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Beihilfe zum Mord: StA klagt wei­tere ehe­ma­lige SS-Wach­männer an

15.11.2017

Die Staatsanwaltschaft Dortmund hat Anklage gegen zwei ehemalige SS-Wachmänner aus dem Konzentrationslager Stutthof erhoben. Ihnen wird Beihilfe zum Mord in mehreren hundert Fällen vorgeworfen.

Die Staatsanwaltschaft Dortmund hat Anklage gegen zwei ehemalige SS-Wachmänner im deutschen Konzentrationslager Stutthof bei Danzig erhoben. Ihnen werde Beihilfe zum Mord in mehreren hundert Fällen vorgeworfen, sagte Staatsanwalt Andreas Brendel am Mittwoch. Die Anklage richtet sich gegen einen 93 Jahre alten Mann aus dem Kreis Borken und einen 92 Jahre alten Mann aus Wuppertal. Auch ein Antrag zur Zulassung als Nebenkläger ging bereits ein, weitere könnten nach Einschätzung Brendels folgen, wenn das Gericht die Anklage zulässt.

Die beiden Männer haben nach Angaben der Staatsanwaltschaft zur Wachmannschaft im Konzentrationslager Stutthof gehört. Sie bestreiten, an der Tötung von Menschen beteiligt gewesen zu sein. Die Staatsanwaltschaft Dortmund ist die Zentralstelle in Nordrhein-Westfalen zur Bearbeitung von nationalsozialistischen Massenverbrechen.

Im KZ Stutthof sind laut Staatsanwaltschaft mehrere hundert Menschen in Gaskammern mit dem Giftgas Zyklon B ermordet worden. Weitere hundert Menschen seien aufgrund der Lebensverhältnisse gestorben. Wegen der schlechten Unterbringung, der mangelhaften Ernährung sowie der schweren Zwangsarbeit seien immer wieder Krankheiten ausgebrochen. Weitere hundert Gefangene seien durch Genickschüsse getötet worden. Andere habe man erfrieren lassen oder Benzin und Phenol direkt ins Herz injiziert.

Verhandungsfähigkeit könnte zum Problem werden

Die Staatsanwaltschaft wirft den beiden Männern vor, von sämtlichen Maßnahmen Kenntnis gehabt zu haben. Der 93 Jahre alte Mann aus Borken soll von Juni 1942 bis September 1944 in Stutthof gewesen sein, der 92 Jahre alte Mann aus Wuppertal zwischen Juni 1944 und Mai 1945.

In Frankfurt wurde Ende Oktober ein 96-Jähriger aus ähnlichen Gründen angeklagt. Die Entscheidung des Frankfurter Landgerichts über die Eröffnung des Hauptverfahrens steht indes noch aus.

Problematisch in den Fällen ist typischerweise die Verhandlungsfähigkeit der betagten Beschuldigten. So war zuletzt ein Verfahren gegen einen ehemaligen SS-Sanitäter vor dem LG Neubrandenburg eingestellt worden, nachdem sich der Prozess zweieinhalb Jahre hingezogen hatte. Die Staatsanwaltschaft Dortmund sah nach einer Durchsuchung der Wohnungen und der Vernehmung der Beschuldigten aber keinen Anlass für eine gutachterliche Überprüfung der Verhandlungsfähigkeit. Diese werde nun im Zuge der Klagezulassung vom Gericht überprüft.

Für Aufsehen hatte der Fall des ehemaligen SS-Mannes Oskar Gröning, der wegen Beihilfe zum Mord in mindestens 300.000 Fällen zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren verurteilt worden war.

dpa/acr/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

Beihilfe zum Mord: StA klagt weitere ehemalige SS-Wachmänner an . In: Legal Tribune Online, 15.11.2017 , https://www.lto.de/persistent/a_id/25547/ (abgerufen am: 27.11.2020 )

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Kommentare
  • 15.11.2017 17:26, Geht doch

    Dauert etwas länger. Aber geht doch.

  • 21.12.2017 14:41, ULLRICH DOBKE

    es gibt lebende US-amerikanische Völkerrechtsverbrecher und zwar bis in die höchsten Kreise. Wann wird die Justiz und die Verfolgungsbehörden da tätig? Gleichgültig, ob die USA den Internationalen Strafgerichtshof anerkennen oder nicht. Die BRD bekennt sich doch dazu und sorgt doch mit dafür, dass Verbrechen von Verbrechern gegen die Menschlichkeit und Völkerrechtsverbrecher aus Ex-Jugoslawien und afrikanischen Staaten mit Haftbefehlen gegen die Täter durchgesetzt und in fairen Prozess abgeurteilt werden.
    Was soll die erkennbare Ungleichbehandlung?