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VG Düsseldorf zu Gehörschutz für Jäger: Keine Schall­dämpfer für Jagd­ge­wehre

10.05.2016

Teile der Jägerschaft möchten künftig leiser schießen. Weniger aus Rücksicht auf die Umwelt als auf ihr eigenes Gehör – die Schüsse sind nämlich sehr laut. Doch das VG Düsseldorf  dämpfte ihre Erwartungen, nicht ihre Gewehre.

Berufsjäger haben keinen Anspruch auf Erteilung einer Erlaubnis zum Erwerb und Besitz von Schalldämpfern für ihre Jagdwaffen. Das hat das Verwaltungsgericht (VG) Düsseldorf mit zwei Urteilen entschieden und damit die Klagen zweier Berufsjäger abgewiesen (Urt. v. 10.05.2016, Az. 22 K 4721/14 und 22 K 5426/15).

Zwar sei das Anliegen der Jäger anerkennenswert, dass sie ihr Gehör vor dem Schusslärm schützen wollen, begründete ein Gerichtssprecher die Entscheidung. Sie hätten aber nicht glaubhaft gemacht, dass der Einsatz eines Schalldämpfers für den beantragten Zweck erforderlich ist. Es gebe vielmehr andere geeignete Mittel wie elektronische In-Ohr-Hörschutzgeräte.

Die Jäger können auch mit Blick darauf, dass sie die Jagd als Arbeitnehmer im Rahmen ihrer beruflichen Aufgaben ausüben, keine Rechte aus Arbeitsschutzbestimmungen auf Erteilung einer Schalldämpfererlaubnis ableiten, urteilte das Gericht. Denn die Arbeitsschutzbestimmungen legten ausschließlich dem jeweiligen Arbeitgeber bestimmte Verpflichtungen auf.

Gefahrenabwehr überwiegt Tierschutz

Zudem überwiege das öffentliche Interesse an der Gefahrenabwehr auch das Interesse des Jägers an der Gesundheit des für die Jagdausübung benötigten Jagdhundes. Auch bei der insgesamt geringen Deliktrelevanz von Schalldämpfern bestehe im Falle einer vermehrten Erteilung von Schalldämpfererlaubnissen eine erhöhte Gefahr, dass diese in die Hände Unbefugter geraten und zu kriminellen Zwecken missbraucht werden. Diese Gefahr wiege schwerer als für den Einsatz von Schalldämpfern sprechende öffentliche Belange wie z.B. Tier- oder Lärmschutz.

Während Rheinland-Pfalz, Bayern und Baden-Württemberg die lärmschluckenden Flintenaufsätze bereits gutheißen, sind sie in anderen Bundesländern ausdrücklich verboten. Das Verwaltungsgericht Minden hatte in einem ähnlichen Fall genau umgekehrt entschieden und dem klagenden Jäger Recht gegeben.

"Das Gehör eines Jägers in NRW ist nicht weniger schutzwürdig als das eines Jägers in Bayern", sagt Hans-Jürgen Thies, Justiziar des Landesjagdverbandes. Die Kreisbehörden argumentieren, die "Warnfunktion des Schussknalls" gehe verloren, wenn künftig leiser geknallt wird. Ein Argument, dass die Jäger als "Unsinn" zurückweisen. "Sie hören auch mit Schalldämpfer einen Knall, nur eben nicht mit 160 Dezibel sondern mit 130", sagt Jäger Rainer Wiese (38), einer der beiden Kläger. Das leise Ploppen aus James-Bond-Pistolen sei nicht die Realität.

acr/LTO-Redaktion

mit Materialien der dpa

Zitiervorschlag

VG Düsseldorf zu Gehörschutz für Jäger: Keine Schalldämpfer für Jagdgewehre . In: Legal Tribune Online, 10.05.2016 , https://www.lto.de/persistent/a_id/19343/ (abgerufen am: 19.01.2020 )

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Kommentare
  • 10.05.2016 20:01, FinalJustice

    " Die Kreisbehörden argumentieren, die "Warnfunktion des Schussknalls" gehe verloren, wenn künftig leiser geknallt wird. Ein Argument, dass die Jäger als "Unsinn" zurückweisen. "Sie hören auch mit Schalldämpfer einen Knall, nur eben nicht mit 160 Dezibel sondern mit 130", sagt Jäger Rainer Wiese (38), einer der beiden Kläger. Das leise Ploppen aus James-Bond-Pistolen sei nicht die Realität."

