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Abercrombie & Fitch unterliegt vor Supreme Court: Muslimin gewinnt Kopftuch-Streit

02.06.2015

Wie die New York Times berichtet, hat sich in den USA eine Muslimin vor dem Supreme Court gegen die Modekette Abercrombie & Fitch durchgesetzt. Der Modekonzern wollte die junge Frau wegen ihres Kopftuches nicht als Verkäuferin einstellen.

Die damals 17-jährige Samantha Elauf hatte sich 2008 erfolglos in einer Abercrombie-Filiale im Bundesstaat Oklahoma um eine Stelle als Verkäuferin beworben. Zwar wollte die lokale Managerin die Muslima einstellen, die Geschäftsführung untersagte ihr jedoch die Einstellung – die junge Frau passe mit ihrem Kopftuch nicht zum "Abercrombie-Stil“.

Elauf vermutete hinter der Ablehnung eine religiöse Diskriminierung und zog vor Gericht. In erster Instanz bekam sie eine Entschädigung von 20.000 Dollar zugesprochen, doch ein Berufungsgericht hob das Urteil wieder auf. Das Bezirksgericht in Denver urteilte, der Konzern könne nicht wegen Diskriminierung verantwortlich gemacht werden, weil Elauf die Firma nicht auf ihre religiösen Bedürfnisse aufmerksam gemacht habe.

Der Modekonzern hatte zuvor argumentiert, dass sämtliche Kopfbedeckungen gegen die Kleiderordnung für seine Mitarbeiter verstoßen. Zudem habe die Bewerberin gewusst, dass sie sich bei dem Job im "Abercrombie-Stil" präsentieren müsse. Vor allem aber habe Elauf im Bewerbungsgespräch nicht ausdrücklich angesprochen, dass sie aus religiösen Gründen ein Kopftuch tragen wolle. Daher könne dem Unternehmen auch keine religiöse Diskriminierung vorgeworfen werden.

Dies sahen acht von neun Richtern am US-Supreme Court nun anders und urteilten zugunsten der Kopftuchträgerin.

Es sei davon auszugehen, dass das Kopftuch "motivierender Faktor" für die Ablehnung war. Ob der Konzern über den religiösen Hintergrund der Bewerberin informiert gewesen sei, sei letztlich unerheblich. Abercrombie habe nach Überzeugung des Gerichts  "zumindest vermutet", dass Elauf das Kopftuch aus religiösen Gründen trage.

Beendet ist der Streit allerdings immer noch nicht. Der Supreme Court schickte den Fall zurück an das Berufungsgericht. Dieses muss nun erneut in der Sache entscheiden.

mbr/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

Abercrombie & Fitch unterliegt vor Supreme Court: Muslimin gewinnt Kopftuch-Streit . In: Legal Tribune Online, 02.06.2015 , https://www.lto.de/persistent/a_id/15728/ (abgerufen am: 18.06.2019 )

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Kommentare
  • 03.06.2015 07:18, Klaus

    Das Urteil hat ne ganz andere Wirkung.
    Musslime werden gar nicht mehr eingestellt, weil
    andere / bessere Bewerber vorhanden sind!

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