VG Osnabrück zum Tierschutz: "Buba" darf alleine bleiben

06.11.2017

Die Elefantenkuh "Buba" darf vorerst weiter ohne Artgenossen bei ihrer Zirkusfamilie leben. Denn das Tier sei alt und dominant, so ein VG. Ob sie überhaupt mit anderen Elefanten auskomme, könne erst das Hauptsacheverfahren zeigen.

 

Die Elefantendame "Buba" darf zunächst weiterhin in Einzelhaltung beim Zirkus bleiben. Das Verwaltungsgericht (VG) Osnabrück hat dem Eilantrag des Tierhalters teilweise stattgegeben und die aufschiebende Wirkung der im Mai erhobenen Klage gegen den Landkreis Osnabrück wiederhergestellt. Das gab das Gericht am Montag bekannt (Beschl. v. 01.11.2017, Az. 6 B 40/17).

Der Landkreis hatte der Zirkusfamilie im Mai dieses Jahres in einer tierschutzrechtlichen Verfügung aufgefordert, die mindestens 40-jährige Elefantenkuh dauerhaft mit mindestens einem Artgenossen zu halten oder sie in eine geeignete Haltungseinrichtung abzugeben. Ein Tierschutzverein hatte zuvor die tierschutzwidrige Einzelhaltung von "Buba" angezeigt.

Die Verfügung enthielt außerdem ein Beschäftigungsgebot für alle Standort im In- und Ausland und die Unterbringungsverpflichtung in einem mindestens 1.000 Quadratmeter großem Außengehege. Gegen den für sofort vollziehbar erklärten Verwaltungsakt setzte sich die Zirkusfamilie im einstweiligen Rechtsschutz zu wehr.

Elefanten sind besonders soziale Tiere

Das VG Osnabrück gab dem Antrag des Tierhalters teilweise statt. Die angeordnete Vergesellschaftung mit mindestens einem Artgenossen sei im Eilverfahren nicht abschließend zu klären, heißt es in der Erklärung des Gerichts. Die Interessenabwägung sei zugunsten von "Buba" ausgefallen.

Mit den bisherigen Untersuchungen sei nämlich nicht festzustellen, ob die Unterbringung mit einem Artgenossen tatsächlich eine für "Buba" tierschutzgerechte Lösung sei, begründet die Kammer ihre Entscheidung. Zwar ergebe sich aus der Fachliteratur durchaus, dass Elefanten besonders soziale Tiere seien und eine Alleinhaltung nur in Ausnahmefällen tierschutzrechtlichen Vorgaben entspreche. Bei "Buba" sei jedoch das hohe Alter und das dominante Verhalten zu berücksichtigen, welches schon in der Vergangenheit dazu geführt habe, dass sie mit anderen Elefanten nicht gut ausgekommen sei.

Zudem habe bislang nicht sicher festgestellt werden können, dass die bisherige Haltung zu Leiden, Schmerzen oder Schäden, insbesondere zu Verhaltensstörungen, geführt habe, so das VG. Es sei vielmehr nicht auszuschließen, dass es bei einer kurzfristigen Umstellung der Haltungsbedingungen von jahrelanger Einzelhaltung auf eine Gemeinschaftshaltung zu zusätzlichen und vermeidbaren Beeinträchtigungen des Wohlbefindens von "Buba" komme.

Das Beschäftigungsgebot und den Ausbau des Außengeheges erachtete das Osnabrücker Gericht allerdings für rechtmäßig – zumindest was das Inland betrifft. Für eine Ausweitung der Anordnung auf sämtliche Standorte im Ausland fehle es an einer entsprechenden Rechtsgrundlage.

mgö/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

VG Osnabrück zum Tierschutz: "Buba" darf alleine bleiben. In: Legal Tribune Online, 06.11.2017, https://www.lto.de/persistent/a_id/25385/ (abgerufen am: 23.11.2017)

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Kommentare
  • 08.11.2017 05:15, Flora Faunata

    Eine Haltung nach den Mindestvorgaben der Zirkusleitlinien ist Voraussetzung für die Erlaubnis überhaupt Elefanten zur Schau stellen zu dürfen und damit zu reisen. Logischerweise gilt das auch, wenn er mit den Tieren ins Ausland reist, zumindest so lange, wie er sich mit den Elefanten dort nicht dauerhaft aufhält.

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  • 14.11.2017 17:09, esfehltdiegründlicheReform

    Heisst es nicht immer, unsere Gerichte seien überlastet? Ständig sinnlose Klagen von irgendwelchen Tierschützern oder peruanischen Bauern anzunehmen, kann dann doch nicht die Lösung sein.

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    • 14.11.2017 19:58, Flora Faunata

      Sondern was wäre die Lösung?

    • 15.11.2017 09:29, esfehltdiegründlicheReform

      Die Lösung sehe ich darin, viel restriktiver in der Annahme von Klagen zu sein. Gleiches sollte für Revisionen gelten.
      Mir scheint, dass es immer mehr Juristerei gibt; sie sich unter der Flagge "Rechtsstaat" geradezu krebsartig ausbreitet. Da gibt es unbedingte Parallelen zur Medizin.
      In die Medizin regieren die Juristen übrigens auch unseelig hinein, indem unpraktikable Maximalforderungen erhoben werden.
      Anderes Beispiel : Jetzt müssen also Kommunen Warnschilder aufstellen, wenn sie Laubbläser benutzen, weil eine Unfallfahrerin geklagt hätte.

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