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Coach für Einstellungstest des Auswärtigen Amts: "Habe den Test selbst nicht bestanden"

Constantin Körner

01.03.2014

2/2: "Über vier Stunden: Aufsatz, Sprach-, Wissen- und Intelligenztests"

LTO: Haben Sie ein Beispiel für uns?

Münchhausen: Zunächst schreiben Sie einen politischen Aufsatz von 60 Minuten Dauer. Danach lösen Sie zwei Sprachtests in Englisch und einer weiteren UN-Sprache von jeweils 30 Minuten. Dann durchlaufen Sie einen Intelligenztest von 90 Minuten Dauer und müssen schließlich im Multiple-Choice-Verfahren innerhalb von 10 Minuten jeweils 25 Fragen aus den Wissensgebieten Geschichte und Politik, Allgemeinwissen, Wirtschaft sowie Völker-, Europa- und Staatsrecht beantworten. Und diese Fragen haben es wirklich in sich! Wissen Sie zum Beispiel, welches Material, das auch zur Herstellung von Handys benötigt wird, im Kongo abgebaut wird? Oder wissen Sie, worum es in dem Buch "Bloodlands" geht? Schön ist auch die Frage, in welchem Vertrag sich das "Principle of Common but Differentiated Responsibilities" befindet oder was das Europäische Semester ist.

LTO: In der Tat erscheint das Themenspektrum sehr breit gefächert und geht gleichzeitig noch in die Tiefe. Wie bereiten Sie darauf vor?

Münchhausen: Wir haben zu jedem Fachgebiet ein spezielles Lernskript entwickelt. Aufgrund unserer sehr langen Erfahrung mit dem Auswahlverfahren können wir eine fundierte Struktur und eine gute Orientierung zu dem erforderlichen Wissen bieten. Denn das Problem für die Kandidaten ist, dass sie aufgrund der Fülle des abgefragten Wissens einfach keine Ahnung haben, wo sie bei der Vorbereitung anfangen sollen. In unseren Skripten finden sich daher in übersichtlicher Kürze und sehr strukturiert nur die Themen, die sich in den vergangenen Jahren als absolut prüfungsrelevant erwiesen haben.

Daneben vermitteln wir den Kandidaten kurz vor dem Test in einem mehrtägigen Seminar einen aktuellen Überblick über die aus unserer Sicht prüfungsrelevanten Themen. Hierzu referieren spezialisierte Fachreferenten, die ihren Fokus auf das prüfungsrelevante Wissen des Auswahlverfahrens legen. Amüsanter und unterhaltsamer Höhepunkt ist dann noch der Vortrag eines ehemaligen Mitglieds der Prüfungskommission des Auswärtigen Amts.

"Was ist der Unterschied zwischen einem Nomaden und einem Diplomaten?"

LTO: Unter Juristen gehört das Auswärtige Amt regelmäßig zu den beliebtesten Arbeitgebern. Wie erklären Sie sich das?

Münchhausen: Da ist der Mythos: die Insignien der Macht wie die diplomatische Immunität, der Diplomatenpass und das Standing. Neben dem Glamour gibt es aber auch die Härteposten mit ihren vielen kleinen Hausbewohnern in Form von Kakerlaken. Über den Glamour und die Kakerlaken hinaus, ist der Beruf selbst aber durchaus reizvoll. Ein Diplomat kommt herum, er sieht die Welt aus einer nicht-touristischen Perspektive. Man ist Generalist und lernt auch beruflich ständig neue Bereiche kennen. Da kann es schon mal passieren, dass man plötzlich ein paar Grußworte zum Treffen der Milchviehzüchter in Litauen hält oder in das Werk eines deutschen Künstlers einführt, dessen Namen man vorher noch nie gehört hat. Im nächsten Moment sitzt man dann beim NATO-Oberbefehlshaber und spricht über die Sicherheitslage des Gastlandes.

Diese Vielfalt verbunden mit der Internationalität bei gleichzeitiger Absicherung als deutscher Beamter ist enorm wichtig für viele Bewerber. Man sitzt an den Schalthebeln der Macht, ein Botschafter ist protokollarisch einem Staatspräsidenten ebenbürtig – und mancher Diplomat fühlt sich oft auch so. Jedem Bewerber ist aber anzuraten, den Selbsteinschätzungsbogen auf der Webseite des Auswärtigen Amts auszufüllen. Dort werden die negativen Merkmale des Diplomatenlebens beleuchtet, insbesondere die Schwierigkeiten für eine eventuell mitziehende Familie. Nicht umsonst heißt es sprichwörtlich: Was ist der Unterschied zwischen einem Nomaden und einem Diplomaten? Der Nomade kennt sein nächstes Ziel!

"Der Diplomat isst auch die Schnecken im Salat – Skurrile Geschichten aus dem auswärtigen Dienst", Taschenbuch, 240 Seiten, 9,99 Euro, ISBN: 978-3-442-15779-2.

Ernst Freiherr von Münchhausen ist als Rechtsanwalt in Berlin tätig. Nebenbei bereitet er Kandidaten auf den Einstellungstest des Auswärtigen Amts vor.

Das Interview führte Constantin Körner.

Zitiervorschlag

Constantin Körner, Coach für Einstellungstest des Auswärtigen Amts: "Habe den Test selbst nicht bestanden" . In: Legal Tribune Online, 01.03.2014 , https://www.lto.de/persistent/a_id/11199/ (abgerufen am: 13.08.2020 )

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Kommentare
  • 24.02.2018 19:17, Lotte

    Dachte es wäre sowas zum Auswählen und am Ende kommt ein Ergebnis raus.... Na ja, kann man nichts machen.