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VG Stuttgart zu TierSchG: Hund darf während der Arbeit nicht im Auto bleiben

08.10.2013

Wer seinen Hund während der Arbeit im Auto einsperrt, verstößt gegen das TierSchG. Dies gilt nach einem am Dienstag bekannt gewordenen Beschluss des VG Stuttgart selbst dann, wenn das Tier zwischendurch immer mal Auslauf bekommt.

Nach § 2 Nr. 1 des Tierschutzgesetzes (TierSchG) muss, wer ein Tier hält, betreut oder zu betreuen hat, das Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen. Gegen dieses Gebot der verhaltensgerechten Unterbringung hat der Halter nach Auffassung des Verwaltungsgerichts (VG) Stuttgart dadurch verstoßen, dass er seine Hündin "Cosima" während seiner Arbeitszeit in seinem Fahrzeug einsperrt (Beschl. v. 18.09.2013, Az. 4 K 2822/13).

"Cosima" musste nach Gerichtsangaben an vier Tagen pro Woche für je acht Stunden auf ihr Herrchen warten. Zusätzlich habe sie noch die lange Fahrt zur Arbeit und nach Hause im Auto verbracht. Ihr Halter hatte zwar geltend gemacht, die Hündin erhalte zwischendurch Auslauf, dies jedoch nicht weiter substantiiert.

Darauf komme es auch nicht an, fand das Gericht. Denn in jedem Fall bliebe es dabei, dass die Hündin über viele Stunden im Auto eingesperrt sei. Dort sei sie auf Dauer nicht ausreichend gegen Kälte und Hitze geschützt und habe keinen ausreichenden Raum zur Bewegung zur Verfügung, so die 4. Kammer. Nach den entsprechend anwendbaren Vorgaben für die Zwingerhaltung sei ein Kraftfahrzeug wegen seiner beengten Raumverhältnisse nur zum Transport, nicht aber zur Unterbringung von Hunden über mehrere Stunden geeignet.

Mit Material von dpa.

tko/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

VG Stuttgart zu TierSchG: Hund darf während der Arbeit nicht im Auto bleiben . In: Legal Tribune Online, 08.10.2013 , https://www.lto.de/persistent/a_id/9754/ (abgerufen am: 05.07.2020 )

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Kommentare
  • 08.10.2013 14:15, Thomas Schnitzer

    Ich frage mich, wie lange es noch dauert, bis der Gesetzgeber die Tierschutzgesetze so ändert, dass die private Hunde- und Katzenhaltenhaltung in Wohnungen endlich verboten wird.

    Das armselige, beengte Leben der Tiere bzw. die andauernde Verschmutzung der Städte verstoßen nämlich - zwar nicht de jure, aber de facto - gegen jede artgerechte Haltung - sowohl für die Tiere, als auch für die Menschen, die den Dreck ertragen müssen.

    • 08.10.2013 15:17, M Comb

      Sofern es sich bei Ihrem Beitrag nicht um eine fehlgegangene Realsatire handelt, der die letzte Prise Zuspitzung fehlt, irritieren sie mich, Herr Schnitzer.

      "Das armselige, beengte Leben der Tiere [...] [verstößt] nämlich [...] de facto gegen jede artgerechte Haltung [...] für die Tiere."
      Wir brauchen nicht darüber zu reden, dass ein Dutzend Hunde oder Katzen in einer 40qm Wohnung eine dumme Idee sind. Aber wie sieht bitte die artgerechte Haltung eines domestizierten Gesellschaftshundes aus?

      Weiter nachgefragt: "[...] die andauernde Verschmutzung der Städte [verstößt] [...] de facto gegen jede artgerechte Haltung [...] für die Menschen, die den Dreck ertragen müssen."
      Wie genau stellen Sie sich eine artgerechte Menschenhaltung denn vor? Lassen wir mal die schmutzigen Nutztiere (Kühe mit ihren CO²-Emmissionen, Schweine mit ihrer Gülle, Blindenhunde mit ihrem Kot, etc.) außen vor, schwebt mir das Bild einer urbanisierten Gesellschaft vor das geistige Auge, die sich vor Lärmemmissionen, industrie- und verkehrsbedingte CO² und Feinstaubemmissionen wg. der teils horrenden Mietpreise in kleine Wohnungen - oder schlimmer noch: ohne Wohnung - flüchtet. Entspricht das so ungefähr Ihrer Vorstellung von artgerechter Existenz?
      (Über das historische Nebeneinander von Mensch und Tier, gerade in der vorindustriellen Zeit Kultur-prägend und damit auch nicht zuletzt artbestimmend schweigen wir besser ebenfalls.)