LTO-Podcast mit Prof. Dr. Lutz Roewer zum DNA-Profiling: Ver­b­re­cher­jagd mit ange­zo­gener Bremse?

von Michael Reissenberger

06.04.2018

Warum dürfen wir nicht wissen, was wir wissen könnten? Diese Frage stellen sich deutsche Kriminalkommissare zum DNA-Profiling. LTO sprach mit Rechtsmediziner Lutz Roewer von der Charité unter anderem genau darüber.

Mit der Technik des DNA-Fingerprinting wurden in Deutschland schon 180.000 Taten aufgeklärt, sie ist der Goldstandard der forensischen Ermittlungsverfahren. Doch die Kriminalkommissare wollen jetzt mehr:

Spätestens seit dem Freiburger Vergewaltigungs- und Mordfall, der jetzt mit dem Schuldspruch für einen afghanischen Flüchtling vorläufig beendet wurde, fordern sie die erweiterte DNA Analyse: Warum dürfen wir nicht wissen, was wir wissen könnten, fragen sie. Nicht nur in Freiburg hätte uns das möglicherweise früher auf die richtige Fährte gebracht. Denn die neue Methode des DNA-Profiling gibt etliche Hinweise auf die bio-geographische Herkunft eines Spurenlegers - jeder Mensch trägt die genetische Mischung all jener Populationen in sich, zu denen seine Vorfahren gehört haben.

Baden-Württemberg und Bayern haben daraufhin eine Gesetzesinitiative gestartet, das Bundesjustizministerium hat kürzlich eine Sachverständigenanhörung gestartet. Gefragt ist deshalb der Fachmann der DNA-Analyse, der Berliner Rechtsmediziner Lutz Roewer von der Berliner Charité. Er erinnert an die erste große Bewährung dieser Fahndungsmethode per DNA-Analyse. Die fand vor knapp 20 Jahren in den Niederlanden statt, in einem kleinen friesischen Ort mit einem nahegelegenen Flüchtlingslager...

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Zitiervorschlag

Michael Reissenberger, LTO-Podcast mit Prof. Dr. Lutz Roewer zum DNA-Profiling: Verbrecherjagd mit angezogener Bremse? . In: Legal Tribune Online, 06.04.2018 , https://www.lto.de/persistent/a_id/27925/ (abgerufen am: 13.11.2018 )

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Kommentare
  • 07.04.2018 08:29, Opho

    Die Antwort ist ganz einfach: Wir leben nicht in einem Überwachungsstaat. Wenn man diese Tür öffnet, wird es immer weiter in diese Richtung gehen.

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    • 07.04.2018 10:37, 123

      Die Strafverfolgung ist schon immer mit der Zeit gegangen - Fotografie, Fingerabdrücke, neuerdings PreCobs..
      Im Freiburger Fall wäre es wünschenswert gewesen, wenn man diese Dinge für die Fahndung gewusst hätte, es handelt sich immerhin um einen Mordfall.

      Überall nur Überwachungsstaat zu rufen, wird der heutigen Zeit nicht gerecht. Zuguterletzt gibt es immer noch einen Richtervorbehalt.. aber die stehen auf Seiten der Staatsanwaltschaft und der Polizei, nech?

    • 07.04.2018 15:39, M.D.

      Es hat nichts mit Überwachung zu tun, wenn Täter am Tatort ihre DNA zurücklassen. Überwachung ist präventiv, Strafverfolgung ist repressiv.

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