Druckversion
Dienstag, 8.09.2026, 21:31 Uhr


Legal Tribune Online
Schriftgröße: abc | abc | abc
https://www.lto.de//recht/presseschau/p/presseschau-2017-01-05-starker-Staat-Lammert-Volkssouveraenitaet-fall-asaria
Fenster schließen
Artikel drucken
21668

Die juristische Presseschau vom 5. Januar 2017: Mili­tär­straf­sache Asaria / Mehr starker Staat / Lam­mert zur Volks­sou­ve­ränität

05.01.2017

Legal Voices - die juristische Presseschau

Elor Asaria wird von Militärgericht in Israel für schuldig befunden. Außerdem in der Presseschau: Streit um starken Staat geht weiter, Klosterkammer muss NS-Kunst weiter ausstellen und Norbert Lammert schreibt über Volkssouveränität.

Anzeige

Thema des Tages

Israel – Elor Asaria: Ein Militärgericht in Israel hat den Soldaten Elor Asaria wegen Totschlags verurteilt. Er hatte im März in Hebron einen palästinensischen Attentäter in den Kopf geschossen, obwohl dieser bereits verletzt am Boden lag, wie die SZ (Peter Münch), die taz (Susanne Knaul), spiegel.de und zeit.de berichten. Der Prozess hatte vor dem Hintergrund einer seit Oktober 2015 anhaltenden Anschlagswelle für heftige Debatten in der israelischen Öffentlichkeit gesorgt. In einem Interview mit der taz (Susanne Knaul) weist Gilad Grossmann von der israelischen Menschenrechtsorganisation Jesch Din darauf hin, dass der Fall Asaria kein Einzelfall sei. Andere derartige Vorgänge würden aber nicht vor Gerichten verhandelt.

Rainer Hermann (FAZ) schreibt, Israels Rechtsstaat habe sich "gegen den Druck nationalistischer Kreise immun gezeigt" und das Land habe seinen Nachbarn voraus, dass es ein Rechtsstaat sei, in dem "unbequeme Urteile gefällt und akzeptiert werden". Auch Peter Münch (SZ) begrüßt das Urteil des Militärgerichts und verbindet es mit Kritik an der Regierung. Eine Politik, nach welcher der Zweck die Mittel heiligt, "untergräbt die rechtsstaatlichen Werte Israels und droht das Land außenpolitisch weiter in eine Isolation zu treiben".

Rechtspolitik

Sicherheitsarchitektur: Bundesinnenminister Thomas de Maizière hat für seine "Leitlinien für einen starken Staat in schwierigen Zeiten" sowohl Kritik von den Ländern als auch der Opposition im Bund geerntet, wie lto.de berichtet.

Heinrich Wefing (Die Zeit) hält viele der Überlegungen de Maizières für vernünftig. Er werde bei der Realisierung "getragen von einer politischen Stimmung, die eindeutig zu mehr Sicherheit, mehr Staat" neige. Jost Müller-Neuhof (Tsp) plädiert für ein Vertrauen, das in die Sicherheitsbehörden gesetzt werden müsse und für eine Politik, die "Druck widersteht, statt ihn zu erzeugen". Kritik übt Christian Bommarius (BerlZ). Seiner Meinung nach brauche ein starker Staat einen "Bundesinnenminister, der nicht nach einem Terroranschlag den Kopf verliert", sondern "besonnen reagiert".

Elektronische Fußfessel: Nun berichtet auch die FAZ (Alexander Haneke) über den Referentenentwurf des Bundesjustizministeriums, der den Einsatz elektronischer Fußfesseln bei extremistischen Straftätern vorsehe.

Kölner Silvesternacht: Die Zeit (Gero von Randow) diskutiert das Vorgehen der Polizei in der Kölner Silvesternacht 2016/17. Einerseits sei der Polizei zu danken, da sexuelle Übergriffe in dem Ausmaß vom letzten Jahr nicht vorgekommen seien. Es sei allerdings nicht zu leugnen, dass die Polizei Personen nach dem Aussehen einsortiert und kontrolliert habe. Über die rechtsstaatlichen Schwierigkeiten eines solchen "racial profilings" müsse nachgedacht werden. Auch wenn es sich nur um vermeintlich harmlose Identitätskontrollen gehandelt habe, seien polizeiliche Maßnahmen allein auf Grund der sichtbaren Herkunft demütigend. Wie die taz (Christoph Herwartz) berichtet, hat Kölns Polizeipräsident Jürgen Mathies eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die den Einsatz aufarbeiten soll.

