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DAV-Umfrage unter Referendaren: Anwalt ist häufig nicht der Wunsch­beruf

von Marcel Schneider

14.02.2020

Über die Hälfte aller frischgebackenen Volljuristen wird Anwalt - doch nicht für alle von ihnen ist das auch der Wunschberuf, zeigt eine aktuelle DAV-Umfrage. Und: In Sachen Fortbildung und Arbeitszeit können Arbeitgeber bei ihnen punkten.

"Die Anwaltschaft steht vor einem Umbruch, der sich auch in den Erwartungen der kommenden Juristengenerationen widerspiegelt. Nur noch ein knappes Drittel der Referendarinnen und Referendare plant den Berufseinstieg als angestellte Anwältin oder Anwalt. Eine selbständige anwaltliche Tätigkeit planen sogar nur circa zehn Prozent", sagt Volker Himmen.

Himmen ist Mitglied der Arbeitsgemeinschaft (AG) Kanzleimanagement im Deutschen Anwaltverein (DAV). Die hat in einer aktuellen Umfrage Referendare gefragt, wo sie sich zum Jobeinstieg sehen und wie sie sich diesen vorstellen. Den Ergebnissen zufolge haben also nur etwas über vierzig Prozent von ihnen den Anwaltsberuf als klares Ziel nach dem zweiten Examen vor Augen. Tatsächlich werden aber deutlich über die Hälfte aller frischgebackenen Volljuristen Anwalt. Legt man diese Zahlen zugrunde, scheint das für viele Absolventen nicht der Wunschberuf zu sein.

Wünsche: flexible Arbeitszeiten, Home Office, Fortbildungsmöglichkeiten

Wenn es also nicht der Anwaltsberuf sein soll, wohin soll es dann gehen? Der Umfrage zufolge sind sich rund 23 Prozent der Befragten noch unklar. "Diese Menschen für den Anwaltsberuf zu begeistern, muss das Bestreben der Anwaltschaft sein", kommentiert Himmen diese Entwicklung.

Weitere 20 Prozent der Teilnehmer wissen hingegen ganz genau, dass sie als Richter oder Staatsanwaltschaft in der Justiz arbeiten wollen. Jeweils zwischen vier und fünf Prozent von ihnen möchten in der Verwaltung, in einem Unternehmen oder als Syndikusanwalt arbeiten.

Was Himmen mit den "Erwartungen der kommenden Juristengenerationen" meint, geht aus der Umfrage ebenso hervor. Mit jeweils weit über zwei Dritteln halten die Teilnehmer eine angemessene Work-Life-Balance und flexible Arbeitszeiten für "sehr" beziehungsweise "äußerst" wichtig. Dass der Arbeitgeber Fortbildungen ermöglicht, priorisieren zwei Drittel ebenfalls als "sehr" oder "äußerst" wichtig. Und auch die  Möglichkeit, aus dem Home Office zu arbeiten, wünscht sich knapp die Hälfte der Befragten.

Für die Umfrage hat der DAV 236 Teilnehmer aus dem juristischen Vorbereitungsdienst befragt. Die detaillierten Ergebnisse und Auswertungen stellt er auf dem Deutschen Kanzleimanagement-Tag im kommenden März vor.

Zitiervorschlag

DAV-Umfrage unter Referendaren: Anwalt ist häufig nicht der Wunschberuf . In: Legal Tribune Online, 14.02.2020 , https://www.lto.de/persistent/a_id/40295/ (abgerufen am: 01.12.2020 )

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