Ausbildung zum Diplomaten: Juristen im Aus­land

von Sabine Olschner

05.10.2017

Als Diplomat im Ausland zu arbeiten, ist ein extremer Job. Auch und gerade Juristen sind in den ausländischen Vertretungen gefragt. Wie ihre Arbeit aussieht und was sie dort erleben, hat Sabine Olschner in Erfahrung gebracht. 

 

Eigentlich war es für Dr. Martin Bergfelder Zeit, mal wieder die Stelle zu wechseln. Doch dann kam der Brexit, daher bleibt der Diplomat statt drei nun vier Jahre in London. "Hier herrschen gerade außergewöhnliche und spannende Zeiten", berichtet der 43-Jährige, der vom Auswärtigen Amt in Großbritannien für innenpolitische Fragen eingesetzt wird. "Meine Aufgabe als politischer Referent ist es, die innenpolitische Sicht Großbritanniens im Zuge des Brexit an Deutschland zu vermitteln", sagt Bergfelder. Der promovierte Jurist arbeitete nach seinem Studium und der Dissertation zunächst als Justiziar beim Umweltbundesamt, von dem er ins Auswärtige Amt entliehen wurde. "Hier habe ich den Beruf des Diplomaten kennengelernt", erinnert er sich. "Die Perspektive, alle paar Jahre etwas anderes zu machen und den Wohnort zu wechseln, hat mich sehr gereizt."

Seine erste Station als Diplomat führte ihn nach Kairo, wo er mitten im "Arabischen Frühling", den Aufständen in Ägypten, landete. "Eigentlich war ich im Bereich Wissenschaft und Politik eingesetzt, aber das Krisenmanagement hat unsere Arbeit immer stärker überlagert." Er weiß: Je nach Situation des Landes kann es als Diplomat also auch mal heikel werden. Darauf müssen sich alle, die diesen Beruf anstreben, einstellen.

Wohin es als nächstes geht, erfahren Diplomaten im Auswärtigen Amt anhand einer Vakanzenliste, die jedes Jahr neu herausgegeben wird. Wessen Zeit in einer Stelle ausläuft, bewirbt sich, auch in Absprache mit der Personalabteilung, auf verschiedene offene Posten. Janina-Alessa Zensus hält das erste Mal diese Liste in der Hand und ist gespannt auf ihren ersten Einsatz. Die Volljuristin befindet sich derzeit in der Diplomaten-Ausbildung in Berlin. 14 Monate lang durchlaufen die sogenannten Attachés theoretische und praktische Schulungen, darunter zum Beispiel Sprachtrainings in Englisch, Französisch und einer weiteren Sprache, Seminare in Europa- und Völkerrecht und die Rechts- und Konsularausbildung. Auch Studienfahrten etwa nach Brüssel, Den Haag oder zu Botschaften im Ausland stehen auf dem Programm.

"Ein juristisches Studium und Berufserfahrung sind sehr hilfreich bei der Diplomaten-Ausbildung", sagt Zensus, die vor ihrer Bewerbung sechs Jahre als Rechtsanwältin und Notarassessorin gearbeitet hat. "Vertrags- und Gesetzestexte zu lesen, ist für mich natürlich kein Problem", so die 33-Jährige. "Aber das Jurastudium hat mich auch das analytische und strukturierte Denken gelehrt sowie die Fähigkeit, den Überblick zu behalten. All das hilft mir nun sehr."

Mit Erstem Examen Diplomat werden

Ein Jura-Abschluss ist kein Muss für angehende Diplomaten, aber es finden sich unter den nur 40 bis 50 Attachés in jedem Jahrgang eine ganze Reihe von Juristen. "Voraussetzungen für die Bewerbung sind ein abgeschlossenes Studium – ein Master-Abschluss oder als Jurist das Erste Staatsexamen –, die deutsche Staatsangehörigkeit, politisches Verständnis, eine lebenslange weltweite Versetzungsbereitschaft und sehr gute Sprachkenntnisse in Englisch. Gute Kenntnisse in Französisch sind zudem Einstellungsvoraussetzung, nicht aber Voraussetzung für eine Bewerbung", so Anita-Maria Ohl-Meyer, Leiterin für die Ausbildung zum höheren Auswärtigen Dienst.