"Hassreden": Im Interview mit lto.de (Anja Hall) spricht der Rechtsanwalt Niklas Haberkamm über "Hassreden im Internet". Geeignete Gegenmaßnahmen könnten nur ergriffen werden, wenn differenzierter mit dem Begriff "Hassrede" umgegangen werde. Seiner Auffassung nach bietet die aktuelle Gesetzlage genug Handlungsspielraum um gegen die strafrechtlich relevanten Fälle vorzugehen. Gesetze müssten nur konsequent angewendet und "die vorgesehenen Sanktionsmöglichkeiten mit der jeweils gebotenen Härte" umgesetzt werden. Der erste Schritt sei die Einführung "digitaler Polizeibehörden".

Zeitarbeit: Der Rechtsanwalt Alexander Bissels stellt auf lto.de ausführlich die Reform des "Fremdpersonaleinsatzes" vor, welche im April 2017 in Kraft treten soll. Diese sieht Änderungen im Arbeitnehmerüberlassungsgesetz, im Bürgerlichen Gesetzbuch und im Betriebsverfassungsgesetz vor. Ziel der Reform sei es, Zeitarbeit für Unternehmen unattraktiver zu machen.

Befristete Teilzeit: Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles legte einen Gesetzentwurf vor, der es Arbeitnehmern erleichtern soll, die wöchentliche Arbeitszeit für einen befristeten Zeitraum zu reduzieren und anschließend wieder zur ursprünglichen Arbeitszeit zurückzukehren, wie SZ (Thomas Öchsner), das Hbl (Frank Specht) und die FAZ (Britta Beeger) berichten. Ziel des Entwurf sei es zu verhindern, dass Arbeitnehmer – vor allem Frauen – in Teilzeitjobs verbleiben müssten. Constanze Buillon (SZ) zweifelt zwar an der Wirksamkeit des Entwurfes, da dieser nur auf Unternehmen mit einer Beschäftigtenzahl von mehr als 15 Personen beschränkt sei, sieht das Recht auf befristete Teilzeit aber als "einen Schritt auf dem Weg zu mehr Chancengleichheit. Heike Göbel (FAZ) bezweifelt, dass es Arbeitnehmern tatsächlich schwerfalle, in die Vollzeitbeschäftigung zurückzukehren. "Wer mehr arbeiten will, dem bieten sich mehr Chancen denn je, wenn auch nicht unbedingt im selben Unternehmen", schreibt sie.

Bleiberecht: Nach einem Erlass des Brandenburgischen Innenministeriums vom 21. Dezember 2016 soll Opfern rechter Gewalt als Entschädigung ein Bleiberecht zuerkannt werden, auch wenn sonst kein Grund für eine Bewilligung vorliegt. Hiermit solle auf den starken Anstieg von politisch rechts motivierten Gewalttaten reagiert werden, so das Innenministerium. So berichtet nun auch lto.de (Maximilian Amos).


Anzeige
Seite 1/3
  • Seite 1:

    Tagesthema & Rechtspolitik: Militärgericht verurteilt Asaria, de Maizières starker Staat in der Kritik, Recht auf Rückkehr in Vollzeitbeschäftigung

  • Seite 2:

    Justiz: Klosterkammer muss NS-Kunst weiter ausstellen, Prozessauftakt gegen Shaas al-M., Kein dringender Tatverdacht gegen vermeintlichen Kontaktmann Amris

  • Seite 3:

    Welt & Weiteres: IStGH in der Krise?, Prozess in Griechenland , Norbert Lammert zur Volkssouveränität

  • Drucken
  • Senden
  • Zitieren
Zitiervorschlag

Die juristische Presseschau vom 5. Januar 2017: . In: Legal Tribune Online, 05.01.2017 , https://www.lto.de/persistent/a_id/21668 (abgerufen am: 08.09.2026 )

