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VG München hält Lasertag-Verbot in Ingolstadt vorerst aufrecht: Modernes Kin­der­spiel oder psy­chi­sche Beein­träch­ti­gung?

15.12.2017

Kinder unter 14 Jahren dürfen vorerst weiterhin kein Lasertag in Ingolstadt spielen, entschied das VG München im Eilverfahren. Ob Lasertag ein psychisch belastendes Kriegsspiel sei, müsse im Hauptsacheverfahren geklärt werden.

Kinder unter 14 Jahren dürfen fürs Erste weiterhin nicht am Lasertag-Spiel in einer Halle im Raum Ingolstadt teilnehmen. Mit am Freitag bekannt gewordenem Beschluss hat das Verwaltungsgericht (VG) München einen Eilantrag gegen ein Zutrittsverbot zu einer Lasertaganlage für unter 14-Jährige Personen abgelehnt (Beschl. v. 07.12.2017, Az. M 18 S 17.3702).

Beim Trendsport Lasertag treten die Spieler mit Lichtstrahlen-Waffen in futuristischen Szenarien gegeneinander an und markieren sich gegenseitig. Wird die Sensorweste einer Person von dem Lichtstrahl eines Gegners getroffen, muss sie das Spielfeld kurzzeitig verlassen. Bundesweit eröffnen immer mehr Spielstätten, besonders unter den 10- bis 14-jährigen Jungen ist Lasertag beliebt.

Die Stadt Ingolstadt untersagte dem Betreiber einer Lasertaganlage aus Jugendschutzgründen den Zutritt von Personen unter 14 Jahren. Es sei eine desensibilisierende und aggressionssteigernde Wirkung des Lasertag-Spiels auf Kinder zu erwarten. Laut Betreiber stellt Lasertag hingegen eine Weiterentwicklung hergebrachter Fangspiele ("Räuber und Gendarm") und Ballspiele dar, wie etwa Brennball oder Völkerball.

Ob Lasertag für die psychologische Entwicklung von Kindern und Jugendlichen als eine moderne Variante hergebrachter Spiele einzuordnen oder als verfremdetes, die psychologische Entwicklung von Kindern und Jugendlichen beeinträchtigendes Kriegsspiel anzusehen ist, konnte von der Kammer mangels entsprechender empirischer Studien im Eilverfahren nicht abschließend geklärt werden. Der Schutz der seelischen und geistigen Gesundheit von Kindern unter 14 Jahren überwiege jedoch die finanziellen Interessen des Betreibers, sodass dieser etwaige durch das Zutrittsverbot entstehenden Umsatzeinbußen bis zur gerichtlichen Klärung in der Hauptsache hinnehmen müsse, entschied das VG.

acr/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

VG München hält Lasertag-Verbot in Ingolstadt vorerst aufrecht: Modernes Kinderspiel oder psychische Beeinträchtigung? . In: Legal Tribune Online, 15.12.2017 , https://www.lto.de/persistent/a_id/26051/ (abgerufen am: 20.09.2020 )

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Kommentare
  • 15.12.2017 14:43, FinalJustice

    "Es sei eine desensibilisierende und aggressionssteigernde Wirkung des Lasertag-Spiels auf Kinder zu erwarten."

    Kein Teil der staatlichen Gewalt hat sich jemals auch nur die Mühe gemacht, diese Behauptung irgendeiner Form von Beweis zuzuführen. Pädagogisch und Psychologisch sind Behördenmitarbeiter und insb. Juristen absolut unbeschriebene Blätter. Ich finde es mehr als besorgniserregend, mit welcher Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit sich Behörden unter dem Deckmantel der "Gefahrenabwehr" solcherlei Urteile erlauben, welche auf nichts anderem basieren als dem eigenen Bauchgefühl - und dafür auch noch von Gerichten Rückendeckung erhalten.

    • 15.12.2017 14:45, FinalJustice

      Und ja, ich habe natürlich gelesen, dass das VG meint, das solle im Hauptsacheverfahren geklärt werden. Ändert nichts daran, dass es für diese Einschätzung, es sei möglicherweise gefährlich, keinerlei Anhaltspunkte gibt.

    • 15.12.2017 15:41, McMac

      Richtig. Die verrohende Wirkung von Videospielen wurde ja auch mehrfach widerlegt, was aber Personen wie Herrn Pfeiffer nicht davon abhielt, jahrelang das Gegenteil in die Welt zu setzen. Ob Games oder Lasertag sich negativ auf die (psychische) Entwicklung auswirken, ist in hohem Maße einzelfallabhängig und lässt sich nicht generalisieren. Das wird jeder seriöse Psychologe bestätigen.

  • 16.12.2017 00:05, OMG

    Wo ist jetzt der Unterschied zwischen Lasertag und den - gefühlt - 100erten Mark die meine Freunde und ich in unserer Kindheit in den 90igern in Spielzeugwaffen mit Streifen, 6er,8,er,12, Plastikstreifenautomatikmunition gesteckt haben?

    Der Fakt dass man nicht darüber streiten muss, wer jetzt wen getroffen hat und zuerst?
    Wirklich schlimm...

    Und die Teile hatten auch damals schon den richtigen Waffen Look, im Gegensatz zu so manchem Markierer, z.B. den Teilen in Barney's Lieblingshalle im Artikelbild.

  • 16.12.2017 17:17, @topic

    Da gäbe es eine Möglichkeit, dass unser Kinder sich sportlich betätigen anstatt vor der Glitzer zu verfetten... Und dann grätscht ein VG dazwischen, das offensichtlich keine Ahnung von Entwicklung und Psychologie hat. Na danke.

  • 21.12.2017 21:21, Vater

    Wenn man allen Ernstes für Kinder solche Spiele verbietet, dann müssen bitte aber auch sofort als Nerfs aus dem Verkehr gezogen werden.
    Für Nichtväter: Nerfs sind so Plastikwaffen, mit denen Gummigeschosse abgeschossen werden.

  • 01.09.2018 11:35, Lasertag Welt Ingolstadt

    NEU!!! Lasertag ab 12 Jahren
    Endlich, wir haben es für euch durchgesetzt!!!