Jura-Professor, Menschenrechtsanwalt, Buchautor: Philippe Sands setzt sich für die Verteidigung des Völkerrechts ein. Jetzt wurde er mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet.
Der französisch-britische Jura-Professor, Menschenrechtsanwalt und Autor Philippe Sands wird mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels geehrt. Der renommierte Völkerrechtler wirkte in zahlreichen Verfahren vor internationalen Gerichten mit.
Sands setze sich "für Gerechtigkeit, Frieden und die beharrliche Verteidigung des Völkerrechts ein", sagte Börsenvereins-Vorsteher Sebastian Guggolz, Vorsitzender des Stiftungsrats. "Der Nachkomme von Holocaustüberlebenden zeigt entlang der eigenen Familiengeschichte, wie dieses Recht entstanden ist und welche Erfahrungen hinter den Tatbeständen 'Genozid' und 'Verbrechen gegen die Menschlichkeit' stehen."
Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels – die Berufsorganisation der Verlage und Buchhandlungen – vergibt den Preis seit 1950. Die Ehrung wird traditionell zum Abschluss der Frankfurter Buchmesse überreicht, in diesem Jahr am 11. Oktober.
Die Auszeichnung ist mit 25.000 Euro dotiert. Gewürdigt werden damit Persönlichkeiten, die in Literatur, Wissenschaft oder Kunst zur Verwirklichung des Friedensgedankens beigetragen haben.
An zahlreichen Verfahren vor dem IGH beteiligt
So wie Philippe Sands. Er wurde 1960 in London geboren und ist Professor für Internationales Recht am University College London sowie Gastprofessor an der Harvard Law School. Er trat in zahlreichen Fällen vor dem Internationalen Gerichtshof (IGH) auf, so zum Beispiel beim Atomwaffen-Gutachten (Nuclear Weapons Advisory Opinion v. 08.07.1996) und beim Verfahren Gambia gegen Myanmar, in dem es um einen möglichen Völkermord an der muslimischen Rohingya-Minderheit in Myanmar geht.
Im Gutachtenverfahren des IGH zur israelischen Besatzung palästinensischer Gebiete war Sands einer der Vertreter Palästinas. Im Juli 2024 hatte der IGH festgestellt, dass Israel dort eine völkerrechtswidrige Annexion betreibt.
Zudem hat Sands mit anderen Juristen den Tatbestand des "Ökozids" für Katastrophen durch globale Erderwärmung entwickelt.
Reale Fälle als Vorbilder für seine Bücher
Neben der Veröffentlichung juristischer Fachliteratur ist Philippe Sands auch als literarischer Sachbuchautor tätig. Seine Herangehensweise liege "jenseits der üblichen Grenzen zwischen Sachbuch, literarischer Erzählung und Reportage", so der Stiftungsrat: Er verbinde persönliche Lebensgeschichten mit den großen Fragen des Völkerrechts.
In "Rückkehr nach Lemberg" und "Die Rattenlinie" schreibt er gegen das Vergessen an. Zwei Fälle, an denen er beteiligt war, bilden die Grundlage für "Die letzte Kolonie" und "Die Verschwundenen von Londres 38".
2019 beendete der IGH symbolisch die letzte britische Kolonie in Afrika. Er entschied, dass die Abtrennung des Chagos-Archipels und die Zwangsumsiedlung der Chagossianer durch Großbritannien in den 1960er und 1970er Jahren rechtswidrig war. Seit 1903 war die Inselgruppe ein administrativer Teil von Mauritius gewesen. Sands vertraut Mauritius in dem Fall.
"Die Verschwundenen von Londres 38" handelt u.a. vom Justizdrama um die Verhaftung des chilenischen Diktators Augusto Pinochet. Im Mittelpunkt stand die Frage, ob sich Pinochet als ehemaliger Staatschef vor einem nationalen Gericht auf Immunität berufen konnte. Sands wurde gefragt, ob er Pinochet vertreten möchte, unterstützte stattdessen aber eine Menschenrechtsorganisation beim Kampf für dessen Verurteilung.
fkr/LTO-Redaktion
Mit Material der dpa
Renommierter Völkerrechtler ausgezeichnet: . In: Legal Tribune Online, 25.06.2026 , https://www.lto.de/persistent/a_id/60286 (abgerufen am: 16.07.2026 )
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