Druckversion
Freitag, 6.02.2026, 21:02 Uhr


Legal Tribune Online
Schriftgröße: abc | abc | abc
https://www.lto.de//recht/nachrichten/n/vg-cottbus-1l19924-rechtsextremer-jura-student-referendariat-vorbereitungsdienst-land-brandenburg
Fenster schließen
Artikel drucken
54486

Rechtsextremer Diplomjurist zieht vors VG: Bran­den­burg muss ihn zum Voll­ju­risten aus­bilden

03.05.2024

Ein Anwalt steht in einem Verhandlungssaal und hält eine Ausgabe des Strafgesetzbuches in den Händen

Die Aufnahme in den juristischen Vorbereitungsdienst kann in der Regel nur versagt werden, wenn der Bewerber wegen einer vorsätzlich begangenen Tat zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr verurteilt wurde. Foto: picture alliance / dpa | Bernd Settnik.

Das Land Brandenburg wollte verhindern, dass ein Rechtsextremer sein Referendariat antritt. Das VG Cottbus entschied aber: Das Land muss ihn in den juristischen Vorbereitungsdienst aufnehmen. Er ist bislang nämlich nicht vorbestraft.

Anzeige

Ein nachweislich rechtsextremer Diplomjurist darf in Brandenburg sein Referendariat beginnen – zumindest vorerst. Er bekam im Eilverfahren vor dem Verwaltungsgericht (VG) Cottbus Recht (Beschl. v. 30.04.2024, Az. VG 1 L 199/24). Das Brandenburgische OLG hatte ihm die Aufnahme in den Vorbereitungsdienst zum 1. Mai 2024 mit der Begründung versagt, seine rechtsextremen Anschauungen und Aktivitäten stünden dem entgegen.

Das sah das VG anders und entsprach dem Eilantrag weitgehend. Der Mann müsse in den juristischen Vorbereitungsdienst aufgenommen werden. Die Ausbildungsbehörde könne ihm aber Auflagen und Weisungen in Bezug auf die Ausübung hoheitlicher Befugnisse erteilen. So sei etwa denkbar, dass er beispielsweise nicht bei Verfahren eingesetzt wird, die mit dem Ausländerrecht zu tun haben, wie ein Gerichtssprecher am Freitag sagte. 

Mann bislang nicht vorbestraft

Eine Aufnahme in das Referendariat könne nach derzeit geltender Rechtslage nur abgelehnt werden, wenn der Bewerber persönlich ungeeignet sei. Das ist in der Regel bei vorsätzlich begangenen Straftaten der Fall, die mit einer (noch nicht getilgten) Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr geahndet worden sind, so das VG. Das richtet sich im vorliegenden Fall nach § 10a Abs. 1 Nr. 1 Brandenburgisches Juristenausbildungsgesetz (BbgJAG). Gleiches regeln aber auch die Gesetze anderer Länder, so beispielsweise § 30 Abs. 4 Nr.1 JAG NRW, der lediglich die "persönliche Ungeeignetheit" durch "Unwürdigkeit" ersetzt.

Der Antragsteller sei vorliegend jedoch nicht vorbestraft, führte das Gericht zur Begründung aus. Die rechtsextremen Anschauungen und Aktivitäten und die mangelnde Verfassungstreue eines Bewerbers ermöglichten es für sich genommen nur, ihn von bestimmten hoheitlichen Befugnissen auszuschließen, nicht jedoch, ihm die Aufnahme in den juristischen Vorbereitungsdienst zu versagen. Ob derartige Auflagen in Betracht kommen, werde das OLG entscheiden, sagte ein Sprecher des VG Cottbus. 

Für die Kammer war darüber hinaus entscheidend, dass im Fall eines erfolgreich absolvierten juristischen Vorbereitungsdienstes die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft nur versagt werden kann, wenn die Person die freiheitliche demokratische Grundordnung in strafbarer Weise bekämpft. Das richtet sich nach § 7 der Bundesrechtsanwaltsordnung (BRAO). Es wäre unverhältnismäßig, an die vorgelagerte Berufsausbildung höhere Anforderungen als an die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft zu stellen, so das VG.

Justiz tut sich schwer mit dem Ausschluss von Verfassungsfeinden

Es ist nicht das erste Mal, dass rechtsextreme Referendare sich ins Referendariat klagen. Zuletzt hatte ein Fall im Frühjahr des vergangenen Jahres für Aufsehen gesorgt: Der Juraabsolvent Matthias B., Mitglied der rechtsextremen Kleinstpartei "Der III. Weg" und Ex-NPD-Funktionär, musste nach einem Urteil des Verwaltungsgerichts (VG) Dresden (Urt. v. 04.04.2023, Az.: 11 K 1918/21) endgültig zum Referendariat zugelassen werden. B. hatte bis 2020 bei der Partei  sogar Führungspositionen inne. Die Partei "Der III. Weg" ist nicht verboten, wird aber vom Verfassungsschutz beobachtet. Dieser attestiert ihr eine "fundamental ablehnende Haltung gegenüber dem demokratischen Rechtsstaat". 

