Druckversion
Freitag, 5.12.2025, 19:59 Uhr


Legal Tribune Online
Schriftgröße: abc | abc | abc
https://www.lto.de//recht/nachrichten/n/vg-berlin-2-k-155-21-bundeskanzleramt-herausgabe-protokolle-bund-laender-konferenzen-corona-pandemie
Fenster schließen
Artikel drucken
48940

VG Berlin zu Bund-Länder-Konferenzen: Bun­des­kanz­leramt muss Pro­to­kolle zu Corona-Bera­tungen her­aus­geben

05.07.2022

Das Bundeskanzleramt in Berlin

Im Bundeskanzleramt fanden regelmäßig die Bundes-Länder-Konferenzen statt, bei denen die Kanzlerin mit den Regierungschefs der Länder über die Coronamaßnahmen diskutierte. Foto: oqopo - stock.adobe.com

Die Beratungen bei den Bund-Länder-Konferenzen waren ausschlaggebend dafür, wie die Schutzmaßnahmen gegen das Coronavirus künftig aussehen. Die Kurzprotokolle hierzu muss das Bundeskanzleramt nun herausgeben, entschied das VG Berlin.   

Anzeige

Gespannt haben die Bürgerinnen und Bürger während der Corona-Pandemie auf die Bund-Länder-Konferenzen geschaut. Schließlich wurde zumeist im Anschluss im Rahmen einer Pressekonferenz verkündet, welche Schutzmaßnahmen künftig im Land gelten. Die Protokolle dazu, muss das Bundeskanzleramt nun herausgeben. Das hat das Verwaltungsgericht (VG) Berlin entschieden, wie es am Dienstag bekanntgab (Urt. v. 30.06.2022, Az. VG 2 K 155/21).

Hintergrund sind die Bundes-Länder-Konferenzen, wo ab März 2020 die Bundeskanzlerin und die Ministerpräsidenten der Länder im Bundeskanzleramt zusammenkamen, um die Corona-Pandemie zu bewältigen. Der Tagesspiegel wandte sich Ende des Jahres an das Bundeskanzleramt und wollte Zugang zu den Kurzprotokollen der Konferenzen. Er berief sich dafür auf das Informationsfreiheitsgesetz (IFG), erhielt aber eine Absage.

Die behördlichen Beratungen seien als Kernbereich exekutiver Eigenverantwortung zu schützen, hieß es aus dem Bundeskanzleramt. Sollten die Unterlagen veröffentlich werden, könne das den künftigen freien und offenen Meinungsaustausch in der Runde beeinträchtigen. Zudem bringe eine anschließende Berichterstattung eine neue und ungewollte Dynamik in die weiteren Beratungen zur Pandemiebekämpfung.

Keine konkrete Gefahr für künftige Beratungen

Die Ansicht teilte das VG Berlin nicht und hat das Bundeskanzleramt deswegen verpflichtet, dem Tagesspiegel Zugang zu den Kurzprotokollen zu gewähren. Die Bund-Länder-Konferenzen seien zwar als "Beratungen von Behörden" von § 3 Nr. 3b des IFG erfasst. Geschützt sei jedoch nur der eigentliche Vorgang der behördlichen Entscheidungsfindung als solcher, nicht die Ergebnisse und Grundlagen der Entscheidung, so die 2. Kammer.

Zudem habe das Bundeskanzleramt nicht darlegen können, inwieweit künftige Beratungen durch die Veröffentlichung konkret gefährdet seien sollen. Die andauernde Pandemielage und mögliche erneute Bund-Länder-Konferenzen, die das Kanzlerressort als Argument vortrug, begründeten jedenfalls keinen "Dauer-Beratungsprozess", schreibt das VG Berlin.

Aber selbst wenn im Jahr 2020 die einzelnen Beratungen aufeinander aufgebaut haben sollten, habe sich jedenfalls durch das stetig veränderte Infektionsschutzgesetz (IfSG) auch die Lage geändert, bis das Format schließlich eingestellt worden sei. Das VG Berlin spricht von einer "rechtlichen Zäsur", die mittlerweile eingetreten sei, weil Beratungen vor allem auch im Deutschen Bundestag stattfinden müssten.

