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Coach für Einstellungstest des Auswärtigen Amts: "Habe den Test selbst nicht bestanden"

Constantin Körner

01.03.2014

Das Auswärtige Amt gehört zu den beliebtesten Arbeitgebern von Juristen. Wer im Auftrag der Bundesrepublik durch die Welt fliegen will, muss zunächst den Einstellungstest bestehen. Der Rechtsanwalt Ernst Freiherr von Münchhausen hilft dabei und sammelt nebenher Geschichten über Kakerlaken, Schnecken und nackte Professoren.

LTO: Herr Freiherr von Münchhausen, wahrscheinlich können Sie die Frage schon nicht mehr hören. Aber ich habe Sie nicht auf einer Kanonenkugel herbeifliegen sehen. In welchem Verhältnis stehen Sie zu dem berühmten Lügenbaron?

Münchhausen: Zu DDR-Zeiten fragten mich die Grenzer, warum ich die Grenze nicht mit der Kanonenkugel überfliegen würde, das ginge doch viel schneller. Auch wenn das damals die Situation entspannt hat, höre ich die Frage doch lieber von Ihnen. Wirklich lästig ist mein Name eigentlich nur bei telefonischen Reservierungen. Da passiert es schon mal, dass mein Anruf nicht ernst genommen wurde und ich abends ohne Tisch dastehe. Daher reserviere ich seit Jahren nur noch mit meinem Vornamen. Insgesamt sorgt mein Name aber immer für ein nettes kleines Schmunzeln, das freut einen natürlich. Und der Lügenbaron ist tatsächlich ein gar nicht so entfernter Verwandter von mir. Daraus dürfen Sie aber keine Rückschlüsse ziehen.

"Als Nicht-Diplomat lebt man vielleicht sogar besser"

LTO: In Ihrem Buch versprechen Sie Anekdoten von "Fettnäpfchen, diplomatischen Fiaskos und den Gefahren landestypischer Spezialitäten". Dabei waren Sie selbst nie Diplomat, sondern sind Anwalt. Mimen Sie also doch den Lügenbaron und haben sich das alles nur ausgedacht?

Münchhausen: Es klingt tatsächlich nicht besonders glaubwürdig, wenn ein nackter Professor bei einer Dinnerparty erscheint und anschließend den Botschafter mit einem Faustschlag zu Boden streckt. Auch viele andere Anekdoten in meinem Buch sind unglaublich grotesk. Aber das ganze Leben wimmelt letztlich von Absurditäten. Und im diplomatischen Dienst kulminiert das irgendwie. Das mag daran liegen, dass sich dort traditionell viele Selbstdarsteller und Exzentriker versammeln, die noch dazu weltweit unterwegs sind. Wenn Sie also einen hartgesottenen Diplomaten treffen und ihn möglichst unter Alkoholeinfluss zum Schwadronieren bringen können, werden Sie sicher nicht enttäuscht werden. Und was Lüge und Wahrheit angeht: Das Lügensoll hat mein Verwandter schon vor langer Zeit erfüllt. Ich bleibe lieber bei der Wahrheit.

LTO: Soviel zum Thema Glaubwürdigkeit. Aber waren Sie nun selbst mal Diplomat oder nicht?

Münchhausen: Ich habe den legendären Einstellungstest zwar absolviert, aber nicht bestanden. Wahrscheinlich war der juristische Teil zu schwierig für mich. Daher bin ich Anwalt geworden. Trotzdem kann ich Ihnen versichern: Als Nicht-Diplomat lebt man auch ganz gut. Vielleicht sogar besser, weil man nicht alle drei Jahre mit Sack und Pack umziehen und jeden Abend auf einer Stehparty Visitenkarten verteilen muss.

"Nach dem Test geht man am besten schlafen oder betrinkt sich"

LTO: Dennoch scheint Sie die Diplomatie nie ganz losgelassen zu haben. Denn Sie betätigen sich als Coach zur Vorbereitung auf den Einstellungstest des Auswärtigen Amts.

Münchhausen: Ja, ich verlege seit mehr als zehn Jahren Vorbereitungsliteratur für den legendären Einstellungstest des Auswärtigen Amts. Außerdem veranstalte ich einmal jährlich ein mehrtägiges Seminar zur Vorbereitung. Der Kontakt zu den weltweit anreisenden Teilnehmern ist sehr freundschaftlich und besteht auch fort, wenn der Test bestanden ist. Da wird einem immer mal wieder die eine oder andere lustige Geschichte aus dem aufregenden oder nicht so aufregenden Diplomatenleben aufgetischt. Und ich war immer schon ein großer Freund skurriler Geschichten.

LTO: Sie bezeichnen den Einstellungstest als "legendär". Ist er tatsächlich so schwierig, wie ihm landläufig nachgesagt wird?

Münchhausen: Im schriftlichen Teil des Tests muss man alles aus allen möglichen Fachgebieten wissen und dieses Wissen in einer Stresssituation innerhalb kürzester Zeit abrufen. Nebenbei schreibt man dann noch einen Aufsatz, löst einige Sprachtests und durchläuft einen Intelligenztest. Anschließend geht man am besten schlafen oder betrinkt sich.

Zitiervorschlag

Constantin Körner, Coach für Einstellungstest des Auswärtigen Amts: "Habe den Test selbst nicht bestanden" . In: Legal Tribune Online, 01.03.2014 , https://www.lto.de/persistent/a_id/11199/ (abgerufen am: 14.07.2020 )

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Kommentare
  • 24.02.2018 19:17, Lotte

    Dachte es wäre sowas zum Auswählen und am Ende kommt ein Ergebnis raus.... Na ja, kann man nichts machen.