Trotzdem war der Mann – nach Absagen in Bayern und Thüringen – in Sachsen mit seiner Bewerbung erfolgreich: Der dortige Verfassungsgerichtshof (VerfGH) gab ihm Ende 2021 im Eilverfahren Recht, Ende 2022 in der Hauptsache. Nur wer die freiheitliche demokratische Grundordnung wirklich in strafbarer Weise bekämpft, könne ausgeschlossen werden – das sei vorliegend bei dem Bewerber nicht der Fall. Die Partei "Der III. Weg" sei nämlich weder verboten noch habe sich der Bewerber sonst in einer die freiheitliche demokratische Grundordnung gefährdenden Weise strafbar gemacht. Das Land Sachsen musste den Mann deshalb zum Volljuristen ausbilden. 

Welche "rechtsextremen Anschauungen und Aktivitäten" dem künftigen Brandenburger Referendar zur Last gelegt werden, ist bislang nicht bekannt. Die Gründe des Beschlusses sind noch nicht veröffentlicht. Außerdem ist abzuwarten, ob der Mann auch in der Hauptsache Recht bekommt.

Der Beschluss des VG Cottbus kann nach § 146 Verwaltungsgerichtsordnung (VwGO) mit der Beschwerde zum Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg angefochten werden.

cho/LTO-Redaktion

  • Drucken
  • Senden
  • Zitieren
Zitiervorschlag

Rechtsextremer Diplomjurist zieht vors VG: . In: Legal Tribune Online, 03.05.2024 , https://www.lto.de/persistent/a_id/54486 (abgerufen am: 06.02.2026 )

Infos zum Zitiervorschlag
  • Mehr zum Thema
    • Öffentliches Recht
    • Verwaltungsrecht
    • Berufs- und Standesrecht
    • Justiz
    • Politik
    • Rechtsextremismus
    • Rechtsstaat
    • Referendariat
  • Gerichte
    • Verwaltungsgericht Cottbus
Daniel Günther sitzt lächelnd auf einem Stuhl, während er das Interview bei Lanz verfolgt. 05.02.2026
Medien

Gericht lehnt Nius-Antrag wegen kritischer Aussagen ab:

Daniel Gün­ther war bei Lanz kein Minis­ter­prä­si­dent

Nius hat keinen Unterlassungsanspruch gegen das Land Schleswig-Holstein wegen Aussagen von Ministerpräsident Günther in der in der ZDF-Sendung “Markus Lanz”. Günther habe als Parteipolitiker und nicht als Ministerpräsident diskutiert, so das VG.

Artikel lesen
Carles Puigdemont 05.02.2026
EuGH

Parlament laut EuGH nicht unparteiisch genug:

Auf­he­bung der Immunität von Puig­de­mont & Co. nichtig

Der EuGH erklärt die Aufhebung der Immunität von Carles Puigdemont, Antoni Comín und Clara Ponsatí für nichtig. Das Parlament patzte beim Berichterstatter, der zu eng mit den spanischen Anklägern verbandelt gewesen sei.
 

Artikel lesen
Kerstin von der Decken (CDU), Ministerin für Justiz und Gesundheit des Landes Schleswig-Holstein,, spricht im Plenarsaal. 03.02.2026
Staatsexamen

Justizministerium muss sich vor Rechtsausschuss erklären:

Warum fallen in Schleswig-Hol­stein so viele durch das zweite Examen?

In Schleswig-Holstein sind zuletzt überdurchschnittlich viele durch das zweite Examen gefallen. Das Justizministerium schiebt das vor allem auf die aus Hamburg kommenden Nachwuchsjuristen – und muss sich nun vorm Rechtsausschuss erklären.

Artikel lesen
Für eine Anhörung vor Russlands Supreme Court wird Alexej Nawalny am 11.01.2024 per Video aus dem Straflager zugeschaltet. 03.02.2026
Russland

EGMR verurteilt Russland wegen Nawalny-Inhaftierung:

"Muster der Mis­sach­tung von Gesund­heit, Wohl­be­finden und Würde"

Zwei Jahre nach dem Tod des Kremlkritikers Alexej Nawalny hat der EGMR Russland erneut verurteilt: Nach seiner Rückkehr aus Deutschland sei Nawalny willkürlich inhaftiert und im Straflager unmenschlich behandelt worden.

Artikel lesen
Ein junger Mann sitzt bei der Gründungsveranstaltung der Generation Deutschland in Schleswig Holstein im Publikum 03.02.2026
Parteien

Bundesinnenministerium:

AfD-Jugend hat sich nicht gemä­ßigt

Vor wenigen Monaten hat die AfD mit der "Generation Deutschland" eine neue Jugendorganisation gegründet. Das Innenministerium erkennt weder eine personelle noch eine inhaltliche Abgrenzung vom extremistischen Vorgänger "Junge Alternative".