    Das leise Ploppen aus James-Bond-Pistolen KANN Realität sein, nämlich dann, wenn man zusätzlich zu einem Schallunterdrücker Unterschallmunition verwendet. Diese hat natürlich den Nachteil, dass sie für die Jagd weitestgehend ungeeignet ist, da der Drop vernünftiges Zielschießen auf höhere Distanzen quasi unmöglich macht. Andererseits muss man sagen, dass je nach Waffe bereits Unterschallmunition so leise ist, dass die "Warnfunktion" des Schusses kaum noch erfüllt werden kann. Einfach mal bei youtube entsprechende Videos suchen.

    • 10.05.2016 21:12, Susi

      Sie schreiben doch selbst, dass Unterschallmunition für die Jagd unbrauchbar ist. Worauf wollen Sie also hinaus?

    • 12.05.2016 12:16, Barbara F.

      Susi, sie haben offensichtlich leider KEINE Ahnung von (Jagd)waffen. Es knallt 2x - 1x die Explosion des Treibsatzes und 1x der Überschallknall beim Verlassen des Projektils aus dem Lauf. Aufgrund der engen Zeitfolge verschwimmen beide allerdings für das Ohr. Mit einem Schalldämpfer dämpft (nicht verhindert!) man NUR den ersten Knall!!! Daher werden aus extrem lauten 165 dB am Schützenohr mit einem Schalldämpfer noch sehr laute ca. 140 dB. Und nur DAS wollten die Kläger erreichen. Ab 130 dB erleidet nämlich das menschliche Ohr irreparable Schäden. Unterschallmunition (das ist nichts anderes als ganz normale 08/15-Munition nur halt mit weniger Treibladung in der Hülse, damit aus 1000 m/s nur noch 320 m/s werden, begrenzte Reichweite und weniger Schaden inklusive) können sie auch jetzt schon verwenden, diese erfordert nämlich keinen Schalldämpfer. Und das "Plopp" wie es der Vorredner so schön nett ist mit gängigen Jagdkalibern auch in Kombination Schalldämpfer + Unterschallmunition nicht zu erreichen. Dazu braucht es schon .300 Whisper in Subsonic-Laborierung. Und auch die knallt noch lauter als ein Luftgewehr. Im Übrigen wurde vergesen zu erwähnen, dass ein entwendeter Schalldämpfer für einen Kriminellen GAR nichts bringt, außer er hat die passende Waffe und die passende Munition dafür. DIe müsste er dann auch gleich noch mit klauen. Typisch Gesinnungsrechtsprechung.

  • 10.05.2016 21:48, Gast

    Das Verwaltungsgericht hat hier durchaus richtig entschieden. Es dürfte vorliegend schon an der Erforderlichkeit des Schalldämpfers im Sinne des § 8 Nr. 2 WaffG mangeln, denn es gibt anderweitige Möglichkeiten, das Gehör vor dem lauten Schussknall zu schützen. Wie das Gericht zu recht ausführt, gibt es entsprechende In-Ohr-Gehörschutzstopfen, die lediglich das Schussgeräusch herausfiltern, im Übrigen das Hören jedoch kaum einschränken. Dies entkräftet auch die vielfach in diesem Zusammenhang vorgebrachten Argumente, das räumlich Hören würd durch einen Gehörschutz eingeschränkt oder als Brillenträger könne man keinen (konventionellen) Gehörschutz tragen oder man bleibe mit dem (konventionellen) Gehörschutz bei der Nachsuche im Unterholz hängen. Auch die Argumentation, der Hund müsse vor dem Schussknall geschützt werden überzeugt nicht, denn wenn der Hund nicht überschossen wird, sondern sich hinter dem Schützen befindet, so nimmt er den Schussknall deutlich geringer wahr, da dieser sich in Schussrichtung ausbreitet.