Das Auswahlverfahren besteht aus einem Online-Test, schriftlichen Aufgaben zu Themen wie etwa Allgemeinwissen, Völkerrecht, Europa- und Staatsrecht, der englischen Sprache, einer zweiten Sprache und einem weiteren mündlichen Test, in dem unter anderem Fragen zum politischen Verständnis und zur interkulturellen Kompetenz gestellt werden. Die anschließende Ausbildung ist für diejenigen, die bestehen, sehr breit angelegt, weil Diplomaten in allen Referaten einer Botschaft eingesetzt werden können – und zwar in den Ressorts Politik, Wirtschaft, Kultur, Wissenschaft, Presse, Innen- oder Außenpolitik sowie Rechts- und Konsularwesen. Letzteres kümmert sich unter anderem um die Belange von Deutschen im Ausland und um die Visavergabe für Reisen nach Deutschland.

"Auch Juristen müssen bereit sein, in jedem dieser Bereiche zu arbeiten und sich mit Aufgaben fernab der Rechtswissenschaften zu beschäftigen", betont Ohl-Meyer. Klar sei aber auch: "In der Rechtsabteilung werden Volljuristen für juristische Aufgaben gebraucht." Die Aufgaben sind also vielfältig und können sich jederzeit ändern.

Die Familie muss mit

Jessica Engel ist eine Juristin, die derzeit in der Rechtsabteilung im Referat Visumrecht in Berlin eingesetzt ist. "Mit meinem Jurastudium mit Schwerpunkt Europa- und Völkerrecht wollte ich gern international arbeiten und entweder im Ausland oder in Berlin leben", erzählt die 43-Jährige. Das hat sie geschafft: Als Diplomatin war sie bereits in Usbekistan, in Indonesien, in Kairo und in Berlin im Einsatz, als politische Referentin, Kulturreferentin, Leiterin der Rechts- und Konsularabteilung der Botschaft, im Protokoll und dem Koordinierungsstab Flucht und Migration.

"Eigentlich wollte ich gar keine klassischen juristischen Aufgaben mehr übernehmen, deshalb habe ich mich für die Diplomatenlaufbahn entschieden – wie viele meiner Kollegen mit juristischem Hintergrund auch", sagt Engel. "Jetzt habe ich aber doch wieder täglich mit juristischen Fragestellungen zu tun und stelle fest, dass es gerade die Schnittmengen zwischen Rechtsfragen und Außenpolitik sind, die eine juristische Tätigkeit im Auswärtigen Amt so interessant machen."  Wichtig sei, immer auch die politische Komponente im Auge zu behalten, so Engel, die sich bereits zu Studienzeiten mit (Hochschul-)Politik und Geschichte befasst hat.

Sowohl Engel als auch Bergfelder betreuen Praktikanten und Referendare, die eine Zeit lang im Auswärtigen Amt oder in einer ausländischen Botschaft eingesetzt sind. Bergfelders Tipp für Juristen, die überlegen, eine Diplomaten-Laufbahn einzuschlagen: "Praktika oder Wahlstationen sind gut, um ein Gefühl für die Arbeit in einer Behörde zu bekommen. Man muss mit Hierarchien, Bürokratie, Protokollen und vielen Terminen zurechtkommen." Außerdem, fügt der Diplomat hinzu, müsse man damit umgehen können, unter Umständen in Krisengebieten eingesetzt zu werden. Und nicht zuletzt müssen natürlich auch Partner beziehungsweise die die Familie mit regelmäßigen Ortswechseln einverstanden sein. Stress und Druck haben aber offenbar auch ihre guten Seiten: "Man darf immer wieder neue Länder und neue Leute kennenlernen. Es gibt wohl kaum einen spannenderen Job als den des Diplomaten", ist Engel überzeugt.

Zitiervorschlag

Sabine Olschner, Ausbildung zum Diplomaten: Juristen im Ausland. In: Legal Tribune Online, 05.10.2017, https://www.lto.de/persistent/a_id/24857/ (abgerufen am: 20.10.2017)

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 08.10.2017 07:19, Fritz Keil

    Nun ja.

    Wunschvorstellung: Botschafter in Paris.

    Realität: Pässe stempeln in Gabun.

    Die sog. "Verbuschung" ist neben dem Alkoholismus das Hauptproblem der Mitarbeiter des AA. Beides relativiert die schönen Seiten des Berufs deutlich.

    Auf diesen Kommentar antworten
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