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Arbeitslosengeld nach dem zweiten Staatsexamen: Raus aus dem Amt, rein ins Amt

von Marie Landsberg

16.06.2014

2/2: Das Erstgespräch: Mehr Ermahnung als Beratung

Per SMS erinnert das Arbeitsamt den Assessor an den Termin des Erstgesprächs mit dem Vermittler. Als Neukunde wird zunächst ein Profil erstellt, welches im Internet öffentlich in der Jobbörse erscheint. Der Assessor klickt an, welche Kenntnisse und Fertigkeiten er in Bereichen wie Mediation, Vertragsgestaltung, Recherche etc. besitzt. Sodann erfolgt eine Selbsteinschätzung (Grundkenntnisse, erweiterte Kenntnisse, Expertenwissen) in verschiedenen Rechtsgebieten, um den eigenen Schwerpunkt kenntlich zu machen.

Zudem werden einige Keywords eingegeben, die den eigenen beruflichen Zielen entsprechen. Wer eine Art Coaching zu den eigenen Möglichkeiten am Arbeitsmarkt erwartet, wird indes enttäuscht. Denn erstens kann der Vermittler dies überhaupt nicht leisten, und zweitens dient das Erstgespräch vor allem dazu, dem Arbeitslosen deutlich zu machen, dass nur er selbst die Arbeitslosigkeit beenden kann.

Die Eigenbemühungen und Bewerbungen sind die Gegenleistungen, die erbracht werden müssen, um das Arbeitslosengeld zu erhalten. Zwei Bewerbungen pro Woche sind das gesetzliche Minimum. Diese müssen auch dann verschickt werden, wenn der Assessor einen Notenverbesserungsversuch anstrebt. Denn der Wunsch, die eigene Note zu verbessern, sei letztlich eine private Angelegenheit, so Krug. Die Bewerbungsaktivitäten sollen in einer (Excel-) Tabelle dokumentiert werden, um jederzeit den aktuellen Sachstand mitteilen zu können.

Eingliederungsvereinbarung

Am Schluss des Gesprächs muss der Assessor eine Eingliederungsvereinbarung unterschreiben. Dort wird festgehalten, dass die Arbeitsagentur ihn unterstützt, um die Integrationschancen in einen Beruf zu verbessern. Zugleich verpflichtet sich der Arbeitslose zur gezielten Suche nach freien Stellen und zur Teilnahme an Trainingsmaßnahmen, sofern diese zielführend erscheinen.

Die Aussichten auf eine erfolgreiche Bewerbung steigen laut Krug – so weit kaum überraschend – mit der Punktzahl im Examen und dem Vorhandensein eines Doktortitels. Der Abschluss eines Fachanwaltslehrgangs hingegen ist nach seiner Einschätzung "ein Antibiotikum, das Wirkung verliert". Notwendig sei zudem die Bereitschaft, innerhalb des gesamten Bundesgebiets umzuziehen, um eine Stelle anzutreten.

Der Gang zum Amt ist also kein reines Vergnügen, und bezahlt wird man nicht fürs Nichtstun. Wer sich jedoch auf den Termin gut vorbereitet und die Jobsuche engagiert betreibt, der kommt nach dem zweiten Examen dank Arbeitslosengeld bis zu ein Jahr lang über die Runden – und so lang dauert es ja hoffentlich nicht.

Marie Landsberg ist seit Mai 2014 Assessorin. Den Gang zum Arbeitsamt hat sie selbst vor Kurzem erledigt.

Zitiervorschlag

Marie Landsberg, Arbeitslosengeld nach dem zweiten Staatsexamen: Raus aus dem Amt, rein ins Amt . In: Legal Tribune Online, 16.06.2014 , https://www.lto.de/persistent/a_id/12268/ (abgerufen am: 15.10.2019 )

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 17.06.2014 19:21, Besserwessi

    Eine gesetzliche Grundlage für mindestens zwei Bewerbungen pro Woche gibt es nicht.

  • 18.06.2014 12:07, Aras

    Geht es jetzt um Arbeitslosengeld I oder um Arbeitslosengeld II?

    • 18.06.2014 17:25, Spezi

      Vermutlich geht es hier ausschließlich um Rechtsreferendare,
      also handelt sich um ALG 1.

    • 20.06.2014 13:38, Henrik

      Bei der Höhe des Gehalts von Referendaren liegt der ALG I Anspruch unter ALG II. Wer also kein Eigenkapital besitzt landet direkt beim ALG II. Der Repressionsbehörde die Telefonnummer zu geben ist ein großer Fehler. Und wer sich schon ohne Gegenwehr insoweit pädagogisieren lässt, dass er sich per SMS an den Termin erinnern lässt, weil man ihn unterstellt er wäre zu blöd diesen auch so wahrzunehmen wird auf Dauer einen schweren Stand haben.

