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Weiterer Verteidiger für Zschäpe: Und auf einmal waren es vier

06.07.2015

Das Oberlandesgericht München hat der Hauptangeklagten im NSU-Prozess, Beate Zschäpe, am Montag einen vierten Pflichtverteidiger beigeordnet.

Bei dem Mann handelt es sich um den 31 Jahre jungen Münchner Anwalt Mathias Grasel. Zschäpe muss sich seit mehr als zwei Jahren im NSU-Prozess wegen der mutmaßlichen Mittäterschaft an den zehn Morden des "Nationalsozialistischen Untergrunds" verantworten.

Mit ihrem neuen Anwalt pflegt Zschäpe in der Justizvollzugsanstalt Stadelheim dem Vernehmen nach schon einige Monate Kontakt. In der vergangenen Woche hatte sie verlangt, den Prozess bis zur Berufung Grasels auszusetzen. Das hatte das Gericht aber abgelehnt.

Grasel will weiteren Anwalt konsultieren

Zschäpe hatte andererseits keinen Antrag auf einen vierten Verteidiger gestellt. Stattdessen hatte sie in den letzten Monaten ihren bisherigen Verteidigern Wolfgang Heer, Wolfgang Stahl und Anja Sturm das Vertrauen entzogen. Das Gericht lehnte es aber zuletzt ab, Sturm von der Verteidigung Zschäpes zu entbinden.

Grasel teilte in einer schriftlichen Erklärung mit, Zschäpe habe ihn "darum gebeten, ihre Verteidigung zu übernehmen". Das habe er dem Gericht mitgeteilt. Aufgrund des "fortgeschrittenen Prozessverlaufs" und "des immensen Aktenvolumens" werde er sich "von einem renommierten Strafverteidiger" unterstützen lassen. Grasel teilte nicht mit, um wen es sich dabei handelt.

Zitiervorschlag

Weiterer Verteidiger für Zschäpe: Und auf einmal waren es vier . In: Legal Tribune Online, 06.07.2015 , https://www.lto.de/persistent/a_id/16107/ (abgerufen am: 23.08.2019 )

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Kommentare
  • 07.07.2015 13:00, Renate Herholt

    Mit welcher Begründung bekommt diese Dame einen 4.Pflichtverteidiger auf Staatskosten? Bekommen die Nebenkläger auch Pflichtverteidiger oder müssen Sie diese selbst bezahlen? Ich würde mal gerne den Richter hören, wenn er die Verteidiger aus eigener Tasche bezahlen müsste. Aber er sagt ganz einfach, Kosten dürften in dieser Sache keine Rolle spielen. Natürlich, ist ja nicht sein Geld. Manchmal kann man an unserem Rechtsstaat wirklich verzweifeln, da haben die Täter mehr Rechte als die Opfer. Jetzt wird der Prozess wieder einmal vertagt, und wetten, dass Frau Zschäpke auch danach nicht aussagt. Und er wird sich auch noch von einem bekannten Strafverteidiger beraten lassen. Der macht das dann wohl umsonst, oder muss der Steuerzahler den auch noch bezahlen? Denn wenn der bekannt ist, ist er jawohl auch nicht billig.