Infos zum Zitiervorschlag
lto karriere logo

Dein Zugang zu Deutschlands reichsweitenstärksten Karriere-Portal für Jurist:innen

logo lto karriere
Jetzt registrieren bei LTO Karriere

Finde den Job, den Du verdienst 100% kostenlos registrieren und Vorteile nutzen

  • LTO Job Matching: Finde den Job & Arbeitgeber, der zu Dir passt.
  • Jobs per Mail: Verpasse keine neuen Job-Angebote mehr.
  • Easy Apply: Die einfache und schnelle Bewerbung zu Deinem neuen Job.
Das Passwort muss mindestens 8 Zeichen lang sein und mindestens einen Großbuchstaben, einen Kleinbuchstaben, eine Zahl und ein Sonderzeichen enthalten (z.B. #?!@$%^&*-).
Pflichtfeld *

Nur noch ein Klick!

Wir haben Dir eine E-Mail gesendet. Bitte klicke auf den Bestätigungslink in dieser E-Mail, um Deine Anmeldung abzuschließen.

Weitere Infos & Updates einfach und kostenlos direkt ins Postfach.

LTO Karriere Newsletter

Das monatliche Update mit aktuellen Stellenangeboten & Karriere-Tipps.

LTO Daily

Jeden Abend um 18 Uhr die wichtigsten News vom Tag.

LTO Presseschau

Jeden Morgen um 7:30 Uhr die aktuelle Berichterstattung über Recht und Justiz.

Pflichtfeld *

Fertig!

Um die kostenlosen Nachrichten zu beziehen, wechsle bitte nochmal in Dein Postfach und bestätige Deine Anmeldung mit dem Bestätigungslink.

Du willst Dein Bewerberprofil direkt anlegen?

Los geht´s!
logo lto karriere
TopJOBS
Logo von PwC Legal AG
Rechts­an­walt Kar­tell-, Ver­ga­be-, Bei­hil­fe­recht (w/m/d)

PwC Legal AG, Ber­lin

Logo von Flick Gocke Schaumburg
Rechts­an­walt (m/w/d) Cor­po­ra­te / M&A

Flick Gocke Schaumburg, Bonn

Logo von ADVANT Beiten
Re­fe­ren­da­re (w/m/d) – Brüs­sel

ADVANT Beiten, Brüs­sel

Logo von PwC Legal AG
Rechts­an­walt / Voll­ju­rist Steu­er­recht (w/m/d)

PwC Legal AG, Frank­furt am Main

Logo von PwC Legal AG
Se­nior Rechts­an­walt Öf­f­ent­li­ches Wirt­schafts­recht (w/m/d)

PwC Legal AG, Frank­furt am Main

Logo von TowaRA:Arbeitsrecht
Rechts­an­walt (m/w/d) im Ar­beits­recht mit und oh­ne Be­ruf­s­er­fah­rung

TowaRA:Arbeitsrecht, Köln

Logo von Klinikum Region Hannover GmbH
Spe­zia­list*in Com­p­li­an­ce (m/w/d)

Klinikum Region Hannover GmbH, Han­no­ver

Logo von Paul-Ehrlich-Institut
Voll­ju­ris­tin / Voll­ju­ris­ten (m/w/d) in Teil­zeit (23,4 h/​Wo­che)

Paul-Ehrlich-Institut, Lan­gen

Mehr Stellenanzeigen
logo lto events
Online-Trainingsabend: Netzwerkpflege mit Strategie

15.09.2026

Logo von Deloitte Legal Rechtsanwaltsgesellschaft mbH
EU-Geldwäscheprävention-Maßnahmenpaket im Fokus

16.09.2026

Allgemeine Grundlagen des Umwandlungsrechts für Vertragsvorbereitungen im Notariat

15.09.2026

Das Supervermächtnis in der notariellen Gestaltungspraxis

15.09.2026

Nießbrauchs- und Wohnungsrechte aus zivil-, pflichtteils-, bewertungs-, ertragsrechtlichen Sicht etc

15.09.2026

Mehr Events
Copyright © Wolters Kluwer Deutschland GmbH