Das Urteil ist noch nicht rechtkräftig. Es kann noch ein Antrag auf Zulassung der Berufung zum Oberverwaltungsgericht (OVG) Berlin-Brandenburg gestellt werden. Das Bundeskanzleramt hat noch nicht entschieden, ob es ein Urteil zur Herausgabe von internen Protokollen zu Bund-Länder-Konferenzen in der Corona-Pandemie akzeptiert. Die schriftliche Begründung des Verwaltungsgerichts Berlin liege noch nicht vor, teilte ein Regierungssprecher am Dienstag mit. "Sobald  
diese vorliegen, werden wir diese zunächst einmal sorgfältig auswerten." Dafür bleibt nach Urteilszustellung einen Monat lang Zeit.

mgö/LTO-Redaktion

  • Drucken
  • Senden
  • Zitieren
Zitiervorschlag

VG Berlin zu Bund-Länder-Konferenzen: . In: Legal Tribune Online, 05.07.2022 , https://www.lto.de/persistent/a_id/48940 (abgerufen am: 07.12.2025 )

Infos zum Zitiervorschlag
  • Mehr zum Thema
    • Verwaltungsrecht
    • Bundeskartellamt
    • Coronavirus
    • Gesundheit
    • Informationsfreiheit
  • Gerichte
    • Verwaltungsgericht Berlin
Das Bundeskartellamt 28.11.2025
Bundeskartellamt

Fusionskontrolle, Kartellverfolgung und Missbrauchsaufsicht:

Was machen Juristen im Bun­des­kar­tellamt?

Amazon, Meta, Apple: viele große Verfahren in den vergangenen Jahren beim Bundeskartellamt. An welchen Stellen werden Volljuristen dort tätig – und welche Aufgaben haben sie?

Artikel lesen
Ein Zahnarztstuhl in ekelhaftem Rosa 17.11.2025
Schadensersatz

Patient haftet nicht für beschädigten Zahnarztstuhl:

"Übliche Bewe­gungen im Rahmen des Sich-bequem-Machens"

Zahnarzt verklagt Patienten: Weil der so groß und ungeschickt sei, habe er den Behandlungsstuhl zerstört. Das AG München sieht aber kein Verschulden. Ein Zahnarztstuhl müsse aushalten, dass es sich auch große Menschen auf ihm bequem machen.

Artikel lesen
Aufschrift "Triage" im Krankenhaus 04.11.2025
Ärzte

Verfassungsbeschwerde von 14 Medizinern erfolgreich:

Triage-Regeln sind ver­fas­sungs­widrig

Die Verfassungsbeschwerde von 14 Medizinern gegen Triage-Regelungen war erfolgreich. Das BVerfG erklärt den Kriterienkatalog sowie das Verbot der Ex-Post-Triage mangels Bundeskompetenz für verfassungswidrig und nichtig. Und wie geht's weiter?

Artikel lesen
Aufschrift "Triage" im Krankenhaus 03.11.2025
Ärzte

BVerfG entscheidet zum Triage-Gesetz:

Wer darf über­leben?

Wer wird behandelt, wer fällt bei Engpässen in der medizinischen Versorgung einer Triage zum Opfer? Das sollte eine Neufassung des Infektionsschutzgesetzes regeln. Am Dienstag verkündet das BVerfG, ob die Regelung Bestand hat.

Artikel lesen
Verwaltungsprozess 27.10.2025
Pressefreiheit

Entscheidung über Presseauskunft soll Verwaltungsakt sein:

Bedroht das OVG Schleswig-Hol­stein die Pres­se­f­rei­heit?

Nach der herrschenden Meinung sind behördliche Antworten auf Presseanfragen bloße Realakte. Ein OVG sieht das nun anders mit praxisrelevanten Folgen. Einige Stimmen sehen darin einen Angriff auf die Pressefreiheit. Zu Recht? 

Artikel lesen
Prof. Dr. Dietrich Murswiek 22.10.2025
Meinungsfreiheit

Meinungsfreiheit auf LinkedIn:

Kann Wider­spruch gegen die Welt­ge­sund­heit­s­or­ga­ni­sa­tion ver­boten werden?

Der Freiburger Rechtsprofessor Dietrich Murswiek hat für einen LinkedIn-Nutzer, dessen impfkritische Postings gelöscht wurden, eine Verfassungsbeschwerde erhoben. Christian Rath kennt die juristische Argumentation.