    Auch die Frage nach der Deliktrelevanz führt zu keiner anderen Bewertung, denn dies ist die typische Frage nach dem Huhn oder dem Ei, denn es vermag niemand zu sagen, ob die geringe Deliktrelevanz nicht auf der geringen Verfügbarkeit dieser Gegenstände beruht und bei einer Freigabe deutlich ansteigen würde.

    • 12.05.2016 12:23, Barbara F.

      Unsinn! Erstens verlieren die elektronisch angepassten In-Ear-Gehörschützer schon nach realtiv wenig Zeit ihre Komplettabdeckung des Ohrkanals, weil sich dieser verändert, zweitens kommt trotz elektronischer Abriegelung immer noch ein schädigender Ton auf die Gehörorgane (der sehr kurze Augenblick reicht, es gibt hier eindeutige Gutachten) und drittens waren wie wohl noch nicht ein einziges Mal bei einer Schussabgabe mit Kaliber 30.06 ohne Gehörschutz direkt hinter dem Schützen.... :-) Sonst würden SIE nicht der Jagdhund sein wollen, den dieses Schicksal ereilt. Aber sonst immer nach Tierrechten schreien. Ich liebe diese selektiven Gutmenschen... :-D Viel Spaß auch bei der Nachsuche, wenn der Gehörschutz rausfällt. Dann die Nachsuche im Unterholz abbrechen oder was? Und die Sau langsam verenden lassen, gell? Pah!

    • 12.05.2016 20:38, Gast

      Na ja, 130 dBA trotz Schalldämpfer sind auch nicht gerade gesund für das Gehör. Aber das würden Sie natürlich gerne in Kauf nehmen. Sollte der Gehörschutz ausfallen, so muss die Nachsuche keineswegs abgebrochen werden. Man kann ja immer noch auf die "hergebrachte" Art ohne Schalldämpder oder Gehörschutz auf die Nachsuche gehen. Aber wenn Sie lieber die Sau verenden lassen wollen, dann spricht das wohl für sich.

  • 10.05.2016 23:55, Dunkeldeutscher

    Dieses Urteil ist doch nichts weiter als der Ausdruck der Angst vor freien, waffentragenden Deutschen.

    Auch Kriminelle wissen sich doch längst selber zu helfen und wenn es mit einer leeren Colaflasche ist.
    http://www.joniskeit-1.de/Luftpistolen/Angebote-a/PET_Adapter/pet_adapter.html

    Das Urteil zeigt wunderbar wie realitätsfremd und fremdbestimmt das Verwaltungsrecht und Gericht in der BRD sind.

  • 12.05.2016 21:46, ufzine

    Ich bin fassungslos. Rot-grün at it's best (von hinten). Kann man sich aus NRW ausbürgern lassen?

  • 03.06.2016 17:52, i.d.p.r.

    Schon erstaunlich, wie oft man sich bei der Durchsicht eines juristischen Magazins die Frage stellt, welche Art Leute sich ebenfalls zu eben dieser berufen fühlen und augenscheinlich keinerlei Probleme damit zu haben scheinen, unqualifizierten Nonsens zu "artikulieren".
    Kommt vielleicht auch vom zu lauten schießen..

  • 22.07.2016 00:00, Tom Hofmann+/+oÖ

    Falls die Revolution kommt hier in Österreich, werden sicherlich auch Erschießungskommandos gebraucht. Das ist Arbeit. Also. Arbeitsplatz-Schutzgesetz? 160db gehen nicht. Besonders bei anhaltenden Hinrichtungswellen. Da ist ja das Gehör dann ruiniert