Artikel lesen
Ein Stapel Akten in Nahaufnahme 03.02.2026
Gesetzgebung

Geplante VwGO-Reform:

Rich­ter­bund for­dert mehr Per­sonal für Ver­wal­tungs­ge­richte

Justizministerin Stefanie Hubig will Verfahren vor Verwaltungsgerichten beschleunigen. Dem DRB gehen die Pläne nicht weit genug. Angesichts der bestehenden  "Asylklagewelle" fordert er vor allem mehr Personal statt neuer Prozessregeln.

Artikel lesen
lto karriere logo

Deine Karriere beginnt hier.

Registrieren und nie wieder einen Top-Job verpassen

logo lto karriere
Jetzt registrieren bei LTO Karriere

Finde den Job, den Du verdienst 100% kostenlos registrieren und Vorteile nutzen

  • LTO Job Matching: Finde den Job & Arbeitgeber, der zu Dir passt.
  • Jobs per Mail: Verpasse keine neuen Job-Angebote mehr.
  • One-Klick Bewerbung: Dein Klick zum neuen Job, einfach und schnell.
Das Passwort muss mindestens 8 Zeichen lang sein und mindestens einen Großbuchstaben, einen Kleinbuchstaben, eine Zahl und ein Sonderzeichen enthalten (z.B. #?!@$%^&*-).
Pflichtfeld *

Nur noch ein Klick!

Wir haben Dir eine E-Mail gesendet. Bitte klicke auf den Bestätigungslink in dieser E-Mail, um Deine Anmeldung abzuschließen.

Weitere Infos & Updates einfach und kostenlos direkt ins Postfach.

LTO Karriere Newsletter

Das monatliche Update mit aktuellen Stellenangeboten & Karriere-Tipps.

LTO Daily

Jeden Abend um 18 Uhr die wichtigsten News vom Tag.

LTO Presseschau

Jeden Morgen um 7:30 Uhr die aktuelle Berichterstattung über Recht und Justiz.

Pflichtfeld *

Fertig!

Um die kostenlosen Nachrichten zu beziehen, wechsle bitte nochmal in Dein Postfach und bestätige Deine Anmeldung mit dem Bestätigungslink.

Du willst Dein Bewerberprofil direkt anlegen?

Los geht´s!
ads lto paragraph
lto karriere logo
ads career people

Ihre Kanzlei: Top oder Flop?

Zur Umfrage
logo lto karriere
TopJOBS
Logo von Wolfgang Metzner GmbH & Co KG
Fach­lek­tor (m/w/d)

Wolfgang Metzner GmbH & Co KG , Ber­lin

Logo von Oberlandesgericht Celle
Rich­ter/-in (w/m/d) bzw. Staats­an­walt / -an­wäl­tin (w/m/d) im Be­zirk des...

Oberlandesgericht Celle , Sta­de

Logo von Oberlandesgericht Celle
Rich­ter/-in (w/m/d) bzw. Staats­an­walt / -an­wäl­tin (w/m/d) im Be­zirk des...

Oberlandesgericht Celle , Bü­cke­burg

Logo von Bundeskartellamt
Voll­ju­ris­tin bzw. Voll­ju­rist (w/m/d) für ver­schie­de­ne...

Bundeskartellamt , Bonn

Logo von Hessisches Ministerium der Justiz und für den Rechtsstaat
Voll­ju­ris­ten (m/w/d) – Ih­re Zu­kunft in der hes­si­schen Jus­tiz

Hessisches Ministerium der Justiz und für den Rechtsstaat , Wies­ba­den

Logo von Oberlandesgericht Celle
Rich­ter/-in (w/m/d) bzw. Staats­an­walt / -an­wäl­tin (w/m/d) im Be­zirk des...

Oberlandesgericht Celle , Ver­den (Al­ler)

Logo von Oberlandesgericht Celle
Rich­ter/-in (w/m/d) bzw. Staats­an­walt / -an­wäl­tin (w/m/d) im Be­zirk des...

Oberlandesgericht Celle

Logo von Oberlandesgericht Celle
Rich­ter/-in (w/m/d) bzw. Staats­an­walt / -an­wäl­tin (w/m/d) im Be­zirk des...

Oberlandesgericht Celle , Hil­des­heim

Mehr Stellenanzeigen
logo lto events
Logo von Hagen Law School in der iuria GmbH
Fortbildung Insolvenzrecht im Selbststudium/ online

06.02.2026

Logo von GvW Graf von Westphalen
Rechtsprechungs­report: Fachplanungs­recht

06.02.2026

Logo von Noerr
Competition Day 2026

27.02.2026, München

Perspektive Wirtschaftskanzlei

20.03.2026, Glashütten

Logo von Noerr
Competition Day 2026

27.02.2026, München

Mehr Events
Copyright © Wolters Kluwer Deutschland GmbH