    • 20.06.2014 14:13, Aras

      Man sollte auch nicht vergessen, dass dem JC bzw. der BA doch die Zeugnisse nichts angehen.

  • 18.06.2014 12:59, RA

    Naja... Also dafür gibt es in der Tat wohl keine gesetzliche Grundlage. Aus meiner eigenen Erfahrung heraus kann ich berichten, dass das wohl von Amt zu Amt unterschiedlich gehandhabt wird. Mich hat man gefragt, wieviele Bewerbungen ich schreiben möchte (!!!). Später hieß es dann sogar, das werde an sich gar nicht mehr kontrolliert, ich solle nur Bitte eine Liste meiner Bewerbungen zum Gesprächstermin mitbringen.

    Aber der ganze Kram mit dem Amt ist jetzt doch endlich rum und da bin ich sehr froh drüber.

    • 30.03.2018 15:45, Hase

      Es ist richtig,das Amt prüft immer,was man macht,sie wollen alles wissen,aber das geht zu weit.Man sollte seine Persönlichkeit schützen und Fragen auch mal unbeantwortet lassen.
      Hausbesuche müssen grundsätzlich angemeldet werden,da erlebt man die tollsten Dinge.

  • 18.06.2014 15:34, Katharina

    Wo ist das geregelt, dass für Referendare die 3-Monatsregel nicht gilt? Mein Sachbearbeiter sieht das ganz anders..?

    • 19.06.2014 09:32, Philipp

      Nicht nur Deiner! Einige meiner Kollegen hatten Probleme (inkl. Sperre), weil sie sich "nur" innerhalb der 3-Tages-Frist gemeldet haben. Ich bin dann innerhalb von 3 Tagen direkt mit der Ladung zur mündlichen Prüfung zum Amt, das gab keine Probleme.

    • 05.01.2015 15:48, Wiebke

      Laut § 38 I SGB III gilt diese Frist auch für uns... Das hat uns jedenfalls das für mich zuständige OLG mitgeteilt

    • 12.04.2016 19:41, Judith

      NZA 2015, 860 Man lese und staune.

  • 19.06.2014 13:25, jooo

    In dem Artikel fehlt die Erläuterung, ob Referendare, die ihr 2. Examen bestanden haben, aber den Verbesserungsversuch in Anspruch nehmen wollen, als Förderungsleistung der Arbeitsagentur einen Zahlungsanspruch haben, ohne sich während des erneuten Lernens bewerben zu müssen.

  • 25.06.2014 01:35, Besserwessi

    Die Verfasserin schreibt "Um nicht in ein finanzielles Loch zu fallen und weiterhin gesetzlich kranken- und pflegeversichert zu sein, ist der Weg zum Arbeitsamt oftmals unumgänglich." Dabei verschweigt sie, dass man beim Bezug von ALG I u.U. weiter privat versichert sein kann (vgl. § 8 Abs. 1 Nr. 1a SGB V).

    Zudem gibt sie an: "Am Schluss des Gesprächs muss der Assessor eine Eingliederungsvereinbarung unterschreiben." Eine Pflicht zum Abschluss einer EGV gibt es beim Bezug von ALG I nicht. Beim Bezug von ALG II ist dies höchst umstritten.

    • 25.06.2014 08:47, Aras

      Naja es stimmt schon, da die Agentur für Arbeit beim Bezug von ALG I die GKV weiter zahlt. Jedoch kann es sein, dass bei manchem das Geld für die Lebensunterhaltssicherung nicht reicht, es also Anspruch auf ALG II gibt. Dann kann man sich entscheiden ob man sich bei der Zweigstelle der Agentur für Arbeit für Langzeitarbeitlose, aka Jobcenter, meldet und dort aufstockend ALG II beantragt.

      Zu der EGV muss ich sagen, dass ich verwirrt war, dass es sowas bei ALG I gibt - Darum auch meine Nachfrage ob ALG I oder II. Denn ALG I ist eine Versicherungsleistung und keine Steuerleistung. Man hat "bedingungslosen" Anspruch darauf, falls die nötigen Einzahlung entrichtet worden sind bzw. keine Sperre wegen Eigenkündigung/Aufhebungsvertrag verhängt wurde.

      Will man die EGV nicht unterschreiben, so kann diese vom Jobcenter per Verwaltungsakt erlassen werden. Nur welches JC möchte dass bei einem Juristen machen :D. Da ist der Gang zum Sozialgericht vorprogrammiert...

      Der Artikel bedarf irgendwie einer Überarbeitung.

  • 25.06.2014 11:36, Christian

    Die Regelung, nach der der Prüfungsmonat noch voll bezahlt wird, gibt es übrigens auch in Bayern, Art. 3 Abs. 5 S.2 S SiGjurVD i.V. Art. 76 BayBesG.