital verfügbaren Texten kluger Leute entnimmt. Das spart sehr viel Arbeit, kann sich aber rächen.

Ein anderer Weg ist die Delegation an einen Ghostwriter. Das ist nicht ganz billig und mit einem gewissen Erpressungspotential verbunden. Aber wenn man nicht an einen Dilettanten gerät, muss man wenigstens keine peinlichen Plagiate befürchten.

Erste Abkürzung: Der Promotionsvermittler

Wer das dafür erforderliche Kapital nach dem Ende des Studiums nicht aufbringen kann oder will, wird nach einem dritten Weg suchen. Ein Promotionsvermittler ist nicht so teuer wie ein Ghostwriter, verspricht aber meist neben der Suche nach einem geeigneten Doktorvater und dem Coaching beim Schreiben, dem Promotionswilligen den Rücken von unnötiger Verwaltungsarbeit freizuhalten.

Aber auch das ist nicht ganz ohne Risiko. In der Branche gibt es nämlich Betrüger. Es kann also durchaus geschehen, dass der Doktorand seine Promotionsschrift über den Vermittler beim Betreuer einreicht, zur mündlichen Verteidigung seiner Thesen zum Kolloquium oder Rigorosum geladen wird und nach Bestehen der Prüfung eine Promotionsurkunde des Fachbereichs ausgehändigt bekommt – und trotzdem nie promoviert hat.

So war es einem Kölner Kommunalpolitiker geschehen. Seine mündliche Prüfung erwies sich als von Schauspielern in den Räumen der Universität abgenommen. Der Mann stand plötzlich unpromoviert da. Dass der Vermittler wegen Betrugs verurteilt worden ist, dürfte nur ein kleiner Trost gewesen sein.

Die eigene Verurteilung wegen des unbefugten Führens eines akademischen Grads nach § 132a Abs. 1 Nr. 1 Strafgesetzbuch (StGB) wird sich in einer solchen Situation vielleicht noch abwenden lassen. Aber die Reputation wird doch einen Kratzer abbekommen. Nur gut vernetzten Kandidaten gelingt es vielleicht, als Ausgleich für den verlorenen Doktorgrad zumindest eine Honorarprofessur zu ergattern.

Zitiervorschlag

Roland Schimmel, Abkürzungen zum Doktor: Promotionsvermittler und Photoshop . In: Legal Tribune Online, 22.10.2013 , https://www.lto.de/persistent/a_id/9857/ (abgerufen am: 20.04.2019 )

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 07.11.2013 00:41, Ghosti

    Grundsätzlich ist es eine einfache Methode seine wissenschaftliche Arbeit durch einen Ghostwriter verfassen zu lassen. Oftmals liegt die Problematik auch an den Hochschulen und Universitäten, bei denen die Studenten beim Verfassen ihrer wissenschaftlichen Arbeiten sprichwörtlich ins kalte Wasser geworfen werden. Ich arbeite selbst als freiberuflicher Ghostwriter für die Agentur UniGhost.de und habe in den vergangenen Jahren die Erfahrung gemacht, dass die Nachfrage an Ghostwritern stetig steigt. Dies liegt meines Erachtens auch an der hohen Belastung im Studium beziehungsweise an dem "Verschulten" Bachelor und Master System.

  • 26.05.2015 18:40, imts

    Schreiben Sie selbst eine Dissertation, sei es für einen Dr./PhD oder PhDr. Schreiben Sie nach einschlägigen wiss, Regeln an einer anerkannten Universität. Dann können Sie auch stolz auf sich sein - und den Titel ohne Bedenken führen. Alles andere ist nicht zu empfehlen.
    www.IMTS.institute

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