Artikel lesen
lto karriere logo

Deine Karriere beginnt hier.

Registrieren und nie wieder einen Top-Job verpassen

logo lto karriere
Jetzt registrieren bei LTO Karriere

Finde den Job, den Du verdienst 100% kostenlos registrieren und Vorteile nutzen

  • LTO Job Matching: Finde den Job & Arbeitgeber, der zu Dir passt.
  • Jobs per Mail: Verpasse keine neuen Job-Angebote mehr.
  • One-Klick Bewerbung: Dein Klick zum neuen Job, einfach und schnell.
Das Passwort muss mindestens 8 Zeichen lang sein und mindestens einen Großbuchstaben, einen Kleinbuchstaben, eine Zahl und ein Sonderzeichen enthalten (z.B. #?!@$%^&*-).
Pflichtfeld *

Nur noch ein Klick!

Wir haben Dir eine E-Mail gesendet. Bitte klicke auf den Bestätigungslink in dieser E-Mail, um Deine Anmeldung abzuschließen.

Weitere Infos & Updates einfach und kostenlos direkt ins Postfach.

LTO Karriere Newsletter

Das monatliche Update mit aktuellen Stellenangeboten & Karriere-Tipps.

LTO Daily

Jeden Abend um 18 Uhr die wichtigsten News vom Tag.

LTO Presseschau

Jeden Morgen um 7:30 Uhr die aktuelle Berichterstattung über Recht und Justiz.

Pflichtfeld *

Fertig!

Um die kostenlosen Nachrichten zu beziehen, wechsle bitte nochmal in Dein Postfach und bestätige Deine Anmeldung mit dem Bestätigungslink.

Du willst Dein Bewerberprofil direkt anlegen?

Los geht´s!
ads lto paragraph
lto karriere logo
ads career people

NEU! Mit LTO Easy Apply so einfach und schnell bewerben wie nie zuvor

Zu den Top Jobs
logo lto karriere
TopJOBS
Logo von Oberlandesgericht Celle
Rich­ter/-in (w/m/d) bzw. Staats­an­walt / -an­wäl­tin (w/m/d) im Be­zirk des...

Oberlandesgericht Celle

Logo von Oberlandesgericht Celle
Rich­ter/-in (w/m/d) bzw. Staats­an­walt / -an­wäl­tin (w/m/d) im Be­zirk des...

Oberlandesgericht Celle , Ver­den (Al­ler)

Logo von Hessisches Ministerium der Justiz und für den Rechtsstaat
Voll­ju­ris­ten (m/w/d) – Ih­re Zu­kunft in der hes­si­schen Jus­tiz

Hessisches Ministerium der Justiz und für den Rechtsstaat , Wies­ba­den

Logo von Oberlandesgericht Celle
Rich­ter/-in (w/m/d) bzw. Staats­an­walt / -an­wäl­tin (w/m/d) im Be­zirk des...

Oberlandesgericht Celle , Han­no­ver

Logo von Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Voll­ju­rist*in­nen (w/m/d)

Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung , Bonn

Logo von Oberlandesgericht Celle
Rich­ter/-in (w/m/d) bzw. Staats­an­walt / -an­wäl­tin (w/m/d) im Be­zirk des...

Oberlandesgericht Celle , Bü­cke­burg

Logo von Wolters Kluwer
Le­gal En­gineer (Li­b­ra - Le­gal AI As­si­s­tant) (m/f/d)

Wolters Kluwer , Ber­lin

Logo von Landesamt für Verbraucherschutz und Ernährung NRW
Voll­ju­ris­tin / Voll­ju­rist (w/m/d) im Fach­be­reich 1.1 „Per­so­nal und...

Landesamt für Verbraucherschutz und Ernährung NRW , Reck­ling­hau­sen

Mehr Stellenanzeigen
logo lto events
Bucerius Compliance Officer 2026

22.01.2026, Hamburg

Betriebsratswahl 2026

09.12.2025

Unerlaubtes Entfernen vom Unfallort und die Folgen für die Fahrerlaubnis (5 Zeitstunden)

08.12.2025

Jahresrückblick Familienrecht Stand: Dezember 2025

08.12.2025

NEU - Vergütungsvereinbarungen optimal gestalten

08.12.2025

Mehr Events
Copyright © Wolters Kluwer Deutschland GmbH