Kalifornische Justiz prüft Ärger um FIFA-Tickets: Teure Tickets für sch­lechte Plätze bei Fuß­ball-WM?

15.05.2026

Fans zahlten für teure Sitzplatzkategorien – und bekamen schlechtere Plätze. Kaliforniens Generalstaatsanwalt nimmt die FIFA ins Visier und fordert Auskünfte wegen möglicher Verstöße gegen Verbraucherschutzrecht.

 

Generalstaatsanwalt Rob Bonta aus Kalifornien fordert wegen Berichten über möglicherweise irreführende Ticketpraktiken bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 Auskünfte von der FIFA. Bonta teilte auf der Plattform X mit, er habe ein Schreiben an den Weltverband geschickt, um mögliche Verstöße gegen kalifornisches Verbraucherschutzrecht zu prüfen.

Hintergrund sind Medienberichte, wonach Tickets auf Grundlage bestimmter auf Stadionplänen abgebildeter Sitzplatzkategorien verkauft wurden. Später sollen diese Kategorien geändert worden sein, bevor konkrete Plätze zugewiesen wurden. Viele Fans bekamen so plötzlich schlechtere Plätze zugeteilt als erwartet.

Bonta fordert Transparenz – FIFA spricht von Orientierungshilfe

Bonta forderte "Transparenz und Fairness beim Kauf von Tickets für Veranstaltungen in unserem Bundesstaat". In seinem Brief, der auch auf der Behörden-Webseite hinterlegt ist, schrieb Bonta: "Einige Verbraucher haben berichtet, sie fühlten sich getäuscht, da die ihnen letztendlich zugewiesenen Plätze einer niedrigeren Kategorie angehörten, als es der Stadionsitzplan vermuten ließ, der ihnen zum Zeitpunkt des Kaufs vorlag."

Die FIFA hatte im April nach einem Bericht der "New York Times" erklärt, die dargestellten Kategorienpläne seien lediglich eine Orientierungshilfe für Fans gewesen, wo sich ihre Plätze im Stadion befinden könnten.

Rechtlicher Hintergrund: Kaliforniens weitreichendes Verbraucherschutzrecht

Im Zentrum der Prüfung steht Kaliforniens Unfair Competition Law (Cal. Bus. & Prof. Code §§ 17200 ff.), das unlautere, ungesetzliche oder irreführende Geschäftspraktiken verbietet. Ergänzend kommt das False Advertising Law (Cal. Bus. & Prof. Code §§ 17500 ff.) in Betracht, das irreführende Werbeaussagen untersagt. Das kalifornische Recht schützt Verbraucher bereits dann, wenn eine Darstellung geeignet ist, bei einem vernünftigen Verbraucher eine Fehlvorstellung hervorzurufen. 

Viel stärker als im deutschen Recht ist die Durchsetzung von Verbraucherschutz Sache der Behörden. Der Attorney General hat unter diesen Vorschriften die Befugnis, behördliche Ermittlungen einzuleiten, Auskünfte zu erzwingen und im Ergebnis Unterlassungsverfügungen oder Bußgelder zu erwirken.

Diese Informationen fordert der Generalstaatsanwalt

Um zu prüfen, ob gegen kalifornisches Recht verstoßen wurde, fordert der Generalstaatsanwalt nun Informationen über den Ticketverkauf für die WM-Spiele in Kalifornien an – unter anderem dazu, wie Sitzplatzkategorien dargestellt wurden, ob die tatsächlichen Sitzplatzzuweisungen davon abwichen. Konkret verlangt Bonta unter anderem Kopien der seit Verkaufsstart angezeigten Stadionpläne, Angaben dazu, wann diese Pläne im Kaufprozess sichtbar waren, sowie Zahlen dazu, wie viele Käufer letztlich Plätze erhielten, die nach dem beim Kauf angezeigten Plan einer niedrigeren Kategorie entsprochen hätten. Die FIFA soll die Informationen bis zum 29. Mai vorlegen.

Auch unabhängig von dem Wirbel um die verschiedenen Preiskategorien steht die FIFA wegen der hohen Ticketpreise seit Längerem in der Kritik. Die dynamische Preisgestaltung, bei der die Kosten je nach Nachfrage steigen oder fallen, steht dabei im Mittelpunkt des Ärgers. 

Für die FIFA ist es nicht das erste Mal, dass Verbraucherschutzbehörden ihre Ticketpraktiken unter die Lupe nehmen: Erst im Oktober 2025 hatte das Landgericht Berlin II den Weltverband auf Klage des Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) wegen irreführender Klimaneutralitäts-Werbung im Rahmen des Ticketverkaufs für die Katar-WM verurteilt

Ob die Ermittlungen tatsächlich zu rechtlichen Schritten gegen die FIFA führen, ist bislang offen. Zunächst verlangt die kalifornische Justiz umfassende Informationen zum Verkaufsprozess.

dpa/fz-LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

Kalifornische Justiz prüft Ärger um FIFA-Tickets: . In: Legal Tribune Online, 15.05.2026 , https://www.lto.de/persistent/a_id/59974 (abgerufen am: 18.06.2026 )

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